Archive for November 2008

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Parkplatzprobleme bei Hertha!!!

27. November 2008

Also, ich habe ja mit Hertha – trotz meines noch relativ jungen Alters – schon eine ganze Menge erlebt. Den Aufstieg in die erste Liga, den Abstiegskampf im ersten Jahr, die Champions League Qualifikation im zweiten Jahr. Dann die Jahre der Stagnation im Uefa-Cup, das Fast-Abstiegsjahr unter Huub Stevens und Hans Meyer und schließlich die positive Entwicklung unter Lucien Favre. In all diesen Jahren wurde häufig negativ über „meinen“ Verein berichtet (wenn man die ersten Jahre der Euphorie mal ausklammert), weil es keine positiven Meldungen gab. Hertha dümpelte als graue Maus in der Liga herum, schied regelmäßig gegen unterklassige (DFB-Pokal) oder unaussprechliche (Uefa-Cup) Gegner aus den Pokalwettbewerben und machte nur dann überregionale Schlagzeilen, als die „Ghetto-Kids“ den Verein zu übernehmen drohten.

Nun, momentan ist das ein wenig anders. Sogar die Süddeutsche Zeitung brachte ein Porträt über Pal Dardai, die Süddeutsche! Die sonst immer nur dpa- oder sid-Spielberichte abdruckte, wenn eine Berliner Mannschaft spielte. Es hat sich also irgendetwas verändert. Klar, die Mannschaft spielt für einige erstaunlich, für andere erwartet, guten Fußball. Ist Vierter der Tabelle und hat drei Spieltage vor Beginn der Winterpause die realistische Chance sich oben festzusetzen. Effizienz-Meister ist man ja schon. Warum nicht auch Herbstmeister? Nein, das kann sich nun wirklich keiner vorstellen. Außer Cicero und Raffael. Und es wäre ja schon allein deshalb fair, weil dann jemand mit seiner Prognose aber sowas von auf die Fr… gefallen wäre…Aber wenn wir mal ehrlich sind: Marcelinho hat auch ständig von der Meisterschaft gesprochen.

Es gibt allerdings ein Anzeichen dafür, dass Hertha zumindest momentan in die Spitzengruppe aufschließt. Nein, ich meine nicht die effektive Spielweise und Punktausbeute. Und ich meine auch nicht die Tatsache, dass die Verletzten langsam alle wieder zurückkehren und Lucien Favre in Zukunft sogar mal andere Spieler als den völlig ausgepumpten Lustenberger oder Domovchyiski einwechseln kann. Was ich meine, ist, dass es bei Hertha derzeit nichts Negativeres zu berichten gibt, als den „Skandal“, dass Lucien Favre den Stammparkplatz von Marko Pantelic benutzt hat.

Auch schön (und dank dieser Story wieder da): Die Hertha-Soap

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Ein Zwanziger ist keinen Pfifferling wert

24. November 2008

Was jetzt kommt, hätte hier schon längst stehen müssen. Viel früher. Und dafür hätten viele andere Dinge zurückstehen müssen. Aber ich bin bisher wirklich einfach nicht dazu kommen, meinen eigenen Kommentar zu dieser unglaublichen Geschichte zu schreiben. Das hat sich bisher nicht geändert und wenn ich ehrlich bin, schreibe ich diesen Eintrag hier nur deshalb, weil ich eigentlich ein Referat, mindestens zwei Artikel für die Uni-Zeitung und einen Vortrag über Partizipativen Journalismus vorbereiten müsste. Ich prokastriniere sehr gut.

Aber weil ich weiß, dass die meisten meiner Leser den Fall nicht mitbekommen haben werden, spreche ich heute, statt eines Kommentars, nur eine Leseempfehlung, ach was sag ich, einen Lesebefehl aus. Jens Weinreich, eines meiner – das kann ich ruhig so sagen – Vorbilder, was kritischen Sportjournalismus angeht, wurde von DFB-Präsident Theo Zwanziger verklagt. Weinreich nannte Zwanziger in dem Weblog Direkter Freistoß einen „unglaublichen Demagogen“, weil dieser auf einer Tagung das Kartellamt für den Wettbewerbsnachteil des Deutschen Fußballs zu den europäischen Top-Ligen verantwortlich gemacht hat.

