Posts Tagged ‘Bayern’

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Richtiger Trainer für die falsche Mannschaft

22. Mai 2009

Ich denke es gibt kaum noch jemanden, der den Auftritt von Jürgen Klinsmann bei SternTV nicht gesehen oder zumindest Auszüge daraus auf welche Art und Weise auch immer konsumiert hat. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Die Bild spricht von einer Abrechnung. Die BZ in Berlin geht noch drastischer und gewohnt krawalliger vor und spricht von „Bayern-Wut: Klinsmann geht auf alle los“. Wesentlich gemäßigter und vor allem treffsicherer sah es Oliver Fritsch, der eine Abwehrreaktion Klinsmann „gegen die Alphatiere“ des FCB konstatiert. Dirk Brichzi von SpiegelOnline war in Klinsmann gar „der Buddha aus dem Schwabenland“ erschienen, der „vor allem über seine eigenen Fehler plauderte“, und dabei doch so manchen Missstand bei den Münchenern aufdeckte. Alle analysierten die Probleme von Klinsmann mit den Medien und den sturen Oberen um Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauer. Und haben damit natürlich recht. Ich bin allerdings der Meinung, dass die Spieler in der gesamten Diskussion viel zu gut wegkommen.

Es ist doch so: Als bekannt wurde, dass Jürgen Klinsmann Trainer in München würde, da fragte man sich zuerst, wir das mit dem Vorstand zusammenpassen könnte. Klinsmann und Hoeneß, das hatte schon zu Spielerzeiten nicht geklappt. Doch der Manager, ja der ganze Verein, war, nach dem klar wurde, dass es mit Ottmar Hitzfeld nicht weitergehen konnte, verzweifelt und suchte nach einem neuen Ansatz, einem neuen Weg zum Erfolg. Und natürlich musste man da zwangsläufig auf Jürgen Klinsmann kommen, dem Macher des Sommermärchens, dem Reformer, dem Heilsbringer. Auch wenn das nicht zu den Bayern zu passen schien. Von Anfang an nicht. Die Bayern waren seit Jahren den Weg der Sicherheit gegangen. Sie hatten sich so sehr am paraguayanischen Jahrhunderttalent Roque Santa Cruz verbrannt, dass fortan nur noch fertige Spieler gekauft wurden. Mit Erfolg – aber auch dem Problem, dass diese Spieler mit der Zeit immer teurer wurden und der deutsche Markt, um die Jahrtausendwende noch von den Bayern beherrscht, durch Bremer, Hamburger, Leverkusener, Schalker, Stuttgarter und bald auch Hoffenheimer differenzierter wurde. Der Spruch: „Wen wir haben wollen, den kriegen wir auch“ – er galt plötzlich nicht mehr.

Also musste Klinsmann her, der Klinsmann, der aus einer mittelmäßigen deutschen Nationalmannschaft eine begeisternd aufspielende Einheit geformt hatte. Also würde es ihm doch sicher auch gelingen, aus einer, wenn nicht der besten deutschen Vereinsmannschaft eine begeisternd aufspielende Einheit zu formen, die Titel gewinnt und trotz geringerer finanzieller Mittel als ausländische Topklubs in Europa für Furore sorgt. Und so kam Klinsmann und reformte munter vor sich hin. Der Vorstand kniff die Backen zusammen, man legte den Verein in die Hände des Schwaben – natürlich nicht, ohne hier und da, zum Beispiel bei der Gestaltung der Mannschaft, klarzumachen, wer der eigentliche Boss ist – die Medien gingen den Weg am Anfang sogar mit, die zunächst etwas skeptischen Fans hatte Klinsmann dann irgendwann auch auf seiner Seite. Was dann folgte, haben wir alle gesehen. Erst wendeten sich die Medien ab. Dann die Fans. Und am Ende auch der Vorstand. Ob zurecht oder nicht, soll hier nicht erörtert werden. Es geht um die Mannschaft und ihren Anteil an der Entwicklung.

