Posts Tagged ‘Dortmund’

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Sie lernen es (leider) nie…

18. März 2009

Es ist Nacht in Berlin. Die Brandenburgische Straße in Wilmersdorf ist dennoch hell erleuchtet. Hier, unweit des Kudamms, ist die Straße vierspurig. Zwei in die eine, zwei in die andere Richtung. Zusätzlich gibt es Parkbuchten, damit die Berliner ihre Autos hier auch irgendwo abstellen können.

Zu ihnen gehört auch Patrick Ebert. Irgendwo in der Nähe wohnt der Bundesliga-Profi von Hertha BSC, der auch U21-Nationalspieler ist, Schirmherr des Kids-Clubs seines Vereins und vor allem: junger Erwachsener.

Am 17. März, einem Dienstag, feiert Ebert seinen 22. Geburtstag, ob in großem oder kleinem Kreis ist nicht überliefert. Sicher scheint jedoch, dass es ein Wiedersehen von Teilen der alten Clique von damals gab. Kevin-Prince Boateng ist mal wieder in der Stadt, der auch erst 11 Tage zuvor das gleiche Jubiläum vollzogen hatte. Boateng spielt derzeit in Dortmund, ist aber verletzt, und kann sich den Trip nach Berlin deshalb wohl auch erlauben. Ebert kann es eigentlich nicht. Morgens um 10 Uhr wird er auf dem Trainingsplatz erwartet.

Die jungen Männer feiern, Alkohol wird geflossen sein und irgendwann, so gegen 3 Uhr, entscheiden sich das Geburtstagskind und sein Kumpel aus alten Zeiten zu gehen. Ob aus einer Disco (vielleicht dem Exxell, was aber eher nicht die Musik der Jungs sein wird) nach Hause, ob von seiner Wohnung zu einer Tankstelle oder nur, um mal eben eine zu rauchen – wer weiß das schon, außer den beiden. Jedenfalls schlenderten die beiden über die Brandenburgische Straße, vorbei an den parkenden Autos und…

Was dann geschah, wurde laut Berliner Morgenpost von einem Mitarbeiter des Zentralen Objektschutzes (ZOS) beobachtet. Angeblich sollen die beiden Autos zerkratzt und Rückspiegel abgetreten haben. Letzteres kann dann eigentlich auch nur Ebert gewesen sein, da Boateng mit einem Teilriss im Sehnenansatz und der Gelenkkapsel im rechten Knie ein wenig gehandicapt sein dürfte. Jedenfalls wurde die Polizei alarmiert, die Personalien der beiden aufgenommen und sie dann wieder entlassen. Vermutlich ziemlich schlecht gelaunt.

Heute beim Training hat sich Ebert erwartungsgemäß nicht zu dem Vorfall geäußert. Hertha will die Angelegenheit nachvollziehbarer Weise möglichst schnell klären. Konsequenzen für Ebert sind wohl zu erwarten. Boateng war in Dortmund heute nicht zu sehen.

Nun darf man das Ganze natürlich nicht dramatisieren. Dass die beiden zu einer neuen Generation von jungen Erwachsenen zählen, die gerne mal ihre Grenzen austestet, ist nichts Neues. Dass diese Grenzen bei Vandalismus nicht halt machen – vor allem bei Jung-Profis, die sich über Geld keine Sorgen machen müssen – auch nicht. Dass Ebert aber wirklich so fahrlässig ist und sich nach seiner Promille-Fahrt im August vorletzten Jahres erneut etwas zu Schulden kommen lässt, schon eher. Eigentlich hatte man gedacht, der Junge wäre auf vernünftigem Boden angekommen. Das Gleiche dachte ich eigentlich auch über Kevin Boateng, oder hatte es zumindest gehofft.

Nun erfüllen die beiden wieder alle Klischees, die pauschal über sie geäußert wurden. Man muss wohl damit leben. Als Konsequenz für die Fußball-Vereine dieser Welt kann es einfach nur heißen, keine dieser früher mal als „Ghetto-Boys“ titulierten Spieler, zusammen in einem Verein spielen zu lassen. Zurzeit ist das mit Kevin in Dortmund, Ebert in Berlin, Jerome Boateng in Hamburg und Ashkan Dejagah in Wolfsburg ganz gut verteilt.

