Posts Tagged ‘Interview’

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Der Zuschauer, das abartige Wesen

22. Juni 2008

„Gibt es einen Zwiespalt zwischen Reporter und Fan?

Ja. Aber ich bleibe dabei: Der Reporter, auch wenn er die deutsche Nationalmannschaft beobachtet, darf kein Fan sein, er ist nach wie vor Reporter und Journalist. Ich will da keinen Fan hören. Die Zuschauer finden das vielleicht schön – ich nicht.“ (Hervorhebung von mir, gefunden beim Indirekten Freistoß)

Soso, der ehemalige ZDF-Moderator Michael Palme hebt sich in der Taz vom „Zuschauer“ ab, hält sich wohl für was Besseres. Das alte Problem des Journalismus wird hier mal wieder deutlich, dass Journalisten nicht für ihre Zuschauer arbeiten, sondern für ihre eigenen (fragwürdigen?) Ideale. 

Wenn man mich fragt, sind Emotionen bei Spielen der Nationalmannschaft und Europapokalspielen mit deutscher Beteiligung vollkommen in Ordnung, weil sie zeigen, dass der Mann (oder vielleicht auch irgendwann einmal die Frau), der da hinter dem Mikrofon sitzt, irgendwo auch nur ein Zuschauer und damit „einer von uns“ ist. Solange Kommentatoren nicht anfangen, Tatsachen zu verdrehen, wie der WDR-Chef und EM-Kommentator Steffen Simon gegen Portugal – der beim Tor von Michael Ballack partout nur einen „leichten Schubser“ des deutschen Kapitäns gesehen haben wollte.

Vielleicht ist das auch nur meine subjektive Sicht der Dinge, denn ich habe mir schon früher immer ganze Spiele noch einmal angeschaut, um zu sehen bzw. zu hören, wie die verschiedenen Kommentatoren die Szene kommentiert haben. Legendär ist für mich bis heute ein UEFA-Cup-Spiel von Schalke 04 gegen Inter Mailand. Nein, nicht das Finale 1997, sondern das Achtelfinale 1998. Das lief damals auf RTL, moderiert hatte Tom Bartels. Schalke hatte das Hinspiel in Brügge mit 0:1 verloren und schaffte es einfach nicht, zu Hause ein Tor zu erzielen, sodass es nach Ablauf der regulären Spielzeit 0:0 stand. Doch dann kam der legendäre Michael Goossens und schaffte es tatsächlich die Knappen in die Verlängerung zu bringen (wo Taribo West dann bereits nach zwei Minuten alle Hoffnungen wieder zerstörte und Schalke am Ende ausschied). 

Das Tor an sich hatte für mich damals schon Gänsehautcharakter, die Reaktion von Tom Bartels allerdings, verstärkte sie noch einmal um das Doppelte. Der Wortlaut war in etwa der: „DAS GIBTS JA NICHT!!! DAS IST JA UNFASSBAR!!!! MICHAEEEEEL GOOOOSSEENSSS!!!!!!! SCHALKE FÜHRT 1:0!!!“ Es ging noch ein bisschen weiter, leider gibt es den Ausschnitt nicht bei Youtube o.Ä. (wer ihn hat, bitte her damit!). Das mag für heutige Zeiten eine normale Reaktion gewesen sein, damals war es so besonders, dass das morgendliche Nachrichtenmagazin von RTL „Punkt 7“ (damals noch mit der betsssaubernden Katja Burkhard, der die „Sieben“ wesentlich besser über die Lippen kam, als das heutige „Zwölf“) darüber berichtete und den Ausschnitt noch einmal im Originalton zeigte. Fand ich damals großartig.

Michael Palme hat etwas dagegen:

„Ich kann mich noch gut an die 70er- und 80er-Jahre erinnern – die Einstellungen ändern sich ja auch im Laufe der Zeit -, da war es verpönt, als Reporter chauvinistisch für die deutsche Mannschaft zu schreien, das hat es nicht gegeben.“

Gut, aus welchen Gründen es verpönt war, für die deutsche Mannschaft zu schreien, kann man sich denken. Schön ist auf jeden Fall, dass Zeiten sich irgendwann ändern und der 1998 schon emotionale Tom Bartels jetzt auch bei der EM wieder für Gänsehaut gesorgt hat – obwohl da „nur“ die Türkei gegen Kroatien spielte (wer die Zeit hat, kann sich die letzte Minuten noch einmal in der ARD-Mediathek anschauen…vorspulen ist allerdings nicht möglich).

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Früher war alles besser…

13. Juni 2008

„Ich bin auf den Platz gekommen, hab’ die Kugel genommen und sie aus 30 Metern in den Winkel geschossen – heute muss ich mich erst warm laufen.“

Torsten Frings in der Süddeutschen über das fußballerische Altern. Ein schönes, sehr sehr lockeres Interview zusammen mit Michael Ballack. Ist zwar schon zwei Tage alt, aber nicht jeder liest die Süddeutsche täglich.

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Mario hat Magen–Darm

5. Oktober 2007

Das ist meine Meldung des Tages. Gestern rief mich mein ehemaliger Chef von Hertha an und bot mir an, am Samstag für Hertha-TV ein Interview mit dem Comedian Mario Barth zu machen. Dafür hätte ich wohl selbst meine Hochzeit abgesagt, es reichte aber auch, eine Arbeitskollegin dazu zu überreden, meine Samstagsschicht zu übernehmen. Also googelte ich mich gestern durch die Mario-Barth-Welt und es wäre wohl das beste Interview aller Zeiten geworden.

Dann bekam ich heute folgende Mail, wieder von meinem ehemaligen Chef bei Hertha:

„Schlechte nachricht

Barth hat magen darm und hat abgesagt“ [sic!]

Tja…

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Er hat seinen Weg gefunden

29. September 2007

„Ich habe bei Autogrammstunden versucht, jedem etwas Persönliches mit auf den Weg zu geben. Mich hat es deprimiert, wenn die zweite Frage war: Welches Auto fährst du, wie viel Geld verdienst du? Wenn es allen nur noch darum geht, dann gute Nacht.“

Sebastian Deisler im Interview mit dem Tagesspiegel. Er sagt noch viel mehr, viel bewegendere Dinge. Aber lest am besten selbst: KLICK