Posts Tagged ‘Bremen’

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Neue Sterne am Berliner Himmel

21. April 2009

Marko Pantelic liebt den großen Auftritt. Er gehört zu der Sorte, die extra spät auf einer Party erscheinen, um die Aufmerksamkeit für sich alleine zu haben. Wenn dann jemand noch später kommt, akzeptiert er das zwar, würde ihn aber indirekt beschuldigen, seine Idee geklaut zu haben. Marko Pantelic ist eigentlich ein Mann des Theaters. Vielleicht will er auch deshalb so gerne in Berlin bleiben, weil das Olympiastadion mit seinem speziellen Flutlicht genau diese Theateratmosphäre hervorrufen soll. Der Rasen ist die Bühne des Serben. Das Problem ist nur, dass er lange Zeit nur noch die Zweitbesetzung der Hauptrolle war.

Doch nun, am Sonntagnachmittag, bekam er seine Chance. Nicht als Aushilfe, nein, so richtig als Hauptdarsteller von Beginn an. Die Erstbesetzung hatte sich bei der letzten Aufführung arg daneben benommen. Die Bühne war frei, nur für ihn. Marko Pantelic liebt solche Geschichten und auch die Fans lieben sie. Die Situation war wie gemalt für ihn. Mit ein, zwei zusätzlichen Pinselstrichen hätte er das von Andrey Voronin und dem Rest der Mannschaft begonnene Gemälde derartig verschönern können, dass am Ende sein Name am größten am rechten unteren Rand zu sehen gewesen wäre. Drei Spiele, Bremen eingeschlossen, würde Voronin der Mannschaft fehlen. Drei Aufführungen Zeit für Marko Pantelic, den Fans das bereits geplante, aber nie realisierte Denkmal wieder in Erinnerung zu rufen, die verstaubte Blaupause wieder aus der Schublade zu holen.

Pantelic war sich dessen bewusst. Doch die Erwartungen der Fans und auch seine eigenen an sich schienen ihn zu hemmen. Nicht, dass er sich nicht bemüht hätte. Doch Bemühen allein reicht eben nicht – vor allem nicht im Theater. Folgerichtig wurde er zu Beginn des dritten Akts von Regisseur Favre vom Feld genommen und durch die Dritt- und Viertbesetzung ausgetauscht. Die Kritiken waren zurecht schlecht, auch wenn die Zuschauer im Theater das anders sahen. Aber sie wussten ja auch nicht, wie Favres Plan für den letzten Akt aussah.

Als Pantelic vom Platz ging, gab es die für das dramatische Theater typische Wendung. Neue Protagonisten treten auf den Plan und verändern das bisher Geschehene in eine wie auch immer geartete Richtung. In Herthas Fall in Richtung Happy End. Domovchyiski, Piszczek und Chermiti drehten das Spiel mit dem Schwung, den sie von der Bank mitbrachten. Aus einer schlechten Aufführung und einem unzufriedenen Publikum machten sie einen Kassenschlager. Piszczek, der vor seinen zahlreichen Verletzungen schon ansatzweise zeigte, wie er das Ensemble mit seiner überragenden Technik in eine andere Liga heben kann (und der gegen Bremen noch nicht einmal die Hälfte davon zeigen musste). Domovchiyiski, der mit seiner Dynamik und der für bulgarische Fußballer typischen Mischung aus Lässigkeit und Eleganz den Gegner schwindelig spielen kann. Und nur deshalb zuletzt, weil er den letzten Akt am meisten prägte: Chermiti, der Tunesier, der erst einmal ein paar Monate brauchte, um zu realisieren, dass er in Deutschland so bekannt ist, wie Mark Stein in Tunesien und allein durch seine Art Fußball zu spielen die Aufmerksamkeit auf sich lenken muss.

