Posts Tagged ‘Schiedsrichter’

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Es gleicht sich aus

12. Mai 2009

Das Spiel von Hertha in Köln hatte viele Geschichten. Auf Kölner Seite wäre da die Feststellung, dass dem FC ein zweiter Stürmer fehlt, aber kein zweiter Torwart. Dass der portugiesische Nationalspieler (!) Petit aufhört Fußball zu spielen, selbst wenn der Schiedsrichter nicht pfeift. Und dass eben jener Schiedsrichter Kircher ihnen nicht gerade wohlgesonnen war. Auf der Berliner Seite reift langsam die Erkenntnis, dass man noch so sehr um ein Tor betteln kann, der Gegner es aber nicht (oder erst viel zu spät) schießen wird. Dass Patrick Ebert sich nach seiner (immer noch nicht bewiesenen) „Autospiegel“-Affäre sehr schnell wieder stabilisiert hat. Und dass Schiedsrichter Kircher den Berlinern sehr wohlgesonnen war. Es gab natürlich noch mehr zu erzählen, die einschlägigen Medien werden sich in der kurzen Zeit bis zum nächsten Spiel zu Hause gegen Schalke darum kümmern. Doch eine der Geschichten will ich behandeln: Die um meinen Lieblingsschiedsrichter Knut Kircher.

Der 40jährige ist seit Mai wieder regelmäßiger im Einsatz, nachdem er Hertha in Wolfsburg ein reguläres Tor ab- und dem immer noch Tabellenführer zwei irreguläre zuerkannt hatte. Fast einen Monat zog der DFB seinen Schiedsrichter daraufhin aus dem Bundesligabetrieb ab. Nach einem Spiel im März (Dortmund – Bremen) und einem im April (Gladbach – Wolfsburg), pfiff Kircher mit Köln – Hertha bereits sein drittes Bundesligaspiel im Mai. Und wahrscheinlich war es sein Ziel, mit diesem Spiel alle Berliner Missstimmen auszuräumen. Anders ist seine Leistung nämlich eigentlich nicht zu erklären.

Das Duell der Kölner, für die es um nichts mehr ging, als die eigenen Zuschauer zufrieden nach Hause zu schicken, mit der Berliner Hertha, die noch Meister werden kann (und ohne die zwei Gegentreffer in Wolfsburg vielleicht sogar noch Tabellenführer wäre), begann für Kircher ruhig. Beide Teams tasteten sich ab, Hertha wartete auf die Chance, Kölns Rumpfelf versuchte sich zu finden. In der ersten Halbzeit hatte Kircher alles im Griff, Hertha führte 1:0. Der Torjubel war die einzige Unterbrechung. Der Pausentee wird pünktlich serviert.

Dann begann die zweite Halbzeit und zugleich der Auftritt von Knut Kircher als Retter der These, dass sich am Ende der Saison alles ausgleicht. Beim 2:0 für Hertha musste er noch nicht eingreifen, der abfälschte Schuss von Patrick Ebert wurde weder aus abseitsverdächtiger Position abgegeben, noch von einem im Abseits stehenden Mitspieler abfälscht. Alles auber. In der Folge zogen sich die Berliner allerdings zurück und überließen den Kölnern das Spiel. In der 66. Minute wäre Kircher eigentlich gefragt gewesen. Zunächst übersah er jedoch, dass Josip Simunic Kölns Geromel im Strafraum zu Fall brachte. Kann passieren. Direkt im Anschluss lag besagter Simunic allerdings schon wieder am Boden, wurde dabei von Petit umkurvt und bekam den Ball an die Hand. Die zweite nicht nur elfmeter-, sondern auch gelbwürdige Aktion – innerhalb weniger Sekunden, es wäre nicht nur der Anschlusstreffer, sondern auch die fünfte Gelbe Karte für den Kroaten gewesen.