Konsequenzen bei Hertha sehe ich jedenfalls. Ebert wird in die Tasche greifen müssen, für das nächste Spiel suspendiert werden und der Kids Club muss sich dann wohl auch einen neuen Schirmherren suchen.

Schade eigentlich…

Update: Die Morgenpost recherchiert weiter und hat jetzt doch plötzlich einen O-Ton von Ebert auftreiben können. Ich möchte ihm glauben, wenn er sagt: „Das sind alles Lügengeschichten. Man hat nur Geburtstag und wird gleich verdächtigt.“ Von der Polizei sei er nicht vernommen worden.

Update 2: Ich gebe zu, ich war vorhin ziemlich genervt und habe deshalb auch einen sehr vorverurteilenden Artikel geschrieben. Eben hat Hertha eine offizielle Mitteilung rausgegeben, wonach Ebert zwar zugibt, von der Polizei angehalten worden zu sein, nachdem er auf (s)einer Geburtstagsfeier war, nicht jedoch, dass er und Boateng die Sachbeschädigung begangen haben.

Solange es also keine Beweise gibt, sollte die Unschuldsvermutung gelten, auch wenn es (mir und Enno) schwerfällt.

Ebert wird eine Geldstrafe erhalten. Von einer „Suspendierung“ (MoPo) ist in der Hertha-Mitteilung nicht mehr die Rede.

to be continued…

Update 3: So, ich weiß nicht, was Lucien Favre geträumt hat, aber nachdem er eine Nacht drüber geschlafen hat, hat er Ebert heute laut Bild bis auf Weiteres zu den Amateuren geschickt. Die können die Hilfe gut gebrauchen. Und Ebert rafft es jetzt hoffentlich, dass er bei seinem Verdienst und seinem Standing in der Öffentlichkeit entweder so feiern muss, dass es niemand mitbekommt, nur in Nächten feiern geht, auf die kein Trainingstag folgt  oder die nächtlichen Sauftouren eben auf die Zeit nach seiner Karriere verschiebt. Ein schweres Los, ich weiß…

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Ein neues Gefühl

14. Januar 2009

Der BVB und ich – das hat hier nie so richtig geklappt. Ich wurde bepöbelt und habe einen Schlag abbekommen, weil ich mit einem Hertha-Trikot vom Fanblock zum Bus laufen wollte. Einem Freund von mir wurde der Schal „abgezogen“ und nur nach Intervention einer weiblichen Person wieder herausgegeben. Und außerdem hat Hertha – seit ich hier bin – noch nicht in Dortmund gewonnen. Letzteres wäre nicht mal so gravierend, wenn die Mannschaft von Lucien Favre regelmäßig unterlegen gewesen wäre. Aber das war sie ja nicht.

Ich hatte diese Abneigung gegen den BVB nicht immer. Als die Borussia Mitte der 90er Jahre zweimal Deutscher Meister wurde und die Champions League gewann, Lars Ricken regelmäßig auf den Postern der BravoSport auftauchte und all die Bayern-Fans um mich herum regelmäßig eins auf den Sack bekamen, da hatte ich sogar Trikot, Schal und Bettwäsche in schwarz-gelb. Das werden eingefleischte Fans nicht verstehen können, allerdings hat mein wirkliches Fußball-Bewusstsein erst eher spät eingesetzt – allerdings immer noch rechtzeitig um behaupten zu können, ich wäre nicht erst seit dem Aufstieg von Hertha 1997 Fan des Klubs. Ich war es bereits ein Jahr zuvor und zwar ziemlich genau vor dem ganzen Aufstiegshype. Man kann also sagen, ich habe meinen Anteil an der rasanten Entwicklung von Hertha 😉

Man muss das alles wissen, um mein gespaltenes Verhätlnis zum BVB zu verstehen. Ich mochte diesen Klub ja mal. Doch als ich hier ankam war ich eingefleischter Herthaner und obwohl ich es manchmal ernsthaft versuchte, konnte ich für den Verein, der in der Stadt in der ich lebe das Gesprächsthema Nummer Eins ist, einfach keine Sympathien empfinden. Das änderte sich auch nicht, als Jürgen Klopp hier unterschrieb. Die Arbeit des ehemaligen Fernseh-Bundestrainers schätze ich zwar, an meiner Abneigung für den BVB konnte aber auch er nicht rütteln.