Er tat es in beeindruckender Art und Weise. Dass Chermiti schnell ist, wusste man. Dass er sich technisch nicht zu verstecken braucht auch. Aber irgendwie schwang bei dem erst 21-Jährigen immer eine unangenehme Art von Arroganz mit, die so gar nicht zu der Mentalität des schweizer Regisseurs bei Hertha zu passen schien. In der Wintervorbereitung fiel Chermiti vor allem dadurch auf, dass er bei einem Vorbereitungsturnier in Manier eines Francesco Totti einen Elfmeter genau in die Arme des Torwarts „chippte“. Das war typisch für seine Situation, denn so ein Ball geht in 90% der Fälle ins Tor. In 90% der Fälle fiel Amine Chermiti der Erfolg in den Fuß. In Berlin musste er dafür plötzlich hart arbeiten. Er tat es. Und wie es aussieht, wird er nun dafür belohnt. Wie er vor dem Siegtreffer von Raffael dem Brasilianer Naldo den Ball abluchste, war zwar eigentlich regelwidrig, aber vor allem verdammt clever. Chermiti erzwang das Glück, nachdem zuvor Cicero und dann er selbst per Kopf nur den Pfosten getroffen hatten und der Rückstand durch ein halbes Eigentor zustande gekommen war. Genau das war es, was den Herthanern bei den letzten drei Niederlagen in Folge gefehlt hatte. Und eben nicht Marko Pantelic.

Pantelics Chance auf sein Denkmal – so sehr ich es ihm gönnen würde – sind weiter gesunken. Am Himmel von Berlin zeichnen sich dafür langsam neue Sterne ab.

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Keine Spitzenmannschaft

2. November 2008

Eindeutiger hätte Werder Bremen die Frage aus dem vorangegangenen Post nicht beantworten können. 5:1 – ein Ergebnis, dass sich die Bremer nach den ernüchternden Ergebnissen der letzten Wochen wohl selbst nicht zugetraut hätten. Hertha machte es dem Gegner allerdings auch alles andere als schwer. Aber der Reihe nach.

Das Unheil begann bereits bei Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellung. Die Verletzung von Jaroslav Drobny machte die Runde im Weserstadion und mit ihr auch der Name Christopher Gäng. Die eigentliche Nummer Drei von Hertha war plötzlich die Nummer Eins und sollte gegen den besten Sturm der Liga sein Bundesliga-Debüt geben. Dass das für einen 20-Jährigen nicht zwangsläufig ein Reinfall sein musste, hatte man auf Schalke bei Manuel Neuer (und bei Neuers Verletzung auch bei Ralf Fährmann), aber auch in Leverkusen mit Rene Adler und bei Florian Fromlowitz von Hannover 96 gesehen. Die junge deutsche Torhüter-Generation macht ihrem Ruf alle Ehre, doch irgendwie scheint Christopher Gäng, ein Mannheimer, nicht mit dem Trend gehen zu wollen. Den ersten Schuss – normalerweise für einen Torhüter richtungsweisend – hielt er fest. Doch Sicherheit gab ihm diese Aktion nicht. Im Gegenteil.

14 Minuten waren gespielt, als Bremens nach Verletzungspause zurückgekehrter Spielmacher Diego eine Ecke mit Drall in Richtung Tor schlug. Gäng ging zum Ball, verfehlte ihn und Gojko Kacar war so überrascht davon, dass selbst ein Völkerball-Profi sich nicht mehr aus der Flugbahn hätte werfen können – Bremen profitierte vom Eigentor des Serben und führte 1:0. Ein ungewöhnliches Gefühl für die Herthaner. Denn in dieser Saison hat die Mannschaft von Lucien Favre nur einmal im fremden Stadion zurückgelegen: Beim 1:4 in München. Der einzigen Auswärts- und bis dahin höchsten Saisonniederlage.

Doch da war ja noch die Verunsicherung der Heimmannschaft, die im gesamten Oktober sieglos geblieben war und nur vier Tage zuvor an gleicher Stelle Bayer Leverkusen mit 0:2 den Vortritt lassen musste. Würde sie sich am ersten Novembertag fortsetzen? Oder würde das Geschenk von Gäng die alte Bremer Torgefährlichkeit – ihre Spielfreude und Durchsetzungskraft, all das was diese Mannschaft von Thomas Schaaf in den letzten Jahren und auch zu Beginn dieser Saison ausgemacht hat – nun wieder emporkommen? Nun, es kam. Und wie. Mesut Özil, der Linksfuß, der die Verletzungsphase von Diego für Werbung in eigener Sache genutzt hatte, lupfte dem mit dem Rücken zum Tor stehenden Brasilianer den Ball genau auf den Fuß, von wo sich Diego drehte und den Ball in den Winkel zauberte. Das 2:0 in der 20. Minute und zugleich der Einbruch des letzten Berliner Widerstandes.

