Archive for April 2008

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Friede, Freude, Eierkuchen in Bremen

30. April 2008

Friede – Ein wichtiges Wort im beschaulichen Bremen. Der SV Werder, das ist ein Fußball-Verein, der für sein tolles Umfeld und seine herzliche Atmosphäre bekannt ist. Hier finden fast gescheiterte Profi-Karrieren zurück in die Spur. Die besten brasilianischen Talente schätzen den norddeutschen Vorzeige-Klub als Sprungbrett nach ganz oben. Sie loben die tolle Betreuung, fühlen sich meistens wohl. Der Erfolg erhielt vor allem dadurch Einzug in Bremen.

Freude – Das Jahr 2004. Werder ist Deutscher Meister. Ausgerechnet beim großen Rivalen aus München. Hier, im Münchener Olympiastadion, beginnt eine Entwicklung, die aus dem netten Bremer Fußball-Verein eine erfolgsorientierte Firma macht. Ihr Chef: Klaus Allofs, seit 1999 im Klub. Mit einer in Bremen nie gekannten Zielstrebigkeit verfolgt der ehemalige Weltklassestürmer seine Ziele und nimmt dabei keine Rücksicht auf die Gewohnheiten des Nordens. Niemand stört sich daran, denn Allofs hat Erfolg und mit Thomas Schaaf einen Trainer, der den alten SV Werder noch in sich trägt. 

Eierkuchen – Es gibt sie in süßer und herzhafter Form, was die Parallele zu Klaus Allofs erleichtert. Wenn es darum geht, baldige Weltklasse-Spieler wie Diego oder solche, die es noch mal wissen wollen, wie Johan Micoud, zu umgarnen, läuft der Manager mit der Zuckertüte durch die Gegend. Geht es darum Spieler, die den Erfolg gefährden, wie Carlos Alberto oder jetzt Ivan Klasnic, dann nimmt Allofs auch mal den Salzstreuer zur Hand und streut es diesen Spielern in die Wunden. Den netten SV Werder gibt es nur noch, wenn der Erfolg da ist.

Im April 2008 ist der Erfolg immens gefährdet. Es geht, wie immer im Fußball-Geschäft, um Geld. Geld, das wichtig ist, um dranzubleiben an den Bayern, die den Bremern einige Jahre das Gefühl gegeben hatten, sie ablösen zu können. Dass Uli Hoeneß eingenommenes Geld in schöner Regelmäßigkeit auf das Festgeldkonto überwies und sich ansonsten darauf beschränkte, mögliche Konkurrenten der Bundesliga zu schwächen, in dem er ihnen die Spieler abwarb, daran hatte man sich in Bremen gewöhnt. Mit einem guten Scouting-System schafften es die Bremer immer wieder nach München abgewanderte Spieler wie Frings, Pizarro oder Ismael zu ersetzen. Doch seit Ende der letzten Saison, hat Hoeneß eine neue Strategie. Ran ans Festgeldkonto und Spieler kaufen, die die Bundesliga noch nicht gesehen hat. Auch Werder nicht.

So ist es dazu gekommen, dass die Welle des Erfolges, auf der die defensiv schon immer schwache Mannschaft in den letzten Jahren geritten ist, in dieser Saison an ihr vorbei gerauscht ist. Der Ball fällt nicht mehr fünf bis sechsmal pro Spiel ins gegnerische Netz, findet aber trotzdem noch in schöner Regelmäßigkeit mindestens dreimal den Weg ins eigene. Sogar die eminent wichtige Qualifikation für die UEFA Champions League ist gefährdet. Es wäre eine Katastrophe für Werder und Allofs. Die erste große, seit er Manager ist.

Eierkuchen – Die süße Form davon verkörperte Allofs gerade erst wieder, als einer seiner Spieler, nämlich der nierengeschädigte Ivan Klasnic, den Fokus nicht auf den Fußball, sondern auf juristische Dinge legte. Der 28jährige Kroate verklagte zunächst den Bremer Mannschaftsarzt auf knapp 1,5 Millionen Euro, weil dieser seinen Nierenschaden nicht erkannt hatte und ihm mehrfach (es ist die Rede von 3250 Milligramm in vier Jahren – über 25 Milligramm sind verschreibungspflichtig) das Schmerzmittel Diclofenac verschrieb. Laut Packungsbeilage ist bei diesem Medikament in Kombination mit einer vorgeschädigten Niere „eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung“ erforderlich. Diese ist, so die Argumentation Klasnics, nicht erfolgt. Am Montag dann setzte er sich mit seiner Frau und seinem Anwalt zu Reinhold Beckmann in die Sendung und ließ den letzten Rest Beschaulichkeit aus dem Bremer Umfeld wegwischen: „Es kam gar nichts von Werder. Kein Anruf von Herrn Allofs. Nichts“, sagte Patricia Klasnic.