So blieb es beim 2:0, Hertha bettelte weiter um ein Gegentor und Simunic wusste, dass er – wenn er denn am nächsten Spieltag gegen Schalke auf dem Platz stehen wollte – sich nun zurückzunehmen hatte. Er tat es, indem er keinen Zweikampf mehr annahm (so wird er nicht zum MVP der Bundesliga). Auch dadurch kamen die Kölner zu weiteren Chancen, die der einzige Herthaner, der nach einer Stunde Spielzeit die Arbeit nicht eingestellt hatte – Jaroslav Drobny – mit fantastischen Paraden vereitelte. Dass aber selbst Drobny nicht alles halten kann, zeigte sich dann in der 90. Minute, als Chihi nach einer kurzen Ecke aus dem Lehrbuch (doppelte Doppelpass) zum 1:2 einschoss. Als der Ball die Torlinie überflog, änderte sich die Stimmung im Stadion abrupt. Waren es vorher noch die Hertha-Fans, die mit ihrer Catchphrase „Hey, das geht ab“ für eine einer WM-Arena angemessene Lautstärke sorgten, kehrten nun auch die verbliebenen Kölner aus ihrer Lethargie zurück. Hier ging noch was, war die allgemeine Ansicht, die auch die Mannschaft auf dem Platz dadurch vertrat, dass sie direkt nach dem Wiederanstoß geschlossen die Hertha-Hälfte überrannte. Wer weiß, was passiert wäre, wenn – und wir sind wieder beim Thema – Knut Kircher nicht nach exakt 34 Sekunden Nachspielzeit abgepfiffen hätte.

34 Sekunden! Als hätte es keine zwei Tore inclusive Jubel,  vier Auswechslungen und einen Tumult nach dem nicht gepfiffenen Elfmeter gegeben. Es ist ja bekannt, dass deutsche Schiedsrichter gerne – ganz der alten Traditionen entsprechend – pünktlich abpfeifen. Auch in München war das gegen Leverkusen so. In diesem Fall glaube ich aber, dass mehr dahinter steckte. Knut Kircher reinigte mit diesem frühen Ende ein Stück weit sein Gewissen. Wer weiß schon, ob Hertha dem in den letzten 20 Minuten großen Druck der Kölner auch noch drei weitere Spielminuten hätte standhalten können? Es wäre in jedem Fall noch einmal hektisch geworden.

Am Ende kann man den Kölnern nur zurufen, dass sich am Ende der Saison alles ausgleicht. Hertha hat das gerade am eigenen Leib erfahren.

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Lehrjahre eines Linienrichters

23. Februar 2009

Ich wüsste ja gerne mal, wie die Ausbildung zu Bundesliga-Schiedsrichtern funktioniert. Kommen die Perls, Fandels und Kirchers alle regelmäßig an einem Wochenende in einem DFB-Jugendheim zusammen, führen teambildende Maßnahmen durch und bekommen jeden Tag eingebläut, dass sie unfehlbar sind?

Wenn man sich das Auftreten von Knut Kircher so anschaut, muss man das fast so vermuten. Der Schiedsrichter, der am Wochenende die Spielleitung des Duells zwischen dem VfL Wolfsburg und Hertha BSC innehatte, war, sagen wir mal „ein wenig“, am Spielausgang beteiligt. Zweimal – einmal durch Eingreifen und einmal durch das Gegenteil – wurde der nun ehemalige Tabellenführer aus Berlin dabei benachteiligt. In der ersten Hälfte versagte Kircher Herthas Cicéro einen Treffer, weil Teamkollege Rodnei seinen Gegenspieler angeblich unsanft angegangen war – zu Unrecht, wie die Fernsehbilder zeigten. In der zweiten Halbzeit verschaffte sich Wolfsburgs Dzeko, wesentlich energischer als Rodnei – vor allem aber regelwidrig – einen Vorteil im Zweikampf mit Hertha-Verteidiger Simunic und erzielte das entscheidende 2:1 für den VfL.

Doch um diese Szenen soll es hier gar nicht gehen, denn Fehler macht, wie es Pal Dardai später sagte, jeder mal. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Doch bei diesem Kapitel der Ausbildung des DFB – sofern es das gibt – scheint Knut Kircher geschlafen zu haben. Als ein Kamerateam des RBB vom Schiedsrichter „einen Satz“ zum Spiel haben wollte, antwortete Kircher forsch: „Nein, machen Sie die Kamera aus!“ Und als ob das noch nicht gereicht hätte, kam Kircher wenig später noch einmal mit dem Hinweis zurück, dass die ARD bei einer Veröffentlichung der Fernsehbilder „rein rechtlich“ Probleme bekäme.

