Posts Tagged ‘Liverpool’

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Ein kurzes Vergnügen?

3. September 2008

Mit Andrej Voronin hat Hertha BSC einen Spieler verpflichtet, den man bei den als langweilig verschrienen Berlinern nicht erwartet hätte. Das ist gut fürs Image in der Fußballwelt und wohl auch eine Verstärkung für die Mannschaft. Einen Haken hat der Transfer allerdings. Er könnte ein Bumerang werden.

Nach Informationen und vor allem Interpretation der Berliner Morgenpost handelt es sich bei der Transaktion um einen „erstaunlich günstigen“ Deal. Hertha zahlte demnach keine Leihgebühr und muss angeblich auch „nur“ 150.000 Euro pro Monat an den Ukrainer überweisen. Zum Vergleich: Arne Friedrich freut sich zwölf Mal im Jahr über ca. 250.000 Euro. Auch die Morgenpost geht davon aus, „dass der FC Liverpool da noch etwas zuzahlt.“ Dem stimme ich zu. Ich bin mir sicher, dass Hertha das Gehalt eines Premier-League-Profis, der zudem noch eine exklusiven Lebensstil pflegt, nicht alleine hätte stemmen können bzw. wollen. Die Frage ist nur: Wie viel zahlt der englische Rekordmeister denn noch?

Der Berliner Tagesspiegel nämlich nennt eine nicht unerheblich größere Gehaltssumme. Dort ist von „fast fünf Millionen Euro“ jährlich die Rede, die der 29-Jährige in England verdient haben soll. Und irgendwie passt diese Fünf vor den sechs Nullen besser in das Bild der englischen Verschwendungsmaschinerie Premier League. Woronin kam erst zu Beginn der vergangenen Saison nach Liverpool, hatte sich aber bereits Mitte Februar 2007 für den Anfang des Monats von den US-amerikanischen Investoren Gillet und Hicks übernommenen Klub entschieden. Jetzt sind solche Geldgeber nicht gerade dafür bekannt, dass sie sich 1. mit dem komplizierten Vertragswert von Fußball-Profis auskennen und 2. besonders aufs Geld schauen. Nicht ohne Grund beglichen die beiden Milliardäre damals nicht nur den auf über 100 Millionen Euro angewachsenen Schuldenberg des Vereins, sondern kündigten auch den Bau einer mehr als dreimal so teuren neuen Arena an. Von „neuen Topstars“ ganz zu schweigen.

Natürlich wird Andrej Voronin das gewusst haben. Und wenn er es nicht gewusst hat, dann hat es sein Berater Andreyj Golowasch gewusst. Dementsprechend wird sein Gehaltsscheck in England jeden Monat ausgefallen sein – und das, obwohl er danach nicht über den Status des Edelreservisten hinaus kam. Das lag wiederum daran, dass Gillet und Hicks bei Voronin nicht Halt machten, sondern mit Fernando Torres und Ryan Babel noch zwei weitere Stürmer holten. Aber um die Einkaufspolitik des FC Liverpool soll es hier jetzt nicht hauptsächlich gehen.

Geht man davon aus, dass Voronin in England tatsächlich die kolportierten fünf Millionen Euro verdient hat, zahlt Hertha nicht 1,8 Millionen, sondern mindestens 2,5. Und hier kommt Marko Pantelic und mit ihm Brisanz ins Spiel. Der Stürmer verdient in Berlin dem Vernehmen nach 1,6 Millionen Euro. Und fordert für eine Vertragsverlängerung im Sommer mehr als das Doppelte. Vier Millionen Euro per annum, eine Laufzeit von vier oder fünf Jahren. Dieter Hoeneß winkte ab, Pantelic verstand die Welt nicht mehr. Es spricht viel dafür, dass sich der stolze Serbe die Vertragsdetails des Woronin-Transfers ganz genau anschauen wird. Denn was seine Selbstwahrnehmung angeht, dürfte er sich mindestens eine Stufe über dem Ukrainer sehen. Und deshalb auch erneut mehr Geld fordern. Stimmen die fünf Millionen Euro, verliert Hertha nach dieser Saison nicht nur einen, sondern gleich beide Topstürmer. Denn in diese Sphären wird sich Hoeneß nicht drängen lassen.

Außerdem ist bisher nicht überliefert, ob und wie sich der serbische Ausnahmespieler zu seinem neuen Sturmpartner geäußert hat. Wenn er denn der neue Sturmpartner ist. BildOnline sieht Voronin zusammen mit dem Brasilianer Raffael hinter der einzigen Spitze Pantelic. Für Heimspiele eine durchaus praktikable Ausrichtung. Für Auswärtsspiele allerdings zu offensiv. Wen setzt Favre auf die Bank? Seinen Lieblingsspieler Raffael? Den Starneuzugang, dem er auf der Pressekonferenz nach der Unterschrift die von ihm für einen Fußballer unabdingbare „Polyvalenz“ zuschrieb? Oder Marko Pantelic, den der Trainer nach dem Saisonauftakt zum ersten Mal nach einem Jahr Amtszeit mit lobenden Worten bedacht hat (den er aber trotzdem gerne längst verkauft hätte, um weitere pflegeleichtere Spieler zu holen).

