Archive for Juli 2009

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5 Jahre nur noch Schals

27. Juli 2009

Gerade noch hochgelobt, muss man einen Teil der Hertha-Fans schon wieder kritisieren…

Ständig haben sich damals, als ich noch bei Hertha gearbeitet habe, Fans über unsinnige und zu große Einschränkungen was ihre gestalterischen Entfaltungsmöglichkeiten im Stadion angeht, beschwert. Oft zurecht, wie ich meine, vor allem weil viele Beschränkungen unverständlich sind. Warum man zum Beispiel zum „Freundschaftsduell“ nach Karlsruhe nur Doppelhalter, ein Megafon, Trommeln (unten offen oder einsehbar) und kleine Fahnen (Fanshop-Artikel, bis 1,50m) mitnehmen durfte, nach Frankfurt dagegen auch noch große Schwenkfahnen, Fanclubbanner und Zaunfahnen wird nicht so recht deutlich. Klar, dass da manchmal ein Willkür-Gefühl aufkommt.

Einige Vereine (darunter Borussia Dortmund, der Hamburger SV und der 1. FC Köln) haben sich deshalb eine 1. transparente und 2. sehr tolerante Taktik verschrieben. Demnach darf alles in den Block was Spaß macht (siehe oben) außer Pyrotechnik. Sollten gegnerische Fans dagegen verstoßen, ist für die nächsten Auswärtsspiele nichts mehr erlaubt, außer Schals. Das ist einfach und Leute, die es schaffen, sich eine Fahrkarte aus dem Automaten zu ziehen, werden keine Probleme haben, das zu verstehen. Dachte ich jedenfalls.

Denn auch der FC St. Pauli hat sich diesem Pamphlet unterworfen und das ist dem Klub angesichts des kleinen, engen Stadions am Millerntor eigentlich schon hoch anzurechnen. Trotzdem haben es einige im Hertha-Fanblock für nötig befunden, ihre Feuerwerkskörper abzubrennen. Und auch wenn jetzt einige sagen werden: „Na und? Am Millerntor spielen wir doch eh nicht diese Saison.“ Die Sperre gilt für fünf Jahre und es ist natürlich auch eine Sache des Images. Man kann dadurch auffallen, dass man kreative Fanlieder singt. Oder dadurch, in wievielen Stadien man keine Choreographien mehr durchführen darf. St. Pauli ist nach dem Stadion in Köln die zweite Arena, in der Hertha-Fans zukünftig nur noch durch Gesänge und Schals auffallen dürfen. Ich würde Ersteres bevorzugen. Und ich hoffe die Hertha-Fans tun das auch.

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Vertrauen in den Manager

27. Juli 2009

Ich halte viel von Michael Preetz. Der Mann identifiziert sich nicht nur mit Hertha, hat das nötige Standing im Verein und bei der Mannschaft und kennt beide Seiten des Profigeschäfts, sondern er hat sich auch einen unverblümten Blick auf die Realität behalten. Dass diese bei Hertha im Moment mit dem Wirtschaftsbegriff „Geldknappheit“ ganz gut umschrieben ist, akzeptiert er und hat sich damit arrangiert. Preetz versucht alles, um Trainer Favre seine ohnehin schon sehr sparsamen Wünsche zu erfüllen. Der Schweizer weiß, dass dem Hoeneß-Nachfolger die Hände gebunden sind, doch er und Preetz vertrauen sich gegenseitig. Das ist die große Verbesserung in der Führungsetage seit dem Ende der Hoeneß-Ära.

Natürlich muss auch Preetz ab und zu mal etwas tun, sagen oder lassen, was in erster Linie taktischer Natur ist. So gab er vor ein paar Tagen der Berliner Morgenpost ein Interview, in dem es zum Ende hin auch um die Personalie Andrey Voronin ging. Preetz gab an, dass man zwar keinen Kontakt habe, aber der Transfer in der Vorsaison ja auch erst kurz vor Schluss über die Bühne gegangen sei. Und dann folgte eine Aussage, die ich nach den bisherigen Testspielen und der schnell aufgekommenen Diskussion um die Abwehrprobleme von Hertha, nur noch einmal hervorholen wollte.

