Posts Tagged ‘Uefa Cup’

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Scholl führt Favre vor

4. Dezember 2008

Mehmet Scholl war vor gar nicht allzu langer Zeit ein großer Fußballer. Scholl gewann zahlreiche deutsche Meisterschaften, den DFB- und Uefa-Pokal, die Champions League. Dass er die Nationalmannschaft nie zu einem Titel führte, lag eigentlich nur an seinen ständigen Verletzungen und dem Pech ausgerechnet dann einmal fit gewesen zu sein, als Erich Ribbeck Nationaltrainer war. Man kann trotzdem sagen, dass Scholl mit Fug und Recht von sich behaupten kann, zumindest mitgehalten zu haben. Am Mittwochabend – der mittlerweile 38-Jährige arbeitet als TV-Experte in der ARD – sagt Scholl viele, für einen TV-Experten ungewöhnliche Dinge. Zum Beispiel dies: „Es sieht so aus, als könnten zwei, drei Spieler von Hertha das Niveau nicht mitgehen.“

Da waren 45 Minuten gespielt im Uefa-Cup-Duell zwischen Hertha BSC und der HeimGastmannschaft von Galatasaray Istanbul und die Berliner hatten eine Lehrstunde des internationalen Fußballs bekommen. Dass es noch 0:0-Unentschieden stand, hatte Hertha nur seinem Torwart Jaroslav Drobny zu verdanken. Mehrfach musste der Tscheche den Ball vor dem Überschreiten der Torlinie retten, was ein Großteil der Fans im mit  62.612 gefüllten Olympiastadion mit dem türkischen Ausdruck für Enttäuschung quittierte. Die Berliner Fans hatten ihren türkischen Freunden das Stadion weitestgehend überlassen, sodass sich vor allem der Brasilianer Lincoln wie im heimischen Ali Sami Yen gefühlt haben muss. Der ehemalige Schalker gestaltete sich sein Spiel, als wollte er einen hämischen Gruß nach Enschede senden. Dort mangelte es seinen ehemaligen Kollegen wie schon zuletzt an kreativen Impulsen aus dem Mittelfeld – Schalke verlor mit 1:2.

Lincoln verlor nicht, was auch an den „zwei, drei“ Herthanern lag, die, laut Scholl, nicht mithalten konnten. Angesprochen fühlen dürften sich alte Bekannte wie Sofian Chahed, Mark Stein oder Patrick Ebert, wobei letzterer nach Verletzungspause sein erstes Spiel von Anfang machte und zu Beginn der Saison immer zu den besten Berlinern zählte. Doch wenn sich ein Trainer für die Viererkette entscheidet, dann braucht er auch starke, schnell den Ball verarbeitende und wieselflinke Außenverteidger vom Typ Lahm, Rafinha oder Beck. Hertha hat Sofian Chahed, der sicher oft unterbewertet wird, der aber trotzdem öfter Probleme hat einen Pass an den Mann zu bringen, als ein ukrainischer Schleuser. Und Hertha hat Mark Stein – Chaheds Gegenstück auf links. Hochtalentiert, aber noch lange nicht da, wo man als Außenverteidiger einer guten Mannschaft sein muss.

Eine große Mitschuld an der Niederlage muss sich auch Lucien Favre auf die schweizer Fahne schreiben lassen. Es war erstaunlich zu sehen, wie sich ein hochqualifizierter Fußball-Trainer bei der Analyse vor den TV-Kameras, welche – zugegebenermaßen – für ihn ungewohnt ist, um Kopf und Kragen redet. Scholl bemängelte die fehlende Aggressivität der Herthaner, Favre widersprach und schob die Niederlage auf die schwache Balleroberung. Dass beides unmittelbar zusammenhängt, versuchte Scholl dann zwar noch zu erklären, Favre blieb aber unbelehrbar. Dabei gab es einige Szenen, die genau dies bewiesen und vor allem zeigten, dass einige Spieler sich schon besser wähnten, als sie eigentlich sind. Beispiel Raffael: Der Brasilianer spielte bisher in der Schweiz, wo sehr kulturgemäß, ein eher gemächlicher Fußballstil geprägt wird. Um diesen in der Bundesliga abzulegen, hat Raffael fast ein Jahr gebraucht und dachte wohl, er wäre jetzt vollkommen. Doch was passiert, wenn der gegnerische Spieler nicht nach einem Haken wegbleibt, sondern nachsetzt, wie es die Türken mehrfach praktiziert haben, hat man gestern gesehen. Selten zuvor verlor der Brasilianer so viele Bälle im direkten Zweikampf.

