Posts Tagged ‘Türkei’

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Türkei wird verdienter Dritter…

30. Juni 2008

Im kleinen Finale der EM 2008 bezwingen die Türken die Russen 3:2 – selbstverständlich nach Rückstand

Mucki Scheiwe

BERN. Halbmond – von wegen. Wider den Worten der Wetterfee regnet es natürlich um, am und im Wankdorf-Stadion zu Bern. Das alte, legendäre Wankdorf-Stadion musste einem Neubau weichen, aber irgendwo da oben hat Fritz Walter eben vor 54 Jahren seine dunkle Wolke fest vertäut. Und rollt hier unten der Ball über historisches Grün, werden immer noch alle nass. An diesem Abend sind es die Türken und die Russen. Kein Halbmond – ein gutes Omen für Hammer und Sichel?

Mehr bei der Berliner Zeitung (via Indirekter Freistoß). Sehr geil!

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Jubel ja! Euphorie nein!

16. Juni 2008

1:0 gegen Österreich! Ham wa die verkloppt! Keine Chance hatten sie, die Ösis. Tja, schön wärs gewesen, wenn wir nach dem Spiel so würden reden können. Ich hatte nach dem Spiel keine wirkliche Lust zu feiern. Klar, ich freute mich über das Weiterkommen und die Tatsache, dass Cordoba auch die nächsten 30 Jahre von den Medien aufgegriffen wird, wenn es zum Duell zwischen uns und den Österreichern kommt – und nicht Wien 2008. Aber Euphorie mit Blick auf das Viertelfinale gegen Portugal? Wo soll die herkommen?

Die Portugiesen gehören zum Besten, was die Europameisterschaft bisher zu bieten hatte. Das kann man von der deutschen Elf – selbst mit gutem Willen – nicht behaupten. Bei Portugal befinden sich nahezu alle Spieler in Bestform, Christiano Ronaldo sorgt nicht nur für die Show, sondern auch für Tore und deren Vorlagen. Das Team von Joachim Löw sucht immer noch das Leistungsvermögen von der WM 2006, Michael Ballack hat zwar jetzt mal getroffen und wurde sogar zum Man of the Match gekürt, doch sind wir mal ehrlich: Der Freistoß war die einzige gelungene Aktion des „Capitanos“.

Einen Lichtblick hatte dieses Spiel der DFB-Elf: Philipp Lahm hatte in der zweiten Halbzeit gegen Kroatien schon angedeutet, dass er einer der wichtigsten Spieler sein könnte, wenn es darum geht, für Überraschungsmomente zu sorgen. Dies hat er gegen Österreich bestätigt. Wenn jetzt auch noch sein Spezi Bastian Schweinsteiger zurückkommt, dem Löw nach seinem eigenen Platzverweis unmöglich noch sauer sein kann, hat die deutsche Mannschaft eine starke linke Seite, die den „europäischen Brasilianern“ Kopfzerbrechen verschaffen könnte. Das Problem ist, dass es das dann auch schon war.

Die Abwehr um Metzelder und Mertesacker machte erneut keinen wahnsinnig sicheren Eindruck, Torsten Frings stand zum wiederholten Male bei dieser EM völlig neben sich. Und was ist eigentlich mit unserem „Traumsturm“? Miroslav Klose ist mittlerweile zum Mittelfeldspieler verkommen, der ab und an mal im Strafraum auftaucht, vor dem aber keine Defensive der Welt mehr Angst hat. Und Mario Gomez macht sich bereits völlig lächerlich, bevor er überhaupt dafür sorgen könnte, dass jemand vor ihm Respekt hat. Den VfB Stuttgart wird es freuen. 

Höhen und Tiefen hatte dagegen mal wieder Lukas Podolski. Der „Prinz“ war aber immer präsent, ich würde mir allerdings manchmal wünschen, dass er nicht jeden Ball, den er – sich frei wähnend – zugespielt bekommt, in Richtung Tor hämmert. Das hat ihn schon bei den Bayern seinen Stammplatz gekostet. Im DFB-Team wird ihm das freilich nicht passieren. Im Gegenteil, Poldi wird an seinen angestammten Platz neben Klose im Angriff zurückkehren, da sein Kumpel Schweini wieder fit ist. Der Leid tragende ist dabei nicht Gomez, der Stuttgarter hatte seine Chance, sondern Kevin Kuranyi, der sich den Platz im EM-Kader durch starke Leistungen in der Bundesliga und auch im DFB-Trikot verdient hatte und nun auf der Bank schmort. Kuranyi und die Nationalmannschaft, das scheint einfach nicht zu passen.