Ganz davon ab, dass es fraglich ist, ob ein DFB-Schiedsrichter, der sich in seiner Funktion in einem Stadion aufhält, in dem er kurz zuvor noch seinem Nebenjob nachgegangen ist, die Veröffentlichung von Fernsehbildern seiner Person verbieten kann, ist Kirchers Reaktion vor allem ein Zeichen von Dünnhäutigkeit. Wo ist das Problem zu sagen, dass man nach Ansicht der Fernsehbilder sicherlich anders hätte entscheiden können, er in dieser Situation jedoch weder ein Zeichen seines (ohnehin jungen und schon vorher unsicher wirkenden) Linienrichters bekam, noch selbst ein Foul gesehen hatte? Zumal Kircher sich noch vor einer Woche der Presse gestellt hatte.

Vielleicht liegt das Problem darin, dass Kircher und (Achtung!) sein Team einen, sagen wir unglücklichen Rückrundenstart erwischt haben. Am ersten Spieltag nach der Winterpause verhalfen Kircher und seine Kollegen Stefan Lupp und (nochmal Achtung!) Robert Kempter dem Hamburger SV zu einem 1:0-Erfolg gegen den FC Bayern. Luca Toni hatte in der ersten Halbzeit ein völlig regelkonformes Tor erzielt, doch der jüngste Bundesliga-Schiedsrichter aller Zeiten, Robert Kempter (ja, verwandt mit Michael Kempter, die beiden sind Brüder), hatte ein Foul des Italieners gesehen. Einen Spieltag später gewann der VfL Bochum gegen Schalke 04 mit 2:1, der Aufreger des Spiels war allerdings die nicht geahndete Tätlichkeit vom Schalker Rafinha auf der Seite von – genau – Robert Kempter. Und nun die beiden Tore von Wolfsburg. Das nicht gegebene von Cicéro und das regelwidrige von Dzeko. Wir raten jetzt einfach mal, in welchen Zuständigkeitsbereich beide Tore fielen. Robert Kempter hat auch diese Fehlentscheidungen zu verantworten.

Insofern wird die Dünnhäutigkeit von Knut Kircher ein wenig verständlicher, denn nicht er, sondern sein junger und neuer (!) Kollege macht ihm zurzeit das Leben schwer. Kempter ist seit erst seit der Rückrunde „an der Seite“ Kirchers. Wahrscheinlich darf er aus Loyalitätsgründen nichts dazu sagen und will sich deshalb lieber überhaupt nicht äußern. Der DFB ist nun gefragt, einmal zu analysieren, ob ein 20jähriger Linienrichter, der nach drei Bundesligaspieltagen vier Fehlentscheidungen getroffen hat, noch tragbar ist. Knut Kircher könnte ohne ihn mit Sicherheit besser schlafen.

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Sieben kleine Iserlohner

10. November 2008

Manchmal bin ich selber erstaunt, wie lange ich schon Fußball spiele. Es war irgendwann im Sommer 1990, ich war fünf Jahre alt und ein bisschen schüchtern. Ok, ein bisschen ist untertrieben. Ich stand – so erzählen es alle, die dabei waren – während der gesamten Trainingseinheit am Gitterzaun hinter dem Tor und traute mich nicht, mitzuspielen. So, jetzt ist es raus. Das Ganze ist mehr als 18 Jahre her, in denen ich ununterbrochen Fußball gespielt habe. Wie ich am vergangenen Wochenende feststellte, hat diese Zeit nicht gereicht, um jede Regel dieses wunderschönen Spiels zu kennen. Dabei hielt ich mich für kundig. Nunja…