Und jetzt holt dieser Klub Kevin-Prince Boateng. Einen Berliner. Vielmehr: Einen großartigen Fußballer, der aus Berlin kommt.

Kevin-Prince Boateng ist einer dieser – gerade durch Lothar Matthäus in Abrede gestellten – individuellen Typen wie Christiano Ronaldo oder Lionel Messi. Dass der Vergleich hinkt, daran ist Boateng selbst schuld. Er hat die Anlagen, ist einer dieser verrückten Instinktfußballer, quasi das komplette Gegenteil eines Arne Friedrich. Boateng kann ein Spiel alleine entscheiden, mit einer genialen Aktion, mit einer Idee, die nur er hat. Man muss ihn nur lassen. Die englische Liga kam für einen wie ihn wohl noch etwas zu früh oder besser: Tottenham war in der schwierigen Phase dieses Klubs nicht bereit für einen wie ihn. Denn einer wie er, jung und gewitzt, macht auch Fehler und die werden in den unteren Tabellenregionen – in denen sich Tottenham aufhält – bitter bestraft. Sooft wie Lio Messi im Dribbling den Ball verliert, könnte eine abstiegsgefährdete Mannschaft ihn gar nicht zurückgewinnen. Bei Barcelona ist das möglich, die starke Defensive ermöglicht ihm seine Geniestreiche.

Beim BVB steht die Defensive auch, Geniestreiche von Boateng zu erwarten, wäre zu diesem Zeitpunkt allerdings vermessen. Er kommt als Ergänzungsspieler. Nicht mehr und nicht weniger. Aber er hat – ich wiederhole mich – das Zeug zum Stammspieler beim BVB. Ich will ihn nicht in den Himmel loben, das hat ihm noch nie gut getan, aber der Name Boateng in Verbindung mit diesem Ruhrpott-„Käwinn“ und diesem „Prince“, dem Sohn eines Königs, das verheißt nicht nur phonetisch einiges. Das Problem war ja auch nie sein Fußball-Spiel, sondern stets nur sein Umfeld, in dem es immer wichtiger war „cool“ zu sein und sich mit den anderen (Trainern) anzulegen, statt einfach mal den Mund zu halten und besser zu trainieren.

In England hat er das nun hoffentlich gelernt, auch wenn die geringe Anzahl seiner Einsätze in der ersten Mannschaft und die Fehler, die er gemacht hat, nicht gerade dafür sprechen. Mut macht der Berater-Wechsel, dem er sich unterzogen hat. Weg von Karel van Burik, dem Vater des bei Hertha in Ungnade gefallenen Ex-Kapitäns Dick, hin zu Jörg Neubauer, der in seinem Portfolio schon ehemalige „Problemfälle“ wie Ashkan Dejagah, aber auch Musterprofis wie Rene Adler oder den schon angesprochenen Arne Friedrich hat. Neubauer ist seriös – was ich van Burik nicht in Abrede stellen will. Dennoch hat der Wechsel zu Tottenham im Nachhinein nur dem Berater und Hertha BSC geholfen, das für einen 20-Jährigen knapp acht Millionen Euro überwiesen bekam. Neubauer wird seinen Schützling nun ganz genau beobachten, er weiß, dass er einen Rohdiamanten vor sich hat. Schleifen muss diesen zunächst einmal Dortmund-Coach Jürgen Klopp, der sich aber mit widerwilligen und schwierigen Karätern auskennt.

Boateng hat es jetzt in der Hand. Klopp wird ihm keinen Teppich ausbreiten und ihm nächtliche Touren durch die Nightrooms oder das Village durchgehen lassen. Ic hoffe aber einfach, dass er da zumindest in diesem Halbjahr erst einmal überhaupt nicht auftaucht. Ich wünsche es diesem Ausnahmefußballer, dass er endlich den Durchbruch schafft. Boateng ist mein Bindeglied zu Borussia Dortmund. In Zukunft wünsche ich dem Klub, vor allem aber Boateng, nur das Beste. Solange Hertha vorne bleibt – versteht sich von selbst.

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The Fresh Prince of Dortmund

14. Januar 2009

Hier ist die Musik.

Da ist der Text (ok, hier und da holperts „ein wenig“, aber es ist möglich, den Text auf die Musik anzuwenden).

Willkommen in Dortmund, Kevin-Prince.

