Posts Tagged ‘Olympia’

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Briefwechsel (4)

28. August 2008

Die EM ist vorbei – geht bei Olympia alles mit rechten Dingen zu?

Nach der berauschenden EM, blieb den Sportfans keine Zeit zum Verschnaufen. Mit den Olympischen Spielen in Peking ging es weiter, Rekorde purzelten und am Ende blieb ein fader Beigeschmack. Das sind die Themen im vierten Teil des Briefwechsels zwischen Patrick (neue Ausrichtung, neue Adresse) und mir (jetzt mit ständig aktualisiertem Twitter-Feed).

Rechts beim Briefwechsel oder HIER.

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Live oder nicht live…

22. August 2008

…das ist ja eine DER Fragen, die bei den Olympia-Übertragungen gestellt werden müssen. Ich habe heute – weil ich arbeiten muss – „nur“ das ARD Olympia-Radio über das Internet gehört. Wenn man mal davon absieht, dass ich damit ca. 15 Sekunden später dran war, als das Fernsehsignal, dass der 4x100m-Staffel-Kommentator Jamaika als Insel der Schätze bezeichnete und wortwörtlich sagte, dass „die Deutschen – natürlich – keine Medaillenchancen hätten“ und ich ab und zu das Gefühl hatte, dass der Studio-Moderator nicht wirklich weiß, wie man mit Doping-Verdachtsmomenten umgeht („Naja, sie wissen ja, man soll ja nichts sagen, was man nachher nicht auch beweisen kann…“), hat mich vor allem ziemlich aufgeregt, dass er NACH dem Staffel-Finale der Männer (das natürlich Jamaika mit Weltrekord gewann) behauptete, dass das Spiel um Platz Drei des Fußball-Turniers zwischen Brasilien und Belgien „jetzt noch“ laufe und es nach 20 Minuten noch 0:0 stehe (16.10 Uhr deutscher Zeit!).

Kurze Zeit später (16.21 Uhr) dann der Hinweis: „Brasilien ist in der 28. Minute in Führung gegangen.“

Schade nur, dass das Spiel um diese Zeit bereits zu Ende war und Brasilien Belgien durch Tore von Diego und Jo (2) mit 3:0 besiegt hatte. Behauptet der Kicker zumindest bereits um 14.56 Uhr…

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Kann man Blitze dopen? (2)

20. August 2008

Nochmal Olympia, nochmal Leichtathletik, nochmal Usain Bolt. Gerade (?) ist der Jamaikaner und 100m-Weltrekordhalter ins 200m-Finale spaziert. Es sah weniger nach Anstrengung, als nach einem lockeren Morgenlauf im Park aus. Bolt wunderte sich fast ein wenig, dass beim Einbiegen auf die Gerade noch jemand neben ihm war. Er sah hinüber, schien zu lächeln als wollte er sagen: „Junge, denkst du wirklich, du kannst mich schlagen?“ und gewann den Halbfinallauf schließlich ohne jede Mühe. Wenn er nicht vergisst, seinen Cocktail einzunehmen plötzlich vom Blitz getroffen umfällt, dann gewinnt er nachher = Mittwoch 16.20 Uhr sein zweites Gold.

Ich frage nochmal: Kann man Blitze dopen?

Update: Hätte ich mal 1000 Euro auf Weltrekord gesetzt. Wären immerhin 350 Euro gewesen…

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Kann man Blitze dopen?

16. August 2008

Ja, ich weiß. Bundesliga läuft wieder. Und es gibt darüber ziemlich viel zu diskutieren. Aber wenn ich ehrlich bin, sind die Spiele, Tore, Verletzungen und Transfers dieses Spieltages nicht das, was mich am meisten beeindruckt hat. Das war eher jemand, der auch heute gelaufen ist. Und wie.

Ich verfolge Olympia ja aus mehreren Gründen nicht immer live (wobei sich bei den fehlenden Live-Einblendungen der Öffentlich-Rechtlichen niemand sicher sein kann, ob das, was er da gerade sieht, auch wirklich genau in diesem Moment passiert. Ich informiere mich über Olympia hauptsächlich bei Jens Weinreich und dogfood. Und beide waren genauso geschockt(Eintrag um 16.31 Uhr) wie ich). Das 100m-Finale wollte ich mir aber nicht entgehen lassen. Und war (hoffentlich!?) live dabei, als ein gedopter langbeiniger (Zitat meiner Leichtathletik-Freundin: Lange Beine sind eigentlich eher ein Nachteil…) Sprinter aus Jamaika eine neue Schallmauer durchbrochen hat. Obwohl. Durchbrochen sieht anders aus. Er ist eher an ihr vorbeispaziert. Hat seiner Familie zugewunken. Und wenn ihn jemand vor dem Zieleinlauf um ein Interview gebeten hätte, er wäre gesprächbereit gewesen.

