Archive for the ‘Hertha’ Category

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Scholl führt Favre vor

4. Dezember 2008

Mehmet Scholl war vor gar nicht allzu langer Zeit ein großer Fußballer. Scholl gewann zahlreiche deutsche Meisterschaften, den DFB- und Uefa-Pokal, die Champions League. Dass er die Nationalmannschaft nie zu einem Titel führte, lag eigentlich nur an seinen ständigen Verletzungen und dem Pech ausgerechnet dann einmal fit gewesen zu sein, als Erich Ribbeck Nationaltrainer war. Man kann trotzdem sagen, dass Scholl mit Fug und Recht von sich behaupten kann, zumindest mitgehalten zu haben. Am Mittwochabend – der mittlerweile 38-Jährige arbeitet als TV-Experte in der ARD – sagt Scholl viele, für einen TV-Experten ungewöhnliche Dinge. Zum Beispiel dies: „Es sieht so aus, als könnten zwei, drei Spieler von Hertha das Niveau nicht mitgehen.“

Da waren 45 Minuten gespielt im Uefa-Cup-Duell zwischen Hertha BSC und der HeimGastmannschaft von Galatasaray Istanbul und die Berliner hatten eine Lehrstunde des internationalen Fußballs bekommen. Dass es noch 0:0-Unentschieden stand, hatte Hertha nur seinem Torwart Jaroslav Drobny zu verdanken. Mehrfach musste der Tscheche den Ball vor dem Überschreiten der Torlinie retten, was ein Großteil der Fans im mit  62.612 gefüllten Olympiastadion mit dem türkischen Ausdruck für Enttäuschung quittierte. Die Berliner Fans hatten ihren türkischen Freunden das Stadion weitestgehend überlassen, sodass sich vor allem der Brasilianer Lincoln wie im heimischen Ali Sami Yen gefühlt haben muss. Der ehemalige Schalker gestaltete sich sein Spiel, als wollte er einen hämischen Gruß nach Enschede senden. Dort mangelte es seinen ehemaligen Kollegen wie schon zuletzt an kreativen Impulsen aus dem Mittelfeld – Schalke verlor mit 1:2.

Lincoln verlor nicht, was auch an den „zwei, drei“ Herthanern lag, die, laut Scholl, nicht mithalten konnten. Angesprochen fühlen dürften sich alte Bekannte wie Sofian Chahed, Mark Stein oder Patrick Ebert, wobei letzterer nach Verletzungspause sein erstes Spiel von Anfang machte und zu Beginn der Saison immer zu den besten Berlinern zählte. Doch wenn sich ein Trainer für die Viererkette entscheidet, dann braucht er auch starke, schnell den Ball verarbeitende und wieselflinke Außenverteidger vom Typ Lahm, Rafinha oder Beck. Hertha hat Sofian Chahed, der sicher oft unterbewertet wird, der aber trotzdem öfter Probleme hat einen Pass an den Mann zu bringen, als ein ukrainischer Schleuser. Und Hertha hat Mark Stein – Chaheds Gegenstück auf links. Hochtalentiert, aber noch lange nicht da, wo man als Außenverteidiger einer guten Mannschaft sein muss.

Eine große Mitschuld an der Niederlage muss sich auch Lucien Favre auf die schweizer Fahne schreiben lassen. Es war erstaunlich zu sehen, wie sich ein hochqualifizierter Fußball-Trainer bei der Analyse vor den TV-Kameras, welche – zugegebenermaßen – für ihn ungewohnt ist, um Kopf und Kragen redet. Scholl bemängelte die fehlende Aggressivität der Herthaner, Favre widersprach und schob die Niederlage auf die schwache Balleroberung. Dass beides unmittelbar zusammenhängt, versuchte Scholl dann zwar noch zu erklären, Favre blieb aber unbelehrbar. Dabei gab es einige Szenen, die genau dies bewiesen und vor allem zeigten, dass einige Spieler sich schon besser wähnten, als sie eigentlich sind. Beispiel Raffael: Der Brasilianer spielte bisher in der Schweiz, wo sehr kulturgemäß, ein eher gemächlicher Fußballstil geprägt wird. Um diesen in der Bundesliga abzulegen, hat Raffael fast ein Jahr gebraucht und dachte wohl, er wäre jetzt vollkommen. Doch was passiert, wenn der gegnerische Spieler nicht nach einem Haken wegbleibt, sondern nachsetzt, wie es die Türken mehrfach praktiziert haben, hat man gestern gesehen. Selten zuvor verlor der Brasilianer so viele Bälle im direkten Zweikampf.