Ich würde gerne optimistisch in die Zukunft, genauer auf den Donnerstag, schauen. Allerdings fehlt mir dafür ein wenig der Glaube an diese Mannschaft. Vor zwei Jahren hätte ich hier noch alles dafür gegeben, damit die Euphorie um diese Mannschaft gesteigert wird, um den Halbfinaleinzug auch wirklich sicherzustellen. In diesem Fall muss ich aber ganz ehrlich sagen, würde es an ein Wunder grenzen, wenn Deutschland die Portugiesen schlägt. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist, wenn man nur die derzeitigen Leistungen vergleicht, so groß wie die vor dem Spiel zwischen Deutschland und Österreich für einen Sieg der Gastgeber. Allerdings hoffe ich natürlich und werde beim Spiel am Donnerstag vor dem Fernseher auch alles dafür geben, dass das Wunder eintritt und Deutschland ins Halbfinale kommt. Denn dort warten entweder die Kroaten oder die Türken. Beides nicht nur schlagbar, sondern auch hochbrisant.

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Cristiano Ronaldo schlägt Carsten Kadach

7. Juni 2008

In den ersten zwanzig Minuten des Spiels zwischen Portugal und der Türkei werden hauptsächlich Deutsche verflucht. Erst fällt dieser vermaledeite Schiedsrichter Fandel nicht auf die inzaghi-eske Schwalbe von Tuncay Sanli rein (der sich dann in Pantelic-Manier beschwert) und dann hebt der Fandel-Assistent Carsten Kadach beim vermeintlichen 1:0 der Portugiesen – aus meiner Sicht zurecht – die Fahne. Pepe hatte bei der Flanke, auf die sein Kopfballtor folgte, tatsächlich (laut ZDF-Technik) zwar nicht im Abseits gestanden. Das ist allerdings vom menschlichen Auge nicht zu erkennen gewesen. Deutschland ist jedenfalls bereits einen Tag vor dem Turnier-Start der deutschen Elf in aller bzw. ZDF-Kommentator Thomas Warks Munde.

Was diesem in diesen ersten zwanzig Minuten erstaunlich selten über die Lippen kommt, ist der Name Cristiano Ronaldo. Der schon vor dem Turnier zum EM-Star auserkorene Portugiese hält sich merklich zurück, wird von den Türken aber auch sehr gut abgedeckt. Nicht mal die Freistöße lässt seine Mannschaft ihn schießen. Den ersten setzt Simao nach 29 Minuten einen Meter über das Tor. Aus Trotz nimmt sich Ronaldo danach den Ball, lässt drei Türken stehen und verzieht nur den anschließenden Schuss.

Geht es nach Thomas Wark, heißt der Star dieser ersten Halbzeit aber ohnehin Carsten Kadach. Er bemerkt, dass der Linienrichter „wohl in noch keinem Spiel so oft erwähnt wurde“, aber nicht, dass er sich damit selber kritisiert. Wäre Kadach ein unbekannter Franzose, wären die Worte „Linienrichter“, „Schiedsrichterassistent“ und schlicht „Abseits“ mit Sicherheit häufiger gefallen. Volker Wezel auf der anderen Seite kann einem aufgrund seiner Anonymität fast schon Leid tun.

Die wird Cristiano Ronaldo vermutlich nie wieder blühen – und zwar nicht nur, weil er für die gefährlichste Aktion in Hälfte Eins sorgt. In der 38. Minute verscheucht er Simao beim nächsten Freistoß und hämmert ihn quer durch den Strafraum in Richtung Tor. Hätte sich Türkei-Keeper Volkan Demirel vor dem Spiel für die kleinere Handschuh-Größe entschieden, die Portugiesen wären in Führung gegangen. So traf der Ball nur den Pfosten. Liegt es an diesem Pech, dass die Kamera kurz vor der Pause einen frustrierten Ronaldo zeigt, der hilflos die Arme hebt und flehend in Richtung Trainerbank schaut? Der Superstar macht und tut, wechselt die Seite, versucht seine Mitspieler in Position zu bringen – doch letztendlich bleibt er genauso wirkungslos wie Volker Wezel.