Weinreich hat den gesamten Vorgang inklusive nahezu aller bisher erschienenen Artikel in allen möglichen Medien in seinem Blog dokumentiert. Wenn ihr mal ein paar Stunden Zeit habt oder diese investieren wollt, um mal zu sehen, was es heißt, wenn ein Funktionär „Kommunikationsherrschaft“ anstrebt, dann müsst ihr das einfach lesen. Und wenn nicht, auch!

Wegweiser durch den Lügendschungel

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Des einen Leid ist des anderen Freud

18. November 2008

Wahrscheinlich ist sich Marko Pantelic seiner Außenwirkung gar nicht bewusst. Der Serbe war ja einmal die Identifikationsfigur von Hertha BSC und es ist schon bemerkenswert wenn das Team, das ohne ihn angeblich offensiv Nichts zustande bringt, ohne ihn offensiv plötzlich Einiges zustande bringt. Immer öfter sogar Einiges mehr als mit ihm. Marko Pantelic stand am Samstag in der frühwinterlichen Kälte des Olympiastadions – die wärmende Mütze über sein mit den charakteristischen langen Haaren geschmücktes Haupt gestülpt – und sah nun schon zum wiederholten Male, wie sich sein Team dort unten von ihm befreite, sich von ihm los sagte, ja, ihn betrug.

Zum ersten Mal hatte sich diese Entwicklung beim Bundesliga-Duell mit dem VfB Stuttgart angedeutet als Hertha – mit Pantelic auf der Bank – den VfB 1:2 nach Hause schickte. Kurze Zeit später meldete sich der 29-Jährige – er selbst würde es wohl „triumphal“ nennen – mit einem Traumtor im Uefa-Cup gegen Benfica Lissabon zurück. Doch als er kurze Zeit später gegen die TSG Hoffenheim verletzt ausgewechselt wurde,  erst da (!) erzielte Andrey Woronin den Siegtreffer.

An diesem Samstag nun sah Marko Pantelic also den 2:1-Erfolg seiner (?) Mannschaft gegen den Hamburger SV. Hätten ihn die Fernsehkameras rund um die Uhr verfolgt, sie hätten wahrscheinlich einen Fußballer gezeigt, der auf dem Boden nach den ihn aus dem Gesicht gefallenen Gesichtszügen sucht. Pantelic merkt so langsam, dass seine Gehaltsvorstellungen pünktlich zu den entscheidenden Verhandlungen nicht mal mehr diskutabel sind. Sie sind utopisch, weil der Rechtsfuß nicht mehr die herausragende Stellung in der Mannschaft hat, wie noch vor ein paar Monaten.

Den größten Anteil an dieser Entwicklung hat Lucien Favre. Der Schweizer Trainer machte von Anfang an keinen Hehl daraus, dass er von einem Spieler, der keinen linken Fuß hat, nicht allzu viel hält. Weil Favre aber zunächst weder den nötigen Erfolg, noch das volle Vertrauen von Manager Hoeneß hatte, traute er sich nicht, den bei den Fans beliebten Torjäger aus dem Kader zu streichen – zumal Pantelic in der vergangenen Saison Herthas einziger verlässlicher Torjäger war. So begann eine Phase der Duldung – in eine höhere Wertschätzungskategorie schaffte es Pantelic bei Favre nie. Der Coach nahm jede Undiszipliniertheit Pantelics mit Genugtuung zur Kenntnis und sah dabei zu, wie sich sein Team mehr und mehr vom einstigen Führungsspieler emanzipierte. Vor diesem Hintergrund ist es fast verwunderlich und Pantelic hoch anzurechnen, dass er überhaupt noch für Hertha Leistung zeigte. Er selbst betonte stets, dass er für den Verein immer alles geben werde und lobte Manager Hoeneß bei jeder Gelegenheit. Natürlich wusste Pantelic, dass Hoeneß in schwachen Zeiten sein einziger Befürworter sein würde und – was vielleicht wichtiger war – der Mann, der Favres Engagement würde beenden können. Deshalb machte Pantelic gute Miene zum bösen Spiel, rieb sich für das Team auf und stieg bei den Fans zum unumstrittenen Liebling auf. Favres Meinung blieb allerdings auch nach überragenden Spielen bestehen. Er verpflichtete zur neuen Saison Angreifer Amine Chermiti und hätte sich der tunesische Superstar nicht im Zuge der vorsaisonalen Uefa-Cup-Tour verletzt, er wäre wohl neben Raffael im Sturmzentrum gesetzt gewesen. Diesen Part hat nun – nach dem ersten Saisondrittel – Andrey Woronin übernommen. Pantelic steht außen vor. Und weiß das ganz genau.