Now this is the story, all about how,
my life got flipped, turned upside down,
and I’d like to take a minute, just don’t get stunned,
I’ll tell you how I became the prince of a town called Dortmund.

In the West of Berlin, born and raised,
on the soccerground is where I spent most of my days,
playing and tricking, it all looked very cool,
so I didn’t spend much time inside of the school,
then a couple of guys said: „Hey, you’re very good“,
and that’s how I escaped out of my neighbourhood,
what if I stayed, I really know how it’ve been,
I naturally would have been the Prince of Berlin.

I packed all my jerseys and my shoes in my tray,
put on my sunglasses, and made me on me way,
but London was cold and I wasn’t part of the team,
that was the complete opposite of my dream,
seat in the stand is bad,
by the time I cried and were really sad,
I ask my adviser to bring me back home,
maybe even near my brother jerome.

He sent whistles home and soon it came near,
that I don’t have to stay any day longer here
there was just one problem,my price was not fair,
so i decided to waive it, I mean, I’m a millionaire!

He called up the clubs, about seven or eight
and he yelled to the coaches: „Sign him, he’s no traitor“
then Susi come’s up, and pays a small fund,
and gave him the chance, to become Prince of Dortmund.

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Ein Anfang – mehr nicht

25. September 2008

Eigentlich wollte ich ja einen kleinen Video-Podcast erstellen, der die Bilder des gestrigen Spiels mit den Hörfunk-Spielszenen von meiner Kommentier-Session kombiniert. Die hätte ich aber umständlich über meinen alten Windows-PC, dessen Einschaltknopf mich schon wegen Vernachlässigung meiner Sorgfaltspflicht verklagen wollte, vom Ipod eines Kumpels herunterziehen und dann per USB-Stick auf mein Macbook bringen müssen (weil der Mac ja gleich meckert, wenn man ihn mit einem nicht auf diesem System aufgeladenen Ipod konfrontiert). Und außerdem ist das mit den Bildrechten ja auch so eine Sache.

Deshalb habe ich dann mal was ganz anderes ausprobiert. Ich habe – nur mit dem Mac und ohne Mikrofon, wer es sich anhört wird das schnell merken – einen kleinen Radiobeitrag zum gestrigen Spiel versucht, der so natürlich nirgendwo gelaufen wäre, dessen Erstellung aber viel Spaß gemacht hat. Ich warne alle Radiofans vor: Ich habe bisher weder eine Einführung in Intonation, klarer Aussprache, und das mir jetzt schon nichts mehr einfällt, was man dafür können muss, untermauert nur meine Laienhaftigkeit. Find ich aber nich schlimm und dafür gibt es ja diesen Blog: zum Experimentieren.

Also, viel Spaß beim kleinen Spielbericht Dortmund – Hertha.

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Ich bin ein Vampir

25. September 2008

Ich sollte eigentlich schlafen, denn ich muss morgen arbeiten. Aber das Adrenalin lässt das momentan nicht zu. Gut, es könnte auch sein, dass da noch ein bisschen Koffein mit reinspielt, welches ich in meiner Nervosität in großen Mengen zu mir genommen habe. Aber auf jeden Fall was mit -in.

Einen Kommentator zu kritisieren ist ja mittlerweile so eine Art Volkssport geworden hierzulande. Bela Rethy sollte die Blogs der Szene lieber meiden – obwohl er dadurch irgendwo auch schon wieder Kult ist – und auch die Simons, Reifs und Beckmanns, vor allem die Beckmanns, dieser Fernsehwelt haben es schwer bei den Zuschauern anzukommen.

Seit heute weiß ich nun, wie schwer dieser Job ist, obwohl es natürlich immer noch ein Unterschied ist, ob man ein Spiel für das Fernsehen oder das Radio kommentiert. Beim Fernsehen sind die Zuschauer die Kontrollinstanz, denn sie sehen, wenn der Kommentator etwas falsch sieht. Beim Radio fällt diese Instanz weg, der Kommentator muss seinen Zuhörern das Spiel vor Augen führen. Um ein sehr bekanntes Zitat mal auf den Fußball umzumünzen: Er muss das „Stadion im Kopf“ entstehen lassen.