Es sind noch nicht mal fünf Minuten gespielt, als die Deutschen in Schwarz schon wieder im Mittelpunkt stehen. Erneut erst auf der einen Seite, als Nihat sich den Mitteln seines mittlerweile ausgewechselten Kollegen Tuncay Pantelic Inzaghi bedient – und Fandel natürlich nicht auf Elfmeter entscheidet. Und dann wenige Sekunden später auf der anderen Seite, als der Türke Gökhan sich in der eigenen Defensive zunächst brutal verschätzt und dann nicht weniger gewalttätig den heran eilenden Simao umtritt. Fandel lässt die Szene weiterlaufen, weil Nuno Gomes aus dem erwähnten Zweikampf heraus den Ball aufs Tor schießen kann – und den Pfosten trifft. Gökhan erhält für seinen Tritt erst die Gelbe Karte und muss dann verletzt vom Platz.

Wahrscheinlich ist die türkische Defensive auch deshalb kurzzeitig ein wenig durcheinander. Asik, der neue Verteidiger, muss integriert werden und man kann nicht sagen, dass es den Türken zufriedenstellend gelingt. Im Gegenteil, sechs Minuten nach seiner Einwechslung kommt der neue Mann zu spät gegen Verteidiger Pepe, der nach einem perfekten Doppelpass mit Nuno Gomes frei vor Volkan auftaucht und den Ball zur hochverdienten Führung im Netz unterbringt (61.). Nuno Gomes ist es auch, der das Aluminium-Triple für die Portugiesen schafft: Zwei Minuten nach der Führung setzt der Kapitän eine Flanke von Ronaldo an die Latte.

Die beiden harmonieren gut, denn nur wenig später gibt Nuno Gomes an Ronaldo ab. Dieses Mal aber keinen Ball, sondern die Kapitänsbinde. Nuno Gomes muss für das nächste Supertalent Nani vom Platz, der so etwas wie Ronaldos Ziehsohn bei Manchester United ist. Ronaldo wirkt mit der Binde um den rechten Arm noch ein bisschen anmutiger, spielt jetzt auch nicht mehr auf der Außenbahn, sondern als Mittelstürmer und hat Carsten Kadach in der Anzahl der Namennennungen überholt. Allein ein Tor wird ihm in diesem Spiel nicht mehr gelingen.

Das Offensiv-Spiel der Türken ist wie ihre Präsenz in diesem Artikel: wenig bis gar nicht vorhanden. Das liegt zum einem an der starken portugiesischen Defensive, zum anderen aber auch an der Ideenlosigkeit der türkischen Offensive. Das Angriffs-Potenzial von Bayern-Spieler Hamit Altintop verpufft bis zu seiner Auswechslung in der 76. Minute auf der rechten Defensivseite. Im Sturm fragt man sich manchmal, ob Altstar Hakan Sükür nicht doch hätte mitgenommen werden sollen. Der Kicker-Liveticker schreibt passend dazu:

Die Ansätze stimmen bei den Türken, doch in Strafraumnähe sind sie mit ihrem Latein am Ende – auch weil im Zentrum ein Vollstrecker fehlt.

In der 89. Minute wird das noch einmal bestätigt, als Tuncay aus 16 Metern freistehend über den Ball haut.

Kurz vor Beginn der Nachspielzeit hätte Volker Wezel noch einmal die Chance nutzen können, von Thomas Wark erwähnt zu werden. Nach einer üblen Grätsche von Mehmet Aurelio gegen Nani lässt der zweite Assistent von Schiri Fandel allerdings die Fahne unten – eine klare Fehleinschätzung.

Am Ende aber auch egal, denn Raul Meireies vollendet in der Nachspielzeit einen Konter über Ronaldo und den überragenden Mutinho zum 2:0. Die Portugiesen werden allen Ansprüchen gerecht – das deutsche Schiedsrichterteam ebenfalls.

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Unbeholfen wird das nichts

7. Juni 2008

Kein Spieler in der Startaufstellung der Schweizer ist älter als 24 gewesen. Jung kickt gut? Ja, manchmal. Aber Jung ist auch meistens unerfahren und vor allem unbeholfen. Letzteres brach der Schweizer Nationalmannschaft beim 0:1 im Eröffnungsspiel gegen Tschechien das Genick. 