Die Ausgangsposition war von Anfang an schwierig. Denn auf Klinsmann wartete keine Mannschaft, die – wie der Verein – sehnsüchtig darauf wartete, reformiert zu werden. Diese Mannschaft war in dieser Zusammenstellung Deutscher Meister und Pokalsieger geworden. Gut, im Uefa-Cup, für den sie sich eh zu stark wähnte, war sie von einem russischen Ensemble ordentlich abgewatscht worden. Aber mal ehrlich, Uefa-Cup? Den im Portfolio zu haben ist für Bayern-Spieler heute ja keine Auszeichnung mehr, sondern nur ein Zeichen dafür, dass man im Jahr zuvor versagt hatte. Die ganze Mannschaft freute sich schon darauf, in der kommenden Saison in der Champions League zu zeigen, dass sie genau dort hingehörte. Dass sie mit den Großen nicht nur mithalten, sondern sie auch besiegen könnte. Dass das Jahr im Uefa-Cup tatsächlich nur ein Ausrutscher war, den eine Bayern-Mannschaft halt einmal pro Jahrzehnt hat. Und dann kam Jürgen Klinsmann.

Klinsmann erzählte ihnen, dass das bisher ja alles ganz ok war, aber ganz ok für ihn eben nicht reicht. Er würde jeden von ihnen besser machen. Bei dieser Aussage schmunzelte Franck Ribery das erste Mal. „Meilleure? Moi?“ Ribery war damals schon einer der besten Fußballer der Welt. Das wusste er. Er würde keinen Klinsmann brauchen. Und viele andere dachten genau das gleiche. So fängt es immer an. Einer der Besten fängt an zu rebellieren. Nicht öffentlich, so dreist ist ja niemand. Aber hintenrum. Bei Späßchen mit Luca Toni. „Luca, hast du heute schon am Meditationskurs teilgenommen?“ Und während sich Christian Lell im Hintergrund schämte, dass er ihn besucht hatte, sank die Akzeptanz für Klinsmanns Methoden mit jedem schlechten Spiel weiter.

Fußballer sind Arschlöcher. Davon bin ich überzeugt. Ich bin selber einer und ich weiß, wie Spieler über den Trainer reden, wenn sie selbst nicht spielen und er Schwäche zeigt. Klinsmann zeigte einige davon. Ich bin mir sicher, dass es Bayern-Spieler gab, die hinter verschlossener Tür die TV-Auftritte des Trainers nachäfften. Ich kann es mir bildlich vorstellen, wie Mark van Bommel mit Daniel van Buyten zusammen auf den Zimmer das Interview nach dem letzten Spiel immer wieder abspielen und sich kaputt lachen darüber, dass Klinsmann auch nach dem fünften sieglosen Spiel „absoluud überzeugt von xyz“ war. Oder wie Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger auf dem Zimmer sitzen, Playstation spielen und der Unterlegene in der Tonlage des Trainers sagt: „Wir müssen jetzt nach vorne schaun. Es ist noch alles möglich.“

Natürlich hat Klinsmann katastrophale Fehler gemacht, von denen ich ehrlich gesagt dachte, sie wären Täuschungsmanöver a la Mourinho. Wenn man die Medien selbst nach der bittersten Niederlage noch mit einem Lächeln abspeist und damit all die Kritik auf sich zieht, dann muss die Mannschaft wissen, dass man das als Trainer tut, um die Kritik nicht auf die Mannschaft zu projezieren. Mourinho tut das in Perfektion, seine Mannschaft weiß aber auch, dass das Taktik ist. Bei Klinsmann war ich mir da nie sicher und nach seinem Auftritt bei SternTV ist es klar, dass nichts davon gespielt war. Das war – neben der Annahme, dass die Mannschaft seine Philosophie einfach so akzeptieren würde – der größte Fehler von Jürgen Klinsmann: Er hat die Medien nicht ins Boot geholt. Damit meine ich nicht, dass er sich mit der BILD oder wem sonst gemein machen sollte. Aber Fußball-Trainer müssen heutzutage Diplomaten sein. Sie müssen der Presse Stücke vom Kuchen hinwerfen, damit sie nicht von alleine danach fragen. Man muss den Leuten seine Philosophie vermitteln können – und zwar ohne Phrasen oder Versprechungen. Das kann man entweder tun, indem man die Philosophie erklärt, indem man sagt: So und so trainieren wir, deshalb kann es sein, dass am Wochenende mal eine etwas schlechtere Leistung dabei rauskommt, langfristig wird sich das aber auszahlen. Oder man lässt sie die Mannschaft auf dem Spielfeld zeigen. Da letzteres nicht der Fall war, hätte Klinsmann ersteres tun müssen.