Favre sollte dann erklären, wie es zu der Niederlage kam, erwähnte eine „Unterzahl im Mittelfeld“, woraufhin Scholl blitzschnell die Chance nutzte, um seine These einzuwerfen: „War es, weil ihr mit zwei Stürmern gespielt habt?“ Favre schüttelte zunächst den Kopf, abwehrend, fast pikiert. Nur um dann genau das zu bestätigen. Es stellt sich die Frage, warum er dann nicht früher reagiert hat? Favre wartete bis zur Halbzeit und brachte dann – statt einen Mann mehr ins Mittelfeld zu stellen – Steve von Bergen für den angeschlagenen Sofian Chahed. Hätte hier nicht die Chance auf eine Dreierkette bestanden, die einen Mann mehr im Mittelfeld bedeutet hätte?

Der mit Spannung erwarteten Frage, warum Favre Pantelic ausgewechselt habe, wich der Schweizer sehr uncharmant aus: „Ich musste etwas ändern, es gab keinen Grund.“ Natürlich gab es einen. Pantelic agierte unglücklich, hätte sich oft viel schneller vom Ball trennen müssen und entschied sich zu häufig für den Fernschuss, statt nochmal den Ball quer zu legen. Das hätte er – ohne den Streit neu anzufachen – erklären können. Und hätte vermutlich sogar etwas Schärfe aus der Diskussion genommen. So klang es wieder so, als musste der Serbe zuerst raus, weil er – Favre – ihn am wenigsten mag.

Interessant wäre es noch gewesen, eine Anmerkung Scholls aus der Halbzeitpause aufzugreifen. Dort hatte Scholl beobachtet, dass Hertha erst um 20.13 aus der Kabine gekommen war. International kundige Profis wissen, dass das Fenster zum Warmmachen bei Uefa-Spielen genau von 20.05. bis 20.35 Uhr geöffnet ist. Hertha hat also acht Minuten verschenkt, was Scholl nicht bewertete, sondern nur anmerkte, dass er es immer lieber mochte, wenn er ein paar Minuten Zeit hatte.

So blieben am Ende mehrere Erkenntnisse:

1. Vor dem 18. Dezember – dem Finalspiel um den Einzug in die KO-Runde in Piräus – sollte „internationale Härte“ auf dem Trainingsplan stehen. Denn wie Galatasaray den Berlinern immer wieder den Schneid abkaufte, war teilweise eine Vorführung.

2. Hertha braucht dringend neue Außenverteidiger bzw. Alternativen auf diesen Positionen. Mark Stein und Sofian Chahed können nicht den Ansprüchen von Favre genügen. Und Steve von Bergen sollte auf Stürmer umschulen. Rund um den eigenen Strafraum ist er eine zu große Gefahr.

3. Marko Pantelic und Andrey Woronin scheinen nicht zusammen zu passen. Das erinnerte an die Zeiten von Daei und Preetz. Pantelic muss sich außerdem öfter vom Ball trennen. Gegen Galatasaray war er ein Fremdkörper im Hertha-Spiel, machte nur sein eigenes Ding.

4. Hertha hat mal wieder eine Chance vergeben, sich deutschlandweit zu präsentieren. Als die Mannschaft plötzlich aufwachte und Riesenchancen, sowie zwei Elfmeterwürdige Szenen produzierte, waren vermutlich die Hälfte der Zuschauer schon zu Peter Zwegat übergelaufen. Die eher peinliche und sehr zugeknöpfte Vorstellung von Favre im Anschluss habe dann hoffentlich nur noch ich gesehen…

5. Mehmet Scholl ist eine Wohltat für die ARD!

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Ein Hauch von Champions League