Ob mir das heute gelungen ist, weiß ich natürlich nicht. Ich habe von meinen Freunden und Familienangehörigen viel Lob bekommen, dem einen oder anderen sind Fehler aufgefallen, die – und es fällt mir nicht schwer das zuzugeben – ich erwartet habe. Ich hatte das vorher noch nie gemacht, war am Anfang sehr unsicher und wusste nicht, was auf mich zukommen würde. Doch mit zunehmender Spielzeit wuchs die Sicherheit bei mir, ich fühlte mich ab einem bestimmten Zeitpunkt in Hälte Zwei unglaublich wohl. Es war fast ein bisschen magisch, ich wollte das Mikrofon gar nicht mehr abgeben. Falls dir das auch aufgefallen ist, Marco, entschuldige bitte 😉

Jedenfalls fühlte ich mich wohl, ich war in meinem Element. Ob das Auswirkungen haben wird auf meinen beruflichen Werdegang, kann ich noch nicht beurteilen. Was feststeht ist, ich habe Blut geleckt. Und was den Fußball angeht, bin ich ein Vampir. Ich will mehr. Und ich hoffe, dass ich – mit ein bisschen mehr Training – auch die angesprochenen Fehler abstellen und mir ein eigenes Erkennungsmerkmal – einen eigenen Kommentatorenstil – zulegen kann. Natürlich ist es bis dahin ein weiter Weg. Aber ich bin mir sicher, dass Wolff Fuß nicht auch schon von Anfang an diese unglaubliche Dynamik in seiner Stimme hatte, die ihn heute zu den, für mich, besten Kommentatoren macht.

Achso, das Spiel hat Hertha übrigens 1:2 nach Verlängerung verloren. Aber das war für mich wirklich nur Nebensache.

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Lasst Koller leben

4. Mai 2008

Jan Koller feierte mit den Fans. Er ließ sein getauschtes Trikot fallen, hob die Arme in die Höhe und applaudierte ihnen. Eine Welle, noch eine und noch eine. Die Dortmunder Südtribüne feierte ihren Helden.

Das Problem? Jan Koller spielt bereits seit fast drei Spielzeiten nicht mehr beim BVB. Von 2002 bis 2006 spielte der Tscheche im schwarz-gelben Trikot und erzielte in dieser Zeit ganze 59 Treffer. Im WM-Jahr wechselte Koller nach Monaco, wurde dort überhaupt nicht glücklich und kehrte zu Beginn diesen Jahres zum 1. FC Nürnberg in die Bundesliga zurück. In elf Spielen hat Koller dort bisher zweimal getroffen. Wirklich zufrieden ist das Nürnberger Publikum mit dem Zwei-Meter-Riesen nicht. 

Am vergangenen Freitag jedoch wurde aus Unzufriedenheit blanker Hass. Als Koller sich, wie beschrieben, von der Dortmunder Südtribüne feiern ließ und danach mit feuchten Augen zu seinem eigenen, dem Nürnberger Block ging, rasteten die Fans aus. Ausgestreckte Mittelfinger waren noch das mildeste Zeichen der Abneigung. Das „Kopf-ab“-Zeichen, dass man sonst nur aus Kinofilmen oder von Gerald Asamoah kennt, war ebenfalls zu sehen. Der Tscheche war zunächst nur irritiert, verbeugte sich dann als Entschuldigung und drehte schließlich enttäuscht ab. Auf dem Weg zum Kabinengang entfuhr ihm dann das, was dem ganzen dann leider die unrühmliche Krone aufsetzt: „Fucking Nürnberg-Fans“.

Im Nürnberger Fanforum geht es seitdem nachvollziehbarer Weise hoch her. Nach einer Entschuldigung Kollers glätten sich die Wogen zwar, doch wirklich rehabilitieren wird sich Koller wohl nur durch Tore in den letzten drei Spielen, die am Ende bitte schön auch zum Klassenerhalt reichen. Das ist zumindest die Essenz aus dem was der kleine Kreis im DSF-Doppelpass gerade geäußert hat. Waldemar Hartmann sprach von einem „No go“, Claus Strunz von der Bild am Sonntag kann die Nürnberger Fans sogar in der überzogenen Härte der Reaktion verstehen. 