„Joe Simunic war eminent wichtig – aber für mich war es vor allem Andrey Voronin, der den Unterschied ausgemacht hat. Er hat die Tore geschossen, die diese fantastische Euphorie ausgelöst haben.“

Nunja, ich fand diese Passage vor ein paar Tagen schon bedenklich. Natürlich kann er sowas nach dem sicheren Abgang von Simunic sagen, vielleicht auch, um den Verlust ein wenig herunterzuspielen. Aber wenn wir mal ehrlich sind, dann ist das hochgradig diskutabel. Klar hat Voronin mit seinen Toren die Euphorie ausgelöst, aber dass er den Unterschied ausgemacht haben soll? Den Unterschied hat für mich in der vergangenen Saison ein, zweimal Jaroslav Drobny gemacht. Drei, viermal war es tatsächlich Andrey Voronin. Aber über die gesamte Spielzeit gesehen, war es Joe Simunic, der hinten den Laden zusammengehalten hat und damit die knappen Siege überhaupt erst ermöglicht hat.

Ich weiß, dass man Testspielergebnisse nicht überbewerten sollte und ich wollte mich auch eigentlich erst nach ein paar Pflichtspielen zum aktuellen Stand der Mannschaft äußern, aber wenn jetzt selbst bei den Verantwortlichen plötzlich Panik auszubrechen scheint, dann wird mir ein bisschen Bange. Wenn man den zugegebenermaßen immer gleich klingenden Zitaten („Ja, es stimmt…“) in der BILD Glauben schenkt, soll jetzt zusätzlich zum 21jährigen Pejcinovic noch ein „Riese“ kommen. Die Frage, ob Favre dann auf Dauer noch auf Arne Friedrich baut, wird heute nicht ganz zu Unrecht vom Tagesspiegel gestellt. Jedenfalls soll der Neue in der Champions League Qualfikation noch einmal beobachtet werden. Marko Basa, mit dem man bereits verhandelt hatte, fällt damit aus dem Raster, denn sein Klub Lokomotive Moskau spielt nicht europäisch.

Sollte noch jemand geholt werden, aber auch wenn nicht, dürfte klar sein, dass Steve von Bergen und vor allem Kaka keine Zukunft im Hertha-Trikot haben. Die Variante Gojko Kacar ins Abwehrzentrum zurückzuziehen, wäre ebenfalls vom Tisch – der Serbe ist im Mittelfeld und der Offensive viel zu wichtig. Es wäre also eine Verpflichtung mit einer gewissen Tragweite, obwohl man ja schon beim „nur“ 1,84m großen Pejcinovic dachte, dass die Planungen in diesem Bereich jetzt abgeschlossen wären. Das ist aber scheinbar jetzt doch nicht der Fall.

Wie wichtig ein paar Tage vor dem Schließen der Transferliste gute Kontakte und Verhandlungsgeschick ist, davon kann Ex-Manager Dieter Hoeneß ein Lied singen. Ob Preetz damals als sein Assistent zugehört und es auswendig gelernt oder – was noch besser wäre – es sogar auf seine Stimme umgeschrieben hat, werden die nächsten Tage zeigen. In der Vorbereitung werden die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison gelegt, sagen die Trainer immer. Michael Preetz muss das in ihn gesetzte Vertrauen gleich mal bestätigen.

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Die Kabinenpredigt-Einzelkritik: Die Offensive

20. Juli 2009

Ok, es hat gedauert. Ich hab manchmal solche Phasen. Kommende und schon angelaufene „Projekte“ (das klingt ganz schön beschäftigt) und Hausarbeiten werfen ihre Schatten voraus und fressen Arbeitsstunden. Nun aber bin ich tatsächlich zum zweiten Teil gekommen.

Die Saison ist vorbei. Hertha am Ende auf einem enttäuschenden starken vierten Platz gelandet. Nun ist es Zeit abzurechnen. Die Kabinenpredigt nimmt sich in zwei Teilen – mal schmunzelnd, mal anprangernd, mal bierernst – jeden einzelnen Spieler vor. Teil Eins beginnt mit der Hertha-Defensive, von den Torhütern, über die Abwehrspieler, bis zum einzigen Mittelfeldspieler ohne Offensiv-Aufgaben.