Der Rest war eine Demontage, die die in den letzten Wochen aufgrund der erstaunlichen Punkteausbeute gestiegenen Ansprüche im Berliner Umfeld auf Normalmaß zurückstutzen sollte. Rosenberg und zweimal Pizarro erhöhten auf das bekannte Ergebnis, lediglich Cicero störte die Auferstehungs-Party im Wederstadion mit seinem zwischenzeitlichen 4:1. Christopher Gäng versuchte zu diesem Zeitpunkt immer noch, nicht das gleiche Schicksal wie Herthas letzte Nummer Zwei zu erleiden. Als Christian Fiedler genau wie heute verletzt war und Jaroslav Drobny noch in Bochum spielte, da durfte der Däne Kevin Ellegaard für zwei Spiele das Tor der Berliner hüten. Nach wenigstens einem ordentlichen Spiel gegen den VfL Wolfsburg (2:1), folgte eine 0:5-Niederlage in Hannover. Fünf Gegentore in einem Spiel – das war das Ende seiner Zeit in Berlin. Ellegaard steht mittlerweile in seiner Heimat für Randers FC zwischen den Pfosten.

Die Rückkehr zu seinem Ex-Klub Waldhof Mannheim steht für Gäng zwar in nächster Zeit noch nicht auf dem Programm – er hat Vertrag bis 2010 – aber Lucien Favre wird in der Vorbereitung auf das Sonntags-Duell mit dem Tabellenführer aus Hoffenheim wohl einen Ausflug in die Gedächtniskirche unternehmen, um einen Kerze für die Genesung Drobnys anzuzünden. Die torhungrigen Ibisevics, Obasis und Bas werden sich nicht für die Karriere eines jungen Torhüters interessieren. Und wenn Christian Fiedler im Februar wieder zurück ist, wird es für Gäng ohnehin schwer, sich noch einmal zu zeigen. Jedenfalls haben im Bremer Weserstadion ja schon so manche erfolgreiche Profi-Karrieren ihren Anfang genommen (Ailton, Frings, Pizarro) oder ihre Fortsetzung gefunden (Diego, Micoud, Pizarro). Welchen Lauf die noch junge von Christopher Gäng nehmen wird, hat sich nicht heute entschieden. Der Saisonverlauf seines Vereins könnte mit diesem 1:5 allerdings einen entscheidenden Knacks bekommen haben. Wie sagte Bremens Tim Wiese nach dem Spiel? „Der Sieg gibt uns Selbstvertrauen für den Kampf um die oberen Plätze.“ Herthas Arne Friedrich hatte vor dem Spiel dagegen gesagt: „Wir werden in der Öffentlichkeit gerade etwas überschätzt.“ Insofern war das Ergebnis folgerichtig. Und Hertha bleibt der Aufbaugegner Nummer Eins.

Dazu passend schreibt der Berliner Kurier: Wenn du eine Krise beenden willst, spiele einfach gegen Hertha BSC.

Meine Bild-Schlagzeile wäre übrigens gewesen: Gäng-Bäng – Bremen knallt Hertha weg

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Spitzenteam oder nicht?

31. Oktober 2008

Was hat diese Saison nicht schon alles zu erzählen? Von strahlendem Offensiv-Fußball von Aufsteiger Hoffenheim. Von zu Beginn kriselnden und langsam Fahrt aufnehmenden Bayern. Von Leverkusenern, die mit junger Mannschaft und jungem Trainer schönen und zugleich erfolgreichen Fußball zelebrieren. Von Schalkern, die mit Nationalmannschafts-Frührentner Kuranyi mal sehr und mal gar nicht zufrieden sind. Die Liste könnte noch dreizehnfach weitergeführt werden. Jede Bundesligamannschaft hat in diesem Jahr ihre positiven und negativen Geschichten. Und meistens sind es andere, als noch im letzten Jahr. Wenn man die Presse allerdings nach Berichten über Hertha BSC absucht, findet man eigentlich immer nur einen Namen: Marko Pantelic.

Es kommt nicht von irgendwoher, dass es meistens in diesem Zusammenhang heißt: „Ohne Pantelic ist bei Hertha vorne doch gar nichts los.“ Und zehn Tore in 14 Pflichtspielen sprechen auch eine deutliche Sprache, obwohl man hinzufügen muss, dass der Serbe in neun Bundesligapartien bisher „nur“ dreimal getroffen hat und vier der zehn Treffer aus der ersten und zweiten Uefa-Cup-Qualifikationsrunde stammen. Ganz so treffend wie auf jeden Fall noch in den letzten Jahren ist dieses Argument also nicht mehr. Und mit nur einem guten Stürmer steht man nach zehn Spieltagen eben auch nicht auf Platz Fünf.