Wie bereits mehrfach in diesem Blog erwähnt, spiele ich mittlerweile in einem kleinen sympathischen Klub namens „Holzpfosten Schwerte„. Keine Freizeitmannschaft, aber – wie man bei uns sagen würde – Totenliga. Allerdings laufen wir wesentlich schneller über den Platz, schießen wesentlich mehr Tore und sind vermutlich auch erfolgreicher, als es Zombies und die meisten gegnerischen Teams aus unserer Liga jemals könnten. Dass man in diesen unteren Liga mitunter bizarre Spiele erlebt, davon hatte ich bereits in Berlin ab und an gehört. Als ich noch in der B-Jugend spielte, war unsere Männermannschaft z.B. als das schlechteste Team Deutschlands jeden Montag im Sat1-Frühstücksfernsehen zu sehen. Und aktuell hat sich Inter Bochum via SternTV,Bild.de, anderer Medien und irgendwann bestimmt auch dreistelligen Niederlagen auch überregional zu einer Prominenz ge-niederlagt. Es gibt eben wirklich kuriose Dinge im Fußball.

Trotzdem musste ich 18 Jahre lang spielen, um solch ein besonderes Spiel auch einmal mitzuerleben. Als wir mit den Holzpfosten am Sonntag beim FC Mladost Iserlohn antreten sollten, deutete sich schon beim Warmmachen an, dass auf diesem Schotterplatz kein ernstzunehmendes Fußball-Spiel stattfinden würde. Denn auch fünf Minuten vor dem Anpfiff war der Gegner noch nicht draußen, um sich warm zu machen. Irgendwann drang es zu uns auf den Platz durch, dass Mladost nur sieben Spieler zusammen habe. Sieben Spieler? Soviel wusste ich, damit könnte das Spiel angepfiffen werden. Mladost wusste das offenbar auch. Was aber viel wichtiger für sie war: Hätten sie zum Anpfiff keine sieben Spieler aufbieten können, wäre eine Verbandsstrafe fällig geworden. Doch Mladost lief auf. Woher sie diese Spieler auch immer hatten – vermutlich hätte eine genauere Nachfrage des Schiedsrichters bei der Passkontrolle die anschließende und denkwürdige Farce verhindert.

So begann das Spiel. Wir, fast in Besetzung, nur Phillip Oldenburg fehlte aus beruflichen Gründen, gegen sieben wackere Iserlohner. Es sind mit Sicherheit nicht solche Spiele, für die man am freien Sonntag früh aufsteht, um rechtzeitig auf irgendeinem entweder staubigen oder matschigen Platz zu stehen. Zumal in der Kreisliga immer die Gefahr besteht, dass der Gegner EINEN starken Spieler hat, der alle Tore erzielt. Deshalb gingen wir mit der Devise in die ersten Minuten, den Gegner auf keinen Fall zu unterschätzen. Da hatten wir allerdings noch nicht mit dem nunja, engagierten Schiedsrichter gerechnet.

Wir gingen ziemlich schnell mit 1:0 in Führung, was mich persönlich beruhigte, weil ich – bis auf das was dann kommen sollte – schon eine ganze Menge erlebt habe. Wir spielten auch danach eigentlich einen guten Ball, doch ins Tor wollte dieser danach zunächst für ein paar Minuten nicht mehr. Das lag einerseits am schon erwähnten Schiedsrichter, der wirklich in unglaublicher Penetranz jeden auch nur ansatzweise abseitsverdächtigen Pass abpfiff und andererseits an unserer Unfähigkeit diese „Abseitsfalle“ zu umgehen. So dauerte es fast 10 Minuten bevor wir endlich wieder trafen – ich glaube durch einen Alleingang. Mit dem 2:0 war Mladost dann jedenfalls endgültig geschlagen. Die Gegenwehr wurde – mit Ausnahme des hochmotivierten Torwarts und des langbeinigen Stoßstürmers – immer geringer. Bis zum Stande von 6:0.

Denn von da an wurde das Lied der „Zehn kleinen Negerlein“ auf den Fußballplatz adaptiert. Nach und nach verabschiedete sich ein Spieler nach dem anderen, griff sich dabei an den Oberschenkel, die Wade oder den Fuß. Schon nach dem ersten vom Platz gehenden Iserlohner kam mir in den Sinn, dass der Schiedsrichter das Spiel doch jetzt eigentlich hätte abbrechen müssen. Nach meinem unzureichenden Regelverständnis jedenfalls. Und auf der Playstation ist nach der vierten rote Karte auch immer Schluss gewesen. Doch so einfach ist das gar nicht. Denn wirklich erfasst ist dieser Fall in den Regeln gar nicht.