9,69 Sekunden hat Usain Bolt (engl.: Blitz) für die hundert Meter gebraucht. Neunkommasechsneun. Und es war niemand da, der ihn gezogen hätte oder so. Weltmeister Tyson Gay war ja bereits im Halbfinale ausgeschieden.

Eigentlich gibt es nur eine Möglichkeit, wie er das geschafft haben kann. Um es in Johannes B. Kerner-Manier zu sagen: Manche Leute würden sagen, diese Zeit ist nur mit Doping möglich. Denn schließlich gibt es in der Leichtathletik keinen neuen Wunderanzug…

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Leiernde Hymne

15. August 2008

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle mal wieder über Frauen-Fußball herziehen, denn das, was Schweden und Deutschland (nicht zu Unrecht nur auf ZDFInfo) den Zuschauern bieten, ist mit peinlich fast schon zu schonend beschrieben. Meine fußballunkundige Freundin sagte grade sehr passend: „Die stehen da ja rum, wie ne D-Jugend.“ Aber ich wollte ja nur urprünglich über den Frauen-Fußball herziehen…

Denn in der Halbzeit zeigte ZDFInfo einen dieser „olympischen Momente“. Es war ein sehr aktueller Moment. Es war der Goldmedaillen-Ritt von Hinrich Romeike, dem deutschen Vielseitigkeitsreiter. Das Video aus der ZDF Mediathek lohnt sich wirklich. Nicht nur wegen des fehlerfreien Ritts dieses „Amateurs“, wie ihn der Kommentator so nett umschreibt. Nicht nur wegen des etwas zu ethusiastischen Jublers desselben. Sondern vor allem wegen der deutschen Nationalhymne ganz am Ende. Es ist erstaunlich, dass Romeike so ruhig blieb – was ihm wohl nur gelang, weil er dem olympischen Moment nicht die Magie nehmen wollte. Je länger sie nämlich dauerte, desto „unanhörlicher“ wurde sie.

Ich weiß nicht, ob die Hymnen bei Olympia vom Band kommen. Wenn ja, sollten die mal von den alten Kassettenrekordern wegkommen. Wenn sie live gespielt werden, dann sollten die Geiger der zweiten Stimme definitiv aufhören zu trinken. Das gilt übrigens auch für Sportminister. Aber das ist eine andere Geschichte (Beitrag um 18.05 Uhr)…

Achja, hier noch der Link zum Beitrag in der ZDF-Mediathek (auf Mediathek klicken, dann gehts los).

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FIFA vs. IOC – Goliath gegen Goliath

11. August 2008

FIFA-Chef Sepp Blatter hat vorgeschlagen, bei den kommenden Olympischen Spielen ausschließlich Spieler teilnehmen zu lassen, die das 23. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Deren Abstellung solle dann durch einen FIFA-Beschluss für die Vereine verpflichtend sein. kabinenpredigt.de meint, das Blatter vehementer für eine Stärkung der eigenen FIFA-WM eintreten müsse.

Juan Ramon Riquelme (30, Argentinien), Ronaldinho (28, Brasilien), Brian McBride (36, USA), Roy Makaay (33, Niederlande), Tommaso Rocchi (30, Italien), Peter Odemwingie (27, Nigeria), Gustave Bebbe (26, Kamerun). Mit nur einer Ausnahme haben die an den ersten beiden Olympia-Spieltagen siegreichen Teilnehmerländer von ihrem „olympischen“ Recht Gebrauch gemacht und mindestens einen (von drei möglichen) Spieler mitgenommen, der das 23. Lebensjahr bereits überschritten hat. Richtig dreist sind dabei die US-Amerikaner, Niederländer, Argentinier und Italiener vorgegangen, die echte Leitwölfe mit nach Peking genommen haben. Warum Belgien auf einen wie den 39-Jährigen Marc Wilmots oder den Jungspund Emile Mpenza verzichtet haben, wissen sie nur selbst.

Freundlicherweise haben die meisten der nicht mehr jungen Herren bisher darauf verzichtet, wirklich aktiv ins Turniergeschehen einzugreifen. Weder der als zu alt ausrangierte ehemalige Bayern-Star Roy Makaay, noch der 36-Jährige Brian McBride sind bisher auf der Torschützenliste zu finden. Lediglich Ronaldinho, der das Turnier als Aufbautraining sowohl seines Körpers, als auch seiner Psyche nutzt und Tommaso Rocchi haben ihrer Mannschaft entscheidend geholfen. Und damit dem Olympischen Gedanken rigoros widersprochen.