Favre sollte dann erklären, wie es zu der Niederlage kam, erwähnte eine „Unterzahl im Mittelfeld“, woraufhin Scholl blitzschnell die Chance nutzte, um seine These einzuwerfen: „War es, weil ihr mit zwei Stürmern gespielt habt?“ Favre schüttelte zunächst den Kopf, abwehrend, fast pikiert. Nur um dann genau das zu bestätigen. Es stellt sich die Frage, warum er dann nicht früher reagiert hat? Favre wartete bis zur Halbzeit und brachte dann – statt einen Mann mehr ins Mittelfeld zu stellen – Steve von Bergen für den angeschlagenen Sofian Chahed. Hätte hier nicht die Chance auf eine Dreierkette bestanden, die einen Mann mehr im Mittelfeld bedeutet hätte?

Der mit Spannung erwarteten Frage, warum Favre Pantelic ausgewechselt habe, wich der Schweizer sehr uncharmant aus: „Ich musste etwas ändern, es gab keinen Grund.“ Natürlich gab es einen. Pantelic agierte unglücklich, hätte sich oft viel schneller vom Ball trennen müssen und entschied sich zu häufig für den Fernschuss, statt nochmal den Ball quer zu legen. Das hätte er – ohne den Streit neu anzufachen – erklären können. Und hätte vermutlich sogar etwas Schärfe aus der Diskussion genommen. So klang es wieder so, als musste der Serbe zuerst raus, weil er – Favre – ihn am wenigsten mag.

Interessant wäre es noch gewesen, eine Anmerkung Scholls aus der Halbzeitpause aufzugreifen. Dort hatte Scholl beobachtet, dass Hertha erst um 20.13 aus der Kabine gekommen war. International kundige Profis wissen, dass das Fenster zum Warmmachen bei Uefa-Spielen genau von 20.05. bis 20.35 Uhr geöffnet ist. Hertha hat also acht Minuten verschenkt, was Scholl nicht bewertete, sondern nur anmerkte, dass er es immer lieber mochte, wenn er ein paar Minuten Zeit hatte.

So blieben am Ende mehrere Erkenntnisse:

1. Vor dem 18. Dezember – dem Finalspiel um den Einzug in die KO-Runde in Piräus – sollte „internationale Härte“ auf dem Trainingsplan stehen. Denn wie Galatasaray den Berlinern immer wieder den Schneid abkaufte, war teilweise eine Vorführung.

2. Hertha braucht dringend neue Außenverteidiger bzw. Alternativen auf diesen Positionen. Mark Stein und Sofian Chahed können nicht den Ansprüchen von Favre genügen. Und Steve von Bergen sollte auf Stürmer umschulen. Rund um den eigenen Strafraum ist er eine zu große Gefahr.

3. Marko Pantelic und Andrey Woronin scheinen nicht zusammen zu passen. Das erinnerte an die Zeiten von Daei und Preetz. Pantelic muss sich außerdem öfter vom Ball trennen. Gegen Galatasaray war er ein Fremdkörper im Hertha-Spiel, machte nur sein eigenes Ding.

4. Hertha hat mal wieder eine Chance vergeben, sich deutschlandweit zu präsentieren. Als die Mannschaft plötzlich aufwachte und Riesenchancen, sowie zwei Elfmeterwürdige Szenen produzierte, waren vermutlich die Hälfte der Zuschauer schon zu Peter Zwegat übergelaufen. Die eher peinliche und sehr zugeknöpfte Vorstellung von Favre im Anschluss habe dann hoffentlich nur noch ich gesehen…

5. Mehmet Scholl ist eine Wohltat für die ARD!

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Ein Hauch von Champions League