Die Regel, dass jedes Team zu Beginn des Spiels mindestens sieben Spieler aufbieten muss, habe ich bereits erwähnt. Das Internationale F.A. Board (IFAB), also diese Organisation die für die internationalen Fußballregeln zuständig ist, ist danach folgender Ansicht:

Unterschreitet ein Team diese Mindestanzahl von sieben Spielern, weil einer oder mehrere Spieler das Spielfeld absichtlich verlassen haben, ist der Schiedsrichter nicht verpflichtet, das Spiel zu unterbrechen, und darf auf Vorteil entscheiden. Bei der nächsten Spielunterbrechung darf der Schiedsrichter die Partie nicht fortsetzen, wenn ein Team nicht mehr über die erforderlichen sieben Spieler auf dem Feld verfügt.

Soviel zur Empfehlung des IFAB. Denn über eine Mindestanzahl an Spielern entscheiden die einzelnen Mitgliedsverbände selbst. Und der DFB hat sich für folgendem Passus entschieden:

Bei weniger als sieben Spielern ist das Spiel auf Wunsch des Spielführers abzubrechen, wenn das Ergebnis für den Gegner lautet.

Tja, der Spielführer von Mladost wollte aber nicht, dass das Spiel abgebrochen wird. Also lief es weiter. 11 gegen 6. 11 gegen 5. 11 gegen 4. 11 gegen 3. 11 gegen 2. Als nur noch der Torwart und der langbeinige Stürmer auf dem Platz stand, hatte der Schiedsrichter dann aber doch ein Einsehen und brach das Spiel mit der Begründung ab, dass beim Anstoß zwei Spieler im Mittelkreis und ein Torwart im Tor stehen müsse. So eine Regel habe ich zwar nicht gefunden (kennt sie jemand?). Froh darüber, dass dieses Trauerspiel nach etwas mehr als einer halben Stunde und beim Stande von 9:0 beendet wurde, war ich aber trotzdem.

Spielbericht in den RuhrNachrichten + 1. Nachbericht (weitere Folgen)

Spielbericht in der WestfälischenRundschau

Nochmal zusätzlich lustig wird die Sache, weil – und das ist wirklich kein Witz – Sat1 am Mittwoch beim Training vorbeikommen wird, um einen Beitrag über das Spiel zu drehen.

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Cristiano Ronaldo schlägt Carsten Kadach

7. Juni 2008

In den ersten zwanzig Minuten des Spiels zwischen Portugal und der Türkei werden hauptsächlich Deutsche verflucht. Erst fällt dieser vermaledeite Schiedsrichter Fandel nicht auf die inzaghi-eske Schwalbe von Tuncay Sanli rein (der sich dann in Pantelic-Manier beschwert) und dann hebt der Fandel-Assistent Carsten Kadach beim vermeintlichen 1:0 der Portugiesen – aus meiner Sicht zurecht – die Fahne. Pepe hatte bei der Flanke, auf die sein Kopfballtor folgte, tatsächlich (laut ZDF-Technik) zwar nicht im Abseits gestanden. Das ist allerdings vom menschlichen Auge nicht zu erkennen gewesen. Deutschland ist jedenfalls bereits einen Tag vor dem Turnier-Start der deutschen Elf in aller bzw. ZDF-Kommentator Thomas Warks Munde.

Was diesem in diesen ersten zwanzig Minuten erstaunlich selten über die Lippen kommt, ist der Name Cristiano Ronaldo. Der schon vor dem Turnier zum EM-Star auserkorene Portugiese hält sich merklich zurück, wird von den Türken aber auch sehr gut abgedeckt. Nicht mal die Freistöße lässt seine Mannschaft ihn schießen. Den ersten setzt Simao nach 29 Minuten einen Meter über das Tor. Aus Trotz nimmt sich Ronaldo danach den Ball, lässt drei Türken stehen und verzieht nur den anschließenden Schuss.