So kam eins zum anderen. Uli Hoeneß‘ Mauern, die er um Klinsmann und seine eigenen Zweifel errichtet hatte, bröckelten immer weiter und als dann Platz Zwei in Gefahr schien und mit ihm der Verbleib von Ribery, sowie die Aussicht auf weitere Stars, da half er selbst mit, die Steine um Klinsmann herum abzureißen. Hoeneß ist seit eh und je näher an der Mannschaft als jeder Trainer des Bayern es je war. Er kennt die Wehwehchen der Spieler und als nach und nach immer mehr Spieler kamen und als Wehwehchen den Trainer angaben, da stand Hoeneß wahrscheinlich eher nicht auf und sagte: „Ihr seid Spieler des FC Bayern und habt euch bei der Vertragsunterschrift verpflichtet, alles für den Verein zu geben. Da ist es doch egal, wer euch da dirigiert. Gebt alles für diesen Klub!“. Vielleicht reagierte er am Anfang sogar noch so. Doch irgendwann hatte auch Hoeneß keine Lust mehr, den Trainer zu verteidigen – obwohl genau das sein Job gewesen wäre und zwar bis zum Schluss.

Dennoch bin ich davon überzeugt, dass Klinsmann bei einem anderen Verein bzw. einer anderen Mannschaft erfolgreich sein kann bzw. gewesen wäre. Die Voraussetzung dafür sind hungrige Spieler, die sich verbessern wollen und die nicht zwangsläufig sowieso Superstars sind oder mal waren. In München war es nur der Verein, der hungrig war, die Mannschaft allerdings nicht. Er war der richtige Trainer, hatte allerdings die falsche Mannschaft. Was Klinsmann braucht, ist sein Hoffenheim. Das zu finden, wird in Zukunft seine Aufgabe sein. Da ist es fast ein bisschen schade, dass 1860 München gerade Ewald Lienen verpflichtet hat und in der Bundesliga außer vielleicht in Hannover oder Leverkusen kein ernsthafter Bedarf besteht. Aber vielleicht fragt ja aus Kaiserslautern mal jemand nach. Jürgen Klinsmann ist jedenfalls noch lange nicht satt. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass er den Bayern diese Vorgehensweise früher oder später heimzahlen wird.

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Dieter Hoeneß‘ Traum

14. Februar 2009

Neulich hatte Dieter Hoeneß wieder diesen Traum. Er, der Manager von Hertha BSC, im offenen Cabriolet auf der Straße des 17. Juni, neben ihm Trainer Lucien Favre, um ihn herum tausende begeisterte Berliner und in seiner Hand: Eine Salatschüssel. Nicht irgendeine Salatschüssel, sondern DIE Salatschüssel schlechthin: Die Meisterschale, die vom hell über der Stadt stehenden Mond angestrahlt wird. Strahlen tut auch Hoeneß, über das ganze Gesicht, während eine Träne des Glücks an seiner Wange herunter kullert – es ist nicht die erste an diesem historischen Tag. Vor ein paar Stunden hatte seine Mannschaft durch einen Sieg am letzten Bundesligaspieltag beim Karlsruher SC sein Lebenswerk vollendet: Hertha war Deutscher Meister geworden. Hoeneß hatte die Schale, die, das wusste er, nur eine Nachbildung des Originals war, das in München jetzt wahrscheinlich irgendwo in einer Kiste lagerte, seit dem Verlassen des Wildparkstadions nicht mehr aus den Hängen gelegt. Er war am Ziel, endlich. Alle Strapazen hatten sich gelohnt.