Anders sind seine Reaktionen auf das Spiel seiner Mannschaft am Samstag nicht zu erklären. Keine Freude, kein Zucken in den Mundwinkeln, nur mechanisches, apathisches Klatschen. Marko Pantelic sieht seine schon sicher geglaubten Felle in Berlin davon schwimmen. Und er ist nicht der Einzige. Denn es saß an diesem Samstag auch ein Mann auf der Tribüne, der sich mehr als je zuvor über diese Entwicklung freute. Weil er im Fall Pantelic alles richtig gemacht hat. Dieser Mann hieß nicht (nur) Lucien Favre. Sondern Dieter Hoeneß.

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Mal wieder sachlich

15. November 2008

Berlin – Hertha BSC hat auch das zweite Spitzenspiel in Folge für sich entscheiden können. Nach dem 1:0 gegen die TSG Hoffenheim am vergangenen Spieltag ließen die Berliner ein 2:1 gegen den Hamburger SV folgen und stehen in der Tabelle nun auf dem vierten Tabellenplatz.

Hertha-Trainer Lucien Favre musste im Vergleich zum Erfolg gegen Hoffenheim verletzungsbedingt auf Marko Pantelic verzichten. Für den Torjäger rückte sein serbischer Landsmann Gojko Kacar ins Team. HSV-Coach Martin Jol stellte sein Team nach dem Vorwochen-Erfolg gegen Borussia Dortmund (2:1) auf zwei Positionen um. Jansen und Demel  liefen statt Aogo und Benjamin ins mit  52.000 Zuschauern gefüllte Olympiastadion ein.

Dort gab es kein langes Abtasten, im Gegenteil: Zunächst hätte Woronin nach Vorarbeit von Nicu die Hertha-Führung erzielen müssen (8.). Auf der anderen Seite machte es HSV-Stürmer Petric dann um einiges besser. Nach einem Einwurf von Ex-Herthaner Boateng verschätzten sich die Innenverteidiger Friedrich und Simunic im Kollektiv, sodass Petric den Ball kurz annehmen und dann per Fallrückzieher im Tor unterbringen konnte (12.). Ein Schock für die Berliner, die bis auf einen Fernschuss von Chahed kurz vor der Halbzeit keine gefährlichen Aktionen mehr zustande brachten. Der HSV blieb dagegen immer gefährlich.

Das änderte sich kolossal nach dem Wiederanpfiff. Die Berliner hatten ihre Zurückhaltung aus Hälfte Eins in der Kabine gelassen und nutzten ihre erste Chance sofort zum Ausgleich. Nach einer Chahed-Flanke hielt Cicero den Kopf hin – 1:1 (46.). Doch damit nicht genug. Nur zwei Minuten später wurde der für Raffael eingewechselte Domovchiyski von Nicu bedient – 2:1 (48.). Was für ein Auftakt. Danach verwaltete Hertha die Führung im Stile einer Spitzenmannschaft, ließ den HSV laufen und hinten kaum mehr als zwei Fernschüsse von Trochowski (70.) und Petric (74.) zu, die einmal am Außennetz und einmal in Drobnys Armen landeten. Auf der anderen Seite hätte Woronin seine gute Leistung mit einem Tor krönen können, scheiterte nach Ablage von Domovchiyski aber an HSV-Keeper Rost. In der Nachspielzeit wurde es dann noch einmal eng, als die Hamburger mit dem Mut der Verzweiflung anrannten und Pitroipa sogar noch einmal die Latte traf (90.). Zu mehr reichte es am Ende aber nicht mehr.