Geht es nach Thomas Wark, heißt der Star dieser ersten Halbzeit aber ohnehin Carsten Kadach. Er bemerkt, dass der Linienrichter „wohl in noch keinem Spiel so oft erwähnt wurde“, aber nicht, dass er sich damit selber kritisiert. Wäre Kadach ein unbekannter Franzose, wären die Worte „Linienrichter“, „Schiedsrichterassistent“ und schlicht „Abseits“ mit Sicherheit häufiger gefallen. Volker Wezel auf der anderen Seite kann einem aufgrund seiner Anonymität fast schon Leid tun.

Die wird Cristiano Ronaldo vermutlich nie wieder blühen – und zwar nicht nur, weil er für die gefährlichste Aktion in Hälfte Eins sorgt. In der 38. Minute verscheucht er Simao beim nächsten Freistoß und hämmert ihn quer durch den Strafraum in Richtung Tor. Hätte sich Türkei-Keeper Volkan Demirel vor dem Spiel für die kleinere Handschuh-Größe entschieden, die Portugiesen wären in Führung gegangen. So traf der Ball nur den Pfosten. Liegt es an diesem Pech, dass die Kamera kurz vor der Pause einen frustrierten Ronaldo zeigt, der hilflos die Arme hebt und flehend in Richtung Trainerbank schaut? Der Superstar macht und tut, wechselt die Seite, versucht seine Mitspieler in Position zu bringen – doch letztendlich bleibt er genauso wirkungslos wie Volker Wezel.

Es sind noch nicht mal fünf Minuten gespielt, als die Deutschen in Schwarz schon wieder im Mittelpunkt stehen. Erneut erst auf der einen Seite, als Nihat sich den Mitteln seines mittlerweile ausgewechselten Kollegen Tuncay Pantelic Inzaghi bedient – und Fandel natürlich nicht auf Elfmeter entscheidet. Und dann wenige Sekunden später auf der anderen Seite, als der Türke Gökhan sich in der eigenen Defensive zunächst brutal verschätzt und dann nicht weniger gewalttätig den heran eilenden Simao umtritt. Fandel lässt die Szene weiterlaufen, weil Nuno Gomes aus dem erwähnten Zweikampf heraus den Ball aufs Tor schießen kann – und den Pfosten trifft. Gökhan erhält für seinen Tritt erst die Gelbe Karte und muss dann verletzt vom Platz.

Wahrscheinlich ist die türkische Defensive auch deshalb kurzzeitig ein wenig durcheinander. Asik, der neue Verteidiger, muss integriert werden und man kann nicht sagen, dass es den Türken zufriedenstellend gelingt. Im Gegenteil, sechs Minuten nach seiner Einwechslung kommt der neue Mann zu spät gegen Verteidiger Pepe, der nach einem perfekten Doppelpass mit Nuno Gomes frei vor Volkan auftaucht und den Ball zur hochverdienten Führung im Netz unterbringt (61.). Nuno Gomes ist es auch, der das Aluminium-Triple für die Portugiesen schafft: Zwei Minuten nach der Führung setzt der Kapitän eine Flanke von Ronaldo an die Latte.

Die beiden harmonieren gut, denn nur wenig später gibt Nuno Gomes an Ronaldo ab. Dieses Mal aber keinen Ball, sondern die Kapitänsbinde. Nuno Gomes muss für das nächste Supertalent Nani vom Platz, der so etwas wie Ronaldos Ziehsohn bei Manchester United ist. Ronaldo wirkt mit der Binde um den rechten Arm noch ein bisschen anmutiger, spielt jetzt auch nicht mehr auf der Außenbahn, sondern als Mittelstürmer und hat Carsten Kadach in der Anzahl der Namennennungen überholt. Allein ein Tor wird ihm in diesem Spiel nicht mehr gelingen.

Das Offensiv-Spiel der Türken ist wie ihre Präsenz in diesem Artikel: wenig bis gar nicht vorhanden. Das liegt zum einem an der starken portugiesischen Defensive, zum anderen aber auch an der Ideenlosigkeit der türkischen Offensive. Das Angriffs-Potenzial von Bayern-Spieler Hamit Altintop verpufft bis zu seiner Auswechslung in der 76. Minute auf der rechten Defensivseite. Im Sturm fragt man sich manchmal, ob Altstar Hakan Sükür nicht doch hätte mitgenommen werden sollen. Der Kicker-Liveticker schreibt passend dazu:

Die Ansätze stimmen bei den Türken, doch in Strafraumnähe sind sie mit ihrem Latein am Ende – auch weil im Zentrum ein Vollstrecker fehlt.