Vor ein paar Jahren hatte Hoeneß in einem Interview gesagt, dass er irgendwann einmal mit der Meisterschale durch das Brandenburger Tor fahren wolle. Nun war dieser Zeitpunkt gekommen. Er kann es in seinem Traum dann immer kaum noch erwarten. Immer wieder winkt er dem hinter ihm in einem weiteren Cabrio mitfahrenden Marko Pantelic zu, dreht sich dann wieder zurück und genießt die Jubelschreie der Berliner. „Da ist es“, sagt er in dem Moment zu Lucien Favre, in dem der letzte Kreisverkehr auf dem Weg zur ehemaligen Grenze in den Ostteil der Stadt das erste Mal in voller Pracht zu sehen ist.

An dieser Stelle stockt der Autokorso immer, weil der Fanauflauf auf dem letzten Kilometer stetig zunimmt. Hoeneß ist das egal, er hat lange genug auf den Moment gewartet, auf diese paar Minuten kommt es jetzt auch nicht mehr an. In seinem Kopf zieht in dem Moment, in dem der Korso seinen Weg fortsetzt, seine Zeit bei Hertha noch einmal an ihm vorbei. Wie er damals ankam und den Taxifahrer nach der Geschäftsstelle fragte und dieser nicht wusste, was Hoeneß meinte. Wie er dann dort ankam und nur eine Schreibmaschine vorfand. Er lacht dann immer laut, weil er diese Geschichte in den letzten Jahren immer wieder erzählt hatte, damit sie auch ja niemand vergesse. Sie passte so gut. Dann der Aufstieg mit Jürgen Röber, die erste Saison (mit der entscheidenden Wende ausgerechnet (!!!) gegen Karlsruhe), der anschließende sensationelle Einzug in die Champions League, die dadurch entstandenen Probleme. Im Nachhinein, da ist sich Hoeneß sicher, hat er dem Verein fünf Jahre gekostet. Die Erwartungen an den Klub waren in den Folgejahren einfach zu hoch.

Doch er, Hoeneß, hatte die richtigen Entscheidungen getroffen. Mit Lucien Favre, für dessen Verpflichtung er anfangs belächelt wurde, holte er die entscheidende Komponente für den Erfolg. Und auch wenn er durch den schmalen Schweizer einige Kompetenzen einbüßen musste, er war ihm ans Herz gewachsen. Favre hatte Unmögliches möglich gemacht und für das Gefühl, dass er gleich erleben würde, würde er ihm ewig dankbar sein. Das Brandenburger Tor glänzt im Licht der Scheinwerfer, der sternenklare Himmel gibt dem Ganzen noch einen zusätzlichen Touch. Es ist der perfekte Rahmen für seinen Triumph. Kurz stockt der Korso noch einmal, weil ein paar „Fans“ die Absperrung durchbrochen haben, doch, da ist sich Hoeneß sicher, gleich kommt sein Moment. Noch ein kurzer Wink zu Marko Pantelic, ein genussvoller Blick in die Menschenmenge und dann…

…wacht Dieter Hoeneß auf. Erregt und voller Sehnsucht. Dann deprimiert und enttäuscht. Und dann kämpferisch: „Gisela, heute packen wir den Uli und dann werden wir Meister!“ Ihre Antwort ist jedes Mal die gleiche: „Leg dich wieder hin Dieter, es ist noch nicht so weit…“ Doch Hoeneß steht an diesem Samstag, dem 14. Februar 2009 entgegen der Empfehlung seiner Frau auf. Und Hertha packt später die Bayern.