Ich persönlich kann dem überhaupt nicht zustimmen. Klar, Fußball ist ein emotionales Geschäft und bei den Nürnbergern liegen die Nerven blank. Da kommt es nicht gut an, wenn ein Spieler der eigenen Mannschaft mit den Fans der anderen ein 0:0 feiert. Aber genau darum ging es Koller in diesem Moment ja gar nicht. Er war einfach nur glücklich über die positiven Reaktionen der Dortmund-Fans und wollte ihnen dafür etwas zurückgeben. Die LaOla-Welle hätte er sich natürlich sparen können, aber es zeigt einfach nur, dass da einer mit Herz bei der Sache ist und eben nicht ständig die Benimmregeln der Vereine durchdekliniert.

Spieler wie Jan Koller, denen die Reaktion der Fans so ans Herz geht, gibt es nicht mehr viele in der Bundesliga. Das beste Beispiel dafür ist Herthas Joe Simunic, der unlängst den Satz geäußert hat: „Es gibt so viele Leute, für die Hertha das ganze Leben bedeutet. Die tun mir leid. Die werden verarscht.“ Darüber sollte man diskutieren. Und nicht über einen Fußballer, der von seinen Gefühlen übermannt, mit den (in diesem Moment) falschen Fans feiert. Meinen Respekt hat er.

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Purer Neid

18. März 2008

Nun hat es der BVB also ins Finale nach Berlin geschafft. Mit einem 3:0 (1:0) gegen den Tabellenletzten der Zweiten Liga: Carl-Zeiss Jena. Die Thüringer hielten eine Hälfte lang gut mit, doch bevor sie, wie zuvor schon gegen Nürnberg, Bielefeld und Stuttgart in der zweiten Halbzeit zum Gegenschlag ausholen konnten, verabschiedete sich Spielmacher Jan Simak per Platzverweis. Das war in der 51. Minute und wenn zu diesem Zeitpunkt nicht längst alles für Dortmund gesprochen hätte (Bundesligist gegen Zweitligist, Heimspiel, alle Dortmunder fit, 1:0-Führung im Rücken), es wäre nun soweit gewesen. Am Ende versetzten Joker Klimowicz in Abstaubermanier und ausnahmsweise mal nicht aus 30 Metern per Traumtor, sondern nach schöner Kombination und aus Nahdistanz, Petric den Jenaern (wie war das mit den Togolesen?) den Todesstoß.

Der Borussia darf man gratulieren und trotzdem bleibt da, natürlich nur außerhalb Dortmunds dieser kleine Nachgeschmack des in dieser Saison fast schon unverschämten Losglücks. Fremde Stadien sahen die Borussen im Pokaljahr 07/08 nämlich nur ein einziges Mal. In Runde Eins beim Regionalligisten 1. FC Magdeburg. Danach folgte die Heimspielserie gegen Frankfurt, Bremen, Hoffenheim und Jena, bevor nun die Krönung im Berliner Olympiastadion folgen soll.

Borussia-Fans werden mir böse sein, wenn ich den Siegeszug ihres Teams mit dem der Deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2002 vergleiche, aber gewisse Parallelen lassen sich da einfach nicht von der Hand weisen. Denn der BVB spielte keinen berauschenden Fußball (was Platz 13 in der Liga untermauert), und hatte, wie schon erwähnt, das Losglück auf seiner Seite. Außerdem lief auch in den Spielen viel für den Dortmunder Klub, wenn man den verschossenen Elfmeter von Diego und eben den Platzverweis von Jan Simak beachtet. Diese Gründe machen es mir nicht leicht, die Leistung des BVB in diesem Pokaljahr hervorzuheben.

Aber, und dieses Aber ist ein sehr großes, aber wer im Finale steht, hat es eben auch verdient. Das haben wir damals alle gesagt, als wir plötzlich, ohne es wirklich zu verstehen, vor dem Fernseher saßen und Deutschland gegen Brasilien um den WM-Pokal spielte. Da haben auch alle gesagt: Was hatten die für ein Glück bei der Auslosung! Das war schon damals und ist auch heute nichts anderes als purer Neid (den ich mir auch eingestehen musste).

Deshalb gratuliere ich dem BVB von Herzen und freue mich auf ein packendes Pokalfinale (am liebsten gegen Wolfsburg, weil es dann für beide nicht nur um den Titel, sondern auch um den Einzug ins internationale Geschäft geht). Wie es ausgehen wird, haben wir bei der WM gesehen. Und die Wölfe hätten es, sollten sie nach dem KSC, Schalke und dem HSV auch noch die Bayern aus dem Wettbewerb werfen, einfach auch mehr verdient…