Das Mittelfeld – mit Offensivaufgaben

Gojko Kacar: Wenn Lucien Favre einmal Gott spielen dürfte und sich in dieser Funktion allein darauf konzentrieren würde, Fußballer zu erschaffen, die dem Idealbild der Polyvalenz entsprechen, wäre es verdammt wahrscheinlich, dass dabei eine Reihe von Spielern herauskommen würde, denen Gojko Kacar sehr nahe kommt. Der immer noch erst 22jährige Serbe fiel zwar in der Rückrunde leistungsmäßig ab, das hatte aber erstens verletzungsbedingte Ursachen und fiel zweitens auch nur deshalb auf, weil Kacar seit seiner Verpflichtung im Winter ’08 derartig stark aufgespielt hatte, dass er dieses Niveau unmöglich konstant halten konnte. Dass er trotzdem noch zu solchen Toren fähig war, spricht für ihn. Die Kicker-Durchschnittsnote: 3,83 dagegen nicht.

Cicero: Als Cicero seine Mannschaft am 21. Februar in Wolfsburg in der 61. Minute mit 1:0 in Führung brachte, da wackelte das spätere Meisterteam von Felix Magath bedenklich und die Hertha-Fans sangen zum ersten Mal in einem fremden Stadion ihr Lied. Cicero selbst hatte schon im November des Vorjahres konstatiert, dass Hertha deshalb Meister werde, „weil Gott auf unserer Seite ist„. Leider war Schiedsrichter Kircher an diesem Tag auf Wolfsburger Seite, die danach nur noch selten derartig in Bedrängnis kamen und schließlich Deutscher Meister wurden. Bemerkenswert bleibt Ciceros Leihvertrag, der es Hertha erlaubt, bis einschließlich 2010 zu warten, bis man die Kaufoption von unter vier Millionen Euro zieht, um ihn dann für vier Jahre an sich zu binden. Diesen verkappten 6-Jahresvertrag darf sich Dieter Hoeneß im Rückblick auf seine Amtszeit auf die positive Habenseite schreiben. Kicker-Durchschnittsnote: 3,56

Maximilian Nicu: Der aus Wehen und damit der zweiten Liga gekommene Mittelfeldspieler sollte eigentlich eine Lücke füllen, die seit Sebastian Deisler nicht mehr gefüllt wurde: Anständige Freistöße, Ecken und Flanken zu schlagen. Dafür war Nicu in Wehen bekannt, doch in Berlin rückte er von der Außenbahn mit zunehmender Saisondauer immer mehr in die Mitte – von wo aus es sich schlecht Flanken lässt. Weil auch die Ecken entweder von Ebert oder Voronin, die Freistöße von Ebert oder Cicero getreten wurden, bleib für Nicu nur noch die Rolle des Ballverteilers vor der Abwehr oder über links. Das machte er zu Beginn der Saison erstaunlich gut, brach jedoch zum Ende der Saison ein, sodass man sich immer häufiger fragte, ob er überhaupt auf dem Platz war. Kicker-Durchschnittsnote: 3,72.

Patrick Ebert: Es schien exemplarisch für Eberts Reifeprozess, dass er neben Andrey Voronin mit den größten Anteil am – am Ende zwar wertlosen – aber doch so schönen Auswärtssieg in Cottbus hatte. Wieder hatte er eine dieser leicht angelupften Flanken in den Strafraum geschlagen, die schon so etwas wie sein Markenzeichen sind (so hatte er auch schon die Führung in Wolfsburg drei Wochen zuvor vorbereitet) und wieder hatte sie einen Abnehmer gefunden. Der immer noch erst 22-Jährige hatte mitnichten eine leichte Saison zu bewältigen. Jeder erwartete von ihm den nächsten Satz nach vorne. Dass man sich da mal gehen lässt, sollte zwar nicht, darf aber mal passieren. Vor allem solange die Leistung stimmt. Und die war in dieser Saison größtenteils da, wenn sie auch, wie bei allen, zum Ende hin abfiel. Acht Vorlagen und drei Tore sind jedenfalls genauso ausbaufähig, wie die Kicker-Durchschnittsnote: 3,47

Raffael: Man muss sich das so vorstellen, als wäre der Brasilianer ein talentierter Schuljunge, der immer so ein wenig lustlos durch die Gegend rennt. Da macht man sich als Eltern natürlich Sorgen. „Mein Junge kann mehr, er muss nur wollen“ ist kein selten geäußerter Satz in so einem Fall. Bei Raffael ist es genauso. Lustlos sieht es manchmal aus, so völlig ohne Leidenschaft, wenn er über den Platz läuft. Doch dann, wenn der Ball den Weg an seinen Fuß findet, kann man zugucken, wie dem Mann das Herz aufgeht. Raffael ist kein Krawalldribbler wie Lio Messi. Raffael ist ein Genießer. Er malt seine Laufwege und Pässe aufs Spielfeld, ist ein Künstler, der sich seiner Kreativität sehr wohl bewusst ist, der das nach außen aber überhaupt nicht zeigt. Deshalb wird er oft schlechter bewertet, als er eigentlich spielte. Die Kicker-Durchschnittsnote von 3,77 zeigt das ganz gut.