2. Dezember 2008

Es war ein Mittwoch. Der Herbst kehrte langsam ein in Berlin und mit ihm die Champions League. Hertha spielte in Istanbul, bei Galatasaray, und die ganze Stadt, so schien es, war voller Vorfreude auf Herthas Rückkehr auf die europäische Fußballbühne. Fast sieben Jahre vor der Weltmeisterschaft 2006 führte Berlin Public Viewing in der Hauptstadt ein. Die Waldbühne, 18.000 Sitze zur Verfügung stellend, sollte ausverkauft sein, hieß es vorher. Das stimmte dann nicht ganz, aber die Stimmung war trotzdem gut. Vor allem, weil sich die meisten Zuschauer schon nach einer Viertelstunde verwundert die Augen rieben: Hertha führte durch Tore von Wosz und Preetz mit 2:0. In Istanbul! In der Champions League!! Hertha!!! Dass das Spiel dann doch nicht in einer triumphalen Rückkehr mündete, lag einmal an der internationalen Unerfahrenheit der Mannschaft (Stichwort: Cleverness) und Kostas Konstantinides. Dem Griechen, gerade wegen seiner internationalen Erfahrung geholt, rutschte im eigenen Strafraum die Hand aus. Rote Karte und Elfmeter. Hagi trifft zum 2:2 Endstand und hinterlässt viele trotzige Berliner, die erst sauer über Schiedsrichter Urs Meier (noch Jahre später war er für mich der Inbegriff des bestochenen Schiedsrichters), dann aber später am Abend vor allem stolz auf ihre Mannschaft waren. Im weiteren Verlauf der Gruppenphase demütigte Galatasaray Hertha zunächst im eigenen Stadion (1:4!) und verhalf ihr dann mit einem 3:2-Sieg gegen den AC Mailand zum Einzug in die (damals noch ausgetragene) zweite Gruppenphase. Selten war ich danach einer türkischen Mannschaft so dankbar, wie damals.

Mehr als neun Jahre ist das jetzt her. Zwischendurch gab es das ein oder andere Vorbereitungsspiel gegen die aktuell vom ehemaligen Bundesliga- und Bundestrainer Michael Skibbe trainierten Türken, alles immer sehr freundschaftlich. Am Mittwoch nun wird es wieder ernst. Diesmal „nur“ Uefa-Cup, aber auch Gruppenphase. Die Vorzeichen sind nur unwesentlich anders. Hertha braucht eigentlich einen Sieg, um die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag in Piräus nicht zu aussichtslos werden zu lassen. Wobei eine Niederlage nicht – wie z.B. von Andrey Woronin behauptet („Wenn wir verlieren, sind wir weg“) – das Ausscheiden bedeuten würde, da sich die Zweit- und Drittplatzierten Kharkov und Piräus im direkten Duell gegenüberstehen und sich so gegenseitig die Punkte wegnehmen. Gut möglich, dass es zwischen Piräus und Hertha kurz vor Weihnachten zu einem echten Finale um den Einzug in die KO-Runde gibt. Galatasaray kann Hertha dann allerdings nicht – wie damals gegen Milan – helfend zur Seite springen. Berlin ist ihr letzter Gegner.

60.000 Karten sind für das Spiel angeblich bereits verkauft, was eigentlich heißt, dass erst 45.000 weg sind, man aber gerne 60.000 hätte und durch die Angabe der höheren Zahl all jene sofort zum Ticket-Kauf überreden will, die noch unentschlossen sind. Woher Herthas Finanz-Chef Ingo Schiller wissen will, dass es „auf jeden Fall ein türkisches Übergewicht“ geben wird, würde ich auch gerne mal wissen. Womit natürlich nicht gesagt sein soll, dass es nicht so kommt. Für die türkischen Fans in Berlin ist es das Spiel des Jahres. Für die Berliner nur ein Uefa-Cup-Spiel, das man sich nicht unbedingt geben muss, weil das Stadion ohnehin mit gegnerischen Schlachtenbummlern gefüllt sein wird. Und Hertha-Fans gibt es nicht genug, um das Stadion am Mittwochabend alleine voll zu bekommen.

Galatasaray ist in der Süper Lig zurzeit nur Vierter, was normalerweise schon reicht, um den Trainer über den Bosporus zu jagen. Weil die Mannschaft von Michael Skibbe – die mit den ehemaligen Bundesligaprofis Fernando Meira und Lincoln, sowie den internationalen Stars Harry Kewell und Milan Baros ausgestattet ist – aber in den letzten drei Spielen nicht mehr verloren hat und Skibbe außerdem über ein erstaunliches Sitzfleisch zu verfügen scheint, ist es den hitzköpfigen Offiziellen von Galatasaray bisher noch nicht gelungen, ihn zum Rücktritt zu bewegen. Dass man es versucht hat, steht außer Frage (leider finde ich den Artikel nicht mehr, der sich um die Entlassung von Skibbes Co-Trainern dreht). Aber solange Skibbe nicht in einem der wichtigen Wettbewerbe (Süper Lig, Uefa-Cup) fatal patzt – also entweder so weit von der Spitze entfernt ist, dass eine Meisterschaft nicht mehr möglich ist (zurzeit noch einholbare vier Punkte) oder im Uefa-Cup ausscheidet, was nach einer Niederlage gegen Hertha durchaus noch im Bereich des Möglichen ist – bleibt er Trainer in Istanbul.