2. Dezember 2008

Es war ein Mittwoch. Der Herbst kehrte langsam ein in Berlin und mit ihm die Champions League. Hertha spielte in Istanbul, bei Galatasaray, und die ganze Stadt, so schien es, war voller Vorfreude auf Herthas Rückkehr auf die europäische Fußballbühne. Fast sieben Jahre vor der Weltmeisterschaft 2006 führte Berlin Public Viewing in der Hauptstadt ein. Die Waldbühne, 18.000 Sitze zur Verfügung stellend, sollte ausverkauft sein, hieß es vorher. Das stimmte dann nicht ganz, aber die Stimmung war trotzdem gut. Vor allem, weil sich die meisten Zuschauer schon nach einer Viertelstunde verwundert die Augen rieben: Hertha führte durch Tore von Wosz und Preetz mit 2:0. In Istanbul! In der Champions League!! Hertha!!! Dass das Spiel dann doch nicht in einer triumphalen Rückkehr mündete, lag einmal an der internationalen Unerfahrenheit der Mannschaft (Stichwort: Cleverness) und Kostas Konstantinides. Dem Griechen, gerade wegen seiner internationalen Erfahrung geholt, rutschte im eigenen Strafraum die Hand aus. Rote Karte und Elfmeter. Hagi trifft zum 2:2 Endstand und hinterlässt viele trotzige Berliner, die erst sauer über Schiedsrichter Urs Meier (noch Jahre später war er für mich der Inbegriff des bestochenen Schiedsrichters), dann aber später am Abend vor allem stolz auf ihre Mannschaft waren. Im weiteren Verlauf der Gruppenphase demütigte Galatasaray Hertha zunächst im eigenen Stadion (1:4!) und verhalf ihr dann mit einem 3:2-Sieg gegen den AC Mailand zum Einzug in die (damals noch ausgetragene) zweite Gruppenphase. Selten war ich danach einer türkischen Mannschaft so dankbar, wie damals.

Mehr als neun Jahre ist das jetzt her. Zwischendurch gab es das ein oder andere Vorbereitungsspiel gegen die aktuell vom ehemaligen Bundesliga- und Bundestrainer Michael Skibbe trainierten Türken, alles immer sehr freundschaftlich. Am Mittwoch nun wird es wieder ernst. Diesmal „nur“ Uefa-Cup, aber auch Gruppenphase. Die Vorzeichen sind nur unwesentlich anders. Hertha braucht eigentlich einen Sieg, um die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag in Piräus nicht zu aussichtslos werden zu lassen. Wobei eine Niederlage nicht – wie z.B. von Andrey Woronin behauptet („Wenn wir verlieren, sind wir weg“) – das Ausscheiden bedeuten würde, da sich die Zweit- und Drittplatzierten Kharkov und Piräus im direkten Duell gegenüberstehen und sich so gegenseitig die Punkte wegnehmen. Gut möglich, dass es zwischen Piräus und Hertha kurz vor Weihnachten zu einem echten Finale um den Einzug in die KO-Runde gibt. Galatasaray kann Hertha dann allerdings nicht – wie damals gegen Milan – helfend zur Seite springen. Berlin ist ihr letzter Gegner.

60.000 Karten sind für das Spiel angeblich bereits verkauft, was eigentlich heißt, dass erst 45.000 weg sind, man aber gerne 60.000 hätte und durch die Angabe der höheren Zahl all jene sofort zum Ticket-Kauf überreden will, die noch unentschlossen sind. Woher Herthas Finanz-Chef Ingo Schiller wissen will, dass es „auf jeden Fall ein türkisches Übergewicht“ geben wird, würde ich auch gerne mal wissen. Womit natürlich nicht gesagt sein soll, dass es nicht so kommt. Für die türkischen Fans in Berlin ist es das Spiel des Jahres. Für die Berliner nur ein Uefa-Cup-Spiel, das man sich nicht unbedingt geben muss, weil das Stadion ohnehin mit gegnerischen Schlachtenbummlern gefüllt sein wird. Und Hertha-Fans gibt es nicht genug, um das Stadion am Mittwochabend alleine voll zu bekommen.

Galatasaray ist in der Süper Lig zurzeit nur Vierter, was normalerweise schon reicht, um den Trainer über den Bosporus zu jagen. Weil die Mannschaft von Michael Skibbe – die mit den ehemaligen Bundesligaprofis Fernando Meira und Lincoln, sowie den internationalen Stars Harry Kewell und Milan Baros ausgestattet ist – aber in den letzten drei Spielen nicht mehr verloren hat und Skibbe außerdem über ein erstaunliches Sitzfleisch zu verfügen scheint, ist es den hitzköpfigen Offiziellen von Galatasaray bisher noch nicht gelungen, ihn zum Rücktritt zu bewegen. Dass man es versucht hat, steht außer Frage (leider finde ich den Artikel nicht mehr, der sich um die Entlassung von Skibbes Co-Trainern dreht). Aber solange Skibbe nicht in einem der wichtigen Wettbewerbe (Süper Lig, Uefa-Cup) fatal patzt – also entweder so weit von der Spitze entfernt ist, dass eine Meisterschaft nicht mehr möglich ist (zurzeit noch einholbare vier Punkte) oder im Uefa-Cup ausscheidet, was nach einer Niederlage gegen Hertha durchaus noch im Bereich des Möglichen ist – bleibt er Trainer in Istanbul.