Hertha: Drobny – Stein, Simunic, Friedrich, Chahed – Cicero, Dardai, Kacar (90. Lustenberger), Nicu – Raffael (46. Domovchiyski), Woronin (90. Ebert)

Hamburg: Rost – J. Boateng (60. Pitroipa), Reinhardt, Mathijsen, Jansen – Demel, A. Silva – Trochowski (75. Guerrero), Jarolim (81. Aogo) – Olic, Petric

Tore: 0:1 Petric (12.), 1:1 Cicero (46.), 2:1 Domovchiyski (48.)

Zuschauer: 52.000

Gelbe Karten: Kacar, Dardai, Simunic, Chahed – Jarolim, Boateng

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Sieben kleine Iserlohner

10. November 2008

Manchmal bin ich selber erstaunt, wie lange ich schon Fußball spiele. Es war irgendwann im Sommer 1990, ich war fünf Jahre alt und ein bisschen schüchtern. Ok, ein bisschen ist untertrieben. Ich stand – so erzählen es alle, die dabei waren – während der gesamten Trainingseinheit am Gitterzaun hinter dem Tor und traute mich nicht, mitzuspielen. So, jetzt ist es raus. Das Ganze ist mehr als 18 Jahre her, in denen ich ununterbrochen Fußball gespielt habe. Wie ich am vergangenen Wochenende feststellte, hat diese Zeit nicht gereicht, um jede Regel dieses wunderschönen Spiels zu kennen. Dabei hielt ich mich für kundig. Nunja…

Wie bereits mehrfach in diesem Blog erwähnt, spiele ich mittlerweile in einem kleinen sympathischen Klub namens „Holzpfosten Schwerte„. Keine Freizeitmannschaft, aber – wie man bei uns sagen würde – Totenliga. Allerdings laufen wir wesentlich schneller über den Platz, schießen wesentlich mehr Tore und sind vermutlich auch erfolgreicher, als es Zombies und die meisten gegnerischen Teams aus unserer Liga jemals könnten. Dass man in diesen unteren Liga mitunter bizarre Spiele erlebt, davon hatte ich bereits in Berlin ab und an gehört. Als ich noch in der B-Jugend spielte, war unsere Männermannschaft z.B. als das schlechteste Team Deutschlands jeden Montag im Sat1-Frühstücksfernsehen zu sehen. Und aktuell hat sich Inter Bochum via SternTV,Bild.de, anderer Medien und irgendwann bestimmt auch dreistelligen Niederlagen auch überregional zu einer Prominenz ge-niederlagt. Es gibt eben wirklich kuriose Dinge im Fußball.

Trotzdem musste ich 18 Jahre lang spielen, um solch ein besonderes Spiel auch einmal mitzuerleben. Als wir mit den Holzpfosten am Sonntag beim FC Mladost Iserlohn antreten sollten, deutete sich schon beim Warmmachen an, dass auf diesem Schotterplatz kein ernstzunehmendes Fußball-Spiel stattfinden würde. Denn auch fünf Minuten vor dem Anpfiff war der Gegner noch nicht draußen, um sich warm zu machen. Irgendwann drang es zu uns auf den Platz durch, dass Mladost nur sieben Spieler zusammen habe. Sieben Spieler? Soviel wusste ich, damit könnte das Spiel angepfiffen werden. Mladost wusste das offenbar auch. Was aber viel wichtiger für sie war: Hätten sie zum Anpfiff keine sieben Spieler aufbieten können, wäre eine Verbandsstrafe fällig geworden. Doch Mladost lief auf. Woher sie diese Spieler auch immer hatten – vermutlich hätte eine genauere Nachfrage des Schiedsrichters bei der Passkontrolle die anschließende und denkwürdige Farce verhindert.