Hertha hat indes am Mittwoch nicht nur die Chance durch die erneute Präsenz im TV (20.45 Uhr, ARD) auch außerhalb von Berlin für Aufsehen zu sorgen, sondern auch im nicht-deutschsprachigen Teil der Stadt, wo der Klub bisher quasi nicht stattfindet. Deshalb kann der Appell an Lucien Favre und Co. nur heißen: Bitte kein lahmes 0:0, sondern mindestens ein so engagierter Auftritt wie am Freitag gegen Köln. Und bloß kein 1:4…

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Parkplatzprobleme bei Hertha!!!

27. November 2008

Also, ich habe ja mit Hertha – trotz meines noch relativ jungen Alters – schon eine ganze Menge erlebt. Den Aufstieg in die erste Liga, den Abstiegskampf im ersten Jahr, die Champions League Qualifikation im zweiten Jahr. Dann die Jahre der Stagnation im Uefa-Cup, das Fast-Abstiegsjahr unter Huub Stevens und Hans Meyer und schließlich die positive Entwicklung unter Lucien Favre. In all diesen Jahren wurde häufig negativ über „meinen“ Verein berichtet (wenn man die ersten Jahre der Euphorie mal ausklammert), weil es keine positiven Meldungen gab. Hertha dümpelte als graue Maus in der Liga herum, schied regelmäßig gegen unterklassige (DFB-Pokal) oder unaussprechliche (Uefa-Cup) Gegner aus den Pokalwettbewerben und machte nur dann überregionale Schlagzeilen, als die „Ghetto-Kids“ den Verein zu übernehmen drohten.

Nun, momentan ist das ein wenig anders. Sogar die Süddeutsche Zeitung brachte ein Porträt über Pal Dardai, die Süddeutsche! Die sonst immer nur dpa- oder sid-Spielberichte abdruckte, wenn eine Berliner Mannschaft spielte. Es hat sich also irgendetwas verändert. Klar, die Mannschaft spielt für einige erstaunlich, für andere erwartet, guten Fußball. Ist Vierter der Tabelle und hat drei Spieltage vor Beginn der Winterpause die realistische Chance sich oben festzusetzen. Effizienz-Meister ist man ja schon. Warum nicht auch Herbstmeister? Nein, das kann sich nun wirklich keiner vorstellen. Außer Cicero und Raffael. Und es wäre ja schon allein deshalb fair, weil dann jemand mit seiner Prognose aber sowas von auf die Fr… gefallen wäre…Aber wenn wir mal ehrlich sind: Marcelinho hat auch ständig von der Meisterschaft gesprochen.

Es gibt allerdings ein Anzeichen dafür, dass Hertha zumindest momentan in die Spitzengruppe aufschließt. Nein, ich meine nicht die effektive Spielweise und Punktausbeute. Und ich meine auch nicht die Tatsache, dass die Verletzten langsam alle wieder zurückkehren und Lucien Favre in Zukunft sogar mal andere Spieler als den völlig ausgepumpten Lustenberger oder Domovchyiski einwechseln kann. Was ich meine, ist, dass es bei Hertha derzeit nichts Negativeres zu berichten gibt, als den „Skandal“, dass Lucien Favre den Stammparkplatz von Marko Pantelic benutzt hat.

Auch schön (und dank dieser Story wieder da): Die Hertha-Soap

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Des einen Leid ist des anderen Freud

18. November 2008

Wahrscheinlich ist sich Marko Pantelic seiner Außenwirkung gar nicht bewusst. Der Serbe war ja einmal die Identifikationsfigur von Hertha BSC und es ist schon bemerkenswert wenn das Team, das ohne ihn angeblich offensiv Nichts zustande bringt, ohne ihn offensiv plötzlich Einiges zustande bringt. Immer öfter sogar Einiges mehr als mit ihm. Marko Pantelic stand am Samstag in der frühwinterlichen Kälte des Olympiastadions – die wärmende Mütze über sein mit den charakteristischen langen Haaren geschmücktes Haupt gestülpt – und sah nun schon zum wiederholten Male, wie sich sein Team dort unten von ihm befreite, sich von ihm los sagte, ja, ihn betrug.