Fabian Lustenberger: Es war nicht das Jahr des Schweizers und dass, obwohl die Hinrunde mit einem Treffer beim 3:1 im Pokalspiel gegen Trier verheißungsvoll begann. Doch anschließend machte sich Lucien Favre einen Spaß daraus, seinen Schützling entweder ein- oder auszuwechseln. Bis auf drei Uefa-Cup-Spiele und das Pokal-Aus in Dortmund nahm sich Lustenberger den Opel-Mitarbeitern ein Vorbild und betrieb Kurzarbeit. Gehaltskürzungen oder eine Zuzahlung aus dem öffentlichen Fundus braucht er allerdings wohl nicht zu erwarten. Fällt außerhalb des Fußballs durch seine extravagante Frisur und Frauengeschichten auf, darf aber trotzdem nicht mit Abel Xavier oder gar Christiano Ronaldo verglichen werden. Vergleiche sind aber eh doof. Kicker-Durchschnittsnote: 3,92

Marko Babic: Als der Kroate kostenlos aus dem warmen Sevilla ins kalte, winterliche Berlin kam, dachte man zuerst: Hey, da will es einer nochmal wissen. Aber immer wenn Babic dann von Lucien Favre ins Spiel gebracht wurde, merkte man ihm an, dass da einer alles andere als polyvalent ist. Den Rückstand, den er hatte, um im favreschen System zu funktionieren, konnte er nie aufholen. Durfte aber wenigstens beim 2:1-Erfolg gegen die Bayern 90 Minuten durchspielen und machte zusammen mit Rodnei die linke Seite dicht. Kam danach nur noch sporadisch zum Einsatz und ist nun vereinslos. Kicker-Durchschnittsnote 4,50.

Lukasz Piszczek: Man merkt diesem Jungen jede Minute seiner technischen Ausbildung an. Wenn Piszczek Flanken schlägt, dann haben sie zwar noch nicht die Präzision eines Ebert, aber zumindest die Ästhetik eines Deislers. Zum Start der Saison hatte er es sogar in die erste Elf geschafft, plagte sich aber wohl dort schon mit Hüftproblemen herum, die ihn in der Folge fünf Monate seiner Karriere und Hertha mit Sicherheit zahlreiche schöne Aktionen über Außen kosteten. Der Pole hatte zum Ende der Saison das Problem, dass Lucien Favre ein Problem auf der rechten Verteidigerseite hatte und ihn dorthin beorderte. Ein bisschen sind seine Offensivqualitäten dort verschenkt. Kicker-Durchschnittsnote: 3,89

Lúcio: Er hat lange auf diesen Moment gewartet und hätte in der Sekunde seiner Einwechslung im Berliner Olympiastadion jemand eine dermatologische Untersuchung durchgeführt, er hätte ausschließlich Gänsehaut vorgefunden. Als Lúcio am 9. Mai 2009 wieder als gesunder Fußballer den Rasen betrat, war eine Leidenszeit zuende, die am 28. September 2007 begonnen hatte und zwischenzeitlich sogar mit der Drohung des Karriereendes aufwartete. Für Hertha ist der Brasilianer der erste Neuzugang für die kommende Saison. Wenn er nur annähernd an seine Leistungen aus seinen ersten acht Spielen anknüpfen kann, hat sich das Warten bereits gelohnt. Keine Kicker-Durchschnittsnote für diese Saison.

Lennart Hartmann: Hartmann durfte, wie auch seine Mannschaftskollegen Florian Riedel und Sascha Bigalke zu Beginn der Saison in der Uefa-Cup-Qualifikation ran und schien tatsächlich den Anschluss an die Mannschaft gefunden zu haben. Sowohl im DFB-Pokal, als auch am ersten Spieltag in Frankfurt wurde er eingewechselt. Im gleichen Zeitraum erhielt er auch die Fritz-Walter-Medaille in Silber, die auch Marko Marin und Manuel Neuer schon im Schrank stehen haben. Dann verletzte sich „Lenni“ allerdings und verschwand, wie die anderen beiden, von der Bildfläche. Doch die paar Einsätze – und natürlich die tägliche Trainingsarbeit – haben gereicht, um Lucien Favre zu überzeugen. Hartmann ist einer der aussichtsreichen Kandidaten auf mehr als nur den Rang eines Reservisten. Als 18-Jähriger nicht die schlechtesten Aussichten.