Ja, manche müssen jetzt vielleicht nochmal eben die Tabelle überprüfen (HIER z.B.), aber es ist Fakt: Hertha spielt bisher eine überraschend starke Saison. Nicht umsonst erkor der sonst eher zurückhaltende Tagesspiegel die Mannschaft von Lucien Favre in der Ausgabe vom 30. Oktober zur Spitzenmannschaft. Doch bevor die gleichen Kritiker, die oben wirklich nochmal nach der Tabelle schielen mussten, jetzt einwerfen, dass Hertha sich da oben ohnehin nicht halten werde und deshalb alle Euphorie verfrüht und unangebracht ist, muss tatsächlich zunächst einmal auf die Bremse getreten werden. Ja, Hertha hat erst zwei Saisonspiele verloren (Bayern, Cottbus). Aber die wirklichen Gradmesser kommen erst noch. Und zwar in den kommenden Wochen.

Zunächst müssen die Berliner nach Bremen reisen, dorthin also, wo man zurzeit fast ein wenig neidisch nach Berlin schaut. Denn die Sicherheit, die die Berliner Abwehr in den letzten Spielen ausstrahlte, wünscht sich auch Thomas Schaaf für seine Mannschaft. Doch selbst nach der Rückkehr vom zu Saisonbeginn verletzten Torsten Frings half dem verunsicherten Champions-League-Teilnehmer nicht. Resultate wie das 5:4 gegen Hoffenheim, das 3:3 gegen Dortmund oder das 1:4 in Stuttgart sind keine Ausrutscher, sondern Auswüchse einer längst überwunden gewähnten Naivität. Verletzungsprobleme werden als Ausrede nicht akzeptiert, die hat Hertha nämlich auch. Gerade deshalb wird es auch interessant sein zu sehen, ob es der neuen Hertha – der „Favre-Hertha“ – gelingt, diese Unsicherheiten einer Bundesligamannschaft auszunutzen. In den vergangenen Jahren versagten den Herthanern nämlich genau in solchen Spielen immer wieder die Nerven.

Nach dem Duell mit Werder kommt der dann wahrscheinlich immer noch Tabellenführer aus Hoffenheim und mit ihm Rückkehrer Sejad Salihovic nach Berlin. Wie man (im Mittwochs-Kicker) hört, ist Hertha an einer Verpflichtung des Bosniers interessiert und hofft wohl darauf, dass Salihovic aus seiner Zeit in Berlin noch mehr als einen Koffer in der Hauptstadt gelassen hat. Der Linksfuß machte laut Kicker allerdings zuletzt deutlich, dass er sich in Hoffenheim wohl fühle und nicht an einem Wechsel interessiert sei. Ebenfalls im Kicker äußerte sich Klaus Toppmöller über Salihovic. Es sei ihm „unbegreiflich, dass Hertha BSC ihn für 250.000 Euro ziehen ließ.“ Toppmöller ist ja bekannt dafür, jungen Talenten eine Chance zu geben und hätte Salihovic damals vermutlich niemals abgegeben. Wer ihn damals in Berlin gesehen hat, erkannte zwar seine Anlagen (vor allem bei Freistößen), dass er seine Chance in den zugegebenermaßen wenigen Einsätzen genutzt hätte, kann man aber auch nicht behaupten. Jedenfalls wird sich in diesem Spiel zeigen, wie sicher, die als gefestigt geltende Abwehr der Herthaner wirklich ist. Wahrscheinlicher ist, dass z.B. Joe Simunic erst einmal eine Halbzeit brauchen wird, um sich an das hohe Tempo der Hoffenheimer zu gewöhnen. Wenn es dann noch nicht 0:3 steht, hat Hertha sogar die Chance auf einen Punkt.

Als dritter Prüfstein in Folge kommt dann der Hamburger SV ins Olympiastadion, der sich nach der 0:3-Klatsche in Hoffenheim, mit einem abgeklärten 2:0 gegen Stuttgart wieder zurück in die Erfolgslaufbahn spielte. Trainer Martin Jol hat die holländische Sicht des Fußballs jedenfalls zunächst besser auf die Bundesliga übertragen, als Fred Rutten bei Schalke 04. Und Jol hat mit Thiago Neves noch ein brasilianisches Juwel in der Hinterhand, dass nur darauf wartet, endlich fertig geschliffen der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. Bisher konnte er nur viermal und dabei mit zwei Torvorlagen zu Siegtreffern zeigen, welche Fähigkeiten er hat. Gut vorstellbar ist es auf jeden Fall, dass Neves gegen Hertha wieder zum Stamm der Mannschaft gehört – was es für Hertha nicht leichter macht.