Zum ersten Mal hatte sich diese Entwicklung beim Bundesliga-Duell mit dem VfB Stuttgart angedeutet als Hertha – mit Pantelic auf der Bank – den VfB 1:2 nach Hause schickte. Kurze Zeit später meldete sich der 29-Jährige – er selbst würde es wohl „triumphal“ nennen – mit einem Traumtor im Uefa-Cup gegen Benfica Lissabon zurück. Doch als er kurze Zeit später gegen die TSG Hoffenheim verletzt ausgewechselt wurde,  erst da (!) erzielte Andrey Woronin den Siegtreffer.

An diesem Samstag nun sah Marko Pantelic also den 2:1-Erfolg seiner (?) Mannschaft gegen den Hamburger SV. Hätten ihn die Fernsehkameras rund um die Uhr verfolgt, sie hätten wahrscheinlich einen Fußballer gezeigt, der auf dem Boden nach den ihn aus dem Gesicht gefallenen Gesichtszügen sucht. Pantelic merkt so langsam, dass seine Gehaltsvorstellungen pünktlich zu den entscheidenden Verhandlungen nicht mal mehr diskutabel sind. Sie sind utopisch, weil der Rechtsfuß nicht mehr die herausragende Stellung in der Mannschaft hat, wie noch vor ein paar Monaten.

Den größten Anteil an dieser Entwicklung hat Lucien Favre. Der Schweizer Trainer machte von Anfang an keinen Hehl daraus, dass er von einem Spieler, der keinen linken Fuß hat, nicht allzu viel hält. Weil Favre aber zunächst weder den nötigen Erfolg, noch das volle Vertrauen von Manager Hoeneß hatte, traute er sich nicht, den bei den Fans beliebten Torjäger aus dem Kader zu streichen – zumal Pantelic in der vergangenen Saison Herthas einziger verlässlicher Torjäger war. So begann eine Phase der Duldung – in eine höhere Wertschätzungskategorie schaffte es Pantelic bei Favre nie. Der Coach nahm jede Undiszipliniertheit Pantelics mit Genugtuung zur Kenntnis und sah dabei zu, wie sich sein Team mehr und mehr vom einstigen Führungsspieler emanzipierte. Vor diesem Hintergrund ist es fast verwunderlich und Pantelic hoch anzurechnen, dass er überhaupt noch für Hertha Leistung zeigte. Er selbst betonte stets, dass er für den Verein immer alles geben werde und lobte Manager Hoeneß bei jeder Gelegenheit. Natürlich wusste Pantelic, dass Hoeneß in schwachen Zeiten sein einziger Befürworter sein würde und – was vielleicht wichtiger war – der Mann, der Favres Engagement würde beenden können. Deshalb machte Pantelic gute Miene zum bösen Spiel, rieb sich für das Team auf und stieg bei den Fans zum unumstrittenen Liebling auf. Favres Meinung blieb allerdings auch nach überragenden Spielen bestehen. Er verpflichtete zur neuen Saison Angreifer Amine Chermiti und hätte sich der tunesische Superstar nicht im Zuge der vorsaisonalen Uefa-Cup-Tour verletzt, er wäre wohl neben Raffael im Sturmzentrum gesetzt gewesen. Diesen Part hat nun – nach dem ersten Saisondrittel – Andrey Woronin übernommen. Pantelic steht außen vor. Und weiß das ganz genau.

Anders sind seine Reaktionen auf das Spiel seiner Mannschaft am Samstag nicht zu erklären. Keine Freude, kein Zucken in den Mundwinkeln, nur mechanisches, apathisches Klatschen. Marko Pantelic sieht seine schon sicher geglaubten Felle in Berlin davon schwimmen. Und er ist nicht der Einzige. Denn es saß an diesem Samstag auch ein Mann auf der Tribüne, der sich mehr als je zuvor über diese Entwicklung freute. Weil er im Fall Pantelic alles richtig gemacht hat. Dieser Mann hieß nicht (nur) Lucien Favre. Sondern Dieter Hoeneß.