Klasnic selbst äußerte sich eher bedeckt, bestätigte aber, dass die Einnahme von Medikamenten bei Fußball-Profis gang und gäbe sei: „Ich habe die Tabletten als junger Spieler immer genommen – ich wollte ja spielen und hatte keine Ahnung, was los ist“. Der ehemalige DFB-Arzt Wilfried Kindermann sagte: „Die Schmerztabletten werden wie Smarties eingeworfen.“

Freude – War den Bremern nach „Beckmann“ nicht anzusehen. Nach der Sendung wurde Klasnic von Allofs „zum Gespräch“ gebeten. Angeblich seien die Irritiationen ausgeräumt, Klasnic werde sich sogar wieder vom Bremer Mannschaftsarzt behandeln lassen und auch eine Vertragsverlängerung steht noch zur Debatte. Wer Klasnic bei Beckmann gesehen hat, darf daran doch stark zweifeln. „Meine Wut war sehr groß“, hatte der Stürmer im Studio gesagt. Es ist eigentlich unvorstellbar, dass er sich noch einmal von diesem Arzt behandeln lässt. 

Friede – Trügerischer kann dieser in Bremen zurzeit gar nicht sein. Natürlich versucht Klaus Allofs jegliche Ablenkung, die das Ziel, der Qualifikation für die Champions League, gefährdet, im Keim zu ersticken. Doch dafür kam er im „Fall Klasnic“ um einiges zu spät. Die „Einigung“, die der Presse nun präsentiert wurde, erinnert zu sehr an das beschauliche Werder aus den Zeiten vor Allofs. Doch diese sind nunmal schon seit langem vorbei. Und aus diesem Grund werden beide Parteien intern auch beschlossen haben, getrennte Wege zu gehen. Es sei denn Allofs trennt sich vom Mannschaftsarzt. Doch das ist aufgrund verschiedener geschäftlicher Verbindungen ziemlich unwahrscheinlich…

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Der Stein rollt…

28. April 2008

Ivan Klasnic sitzt bei Reinhold Beckmann. Das Thema ist von großer Bedeutung: Es geht um die angeblich fehlerhafte Diagnose des Nierenleidens des Kroaten. Links neben ihm seine Frau, deren zynische Kommentare die ansonsten sachliche Gesprächsatmosphäre unterlaufen. Beckmann sitzt Klasnic gegenüber und stellt bemerkenswert gute Fragen. Zum Beispiel diese: 

Ivan, sie als Profisportler haben ja auch eine gewisse Eigenverantwortung für ihren Körper. Haben sie sich denn selbst nie gefragt, wo ihre Probleme herkommen?

Klasnic bleibt in diesen Momenten ruhig. Wenn er eine Diagnose vom Arzt bekomme, dann glaube er dieser im Normalfall auch. Der genesene Kroate antwortet in einer Weise die signalisiert, dass er mit dem Thema zumindest emotional abgeschlossen hat. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau. Diese freut sich nicht nur immer wieder „dass er lebt“, sondern kann sich auch Sticheleien gegenüber den Bremer Offiziellen nicht verkneifen. Vor allem die herzlose Art und Weise von Bremens Manager Klaus Allofs stößt ihr sauer auf. Er habe sie als Spielerfrau bezeichnet, die eben so denken müsse. Das Gespräch driftet in die Unsachlichkeit.

Doch Beckmann reagiert, bricht ab und führt es in die medizinische Richtung. Das Thema Doping im Fußball wird gestreift und die Frage gestellt, ob es im Profigeschäft Alltag sei, dass Spieler Medikamente einnehmen. Klasnic will darauf nicht so recht antworten, in großen Lettern steht das imaginäre Wort Ehrenkodex über seinem Kopf. Doch seine Frau interessiert sich dafür nicht: 

Herr Beckmann, wenn ich davon gewusst hätte, was er täglich genommen hat, dann hätte ich eingegriffen!