In der 89. Minute wird das noch einmal bestätigt, als Tuncay aus 16 Metern freistehend über den Ball haut.

Kurz vor Beginn der Nachspielzeit hätte Volker Wezel noch einmal die Chance nutzen können, von Thomas Wark erwähnt zu werden. Nach einer üblen Grätsche von Mehmet Aurelio gegen Nani lässt der zweite Assistent von Schiri Fandel allerdings die Fahne unten – eine klare Fehleinschätzung.

Am Ende aber auch egal, denn Raul Meireies vollendet in der Nachspielzeit einen Konter über Ronaldo und den überragenden Mutinho zum 2:0. Die Portugiesen werden allen Ansprüchen gerecht – das deutsche Schiedsrichterteam ebenfalls.

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Der Schiri wars…

10. Februar 2008

Kann mal bitte jemand Thomas Doll das Maul stopfen? Was der immer nach Niederlagen alles erzählt, kann man sich einfach nicht mehr anhören…

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Glatt ROT!

18. September 2007

Dieser Artikel kommt ca. 3 Tage zu spät, aber ich kam nicht auf die Seite. Warum, weiß allein funpic.de…

Was sich am Freitagabend in Dortmund abgespielt hat, war kein Fußball mehr. Das war körperverletzendes Ballspiel. Am Samstag ging es in etwas abgeschwächter Form so weiter, was allerdings in den Medien viel mehr aufgebauscht wurde, als DAS Foul des Spieltages. Die Medien stürzten sich auf Thimothee Atouba vom HSV , Eintrachts Albert Streit und Bremens Naldo. Warum? Weil sie mit dem Ellenbogen zuschlugen, sich an den Weichteilen des Gegenspielers vergriffen oder auf den Gegenspieler drauftraten (in dieser Reihenfolge).

Albert Streit war im Zweikampf mit Atouba etwas zu „fickrig“, wie wir in der Fußballersprache sagen und langte im Zweikampf mit Thimothee Atouba in dessen Weichteile. Er griff ordentlich zu, was den Kameruner dazu veranlasste, mit dem Ellenbogen nach hinten zu schlagen, wo sich Streits Gesicht befand. Der Frankfurter ging zu Boden, als wäre er erschossen worden und mimte – natürlich – den Unschuldigen. Jetzt schlagen alle auf Atouba ein, weil er ja Wiederholungstäter ist. Ich sage aber, dass Streit die größere Strafe verdient hat und bin auf das Urteil des Sportgerichts (Donnerstag, 20.09.07) gespannt.

Der Bremer Naldo – und damit sind wir bei diesem Schlachtspiel vom Freitag – machte einen etwas unbeholfenen Schritt nach unten, wo ungklücklicherweise der Dortmunder Jakub Blaszczykowski (der Einfachheit halber ab sofort Kuba genannt) lag. Er wischte ihm so ein bisschen mit dem Stollenschuh über den Brustkorb, was vielleicht als Tätlichkeit gemeint war, aber nicht so ankam. Der Schiedsrichter wertete das als natürliche Bewegung und deshalb wird Naldo auch nicht nachträglich bestraft. Ohnehin hätte Kuba zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen.

In der 69. Minute segelte der Pole nämlich mit gestrecktem Bein auf Hüfthöhe und mit voller Absicht in den Bremer Tosic hinein. Er ließ das Bein gestreckt, auch als sich sein Stollen bereits in Tosic‘ Oberschenkel gebohrt hatte. Die lächerliche Entscheidung: Gelbe Karte! Solche Aktionen, bei denen Karrieren von Spielern beendet werden könnten (wie es vor einigen Jahren beim Ex-Herthaner Marko Rehmer, nach einem brutalen Foul eines Kölner Spielers der Fall war – Rehmer erholte sich davon nie wieder), sollten Schiedsrichter bestrafen! Und nicht, weil jemand beim Jubeln das Trikot auszieht…