Hertha hat indes am Mittwoch nicht nur die Chance durch die erneute Präsenz im TV (20.45 Uhr, ARD) auch außerhalb von Berlin für Aufsehen zu sorgen, sondern auch im nicht-deutschsprachigen Teil der Stadt, wo der Klub bisher quasi nicht stattfindet. Deshalb kann der Appell an Lucien Favre und Co. nur heißen: Bitte kein lahmes 0:0, sondern mindestens ein so engagierter Auftritt wie am Freitag gegen Köln. Und bloß kein 1:4…

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Kein San Siro für Hertha

7. Oktober 2008

Update: Heim- und Auswärtsspiele stehen fest.

Die UEFA-Cup Auslosung in Nyon hat den deutschen Klubs unterschiedlich starke Gruppen zugeteilt. Hertha bekommt es demnach nicht mit den Wunschgegnern AC Mailand oder Spartak Moskau zu tun, sondern muss ein Heimspiel gegen den ukrainischen Vertreter Metalist Kharkiv fürchten. Wer wann und wo gegen wen, spielt, wird zur Stunde noch ermittelt. sondern erwartet zum ersten Heimspiel den portugiesischen Vertreter Benfica Lissabon im Olympiastadion (23. Oktober). Das zweite Heimspiel bestreiten die Berliner nach dem Duell in der Ukraine (6. November gegen Kharkiv) gegen Galatasaray Istanbul (3./4. Dezember). Das letzte Gruppenspiel findet dann in Piräus gegen Olympiakos statt (17./18. Dezember). Quelle: Hertha BSC

Den Lostopf-Jackpot hat in jedem Falle der VfL Wolfsburg gezogen. Als letzter deutscher Vertreter aus Topf 5 (von 5) gezogen, erwischte die Mannschaft von Trainer Felix Magath den AC Mailand um die Topstars Ronaldinho, Kaka und Shevchenko.

Gruppe A: FC Schalke 04, Paris St. Germain, Manchester City, Racing Santander, Twente Enschede

Schalke zuerst zu Hause gegen Paris (23.10.), dann nach Santander (6.11.), bevor Manchester City nach Gelsenkirchen kommt (27.11.). Den Abschluss der Gruppenphase bestreiten die Schalker in Enschede beim Ex-Klub vom neuen Trainer Fred Rutten (3./4.12.). Quelle: Schalke 04

Gruppe B: Benfica Lissabon, Olympiakos Piräus, Galatasaray Istanbul, Hertha BSC, FC Metalist Kharkiv

Gruppe C: FC Sevilla, VfB Stuttgart, Sampdoria Genua, Partizan Belgrad, Standard Lüttich

Der VfB startet in Sevilla (23.10.) und hat danach Partizan Belgrad zu Gast (6.11.). Das zweite Auswärtsspiel findet in Genua bei Samdoria statt (27.11.), bevor zum Abschluss der Gruppenphase für den VfB Standard Lüttich im Gottlieb-Daimler-Stadion vorspielt (18.12). Sicherlich nicht die glücklichsten Ansetzungen für die Stuttgarter. Quelle: VfB Stuttgart

Gruppe D: Tottenham, Spartak Moskau, Udinese Calcio, Dinamo Zagreb, NEC Nijmwegen

Gruppe E: AC Mailand, SC Heerenveen, Sporting Braga, FC Portsmouth, VfL Wolfsburg

Felix Magath erwartet mit seinem VfL am ersten Spieltag den SC Heerenveen (6.11.), muss dann nach Braga (27.11.) und trifft am 4.12. in der VW-Arena auf den FC Portsmouth. Der Kracher gegen Mailand findet am 18.12. in San Siro statt. Quelle: VfL Wolfsburg

Gruppe F: Hamburger SV, Ajax Amsterdam, Slavia Prag, Aston Villa, MSK Zilina

Der HSV hat das mit den Heimspielen ein fast schon unverschämtes Glück. Das Spiel gegen die für die Fans eher unattraktiven Slowaken aus Zilina (23.10. in Zilina) und auch das gegen Slavia Prag wurde den Hamburgern in der eigenen Stadt erspart (4.12. in Prag). Das Team von Martin Jol bekommt nur die Sahnestückchen in die HSH-Nordbank-Arena: Zuerst Ajax (27.11.) und dann Aston Villa (17.12.). Quelle: Hamburger SV