Was dramatisch klingt, gehört in der Bundesliga tatsächlich zum Alltag. Fußballer nehmen Schmerzmittel und lassen sich „fit spritzen“. Das weiß die Öffentlichkeit. Doch, und das ist der eigentliche Skandal: Niemand stört sich daran. Völlig zu recht prangert der Gutachter (dessen Name mir jetzt leider entfallen ist), der die Klage von Klasnic unterstützt, an, dass in den Medien (sogar in der Sportschau) über „einen Herrn Pantelic“ berichtet wird, der unter der Woche 30 Spritzen bekommen habe, um am Wochenende spielen zu können. Jeder hat es gelesen, niemand regt sich darüber auch. Das ist Alltag im Fußballgeschäft.

Ivan Klasnic will das nicht mehr. Er sagt, als junger Spieler will man immer nur Fußball spielen, Fußball spielen, Fußball spielen. Aber, und dieser Satz fällt zum Ende öfter, jeder muss wissen, was er seinem Körper zumuten will. Beckmann stellt dem anwesenden Arzt in diesem Zusammenhang die provokanteste (und völlig berechtigte) Frage des Tages;

Ist das Doping?

Doch der Gefallen wird dem ehemaligen Chef von „Ran“ nicht getan. Da müsse man drüber reden, sagt der Arzt. Recht hat er. Der Stein ist ins Rollen gebracht worden. Jetzt ist entscheidend, dass wir darüber reden.

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RELAUNCH

28. April 2008

Ich mag dieses Wort. Es hat mich bei meinen beruflichen Stationen bisher kontinuierlich begleitet. Bei Hertha machte ich den Relaunch der Seite mit und war an der Gründung von herthafreundin.de maßgeblich beteiligt. Bei Bild.de erlebte ich den Neustart nicht mehr, weil ich da schon in Dortmund war. Und nun arbeite ich bei der Uni-Zeitung „InDopendent“ (Achtung: Augenkrebsgefahr Sehr schön)und was passiert? Relaunch. Noch drei Ausgaben, dann gibt es das bisher nur unter dem Arbeitstitel „Horst“ bekannte neue „Gesamtprojekt“, dass die drei Ruhr-Unis (Dortmund, Bochum, Duisburg-Essen) zusammenbringt. Ich bin ein richtiger Relauncher.

Diesem Titel möchte ich auch mit meinem Blog alle Ehre machen, der mir in den letzten Wochen immer weniger gefallen hat. Die Möglichkeit, die Hintergründe zu verändern, wurde ohnehin kaum genutzt und meine Beiträge sind bei Google auch nicht zu finden. Also gibt es nun nicht nur einen Layout-Wechsel, sondern auch eine bessere Auffindbarkeit bei Google. Inwiefern das mit dem RSS-Feed läuft, werde ich in den nächsten Tagen sicherlich auch noch herausfinden.

Bis dahin erstmal viel Spaß auf meiner neuen Seite.

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Wer den Unterschied noch nicht kannte

27. April 2008

Es gibt immer wieder Kommentatoren, mit Vorliebe beim Deutschen Scheiß Fernsehen – besonders schön war das auch mal bei arena – die die Teams der zweiten Liga nicht auseinanderhalten und in der Folge deren Spieler nicht benennen konnten. Extrem schwierig ist das beim VfR Aalen und den Bindestrichverweigerern von Rot Weiss Ahlen. Beide spielen in der Regionalliga, allerdings nicht in derselben. Beide sind noch im Aufstiegsrennen (was den Kommentatoren des DSF schon wieder die Schweißperlen auf die Stirn treibt) und beide haben am Wochenende 5:1 gespielt. Die machen es einem aber auch nicht leicht. Nagut, einen kleinen Unterschied gab es doch (und der Kicker hat ihn zum Glück erkannt)…

A(a)(h)len

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Kein Kommentar über Herrn Doll

23. April 2008

ANHÖREN ;-)))

Und der dazugehörige Artikel.

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Viel Glück reicht nicht

23. April 2008

Als John Arne Riise in der 62. Minute des Champions-League-Halbfinal-Hinspiels (kann man dafür keine gescheite Abkürzung finden?) für Fabio Aurelio eingewechselt wurde, waren die Fans des FC Liverpool frohen Mutes. Denn Riise ist dafür bekannt, dass er auch aus 35 Metern mit seinem starken linken Fuß Tore erzielen kann. Außerdem entspricht er mit seinem perfekt durchtrainierten Körper genau dem Abbild des idealen englischen Fußballers, der sich nicht von einem Bodycheck umhauen lässt, sondern einfach stehen bleibt. Riise ist nicht umsonst unumstrittener Publikumsliebling beim englischen Traditionsklub.