Die Personalie Woronin könnte in Berlin noch weit über diesen 1. September hinaus für Furore sorgen. Nicht nur wegen ungenauer Regeln für Schreibweisen von ukrainischen Nationalspielern…

Ebenfalls lesenswert: Ein paar Aussagen von Voronin über den englischen Lebensstil. Wohl ein weiterer Grund dafür, dass er nicht lange überlegt hat, als das Hertha-Angebot kam.

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Voronin für ein Jahr nach Berlin

1. September 2008

Hertha BSC hat seine Mannschaft aller Voraussicht nach kurz vor Schließung der Transferliste noch einmal verstärkt. Der Berliner Bundesligist wird, wenn man sich mit dem Spieler bis 24 Uhr einigt, Andriy Voronin für ein Jahr auf Leihbasis vom FC Liverpool verpflichten. Dies verkündete der englische Rekordmeister auf seiner Internetseite. Der Tabellen-10. reagiert damit auf die Verletzung von Neuzugang Amine Chermiti, der erst vor ein paar Wochen bei den Berlinern unterschrieben hatte, sich aber im Uefa-Pokal-Rückspiel gegen NK Interblock Ljubljana (1:0) einen Innenbandriss zuzog und für ca. acht Wochen ausfällt. Zudem verließ Solomon Okoronkwo die Hauptstädter in Richtung Russland.

Voronin, der bereits bei Borussia Mönchengladbach, Mainz 05, 1.FC Köln und Bayer Leverkusen in der Bundesliga gespielt hatte, konnte sich in England trotz sechs Treffern in 27 Spielen nie wirklich durchsetzen.

So, wollte auch mal ne einfache Meldung verfassen.

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Viel Glück reicht nicht

23. April 2008

Als John Arne Riise in der 62. Minute des Champions-League-Halbfinal-Hinspiels (kann man dafür keine gescheite Abkürzung finden?) für Fabio Aurelio eingewechselt wurde, waren die Fans des FC Liverpool frohen Mutes. Denn Riise ist dafür bekannt, dass er auch aus 35 Metern mit seinem starken linken Fuß Tore erzielen kann. Außerdem entspricht er mit seinem perfekt durchtrainierten Körper genau dem Abbild des idealen englischen Fußballers, der sich nicht von einem Bodycheck umhauen lässt, sondern einfach stehen bleibt. Riise ist nicht umsonst unumstrittener Publikumsliebling beim englischen Traditionsklub.

Etwas mehr als eine halbe Stunde später bekam das Denkmal des stämmigen und doch agilen Norwegers leichte Risse. Das Spiel gegen den FC Chelsea war eigentlich vorbei, Liverpool hatte 1:0 zu gewonnen und sich damit eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche geschafft. Und dann kam Riise in der Nachspielzeit der Nachspielzeit, genauer wenige Sekunden nach Ablauf der ohnehin viel zu langen vierminütigen Extra-Time und köpfte den Ball völig unbedrängt ins eigene Tor. 1:1. Stille an der Anfield Road, eine gespenstische Atmosphäre, die so zum letzten Mal am 16.12.2007 bei der 0:1-Niederlage, der letzten im heimischen Stadion, gegen Manchester United auftrat. Unentschieden hatte die Mannschaft von Rafa Benitez des Öfteren gespielt, doch dieses 1:1 war eine gefühlte Niederlage. Durch das Auswärtstor der „Blues“ steht es vor dem Rückspiel eigentlich 1:2.

In den 94 Minuten zuvor bewarb sich die Mannschaft von Michael Ballack in einer bemerkenswerten Art und Weise für das Ausscheiden aus der Champions League. Es wäre das vierte Mal in den letzten fünf Jahren und das dritte Mal davon gegen den FC Liverpool. Liverpool war in allen Belangen die bessere Mannschaft, allein der teuerste Stürmer der Vereinsgeschichte, Stürmer Fernando Torres hätte drei Tore erzielen können. Sein Gegenüber Didier Drogba blieb weitestgehend wirkungslos und ließ bei Chelsea-Unkundigen die Frage nach dem auf der Bank schmorenden Andri Shevchenko aufkommen. Wer Chelsea in den letzten Monaten beobachtet hat, weiß, dass Shevckenko geistig schon lange nicht mehr in London ist. Sein Körper wird ab und zu, zuletzt beim 1:1 gegen Wigan Athletic am 14. April in der 90. Minute, eingewechselt. Aber selbst Shevchenko kann aus keinen Zuspielen auch keine Tore machen.

Chelsea fehlt die Kreativität im Mittelfeld. Frank Lampard und Claude Makelele sind eher fürs Grobe zuständig und Michael Ballack, technisch zwar stark verbessert, dafür aber nicht zu gebrauchen. Trainer Avram Grant tut nichts dagegen, verlässt sich 70 Minuten auf die gegen schwache Mannschaften starken Standards und nimmt Ballack dann für einen vierten Stürmer vom Feld, der Drogba nicht unterstützt, sondern ihm im Gegenteil, auf die Füße tritt. John Obi Mikel, noch am ehesten ein Spielmacher, schmorte 95 Minuten lang auf der Bank.