Gruppe G: FC Valencia, FC Brügge, Rosenborg Trondheim, FC Kopenhagen, AS Saint-Etienne

Gruppe H: ZSKA Moskau, Deportivo La Coruna, Feyenoord Rotterdam, AS Nancy, Lech Posen

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Einmal nicht die Arschkugel…

3. Oktober 2008

Bevor am Dienstag (07.10.) in Nyon die Uefa-Cup Gruppenauslosung stattfindet, wurden heute bereits die jeweiligen Töpfe bekannt gegeben, aus denen dann die acht Gruppen à fünf Teams gezogen werden( Dank an dogfood via Twitter). Der Hamburger SV und Schalke 04 befinden sich demnach in Topf 1 und gehen damit Teams wie dem AC Mailand, FC Valencia oder Tottenham aus dem Weg. Die Loskugel des VfB Stuttgart liegt in Topf 2 (zusammen u.a. mit Ajax Amsterdam, Deportivo LaCoruna oder Spartak Moskau). Topf 3 kommt ohne deutsche Teams aus, wohingegen Hertha zusammen mit Aston Villa, Partizan Belgrad oder Real Santander in Topf 4 wartet. Der VfL Wolfsburg befindet sich als einziger deutscher Vertreter in Topf 5.

Spielen wir die Auslosung einmal für Hertha durch. Wichtig zu wissen ist einmal, dass die ersten drei Teams in die Zwischenrunde einziehen, in der dann auch die Drittplatzierten der Champions League dazustoßen. Außerdem ist der merkwürdige Modus beachten, der besagt, dass jede Mannschaft zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele hat. Dass das zu unfairen Ausgangspositionen kommen kann, ist der UEFA entweder nicht bewusst oder es wird einfach ignoriert.

Der „Best Case“:

AC Mailand – Ajax Amsterdam – Sporting Braga – Hertha – MSK Zilina (Solna)

In diesem besten Falle hätte Hertha die beiden Heimspiele gegen Milan und Ajax, würde aus einem dieser Spiele einen Punkt oder natürlich mehr holen und in jedem Fall die Auswärtsspiele in Portugal und der Slowakei erfolgreich gestalten. Das Olympiastadion wäre einigermaßen voll, die Auswärtsspiele zwar schwer, aber trotzdem machbar.

Der „Worst Case“:

ZSKA Moskau – SC Heerenveen – Manchester City – Hertha – Metalist Kharkiv

Das wohl Bitterste für Hertha wären Heimspiele gegen die Ukrainer und den SC Heerenveen, die in Berlin Niemanden hinter dem Ofen vorholen würden – zumal die Gruppenphase im Winter ausgespielt wird (23.10 – 18.12.). Hinzu kommen die Hammerauswärtsspiele in Russland (brrrr…) und beim neureichen Manchester City. Ein Weiterkommen wäre natürlich trotzdem drin, weil Siege gegen Heerenveen und Kharkiv durchaus im Bereich des Möglichen sind. Allerdings weiß jeder, wie Hertha im Olympiastadion auftritt, wenn die Schüssel nicht einmal halbvoll ist.

Der Mittelweg:

Benfica Lissabon – FC Brügge – Galatasaray – Hertha – AS Saint Etienne

Beim Heimspiel gegen Galatasaray wäre das Stadion auf jeden Fall bestens gefüllt. Woher die Einnahmen kommen, darf Hertha da getrost egal sein. Auswärtsspiele in Frankreich, Belgien oder Portugal sind allemal angenehmer als in irgendwelchen osteuropäischen Kühlhallen. Gegen wen das zweite Heimspiel ausgetragen wird, ist bei der Konstellation fast egal.

Natürlich sind das alles blinde Spekulationen, die auch nicht nach den offiziellen UEFA-Regularien durchgeführt werden. Trotzdem wäre es wünschenswert für Hertha – da man ja bei den DFB-Pokal-Auslosungen traditionell die Arsch“kugel“ zieht – wenn die Berliner wenigstens einen Kracher im Olympiastadion zu sehen bekämen. Bei den Ansprüchen in der Hauptstadt fährt unter dieser Kategorie allerdings ohnehin nur der AC Mailand. Aber warum eigentlich nicht? Für manche Fans wäre sicherlich auch ein Wiedersehen mit Malik Fathi von Spartak Moskau interessant. Aber ein richtiger Publikumsliebling war der Linksfuß in Berlin eigentlich nie.