Etwas mehr als eine halbe Stunde später bekam das Denkmal des stämmigen und doch agilen Norwegers leichte Risse. Das Spiel gegen den FC Chelsea war eigentlich vorbei, Liverpool hatte 1:0 zu gewonnen und sich damit eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche geschafft. Und dann kam Riise in der Nachspielzeit der Nachspielzeit, genauer wenige Sekunden nach Ablauf der ohnehin viel zu langen vierminütigen Extra-Time und köpfte den Ball völig unbedrängt ins eigene Tor. 1:1. Stille an der Anfield Road, eine gespenstische Atmosphäre, die so zum letzten Mal am 16.12.2007 bei der 0:1-Niederlage, der letzten im heimischen Stadion, gegen Manchester United auftrat. Unentschieden hatte die Mannschaft von Rafa Benitez des Öfteren gespielt, doch dieses 1:1 war eine gefühlte Niederlage. Durch das Auswärtstor der „Blues“ steht es vor dem Rückspiel eigentlich 1:2.

In den 94 Minuten zuvor bewarb sich die Mannschaft von Michael Ballack in einer bemerkenswerten Art und Weise für das Ausscheiden aus der Champions League. Es wäre das vierte Mal in den letzten fünf Jahren und das dritte Mal davon gegen den FC Liverpool. Liverpool war in allen Belangen die bessere Mannschaft, allein der teuerste Stürmer der Vereinsgeschichte, Stürmer Fernando Torres hätte drei Tore erzielen können. Sein Gegenüber Didier Drogba blieb weitestgehend wirkungslos und ließ bei Chelsea-Unkundigen die Frage nach dem auf der Bank schmorenden Andri Shevchenko aufkommen. Wer Chelsea in den letzten Monaten beobachtet hat, weiß, dass Shevckenko geistig schon lange nicht mehr in London ist. Sein Körper wird ab und zu, zuletzt beim 1:1 gegen Wigan Athletic am 14. April in der 90. Minute, eingewechselt. Aber selbst Shevchenko kann aus keinen Zuspielen auch keine Tore machen.

Chelsea fehlt die Kreativität im Mittelfeld. Frank Lampard und Claude Makelele sind eher fürs Grobe zuständig und Michael Ballack, technisch zwar stark verbessert, dafür aber nicht zu gebrauchen. Trainer Avram Grant tut nichts dagegen, verlässt sich 70 Minuten auf die gegen schwache Mannschaften starken Standards und nimmt Ballack dann für einen vierten Stürmer vom Feld, der Drogba nicht unterstützt, sondern ihm im Gegenteil, auf die Füße tritt. John Obi Mikel, noch am ehesten ein Spielmacher, schmorte 95 Minuten lang auf der Bank.

Trotzdem sind die Londoner zuversichtlich, was das Rückspiel in einer Woche angeht. „This result has not promised us the final – but it is a good step“ sagte Avram Grant nach dem Spiel und lag damit, wie so oft in den letzten Wochen daneben. Es war ein Schritt in Richtung Finale, aber kein guter. Ich lehne mich weit aus dem Fenster, wenn ich schreibe, dass ich mir sicher bin, dass Liverpool im Rückspiel ein Tor schießen und damit weiterkommen wird. Die „Reds“ haben zwar nicht die Spieler-Qualität des FC Chelsea, dafür aber die bessere spielerische Qualität. Und die ist im Fußball wichtiger. John Arne Riise wird das bestätigen, und beim nächsten Mal den Fuß benutzen.

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Amateur

18. April 2008

Ok, normalerweise überlaste ich meine Leser nicht mit zwei Posts am Tag 😉 Schon gar nicht, wenn es gleich zweimal nicht um Fußball geht. Aber das was ich gerade auf Youtube gesehen habe, ist zu krass, um es unerwähnt zu lassen. Auf seiner Youtube-Seite schreibt dieser Typ allen Ernstes:

„I am still very much an amateur. I don’t have very much training and i have a lot to learn.“

Na, dann wollen wir doch mal sehen…und bleibt auf jeden Fall dran, bis der weibliche Teil kommt!!

KLICK