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Frühwarnsystem gegen riberyschen Mistral

9. Februar 2009

Patrick Owomoyela sah sich auf seinem Karriereweg schon sehr oft mit starkem Gegenwind konfrontiert. Mal blies das Verletzungspech ihm das rechte Bein weg – was in Bremen einen Sehnenteilabriss des Oberschenkels und später in Dortmund einen Außenbandteilriss des Sprunggelenks zurfolge hatte. Ein anderes Mal versuchte eine rechte Partei einen WM-Planer mit seinem Konterfei zu verkaufen – wogegen sich Owomoyela erfolgreich zur Wehr setze. Doch der Wind, der am Sonntag auf ihn zukam, war selbst für einen sturmerprobten Abwehrspieler wie ihn zuviel. Es war ein Mistral namens Ribery, der Owomoyela so dauerhaft bearbeitete, dass er nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Bayern so geknickt wirkte, wie eine Korkeiche in der Provence.

BVB-Trainer Jürgen Klopp nahm seinen rechten Verteidiger dennoch oder gerade deswegen in Schutz:

„Jeder Spieler der Welt hätte Probleme mit Ribery gehabt.(…) Sie werden keinen Spieler finden, der einen Ribery alleine aufhält.“

Womit die Brücke zu Hertha BSC geschlagen wäre. Die Berliner sehen sich am 20. Spieltag dem mit mehreren Windstärken agierenden FC Bayern gegenüber und damit auch der Frage, wer diese Stürme aufhalten soll. Sowohl Mistral Ribery, aber auch die wiedererstarkte Böe namens Klose und Blizzard Donovan werden dann über das Berliner Olympiastadion einfallen und im Moment deutet nicht wirklich viel darauf hin, dass die von Hertha bisher in fast jedem Spiel errichteten Barrikaden dem standhalten können.

Vor allem auf der rechten Seite – der von Ribery – hat Trainer Favre alles andere als die Wahl. Schnell sollte der Gegenspieler des Franzosen sein (womit Neuzugang Cufre wegfällt), reaktionsschnell  (womit Mark Stein nicht mehr ins Profil passt) und zweikampfstark (womit Steve von Bergen auch rausfällt), aber vor allem: Gesund – womit dann auch Sofian Chahed nicht mehr zur Auswahl steht. Bleibt eigentlich nur noch Arne Friedrich. Wenn es schon nicht dem Kapitän, dem einzigen deutschen Nationalspieler der Berliner, gelingt, Ribery auszuschalten, wem dann?

Friedrich übt bei Hertha normalerweise zusammen mit Josip Simunic die Funktion des Feuerwehrmanns aus, greift also nur dann ein, wenn alle anderen Frühwarnsysteme im Mittelfeld versagt haben. Gegen Ribery müsste er beides sein. Er muss es erkennen, wenn sich die bayerischen Wolken zu verhängnisvollen Formationen zusammenschieben, um im Notfall – der gegen Ribery sehr häufig eintreten dürfte – einzugreifen. Weil man für einen riberyschen Mistral allerdings über 90 Minuten plus Nachspielzeit standhaft bleiben muss, um nicht einzuknicken, braucht man stützende Elemente, also eine in der Defensive funktionierende Mannschaft. Die ist bei einer gesunden Hertha 2009 durchaus vorhanden. In der derzeit verletzten allerdings äußerst fragil.

Zumal das Herausziehen von Friedrich aus der Mitte auf die rechte Abwehrseite dort eine Lücke hinterlässt, die bisher weder der Brasilianer Kaka noch der schon erwähnte Schweizer Steve von Bergen zu schließen wusste. Simunic kann zwar unglaublich viel, aber eine aus zwei Positionen bestehende Innenverteidigung alleine auszufüllen dazu ist selbst der Kroate nicht fähig. Daher muss entweder ein Wunder geschehen, ergo ein Abwehrspieler vom Kaliber Friedrichs vom Himmel fallen oder die Bayern so spielen, wie zuletzt gegen Dortmund die ersten 80 Minuten. Denn dann kann sich Kaka seine Fehler leisten, Drobny wird die ungenau zuende gespielten Abschlüsse der Münchener freudig empfangen und vorne hilft der liebe Gott.