Der Angriff

Marko Pantelic: Man kann über Marko Pantelic sagen was man will, aber nicht, dass er nicht eine fantastischen Unterhaltungswert hatte. Pantelic war fähig, mehrere Schauplätze gleichzeitig zu bespielen und nebenbei noch ein paar Tore zu schießen, damit ihm niemand etwas anhaben konnte. Dafür liebten ihn die Fans (und tun es irgendwo immer noch) und sogar der Manager. Nur der Trainer wollte einfach nicht mit dem Serben warm werden, sei es nun wegen seiner Extravaganz oder seinem Spielegoismus. Irgendwie passte es zu Pantelic, dass am Ende alles so tragisch war. Er wäre so gerne geblieben. Die Fans hätten ihn so gerne behalten. Nur der so erfolgreiche Trainer hatte was dagegen. Ironisch, dass Pantelic selbst zum Erfolg beitrug. Schade, dass sein Abgang nicht ein wenig stilvoller vonstatten ging. Kicker-Durchschnittsnote 3,73.

Andrey Voronin: Es schien eine neue Liebesbeziehung werden zu können zwischen Andrey Voronin und Berlin. Voronin traf wie er wollte und hatte einen Riesenanteil an der Chance auf die Meisterschaft. Denn der Ukrainer schoss genau solche Tore, die eine Mannschaft wie Hertha brauchte: Unmögliche und Tödliche. Er traf wie er wollte und wurde vorzeitig zum König von Berlin gekrönt. Doch als plötzlich der Erfolg weg war und das Geld nicht kam, da kühlte das Verhältnis merklich und in Rekordgeschwindigkeit ab. So richtig trauert dem Ukrainer keiner mehr nach. Und einen neuen König gibt es ja bereits. Kicker-Durchschnittsnote: 3,35

Amine Chermiti: Wahrscheinlich trauert den beiden Alt-Stars aber auch deshalb niemand nach, weil sie Plätze für zwei andere, hochtalentierte Stürmer freimachen. Einer davon ist Amine Chermiti, der „schöne“ Tunesier, der in seiner Heimat bereits mit 20 ein umjubelter Star war und den in Berlin noch kaum jemand kennt. Das liegt auch daran, dass er in seinen bisher zehn Bundesligaeinsätzen noch kein Tor zustande gebracht hat und damals beim Vorbereitungsturnier im Winter in der LTU-Arena beim Elfmeterschießen sogar seinen Elfmeter versemmelte. Doch Chermiti zeigt den Willen und hat alle Anlagen, endlich den Durchbruch zu packen. Das hat er den wenigen Minuten Spielzeit, die er in der letzten Saison bekam, immer wieder gezeigt. Kicker-Durchschnittsnote: 4,00.

Valery Domovchyiski: Der Mann mit dem Namen, den Kommentatoren aus unerfindlichen Gründen nicht mögen (was sollen den Live-Ticker-Menschen sagen??), hat sich bereits in der Saison 07/08 in den Geschichtsbüchern verewigt, als er Oliver Kahn das letzte Gegentor seiner Karriere einschenkte. Dass ihm das nicht reicht, zeigt er mit unermüdlichem Einsatz bei seinen zahlreichen Einwechslungen. Wurde anfangs ein bisschen belächelt, was aber schlicht und ergreifend an seinen vielen Vorgängern lag, denen das Prädikat „Riesentalent“ auf die Stirn gedruckt wurde (Lakic, Okoronkwo, Zilic) und die es nicht wert waren. „Domo“ (kleiner Tipp an die Live-Ticker-Menschen) hingegen ist weder lethargisch (Lakic), noch undiszipliniert (Okoronkwo) und wird seinen Weg machen. Ob das noch lange bei Hertha der Fall sein wird, ist die Frage. Sein Vertrag läuft am Ende der neuen Saison ab. Interessant ist seine Kicker-Durchschnittsnote, die mit dem Wert von 2,5 die mit Abstand beste im Hertha-Kader ist (und zeigt, wie Statistik verzerren kann. Domovchyiski machte 24 Spiele, von denen wegen zu später Einwechslungen nur eines bewertet wurde).