Bei den Berlinern wird alles darauf ankommen, wie sehr die Mannschaft an sich und das System des Trainers glaubt und sich vor allem daran hält, wenn es mal nicht so klappt. Bisher war das nur gegen die Bayern wirklich der Fall, die jährliche Heimniederlage gegen Cottbus kann zur überweltlichen Aufbauhilfe gezählt werden. Auch ob Marko Pantelic sich weiterhin und auch dann noch in den Dienst der Mannschaft stellt, wenn das Klima zwischen ihm und Trainer Favre weiterhin so vergiftet bleibt, ist eine wichtige Baustelle, die es schnellstens zu bearbeiten gilt. Kapitän Arne Friedrich wies richtigerweise darauf hin, dass solche Krisenherde der Mannschaft nicht weiterhelfen würden.

Es werden von Samstag an spannende zwei Wochen. Wochen der Wahrheit wenn man so will. Danach wird sich zeigen, ob der Tagesspiegel recht hatte. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen.

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Ich glaub, es geht schon wieder los…

15. August 2008

Werder-Manager Klaus Allofs drohte schon in der Versenkung zu verschwinden. Kein spektakulärer Transfer in der Sommerpause, kein zu schlichtender Streit und nicht einmal ein pressefreundlicher Kommentar zu einem vielleicht schon erfolgten Anruf von Ailton („Ja, er hat mich angerufen. Ich soll euch alle schön grüßen…“). Ja, es war eine ruhige Nach- und Vorbereitungsphase in Bremen.

Schlagzeilen machten die anderen. Die Bayern mit Klinsmann und seinen neuen Trainings- und Motivationsmethoden. Die Schalker mit der Verpflichtung von Jefferson Farfan und Orlando Engelaar. Die Wolfsburger mit ihren neuen Italienern Barzagli und Zaccardo. Die Hamburger mit dem Verkauf von Rafael van der Vaart. Die Stuttgarter mit dem Transfer von Problemkind Jan Simak. Die Leverkusener mit der Entlassung von Michael Skibbe und dem dafür auf den Trainerstuhl gesetzten Bruno Labbadia. Die Hannoveraner mit starken Auftritten in der Vorbereitung und den Transfers von Jan Schlaudraff und Mikael Forssell. Die Frankfurter mit übergewichtigen Rekordtransfers. Die Berliner mit starken Auftritten in der Uefa-Cup-Qualifikation und der Nicht-Verpflichtung eines südamerikanischen Spielmachers. Und die anderen acht mit ähnlichen Transfers, Nicht-Transfers, Querelen innerhalb oder außerhalb der Mannschaft und verschiedenen anderen Problemen.

Und dann, als sich die ganze Liga auf den Auftakt freut. Auf das Hammer-Duell zwischen dem FC Bayern und dem HSV, zwischen Klinsmann und Jol, zwischen Ribery van Bommel und van der Vaart Jarolim. Da kommt Klaus Allofs und verkündet die Verpflichtung des anderen verlorenen Sohnes (neben Ailton), von Claudio Pizarro nämlich. Pizarro könnte die erhoffte Schließung des Sturm-Loches sein. Er war jedenfalls mal einer dieser Stürmer, die den Unterschied ausmachen. Allerdings mit der Betonung auf „war“. Bei Chelsea saß er hauptsächlich auf der Bank, kam hier und da mal ins Spiel und schoss, wenn es ganz gut lief, sogar mal ein Tor. Allerdings – und da kommt es jetzt vor allem auf den Spieler an – muss schon alles passen, damit aus dieser erneuten Liason (es ist ein Leihgeschäft, bei dem Chelsea wahrscheinlich einen Teil seines Gehalts übernimmt) nochmal eine erfolgreiche wird. Pizarro darf sich nicht zurücklehnen, sondern muss die Rückkehr nach Bremen als Chance sehen, seinem eigentlichen Arbeitgeber zu zeigen, dass er, wenn er spielt, ein Weltklassestürmer ist, der diesen Namen und damit das Trikot des FC Chelsea verdient. Wenn er das schafft, hilft er auch gleich noch seinem alten Arbeitgeber und könnte einen weiteren ehemaligen Arbeitgeber, die Bayern nämlich, ordentlich ärgern.