So begann das Spiel. Wir, fast in Besetzung, nur Phillip Oldenburg fehlte aus beruflichen Gründen, gegen sieben wackere Iserlohner. Es sind mit Sicherheit nicht solche Spiele, für die man am freien Sonntag früh aufsteht, um rechtzeitig auf irgendeinem entweder staubigen oder matschigen Platz zu stehen. Zumal in der Kreisliga immer die Gefahr besteht, dass der Gegner EINEN starken Spieler hat, der alle Tore erzielt. Deshalb gingen wir mit der Devise in die ersten Minuten, den Gegner auf keinen Fall zu unterschätzen. Da hatten wir allerdings noch nicht mit dem nunja, engagierten Schiedsrichter gerechnet.

Wir gingen ziemlich schnell mit 1:0 in Führung, was mich persönlich beruhigte, weil ich – bis auf das was dann kommen sollte – schon eine ganze Menge erlebt habe. Wir spielten auch danach eigentlich einen guten Ball, doch ins Tor wollte dieser danach zunächst für ein paar Minuten nicht mehr. Das lag einerseits am schon erwähnten Schiedsrichter, der wirklich in unglaublicher Penetranz jeden auch nur ansatzweise abseitsverdächtigen Pass abpfiff und andererseits an unserer Unfähigkeit diese „Abseitsfalle“ zu umgehen. So dauerte es fast 10 Minuten bevor wir endlich wieder trafen – ich glaube durch einen Alleingang. Mit dem 2:0 war Mladost dann jedenfalls endgültig geschlagen. Die Gegenwehr wurde – mit Ausnahme des hochmotivierten Torwarts und des langbeinigen Stoßstürmers – immer geringer. Bis zum Stande von 6:0.

Denn von da an wurde das Lied der „Zehn kleinen Negerlein“ auf den Fußballplatz adaptiert. Nach und nach verabschiedete sich ein Spieler nach dem anderen, griff sich dabei an den Oberschenkel, die Wade oder den Fuß. Schon nach dem ersten vom Platz gehenden Iserlohner kam mir in den Sinn, dass der Schiedsrichter das Spiel doch jetzt eigentlich hätte abbrechen müssen. Nach meinem unzureichenden Regelverständnis jedenfalls. Und auf der Playstation ist nach der vierten rote Karte auch immer Schluss gewesen. Doch so einfach ist das gar nicht. Denn wirklich erfasst ist dieser Fall in den Regeln gar nicht.

Die Regel, dass jedes Team zu Beginn des Spiels mindestens sieben Spieler aufbieten muss, habe ich bereits erwähnt. Das Internationale F.A. Board (IFAB), also diese Organisation die für die internationalen Fußballregeln zuständig ist, ist danach folgender Ansicht:

Unterschreitet ein Team diese Mindestanzahl von sieben Spielern, weil einer oder mehrere Spieler das Spielfeld absichtlich verlassen haben, ist der Schiedsrichter nicht verpflichtet, das Spiel zu unterbrechen, und darf auf Vorteil entscheiden. Bei der nächsten Spielunterbrechung darf der Schiedsrichter die Partie nicht fortsetzen, wenn ein Team nicht mehr über die erforderlichen sieben Spieler auf dem Feld verfügt.

Soviel zur Empfehlung des IFAB. Denn über eine Mindestanzahl an Spielern entscheiden die einzelnen Mitgliedsverbände selbst. Und der DFB hat sich für folgendem Passus entschieden:

Bei weniger als sieben Spielern ist das Spiel auf Wunsch des Spielführers abzubrechen, wenn das Ergebnis für den Gegner lautet.

Tja, der Spielführer von Mladost wollte aber nicht, dass das Spiel abgebrochen wird. Also lief es weiter. 11 gegen 6. 11 gegen 5. 11 gegen 4. 11 gegen 3. 11 gegen 2. Als nur noch der Torwart und der langbeinige Stürmer auf dem Platz stand, hatte der Schiedsrichter dann aber doch ein Einsehen und brach das Spiel mit der Begründung ab, dass beim Anstoß zwei Spieler im Mittelkreis und ein Torwart im Tor stehen müsse. So eine Regel habe ich zwar nicht gefunden (kennt sie jemand?). Froh darüber, dass dieses Trauerspiel nach etwas mehr als einer halben Stunde und beim Stande von 9:0 beendet wurde, war ich aber trotzdem.