Als Pierre de Coubertin 1894 anregte, dass man die Olympischen Spiele wiederbeleben solle, bezeichnete er sie als „Treffen der Jugend der Welt“, die dem sportlichen Vergleich und der Völkerverständigung dienen sollten. Dass er das mit der (gesamten) Jugend schon damals nicht so genau nahm und bei der Olympiade 1896 nur Männer zugelassen waren, schieben wir jetzt mal gekonnt beiseite. So waren die Zeiten halt damals. Heute hat der Abstellungsstreit zwischen den Vereinen und dem IOC mit Sicherheit nicht zur Völkerverständigung beigetragen und, dass einige Spieler nicht mehr zur Jugend der Welt zählen, ist – wie oben zu sehen – ebenfalls nichts Neues. Auch die Tatsache, dass es dieses „Problem“ nicht nur beim Fußball gibt (siehe Dirk Nowitzki beim Basketball oder Reiner Schüttler beim Tennis oder oder oder…), bleibt hier jetzt einmal außen vor.

Es geht schon lange nicht mehr um den olympischen Gedanken. Es geht wie immer ums Geld. Und da könnte es demnächst zur Nagelprobe zwischen dem mächtigen IOC und der mächtigen FIFA kommen. Denn beide Verbände wollen mit ihren Veranstaltungen möglichst viele Dollar oder Euro verdienen. Und deshalb wird Sepp Blatter daran gelegen sein, dass Stars, die bei seiner Weltmeisterschaft auflaufen, ihre Knochen nicht auch noch bei Olympia hinhalten (müssen). Im Umkehrschluss wird IOC-Chef Jaques Rogge sehr daran interessiert sein, so viele aktuelle – und nicht kommende – Stars zu den Olympischen Spielen zu ziehen, damit mehr Zuschauer die Spiele sehen wollen und mehr Sponsoren bereit sind, mehr Geld für die Übertragung zu bezahlen.

Im Moment sieht es danach aus, als wolle sich Blatter nicht ernsthaft mit dem IOC anlegen. Sein Vorschlag das Zutrittsalter zu den Spielen auf 23 zu beschränken, konterkariert die Pläne der Vereine, ihren Jungstars die Reise zu kommenden Olympischen Spielen zu verbieten. Bremens Diego (23) und Schalkes Rafinha (22) wären demnach in diesem Jahr nach Peking gefahren – ohne Streit vor dem Gericht. Sollte Blatters Vorschlag durchgewunken werden, wird der Druck der Vereine auf die Spieler steigen, entsprechende Klauseln, die ihnen die Abstellung verbieten, in ihren Verträgen festzuschreiben. Das Ganze ginge wieder von vorne los: Sind solche Klauseln legitim? Halten sich die Spieler dran? Was folgt bei Nichteinhalten? Die Gerichte wären wieder gefragt. Die von Blatter vorgeschlagene U23-Regelung ist schlichtweg nicht praktikabel, weil die besten Spieler der Welt immer früher die besten Spieler der Welt werden. Und wer es mit 23 noch nicht geschafft hat, der wird den Sprung zum Superstar wohl auch nicht mehr schaffen.

Warum beschränkt man das Olympische Fußballturnier also nicht auf U21-Teams? Klar, würden einige von Ihnen – Lionel Messi, Alexandre Pato – trotzdem bereits Stars sein. Allerdings wäre das kaum bei so vielen der Fall, wie bei der aktuellen Regelung und auch immer noch deutlich weniger, als bei der von Blatter favorisierten. Desweiteren sollte die Qualifikation für das Turnier in allen Verbänden einheitlich und nicht bereits zwei Jahre vorher stattfinden, da es aus Alters- oder Leistungsgründen eher unwahrscheinlich ist, dass die Spieler, die sich qualifiziert haben, auch tatsächlich an Olympia teilnehmen würden.

Der Olympische Geist ist bei diesen dann höchstens 21jährigen Spielern mit Sicherheit mehr ausgeprägt als bei satten Profis, die Olympia zum Ausklang ihrer Karriere noch einmal als Highlight mitnehmen wollen. Und auch mehr als bei Jungstars, die vielleicht schon eine EM hinter sich haben (z.B. der Holländer Ryan Babel) und für die ein zweites Turnier mit einer daran anschließenden langen Saison eine körperliche Katastrophe ist. Deshalb muss Sepp Blatter seine Forderung verschärfen und auch dann hart bleiben, wenn das IOC erkennt, welche Potentiale ein Olympisches Fußballturnier – vor allem in Europa (London 2012) oder Südamerika (Rio 2016?) – in sich birgt. Wenn es sie schon erkannt hat, wird es selbst Blatters erster Forderung widersprechen. Und dann geht der Streit erst richtig los.