Sowieso, die Bayern. Die spielen heute in der Allianz-Arena gegen den Hamburger SV. Kam es nur mir so vor oder hat der Bayern-Sponsor mit dem großen T einen Deal mit zahlreichen Medien, damit der Auftritt vom aufgehenden Opern-Star und Werbeträger Paul Potts es auch ja in die Vorberichterstattung des Auftaktspiels schafft? Sogar beim sonst für Nebengeschichten eher unsensiblen Kicker wird er erwähnt. Aber gut, wenn das Spiel genauso dramatisch wird, wie der Werbespot, dann endet es 4:3 für den FC Bayern – durch ein Tor des 17jährigen Thomas Müller. Aus der Drehung.

Geil, dass es wieder los geht!

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Welch Wunder

14. Mai 2008

Wenn es euch mal bei Fußballwetten darum geht, viel Geld zu verlieren und bei Tippspielen darum einen zu finden, der Letzter wird, dürft ihr mich gerne anrufen. Ergebnisse liegen mir irgendwie nicht. Was das Geschäftliche und die Geschehnisse um Ivan Klasnic angeht, bin ich allerdings nachweislich auf der Höhe.

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Fußball ist Männersport

10. Mai 2008

Meine Güte wurde in den letzten Tagen nach dem „Kung-Fu-Tritt“ von Tim Wiese auf dem Bremer Torwart rumgehackt. Exemplarisch hierfür der Tagesspiegel und die Frankfurter Rundschau, die ihn zum Bruce Lee Bremens kürte. Ich bitte darum, mir nicht böse zu sein, aber diese Verurteilungen sind von so absolutem Schwachsinn, wie ich ihn selten gesehen habe.

Ja, die Aktion war unglücklich. Ja, man hätte auch die Rote Karte geben können. Und ja, Wiese hat es danach mit seinen Äußerungen („Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass ich zuerst den Ball treffe“) nicht besser gemacht. Aber – und dieses Aber ist an Größe nicht zu überbieten – will ihm da ernsthaft irgendjemand Absicht unterstellen? Wiese kam aus seinem Tor mit dem Ziel, den Ball wegzuschlagen. Er traf ihn nicht richtig und prallte stattdessen mit Ivica Olic zusammen. Irgendwo habe ich auch gelesen, dass Wieses Stollen die Halsschlagader des Kroaten „nur um Millimeter“ verfehlt habe. Ein bisschen mehr Drama bitte…

Tatsache ist, die Gelbe Karte war berechtigt, weil Wiese in dieser Situation nicht letzter Mann war. Tatsache ist auch, Olic hat keine bleibenden Schäden erlitten und wird das nächste Mal vielleicht zweimal überlegen, ob er noch einmal hingeht, wenn ein Torhüter sein Tor verlässt. Denn wenn es darum geht, hat Wiese alles richtig gemacht. Über die Situationen in denen Spieler ihr Bein stehen lassen, wenn ein Torwart sich in den Ball schmeißt, redet überhaupt keiner mehr. Dabei ist das zehnmal gefährlicher. Torhüter haben einen extremen Job. Sie pendeln ständig zwischen Genie und Wahnsinn. Als Oliver Kahn damals mit gestrecktem Bein aus seinem Tor kam und den Dortmunder Spieler nur haarscharf verfehlte (nach 18 Sekunden), gab es einen kurzen Aufschrei, dann schmunzelte man darüber und wenig später war es schon Legende. Der Unterschied? Kahns Aktion war vorsätzlich. Wieses niemals.

Tim Wiese sollte ein bisschen an seiner Außendarstellung arbeiten. Freunde werden er und die Medien ohnehin nicht mehr. Aber mit solchen Aussagen, wie die direkt nach dem Spiel, stellt er sich immer wieder selbst an den Pranger. Hätte er nach dem Spiel gesagt, es tue ihm leid und es war – natürlich – keine Absicht, ich bin mir sicher die Kritik wäre glimpflicher ausgefallen. Doch mit dem reuelosen Statement gab er den Startschuss für die dann folgenden Schmähartikel. Dass er damit umgehen kann, hat er in den letzten Monaten gezeigt. Nach Kritik war er stets besser als vorher, allerdings nur solange, bis er wieder fast ganz oben war, um dann mit einem grandiosen Fehler wieder zurück zu fallen.