Trotzdem sind die Londoner zuversichtlich, was das Rückspiel in einer Woche angeht. „This result has not promised us the final – but it is a good step“ sagte Avram Grant nach dem Spiel und lag damit, wie so oft in den letzten Wochen daneben. Es war ein Schritt in Richtung Finale, aber kein guter. Ich lehne mich weit aus dem Fenster, wenn ich schreibe, dass ich mir sicher bin, dass Liverpool im Rückspiel ein Tor schießen und damit weiterkommen wird. Die „Reds“ haben zwar nicht die Spieler-Qualität des FC Chelsea, dafür aber die bessere spielerische Qualität. Und die ist im Fußball wichtiger. John Arne Riise wird das bestätigen, und beim nächsten Mal den Fuß benutzen.

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Das Phänomen aus Liverpool

3. April 2008

Da war sie wieder, diese Mannschaft. Holt ein 1:1-Unentschieden beim favorisierten FC Arsenal im Londoner Emirates Stadium und hat nun die Strippen beim Rückspiel in einer Woche selbst in der Hand. Mit Dynamik, Einsatzwillen und sogar Spielwitz gebot man der kombinationsstarken Elf von Übertrainer Arsene Wenger Einhalt. So kennt man ihn, den FC Liverpool, in der europäischen Königsklasse.

Zurecht fragt man sich allerdings in England, warum die „Reds“ ihre in der Champions League gezeigten Leistungen nicht auf die Premier League übertragen können. Dort rangiert das Team von Rafa Benitez abgeschlagen, mit acht Punkten Rückstand auf den drittplatzierten Viertelfinalgegner aus London, auf Rang Vier. Der FC Chelsea ist bereits neun, Tabellenführer Manchester United ganze 14 Punkte enteilt. Gegen Manchester gingen beide Spiele verloren (0:1, 0:3), Chelsea rang das Team um Kapitän Steven Gerrard wenigstens zwei Unentschieden ab (1:1, 0:0) und auch das Premier-League-Hinspiel zu Hause gegen den FC Arsenal endete mit einem Remis (1:1). Den deutlichen Rückstand erklärt das jedoch nicht.

Doch schaut man sich die Ergebnisse der Liverpooler an, dann wird deutlich, dass sie so unkonstant überhaupt nicht spielen. Sie gewannen sechs der letzten acht Spiele, verloren eben bei ManU und leisteten sich das Unenschieden gegen Chelsea. Der deutliche Rückstand resultiert aus der Zeit davor. Zwischen dem 30.12.07 und dem 30.1.08 holten die „Reds“ nur vier Punkte aus fünf Spielen, während die Konkurrenz punktete und davonzog. Zwischenzeitlich mussten sich die Fans an der Anfield Road sogar Gedanken um Platz Vier machen, dem letzten, der für die Qualifikation zur Champions League berechtigt. Doch im Anschluss an den Seuchenmonat im Januar baute sich Liverpool ein Fünf-Punkte-Polster auf den Nachbarn aus Everton. Nach hinten ist man also abgesichert.

Doch ein Klub wie der FC Liverpool, der in den letzten drei Jahren zweimal im Champions League Finale stand, eines davon (04/05 nach 0:3-Halbzeitrückstand gegen den AC Mailand) sensationell gewann und durch den Uefa-Cup-Sieg 2001 zu den in Europa erfolgreichsten seit der Jahrtausendwende gehört, muss natürlich auch auf der heimischen Insel Erfolge feiern. Den letzten Meistertitel gab es 1990 und damit noch vor Einführung der Premier League. Die Champions League Erfolge trösten zwar über diese Durstphase hinweg. Doch so langsam wird es beim Traditionsklub der Hafenstadt zur Methode, die schwachen Leistungen in der Liga mit grandiosen Abenden in der Champions League zu übertünchen.

Steht in der Liga eine andere Mannschaft auf dem Platz? Keine anderen Spieler, auch wenn Rafa Benitez teilweise dem Rotationsprinzip Ottmar Hitzfelds zu huldigen scheint, sondern eine andere Spielweise? Oder die gleiche Spielweise, nur andere Gegner? Liverpools Problem ist, dass in England kein Team mehr Angst hat, wenn es zu Gast in Anfield ist. Jeder weiß, dass das Team zu schlagen ist, sobald vor dem Spiel keine Hymne ertönt, die den Champions-League-Schalter im Kopf umlegt. Und aus diesem Grund werden die Fans auch in den nächsten Jahren nur zuschauen dürfen, wenn die Spieler von Manchester, Chelsea oder Arsenal den Titel unter sich ausmachen. Jetzt am Wochenende wird man wohl wieder das Liga-Liverpool sehen und kann sich ein gutes Bild über den Unterschied machen. Den der Gegner heißt, wie schon am Mittwoch, FC Arsenal.