Die Töpfe im Überblick:

A: AC Milan (Italien), FC Sevilla (Spanien), FC Valencia (Spanien), Benfica Lissabon (Portugal), Schalke 04, ZSKA Moskau (Russland), Tottenham Hotspur (England), Hamburger SV

B: VfB Stuttgart, Ajax Amsterdam (Niederlande), Olympiakos Piräus (Griechenland), Deportivo LaCoruna (Spanien), FC Brügge (Belgien), Spartak Moskau (Russland), Paris SG (Frankreich), SC Heerenveen (Niederlande)

C: Rosenborg Trondheim (Norwegen), Udinese Calcio (Italien), Feyenoord Rotterdam (Niederlande), Sporting Braga (Portugal), Slavia Prag (Tschechien), Manchester City (England), Galatasaray Istanbul (Türkei) , Sampdoria Genua (Italien)

D: Hertha BSC, Partizan Belgrad (Serbien), AS Nancy (Frankreich), FC Portsmouth (England), Aston Villa (England), Real Santander (Spanien), FC Kopenhagen (Dänemark), Dinamo Zagreb (Kroatien)

E: AS Saint-Etienne (Frankreich), VfL Wolfsburg, Standard Liège (Belgien), FC Twente (Niederlande), NEC Nijmwegen (Niederlande), Metalist Karkhiv (Ukraine), Lech Pose (Polen), Zilina (Slowakei)

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Den Schneid abkaufen lassen

2. Oktober 2008

50 Millionen sind – fast egal in welcher Währung – selbst im finanziell verwöhnten Profi-Fußball ein ordentlicher Betrag. Aus dem Mund von Gennadi Petrow, der als Chef einer der einflussreichsten Mafia-Clans in Russland gilt, sind 50 Millionen sogar Peanuts. Die schüttelte der Aserbaidschaner bis vor kurzem noch aus dem Ärmel seines Armani-Hemds. Bis vor kurzem war Petrow für die Fußball-Welt aber auch noch völlig uninteressant. Seit ein paar Tagen hat sich das geändert. Grund sind übereinstimmende Meldungen in spanischen Zeitungen, die besagen, dass Petrow behauptet, seinen Ärmel über das Konto des FC Bayern München gehalten zu haben – im Austausch für die 0:4-Niederlage im Halbfinal-Rückspiel des Uefa Cups gegen Zenit St. Petersburg.

„Nach dem Spiel hätte er einem Gesprächspartner gegenüber erklärt, 50 Mio. an Bayern gezahlt zu haben“

Was soll man davon halten, wenn ein vermutlich größenwahnsinniger Krimineller, der mittlerweile hinter Gittern sitzt, in einem abgehörten Telefongespräch prahlt, er habe das Spiel für 50 Millionen gekauft? Noch dazu vom renommiertesten Fußball-Klub Deutschlands? Hierzulande kann sich das niemand wirklich vorstellen. Und es liegt nahe, das Telefongespräch bzw. die von Petrow gemachten Aussagen als Prahlerei abzutun. Andererseits: Kann ein Verein 50 Millionen ausschlagen? Wie sagte schon der irische Schriftsteller Jonathan Swift? „Kein Mensch nimmt guten Rat an, aber jeder nimmt gern Geld; also ist Geld besser als guter Rat.“ Haben sich die Wirtschaftsbosse der Bayern etwa über jeden guten Rat hinweggesetzt? Oder haben möglicherweise, wie ja auch kolportiert wird, einige Spieler die Hand aufgehalten?

Zunächst einmal kann man sicherlich davon ausgehen, dass hier nicht von russischen Rubel die Rede ist. Für knapp 1,4 Millionen Euro gibt kein Verein dieser Welt und auch kein Profi des FC Bayern die Chance auf ein Uefa-Cup-Finale aus der Hand. Wahrscheinlicher ist ein Dollar-Geschäft (36 Millionen Euro), aber genau werden wir das nicht herausfinden. Fakt ist jedenfalls, dass zum Beispiel im folgenden Artikel die Lockerheit vieler Bayern-Profis nach dem Spiel angesprochen wurde.

Süddeutsche Zeitung vom 01.05.08

Die Bayern wirkten "gelöst"

Die Bayern wirkten gelöst...