Der Weg des Tim Wiese ist einer zwischen den Extremen. Vielleicht braucht er auch diesen Presserummel um seine Person. Vielleicht wollte er den Beobachtern von Manchester United, die ihm jüngst ein Angebot gemacht haben sollen, auch nur zeigen: Sehr her, ich bin hart genug für die Premier League. Aber ganz davon ab, was die Medien danach aus seinem Auftritt gemacht haben, sollte sich der Bremer Keeper einfach mal ein halbes Jahr am Stück nur und ausschließlich auf seine Leistung konzentrieren. Denn dann braucht er solche Auftritte nicht mehr, um im Rampenlicht zu stehen. Die Medien würden ihm auch so genügend Aufmerksamkeit schenken.

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Ein paar Notizen zum langen Uefa-Cup-Abend

21. Februar 2008

1. Warum haben wir nicht früher dran gedacht, unsere Punkte einfach im vermeintlich leichteren Uefa-Cup zu holen? Dann hätte es die Debatte um den möglichen Verlust des dritten Champions-League-Platzes gar nicht gegeben.

2. Vielleicht sollten wir überlegen, jetzt wo der Herr Rummenigge so ein hohes Tier bei der ECA ist, ob wir nicht auch mal eine Regeländerung einführen sollten. Ich wäre dafür, bei einem Sieg mit mindestens vier Toren Unterschied einen Extra-Punkt in der Uefa-Rangliste zu vergeben. Dann hätten wir die Italiener bald…

3. Ist jemandem aufgefallen, ab welchem Zeitpunkt Lukas Podolski plötzlich aufgeblüht ist? Genau, als Luca Toni vom Feld ging und „Poldi“ mit seinem „Ziehvater“ Miroslav Klose zusammen spielen durfte. Das erste Tor des ehemaligen Kölners bereitete Klose mit einem Schuss vor, den der gegnerische Keeper nur abklatsche konnte. Das zweite (per Kopf, das kann er also auch) von Kumpel Bastian Schweinsteiger. Das macht doch schon wieder Lust auf die EM.

4. Eigentlich sollte hier stehen: „Thomas von Heesen in allen Ehren, aber dieser Nürnberger Sieg gegen Benfica Lissabon gehört noch Hans Meyer. Und macht Mut für den Abstiegskampf.“ Dann geschah Punkt 7.

5. Wenn 35.000 Fans in Hamburg „trotz des deutlichen Ausgangs im Hinspiel“ (O-Ton DSF) viel sind, dann müssen wir uns in Berlin ja keine Sorgen mehr machen, wenn wir irgendwann mal wieder im Uefa-Cup nur 20.000 Zuschauer haben.

6. Ich weiß noch nicht, wie das Spiel ausgegangen ist, aber die Bremer Auswärtspartie in Braga als „Pflichtaufgabe“ (stand heute in der Süddeutschen, ist aber glaube ich von der dpa übernommen) zu bezeichnen, finde ich etwas überheblich. Klar, das 3:0 im Hinspiel war vom Ergebnis her deutlich, aber das Spiel selbst sagte etwas ganz anderes aus (Wiese hielt ja nicht nur die beiden Elfmeter). Natürlich muss eine Mannschaft, die Deutscher Meister werden will, so einen Vorsprung selbst Auswärts über die Zeit bringen. Da die Bremer ohne Diego bisher eher wenig gerissen haben (ich erinnere hier gerne an die DFB-Pokal-Pleite in Dortmund), sollten sie sich auf keinen Fall zu sicher fühlen. Aber Thomas Schaaf ist ja auch kein Journalist und wird das seinen Spielern schon beigebracht haben.

7. Der Kollege vom ZDF, der grad eben (87. Minute) meinte, dass die Abwehrspieler von Benfica den Namen Charisteas „ihr Leben lang nicht vergessen werden“, dem muss man einerseits sagen, dass die bei einem etwaigen Ausscheiden natürlich nicht in eine Dekaden andauernde Depression verfallen würden. Und andererseits wird denen der Name des Schützen des Nürnberger Führungstores gleich sowas von egal sein. Denn eben (89. Minute) fiel das 2:1 für Benfica….das Aus für den Club. So ungerecht kann Fußball sein (die Phrase des Tages).