Spielbericht in den RuhrNachrichten + 1. Nachbericht (weitere Folgen)

Spielbericht in der WestfälischenRundschau

Nochmal zusätzlich lustig wird die Sache, weil – und das ist wirklich kein Witz – Sat1 am Mittwoch beim Training vorbeikommen wird, um einen Beitrag über das Spiel zu drehen.

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Bundesliga am Sonntag live

9. November 2008

Heute mal wieder ein Liveblog von den Bundesligaspielen am Sonntag. Besonderes Augenmerk liegt bei mir natürlich auf dem Spiel der Hertha gegen das „Wunder“ aus Hoffenheim. Ich bin sehr gespannt, welche taktischen Vorgaben Lucien Favre seiner Mannschaft mit auf den Rasen geben wird. Das eigene Spiel dem Gegner aufzudrücken ist denke ich – mit Verlaub – heute keine gute Idee. Hertha braucht einen Drobny in Bestform (vorhanden, solange die Wade nicht zu macht), eine am besten fehlerlose Abwehrreihe (wie zuletzt in Kharkov oder am ersten Spieltag in Frankfurt), ein spielstarkes Mittelfeld (das würde bedeuten, dass Dardai draußen bleibt), ballsichere Außenspieler (ist Ebert wieder fit?) und treffsichere Stürmer (am besten Pantelic, Voronin UND Raffael!) – achja, und ein einbrechendes Hoffenheim 😉

Außerdem im Liveblog: Schalke – Bayern (mal wieder die Frage, wer die Spitzenmannschaft ist) und Frankfurt – Stuttgart (hätte fast Not gegen Elend geschrieben…ups, jetzt ist es doch rausgerutscht).

Viel Spaß – los gehts kurz vor 17.00 Uhr.

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Keine Spitzenmannschaft

2. November 2008

Eindeutiger hätte Werder Bremen die Frage aus dem vorangegangenen Post nicht beantworten können. 5:1 – ein Ergebnis, dass sich die Bremer nach den ernüchternden Ergebnissen der letzten Wochen wohl selbst nicht zugetraut hätten. Hertha machte es dem Gegner allerdings auch alles andere als schwer. Aber der Reihe nach.

Das Unheil begann bereits bei Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellung. Die Verletzung von Jaroslav Drobny machte die Runde im Weserstadion und mit ihr auch der Name Christopher Gäng. Die eigentliche Nummer Drei von Hertha war plötzlich die Nummer Eins und sollte gegen den besten Sturm der Liga sein Bundesliga-Debüt geben. Dass das für einen 20-Jährigen nicht zwangsläufig ein Reinfall sein musste, hatte man auf Schalke bei Manuel Neuer (und bei Neuers Verletzung auch bei Ralf Fährmann), aber auch in Leverkusen mit Rene Adler und bei Florian Fromlowitz von Hannover 96 gesehen. Die junge deutsche Torhüter-Generation macht ihrem Ruf alle Ehre, doch irgendwie scheint Christopher Gäng, ein Mannheimer, nicht mit dem Trend gehen zu wollen. Den ersten Schuss – normalerweise für einen Torhüter richtungsweisend – hielt er fest. Doch Sicherheit gab ihm diese Aktion nicht. Im Gegenteil.

14 Minuten waren gespielt, als Bremens nach Verletzungspause zurückgekehrter Spielmacher Diego eine Ecke mit Drall in Richtung Tor schlug. Gäng ging zum Ball, verfehlte ihn und Gojko Kacar war so überrascht davon, dass selbst ein Völkerball-Profi sich nicht mehr aus der Flugbahn hätte werfen können – Bremen profitierte vom Eigentor des Serben und führte 1:0. Ein ungewöhnliches Gefühl für die Herthaner. Denn in dieser Saison hat die Mannschaft von Lucien Favre nur einmal im fremden Stadion zurückgelegen: Beim 1:4 in München. Der einzigen Auswärts- und bis dahin höchsten Saisonniederlage.