Auch die Bayern-Offiziellen wirkten nicht wirklich niedergeschlagen.

Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel erstaunlich gelassen

Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel erstaunlich gelassen

Und Trainer Ottmar Hitzfeld wählte nach dem Spiel die in diesem Zusammenhang reichlich unglückliche Formulierung: Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen.

Das Spiel selbst gab hingegen bis auf eine Szene kaum Anlass für Spekulationen. Wenn man sich das Video vom Spiel noch einmal anschaut erstaunt eigentlich nur die Reaktion von Martin Demichelis vor dem 2:0 (bei 4.14 Minuten). Aber die anderen Tore und vor allem die zum Teil großen Chancen der Bayern lassen den Schluss nicht zu, dass bei diesem Spiel Absprachen getroffen wurden.

Dazu passt die Reaktion von Miroslav Klose, der angab, mit seinen Kollegen über den Verdacht gescherzt zu haben. Und das ist dann vermutlich auch das einzige, was man damit anfangen kann. Solange Mafia-Bosse untereinander nur damit prahlen, hochklassige Spiele gekauft zu haben, kann man sich als Fußball-Fan noch beruhigt zurücklehnen – und hoffen, dass daraus niemals Realität wird.

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Hertha muss offensiv nachlegen

14. August 2008

Es noch nicht gar nicht so lange her, da schrieb ich dies:

„Lange nicht mehr eine so inspirierte Vorstellung eines Bundesligisten im UEFA-Cup gesehen, wie Donnerstag von Hertha. Obwohl…nein, hab ich wirklich lange nicht mehr gesehen.“

Da war nach dem 8:1 gegen Otaci. Für Lucien Favre hatte dieses Spiel wohl vor allem den Makel des „zu Eins“. Denn – und das ist die erste Erkenntnis aus den Vorbereitungsspielen – defensiv scheint Hertha ganz gut zu stehen. Selbst wenn Leute wie Simunic, Friedrich oder Chahed fehlen, die in der letzten Saison noch Stammspieler waren. Offensiv hingegen – und das ist die zweite Erkenntnis – sieht es weiterhin Mau aus. Zwar zeigte Neuzugang Cicero auch nach vorne gute Ansätze, geholt wurde er aber nicht ohne Grund als defensiver Mittelfeldmann.

Die Hoffnungen ruhten im Sturmzentrum ja vor allem (neben denen auf Pantelic) auf Chermiti, der nach neun Monaten hin und her nun endlich das Hertha-Trikot anhat. Dass er keiner ist, der der Mannschaft sofort weiterhelfen wird, zeigen die ersten Partien. Der Tunesier stand genauso neben sich, wie auch Pantelic in allen von mir gesehenen Pflicht- und Vorbereitungsspielen. Keine Bindung zum Spiel der Mannschaft, katatrophale Fehler bei der Ballannahme. Das kann Lucien Favre nicht gefallen. Sein Problem: Pantelic trifft die Hütte trotzdem. Gegen Ljubljana schon wieder zweimal. Mit welchen Argumenten soll man da meckern? Chermiti hingegen muss deutlich zulegen.

Auch Manager Hoeneß dürften die bisherigen Auftritte der Mannschaft in der Offensive nicht gefallen. Ein weiterer Grund die Bemühungen um einen technisch versierten Spielmacher mit Zug zum Tor zu verstärken. Wenn der dann auch noch Standard-Situationen schießen kann – und damit endlich Patrick Ebert erlöst – könnte das doch noch was werden in dieser Saison mit dem UEFA-Pokalplatz. Solange der nicht da ist, wird Hertha nicht zur Torfabrik der Liga gehören. Ich bin mir sicher: Gegen Frankfurt am Sonntag gibts ein 0:0.

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Hertha im Uefa-Cup!

18. Mai 2008

Unglaublich aber wahr: Hertha spielt dank der Fair-Play-Wertung in der nächsten Saison tatsächlich im Uefa Cup! Das gab die DFL am Sonntag bekannt und betonte dabei, dass es nicht ihre Entscheidung war: „“Aufgabe der DFL ist es in Bezug auf die Fairplay-Wertung lediglich, die Bewertungen der DFB-Schiedsrichter-Manager nach den Vorgaben der UEFA zusammenzuführen und den Sieger bekannt zugeben.“ (Hervorhebung von mir). Also können sich alle enttäuschten Frankfurter und wenn es nach Sportschau-Moderatorin Monika Lierhaus geht auch alle Rostocker auf die Schiedsrichter-Manager stürzen. Fakt ist: Hertha war in dieser Saison der fairste Klub (und hat sich mit einer Ausnahme auch nichts zu schulden kommen lassen)