Was zum Glück nicht brach, war ein Knochen im Bein von Alexander Frei. Der Kapitän der „Nati“ prallte kurz vor der Halbzeitpause so unglücklich mit seinem Gegenspieler zusammen, dass die EM für ihn höchstwahrscheinlich beendet ist. Ein Kreuzbandriss kann laut vorsichtiger erster Prognosen wohl ausgeschlossen werden, aber es gibt genug andere Bänder, die bei dieser Aktion in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das gilt dann wohl auch für die Schweizer Seele, deren Verfassung mit dem Halbzeitpfiff der der Polen nach der 0:1-Niederlage gegen Deutschland bei der WM 2006 zu gleichen schien. Die Hoffnung auf einer erfolgreiche EM war mit der Auswechslung von Frei zwischenzeitlich auf dem Nullpunkt – erst als der Baseler St. Jakob-Park bemerkte, dass der für Frei gekommene Hakan Yakin auch kein Schlechter ist, stieg die Euphorie wieder.

Dafür waren die tschechischen Fans nun negativ erregt. Wieder einmal hatte ihr Teamchef, die graue Eminenz Karel Brückner, einen – auch für den betroffenen Jan Koller – schwer nachzuvollziehenden Wechsel vollzogen. Vaclav Sverkos, erst in Gladbach und dann in Berlin wegen schlechter Leistungen davongejagt, kam für den Riesen, der in Deutschland nur noch Zweite Liga spielt und genau so auch in Basel auftrat. Doch Sverkos zeigte es allen, reagierte in der 71. Minute am schnellsten und ließ dem hochgradig souverän auftretenden Diego Benaglio im Schweizer Tor keine Chance.

Die hatte auf der anderen Seite dann aber der eingewechselte Johan Vonlanthen. Der 22-Jährige brachte es jedoch nicht fertig, den Ball freistehend am tschechischen Eishockey-Keeper Peter Cech vorbeizubringen und traf nur die Latte. Es war eine symptomatische Szene für das Schweizer Spiel. Sie rackerten, rannten, spielten sogar ansehnlichen Fußball. Wenn es allerdings darum ging, das eigentliche Ziel des Fußballspiels zu erreichen, versagten ihnen die Nerven. Das erinnerte sehr stark an einen Zweitliga-Aufsteiger im ersten Bundesligajahr. Genauso unbeholfen, genauso unglücklich, weil nicht bis zur letzten Konsequenz weiterspielend – so ist der 1. FC Köln in der Saison 2003/2004 abgestiegen.

Das kann den Schweizern natürlich nicht passieren. Ottmar Hitzfeld wird keine komplett neue Mannschaft aufbauen müssen (auch Marco Streller wird, wenn man Ludovic Magnin Glauben schenkt, seinen Rücktritt vom Rücktritt erklären), selbst wenn der aktuelle und quietsch-sympathische Trainer Köbi Kuhn in der Vorrunde ausscheidet. Und die Gefahr, dass sich die Mannschaft nun nach der Auftakt-Niederlage aufgibt – so wie es der FC 03/04 nach einem bestimmten Teil der Saison getan hat – ist ohnehin gering. Die Schweizer haben eines der emotionalsten Spiele der EM vor der Brust. Die Türkei wartet am Mittwoch und obwohl die Türken härter bestraft wurden, haben irgendwie beide noch eine Rechnung miteinander offen.

Egal, wie das Abend-Spiel zwischen den Türken und den Portugiesen ausgeht, für die Schweizer wird es am zweiten Spieltag bereits um Alles gehen. Unbeholfenheit ist in so einem Spiel natürlich fehl am Platz. Es ist die Aufgabe von Köbi Kuhn die so schnell wie möglich aus seinen jungen Spielern herauszubekommen. Dann – und nur dann – ist diese EM für die Schweiz noch zu retten.

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Jetzt geht’s los

7. Juni 2008

Das Warten hat ein Ende: Heute abend beginnt endlich die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Und auch wenn unsere südlichen Nachbarn anscheinend noch nicht in EM-Stimmung sind, wird sich das spätestens um 18.00 Uhr ändern. Dann spielt die Schweiz gegen Tschechien das Eröffnungsspiel in Basel. Die Chancen für den einen der beiden Gastgeber stehen nicht so schlecht – auch wenn meine EM-Vorschau etwas anderes besagt – und ein Sieg könnte dafür sorgen, dass die rot-weißen Girlanden, Fahnen und Hawaii-Ketten ganz schnell ins öffentliche Bild treten. Ich hoffe darauf und wünsche mir deshalb einen 3:1-Sieg der Eidgenossen.