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Mal wieder sachlich

15. November 2008

Berlin – Hertha BSC hat auch das zweite Spitzenspiel in Folge für sich entscheiden können. Nach dem 1:0 gegen die TSG Hoffenheim am vergangenen Spieltag ließen die Berliner ein 2:1 gegen den Hamburger SV folgen und stehen in der Tabelle nun auf dem vierten Tabellenplatz.

Hertha-Trainer Lucien Favre musste im Vergleich zum Erfolg gegen Hoffenheim verletzungsbedingt auf Marko Pantelic verzichten. Für den Torjäger rückte sein serbischer Landsmann Gojko Kacar ins Team. HSV-Coach Martin Jol stellte sein Team nach dem Vorwochen-Erfolg gegen Borussia Dortmund (2:1) auf zwei Positionen um. Jansen und Demel  liefen statt Aogo und Benjamin ins mit  52.000 Zuschauern gefüllte Olympiastadion ein.

Dort gab es kein langes Abtasten, im Gegenteil: Zunächst hätte Woronin nach Vorarbeit von Nicu die Hertha-Führung erzielen müssen (8.). Auf der anderen Seite machte es HSV-Stürmer Petric dann um einiges besser. Nach einem Einwurf von Ex-Herthaner Boateng verschätzten sich die Innenverteidiger Friedrich und Simunic im Kollektiv, sodass Petric den Ball kurz annehmen und dann per Fallrückzieher im Tor unterbringen konnte (12.). Ein Schock für die Berliner, die bis auf einen Fernschuss von Chahed kurz vor der Halbzeit keine gefährlichen Aktionen mehr zustande brachten. Der HSV blieb dagegen immer gefährlich.

Das änderte sich kolossal nach dem Wiederanpfiff. Die Berliner hatten ihre Zurückhaltung aus Hälfte Eins in der Kabine gelassen und nutzten ihre erste Chance sofort zum Ausgleich. Nach einer Chahed-Flanke hielt Cicero den Kopf hin – 1:1 (46.). Doch damit nicht genug. Nur zwei Minuten später wurde der für Raffael eingewechselte Domovchiyski von Nicu bedient – 2:1 (48.). Was für ein Auftakt. Danach verwaltete Hertha die Führung im Stile einer Spitzenmannschaft, ließ den HSV laufen und hinten kaum mehr als zwei Fernschüsse von Trochowski (70.) und Petric (74.) zu, die einmal am Außennetz und einmal in Drobnys Armen landeten. Auf der anderen Seite hätte Woronin seine gute Leistung mit einem Tor krönen können, scheiterte nach Ablage von Domovchiyski aber an HSV-Keeper Rost. In der Nachspielzeit wurde es dann noch einmal eng, als die Hamburger mit dem Mut der Verzweiflung anrannten und Pitroipa sogar noch einmal die Latte traf (90.). Zu mehr reichte es am Ende aber nicht mehr.

Hertha: Drobny – Stein, Simunic, Friedrich, Chahed – Cicero, Dardai, Kacar (90. Lustenberger), Nicu – Raffael (46. Domovchiyski), Woronin (90. Ebert)

Hamburg: Rost – J. Boateng (60. Pitroipa), Reinhardt, Mathijsen, Jansen – Demel, A. Silva – Trochowski (75. Guerrero), Jarolim (81. Aogo) – Olic, Petric

Tore: 0:1 Petric (12.), 1:1 Cicero (46.), 2:1 Domovchiyski (48.)

Zuschauer: 52.000

Gelbe Karten: Kacar, Dardai, Simunic, Chahed – Jarolim, Boateng

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Kein San Siro für Hertha

7. Oktober 2008

Update: Heim- und Auswärtsspiele stehen fest.

Die UEFA-Cup Auslosung in Nyon hat den deutschen Klubs unterschiedlich starke Gruppen zugeteilt. Hertha bekommt es demnach nicht mit den Wunschgegnern AC Mailand oder Spartak Moskau zu tun, sondern muss ein Heimspiel gegen den ukrainischen Vertreter Metalist Kharkiv fürchten. Wer wann und wo gegen wen, spielt, wird zur Stunde noch ermittelt. sondern erwartet zum ersten Heimspiel den portugiesischen Vertreter Benfica Lissabon im Olympiastadion (23. Oktober). Das zweite Heimspiel bestreiten die Berliner nach dem Duell in der Ukraine (6. November gegen Kharkiv) gegen Galatasaray Istanbul (3./4. Dezember). Das letzte Gruppenspiel findet dann in Piräus gegen Olympiakos statt (17./18. Dezember). Quelle: Hertha BSC

Den Lostopf-Jackpot hat in jedem Falle der VfL Wolfsburg gezogen. Als letzter deutscher Vertreter aus Topf 5 (von 5) gezogen, erwischte die Mannschaft von Trainer Felix Magath den AC Mailand um die Topstars Ronaldinho, Kaka und Shevchenko.