Für Hertha ist die Qualifikation nach der durchwachsenen Saison auf den ersten Blick ein absoluter ein Glücksfall. Platz Zehn in dieser Saison lässt das Blau der neuen längsgestreiften Trikot ziemlich grau aussehen, doch durch den Startplatz in Europa sind zumindest die roten Ränder wieder deutlich zu erkennen. Aber: Das kann sich auch ganz schnell wieder ändern. Denn Hertha ist natürlich nicht für die erste Uefa-Pokal-Runde gesetzt, sondern lediglich für die Qualifikation dafür. Soweit vorne musste selbst Hertha noch nie anfangen. In der Saison 2006/2007 starteten die Berliner in der zweiten Qualifikationsrunde für den Uefa Cup, setzten sich dort reichlich glücklich gegen den FC Ameri Tiflis (Georgien) durch und zogen so in eines der damals noch zahlreichen UI-Cup-Finals ein. Dort siegte Hertha dann nach einem torlosen Gähn-Kick im Hinspiel mit 2:0 im Stadion des russischen Vertreters FK Moskau und schied in der ersten Uefa-Cup-Runde sang- und klaglos gegen Odense BK (Schweden) aus.

Schweden wäre für die nächste Saison fast schon wünschenswert. Wahrscheinlicher sind jedoch die traumhafteren Reiseziele Georgien oder Russland. Illustre Namen sucht man in der ersten Runde der Qualifikation für den Uefa-Cup ohnehin vergebens. FC Santa Coloma (Andorra), Anorthosis Famagusta  aus Zypern (mit denen hat Hertha ja nicht die schlechtesten Erfahrungen) und auch der Ex-Klub von Publikumsliebling Gojko Kacar Vojvodina Novi Sad (Serbien) sind Teams, die in der letzten Saison dort antraten. Trotzdem freut man sich natürlich bei Hertha. Lucien Favre hob auf der Pressekonferenz vor allem hervor, wie wichtig diese Spiele für die Entwicklung der Spieler seien.

Trotzdem hat das Ganze – natürlich – auch einen Haken. Denn die erste Uefa-Cup-Runde beginnt bereits MItte Juli, wenn sich Herthas EM-Teilnehmer Simunic, Friedrich und vielleicht von Bergen noch im Urlaub befinden dürften. Ohnehin sind solch frühe Pflichtspiele bei den Profis mit Sicherheit nicht gerade beliebt. Im letzten Jahr setzte Lucien Favre den Trainingsauftakt auf den 25.06.. Ich bin mal gespannt, ob er ihn dieses Jahr noch weiter vorzieht, um sich ausreichend auf die erste Runde vorzubereiten. Fest steht auf jeden Fall schon jetzt: Hertha hat eine lange Saison vor sich.

Dass das kein Nachteil sein muss, zeigt die Vergangenheit. Allerdings nicht die von Hertha. Bremen wurde 2004 Meister, nachdem die Mannschaft Mitte Juli bereits UI-Cup spielen musste (und kläglich scheiterte). Der Hamburger SV musste in der Saison 2005/2006 sogar schon am 2. Juli ran, kam im Uefa-Cup bis ins Achtelfinale und qualifizierte sich in der Liga als Dritter für die Champions League. Es ist natürlich vermessen, eine solche Entwicklung für Hertha zu erwarten. Zumal sowohl Werder, als auch der HSV selbst in den frühen Qualifikations-Runden vor knapp 30.000 Zuschauern spielten. Bei Hertha darf man sich schon freuen, wenn es überhaupt fünfstellig wird.

Trotzdem ist dieser Startplatz vor allem eine Chance für die Mannschaft. Nicht nur sich weiterzuentwickeln, sondern auch mal wieder etwas für die Reputation des Vereins zu tun. Die hat in den letzten Jahren in Europa (und in Deutschland sowieso) ziemlich gelitten. Nach dem Aufstieg und der viel zu schnellen Qualifikation für die Champions League war man ja quasi Stammgast im Uefa Cup. Es ist an der Zeit, daran mal wieder anzuknüpfen.

Nachtrag: Die 11Freunde hat ins Thema gebissen und dabei einen „faden Beigeschmack der Willkür“ entdeckt. Im Poll darunter halten mehr als 50% der User die Entscheidung für „ungerecht“.