Doch da war ja noch die Verunsicherung der Heimmannschaft, die im gesamten Oktober sieglos geblieben war und nur vier Tage zuvor an gleicher Stelle Bayer Leverkusen mit 0:2 den Vortritt lassen musste. Würde sie sich am ersten Novembertag fortsetzen? Oder würde das Geschenk von Gäng die alte Bremer Torgefährlichkeit – ihre Spielfreude und Durchsetzungskraft, all das was diese Mannschaft von Thomas Schaaf in den letzten Jahren und auch zu Beginn dieser Saison ausgemacht hat – nun wieder emporkommen? Nun, es kam. Und wie. Mesut Özil, der Linksfuß, der die Verletzungsphase von Diego für Werbung in eigener Sache genutzt hatte, lupfte dem mit dem Rücken zum Tor stehenden Brasilianer den Ball genau auf den Fuß, von wo sich Diego drehte und den Ball in den Winkel zauberte. Das 2:0 in der 20. Minute und zugleich der Einbruch des letzten Berliner Widerstandes.

Der Rest war eine Demontage, die die in den letzten Wochen aufgrund der erstaunlichen Punkteausbeute gestiegenen Ansprüche im Berliner Umfeld auf Normalmaß zurückstutzen sollte. Rosenberg und zweimal Pizarro erhöhten auf das bekannte Ergebnis, lediglich Cicero störte die Auferstehungs-Party im Wederstadion mit seinem zwischenzeitlichen 4:1. Christopher Gäng versuchte zu diesem Zeitpunkt immer noch, nicht das gleiche Schicksal wie Herthas letzte Nummer Zwei zu erleiden. Als Christian Fiedler genau wie heute verletzt war und Jaroslav Drobny noch in Bochum spielte, da durfte der Däne Kevin Ellegaard für zwei Spiele das Tor der Berliner hüten. Nach wenigstens einem ordentlichen Spiel gegen den VfL Wolfsburg (2:1), folgte eine 0:5-Niederlage in Hannover. Fünf Gegentore in einem Spiel – das war das Ende seiner Zeit in Berlin. Ellegaard steht mittlerweile in seiner Heimat für Randers FC zwischen den Pfosten.

Die Rückkehr zu seinem Ex-Klub Waldhof Mannheim steht für Gäng zwar in nächster Zeit noch nicht auf dem Programm – er hat Vertrag bis 2010 – aber Lucien Favre wird in der Vorbereitung auf das Sonntags-Duell mit dem Tabellenführer aus Hoffenheim wohl einen Ausflug in die Gedächtniskirche unternehmen, um einen Kerze für die Genesung Drobnys anzuzünden. Die torhungrigen Ibisevics, Obasis und Bas werden sich nicht für die Karriere eines jungen Torhüters interessieren. Und wenn Christian Fiedler im Februar wieder zurück ist, wird es für Gäng ohnehin schwer, sich noch einmal zu zeigen. Jedenfalls haben im Bremer Weserstadion ja schon so manche erfolgreiche Profi-Karrieren ihren Anfang genommen (Ailton, Frings, Pizarro) oder ihre Fortsetzung gefunden (Diego, Micoud, Pizarro). Welchen Lauf die noch junge von Christopher Gäng nehmen wird, hat sich nicht heute entschieden. Der Saisonverlauf seines Vereins könnte mit diesem 1:5 allerdings einen entscheidenden Knacks bekommen haben. Wie sagte Bremens Tim Wiese nach dem Spiel? „Der Sieg gibt uns Selbstvertrauen für den Kampf um die oberen Plätze.“ Herthas Arne Friedrich hatte vor dem Spiel dagegen gesagt: „Wir werden in der Öffentlichkeit gerade etwas überschätzt.“ Insofern war das Ergebnis folgerichtig. Und Hertha bleibt der Aufbaugegner Nummer Eins.

Dazu passend schreibt der Berliner Kurier: Wenn du eine Krise beenden willst, spiele einfach gegen Hertha BSC.

Meine Bild-Schlagzeile wäre übrigens gewesen: Gäng-Bäng – Bremen knallt Hertha weg