Gruppe A: FC Schalke 04, Paris St. Germain, Manchester City, Racing Santander, Twente Enschede

Schalke zuerst zu Hause gegen Paris (23.10.), dann nach Santander (6.11.), bevor Manchester City nach Gelsenkirchen kommt (27.11.). Den Abschluss der Gruppenphase bestreiten die Schalker in Enschede beim Ex-Klub vom neuen Trainer Fred Rutten (3./4.12.). Quelle: Schalke 04

Gruppe B: Benfica Lissabon, Olympiakos Piräus, Galatasaray Istanbul, Hertha BSC, FC Metalist Kharkiv

Gruppe C: FC Sevilla, VfB Stuttgart, Sampdoria Genua, Partizan Belgrad, Standard Lüttich

Der VfB startet in Sevilla (23.10.) und hat danach Partizan Belgrad zu Gast (6.11.). Das zweite Auswärtsspiel findet in Genua bei Samdoria statt (27.11.), bevor zum Abschluss der Gruppenphase für den VfB Standard Lüttich im Gottlieb-Daimler-Stadion vorspielt (18.12). Sicherlich nicht die glücklichsten Ansetzungen für die Stuttgarter. Quelle: VfB Stuttgart

Gruppe D: Tottenham, Spartak Moskau, Udinese Calcio, Dinamo Zagreb, NEC Nijmwegen

Gruppe E: AC Mailand, SC Heerenveen, Sporting Braga, FC Portsmouth, VfL Wolfsburg

Felix Magath erwartet mit seinem VfL am ersten Spieltag den SC Heerenveen (6.11.), muss dann nach Braga (27.11.) und trifft am 4.12. in der VW-Arena auf den FC Portsmouth. Der Kracher gegen Mailand findet am 18.12. in San Siro statt. Quelle: VfL Wolfsburg

Gruppe F: Hamburger SV, Ajax Amsterdam, Slavia Prag, Aston Villa, MSK Zilina

Der HSV hat das mit den Heimspielen ein fast schon unverschämtes Glück. Das Spiel gegen die für die Fans eher unattraktiven Slowaken aus Zilina (23.10. in Zilina) und auch das gegen Slavia Prag wurde den Hamburgern in der eigenen Stadt erspart (4.12. in Prag). Das Team von Martin Jol bekommt nur die Sahnestückchen in die HSH-Nordbank-Arena: Zuerst Ajax (27.11.) und dann Aston Villa (17.12.). Quelle: Hamburger SV

Gruppe G: FC Valencia, FC Brügge, Rosenborg Trondheim, FC Kopenhagen, AS Saint-Etienne

Gruppe H: ZSKA Moskau, Deportivo La Coruna, Feyenoord Rotterdam, AS Nancy, Lech Posen

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Einmal nicht die Arschkugel…

3. Oktober 2008

Bevor am Dienstag (07.10.) in Nyon die Uefa-Cup Gruppenauslosung stattfindet, wurden heute bereits die jeweiligen Töpfe bekannt gegeben, aus denen dann die acht Gruppen à fünf Teams gezogen werden( Dank an dogfood via Twitter). Der Hamburger SV und Schalke 04 befinden sich demnach in Topf 1 und gehen damit Teams wie dem AC Mailand, FC Valencia oder Tottenham aus dem Weg. Die Loskugel des VfB Stuttgart liegt in Topf 2 (zusammen u.a. mit Ajax Amsterdam, Deportivo LaCoruna oder Spartak Moskau). Topf 3 kommt ohne deutsche Teams aus, wohingegen Hertha zusammen mit Aston Villa, Partizan Belgrad oder Real Santander in Topf 4 wartet. Der VfL Wolfsburg befindet sich als einziger deutscher Vertreter in Topf 5.