Das zweite Spiel wird zeigen, ob Portugal der Favoritenrolle gerecht werden kann. Die sehr stimmige Analyse von allesaussersport zeigt, dass es für die Portugiesen bereits im ersten Spiel eng werden könnte, vorausgesetzt die Türken versuchen nicht von sich aus, die Mannschaft um Superstar Christiano Ronaldo zu überrennen. In diesem Spiel ist alles drin:

– ein klarer Auftakterfolg des Favoriten (der die Türken in tiefe Depressionen stürzen würde, aus denen sie nicht mehr herauskommen würden)

– ein 4:4-Unentschieden (dass mir als neutralem Betrachter am liebsten wäre)

-ein Überraschungserfolg der Türken (was deren Brust so voll mit Stolz machen würde, dass sie für den Rest des Turniers zu keinem anständigen Pass mehr imstande wären).

Natürlich auch ein lahmes „bitte ein langweiliges Ergebnis einsetzen“. Aber davon gibt es bei dieser EM, hoffe ich zumindest, nicht all zu viele. Ich bin jedenfalls heiß auf den Start. Vor allem natürlich auf den Sonntag. Der Raab hat ja schonmal gezeigt, wie es gehen könnte..

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Entweder Trikot aus oder du fliegst!

3. September 2007

1999 – Ein Tag nach dem legendären Champions League Finale zwischen Manchester und Bayern. Es ist ein sonniger Morgen mit nur vereinzelten Wolken am Himmel, als der gebürtige Engländer Michael Bolden in München zur Arbeit geht. Es geht ihm gut, richtig gut sogar. Auch wenn der Abend zuvor lang war und er das eine oder andere Bier zuviel getrunken hat: Who cares? ManU ist Champions League Sieger! Nach dem Spiel des Jahrhunderts! Ach was, des Jahrtausends!

Bolden schlendert über den Markt. Er hat nur wenig geschlafen, aber das Adrenalin, dass ihn immernoch durchfließt, hält ihn wach. Als Taxifahrer muss er das auch sein. Auf dem Weg zu seinem Auto, dass in einer Tiefgarage der Firma abgestellt ist, stellt er sich das Gesicht seines Chefs vor. Einmal, als Sheringham den Ausgleich erzielt, ein zweites Mal nach Solskjaers Knock-Out kurze Zeit später und dann, vorausschauend, wie er gleich gucken wird. Denn der frenetische Bayern-Fan war und ist, da ist sich Bolden sicher, am Boden zerstört. Was den ManU-Fan aber noch fröhlicher macht: Sein Chef wird versuchen, seine Enttäuschung zu verbergen.

Doch Bolden will sie sehen, er will seinen Chef ein bisschen aufziehen. Deshalb hat er heute morgen auch das rote Trikot angezogen – natürlich – mit dem Namen des Siegtorschützen hinten drauf. Mit der Sicherheit in Gedanken, seinen Chef sogleich die Zornesröte ins Gesicht zu treiben, betritt Bolden die Geschäftsstelle. Zehn Minuten später ist er gefeuert.

So bzw. so ähnlich hat es sich im Mai 2006 in der Türkei zugetragen. Allerdings noch ein bisschen schärfer, da es sich bei dem Fahrer um einen Galatasaray- und beim Arbeitgeber um einen Fenerbahce-Fan handelte. Die Rivalität zwischen den beiden Istanbuler Klubs ist noch größer, als die zwischen Schalke und Dortmund, von der zwischen ManU und Bayern gar nicht zu reden (obowhl diese damals mit Sicherheit der von Schalke und Dortmund gleich kam). Und Galatasaray ist am letzten Spieltag an Fenerbahce vorbeigezogen.

Heute hat die höchste Instanz der Türkei entschieden, dass der Rauswurf nicht rechtens war und der Fahrer am Arbeitsplatz weiterhin das Trikot seiner Mannschaft tragen darf. Ein Sieg für den Fußball.