Spielen wir die Auslosung einmal für Hertha durch. Wichtig zu wissen ist einmal, dass die ersten drei Teams in die Zwischenrunde einziehen, in der dann auch die Drittplatzierten der Champions League dazustoßen. Außerdem ist der merkwürdige Modus beachten, der besagt, dass jede Mannschaft zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele hat. Dass das zu unfairen Ausgangspositionen kommen kann, ist der UEFA entweder nicht bewusst oder es wird einfach ignoriert.

Der „Best Case“:

AC Mailand – Ajax Amsterdam – Sporting Braga – Hertha – MSK Zilina (Solna)

In diesem besten Falle hätte Hertha die beiden Heimspiele gegen Milan und Ajax, würde aus einem dieser Spiele einen Punkt oder natürlich mehr holen und in jedem Fall die Auswärtsspiele in Portugal und der Slowakei erfolgreich gestalten. Das Olympiastadion wäre einigermaßen voll, die Auswärtsspiele zwar schwer, aber trotzdem machbar.

Der „Worst Case“:

ZSKA Moskau – SC Heerenveen – Manchester City – Hertha – Metalist Kharkiv

Das wohl Bitterste für Hertha wären Heimspiele gegen die Ukrainer und den SC Heerenveen, die in Berlin Niemanden hinter dem Ofen vorholen würden – zumal die Gruppenphase im Winter ausgespielt wird (23.10 – 18.12.). Hinzu kommen die Hammerauswärtsspiele in Russland (brrrr…) und beim neureichen Manchester City. Ein Weiterkommen wäre natürlich trotzdem drin, weil Siege gegen Heerenveen und Kharkiv durchaus im Bereich des Möglichen sind. Allerdings weiß jeder, wie Hertha im Olympiastadion auftritt, wenn die Schüssel nicht einmal halbvoll ist.

Der Mittelweg:

Benfica Lissabon – FC Brügge – Galatasaray – Hertha – AS Saint Etienne

Beim Heimspiel gegen Galatasaray wäre das Stadion auf jeden Fall bestens gefüllt. Woher die Einnahmen kommen, darf Hertha da getrost egal sein. Auswärtsspiele in Frankreich, Belgien oder Portugal sind allemal angenehmer als in irgendwelchen osteuropäischen Kühlhallen. Gegen wen das zweite Heimspiel ausgetragen wird, ist bei der Konstellation fast egal.

Natürlich sind das alles blinde Spekulationen, die auch nicht nach den offiziellen UEFA-Regularien durchgeführt werden. Trotzdem wäre es wünschenswert für Hertha – da man ja bei den DFB-Pokal-Auslosungen traditionell die Arsch“kugel“ zieht – wenn die Berliner wenigstens einen Kracher im Olympiastadion zu sehen bekämen. Bei den Ansprüchen in der Hauptstadt fährt unter dieser Kategorie allerdings ohnehin nur der AC Mailand. Aber warum eigentlich nicht? Für manche Fans wäre sicherlich auch ein Wiedersehen mit Malik Fathi von Spartak Moskau interessant. Aber ein richtiger Publikumsliebling war der Linksfuß in Berlin eigentlich nie.

Die Töpfe im Überblick:

A: AC Milan (Italien), FC Sevilla (Spanien), FC Valencia (Spanien), Benfica Lissabon (Portugal), Schalke 04, ZSKA Moskau (Russland), Tottenham Hotspur (England), Hamburger SV

B: VfB Stuttgart, Ajax Amsterdam (Niederlande), Olympiakos Piräus (Griechenland), Deportivo LaCoruna (Spanien), FC Brügge (Belgien), Spartak Moskau (Russland), Paris SG (Frankreich), SC Heerenveen (Niederlande)

C: Rosenborg Trondheim (Norwegen), Udinese Calcio (Italien), Feyenoord Rotterdam (Niederlande), Sporting Braga (Portugal), Slavia Prag (Tschechien), Manchester City (England), Galatasaray Istanbul (Türkei) , Sampdoria Genua (Italien)

D: Hertha BSC, Partizan Belgrad (Serbien), AS Nancy (Frankreich), FC Portsmouth (England), Aston Villa (England), Real Santander (Spanien), FC Kopenhagen (Dänemark), Dinamo Zagreb (Kroatien)

E: AS Saint-Etienne (Frankreich), VfL Wolfsburg, Standard Liège (Belgien), FC Twente (Niederlande), NEC Nijmwegen (Niederlande), Metalist Karkhiv (Ukraine), Lech Pose (Polen), Zilina (Slowakei)