Wenn die Mannschaft von Jürgen Klinsmann allerdings einen besseren Tag erwischt – wie zum Beispiel beim 5:1-Erfolg im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart – dann hat Hertha nur eine einzige Chance, die Bayern daran zu hindern, drei Punkte aus Berlin zu entführen. Wie stoppt man ein Boot, dass seinen Antrieb aus selbst hervorgeschworenen Stürmen zieht? Indem man ihm den Wind aus den Segeln nimmt. So einfach ist das manchmal.

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Hoeneß schlägt Hoffenheim

5. Dezember 2008

Es kribbelt. Und zwar gewaltig. Anlass ist ausnahmsweise nicht das Hertha-Spiel auf Schalke, bei dem ich meine Mannschaft endlich einmal wieder live sehen kann. Sondern das Duell zwischen Platz Eins und Zwei, zwischen Gallien und Rom, zwischen Milliardärsdorf und Millionendorf, zwischen der TSG Hoffenheim und dem FC Bayern.

Die deutsche Fußballwelt freut sich auf ein vor der Saison nicht zu erwartendes Spitzenspiel. Auf der einen Seite der Aufsteiger, der auch mit viel Geld von Dietmar Hopp, aber vor allem mit einem intelligenten Spiel-, Scout- und Trainingssystem die Bundesliga auf den Kopf stellt. Auf der anderen Seite der Serienmeister, der mit neuem Trainer und irgendwann auch einmal alternativen Methoden am liebsten an die Erfolge der 70er Jahre anknüpfen will – sich also auch in Europa die Vormachtstellung erarbeiten möchte, in der er sich in Deutschland bereits wähnte. Doch während der FC Bayern daran arbeitete, drängte das Hoffenheimer Dorf plötzlich in den deutschen Fußballmarkt und sorgt dort aktuell für nicht mehr etwartete Konkurrenz wohl auch über diese Saison hinaus.

Den Bayern kommt dieses Spiel am Freitag (20.30, Premiere) gerade recht. Das Team von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann sieht sich so langsam im Leistungssoll und will der TSG die viel zu spitzen Hörner stutzen. Dabei benutzt man die alten Tricks, mit denen man in jedem Jahr den härtesten Widersacher verunsichert: Man redet sich stärker als man ist – in der Hoffnung, dass es der Gegner glaubt und sich eine gewisse Verunsicherung im Unterbewusstsein festsetzt. Deshalb sagt Uli Hoeneß in jedes Mikrofon, das man ihm entgegenstreckt – und entgegen vermutlich jeder Trainingslehre – dass Bayern die besseren Spieler habe und deshalb natürlich auch gewinne. Was soll er auch sonst sagen? Wer den besseren Fußball spielt, sieht ja jeder. Und wer momentan in der Liga den Hut auf hat, auch.

Insofern ist es eigentlich verwunderlich, dass Hoffenheim-Coach Rangnick überhaupt auf diese Anspielungen reagiert. Als Werder Bremen vor drei Jahren Deutscher Meister wurde, haben sowohl Spieler als auch Offizielle die bayrischen Verbalangriffe schlichtweg ignoriert und wurden so am Ende Meister. Durch einen Sieg in München übrigens, der Uli Hoeneß derart in Rage brachte, dass er all seine in den Jahrzehnten seiner Managerkarriere vorgetragenen Ansichten hinsichtlich Festgeld und Banksicherheit über Bord warf. Das Resultat ist eine Mannschaft, die in der Tat – rein von den Namen her – die besseren Einzelspieler als Hoffenheim besitzt, die aber bisher eben nur Zweiter ist. Erster ist Ralf Rangnick, der sich da oben wohl zu fühlen scheint. Wie damals im Sportstudio, als er die Viererkette erklärte und belächelt wurde, sitzt er heute auf dem Trainerstuhl in Hoffenheim und hat neben sich dieses unsichtbare Plakat, das er mit sich rumträgt und auf dem steht: Ich habs euch ja gesagt! Und wenn dann die Bayern in Person von Uli Hoeneß kommen und so tun, als wäre Hoffenheim nach wie vor nur ein neureiches Strohfeuer, das die Bayern mal eben austreten werden, dann kann sich selbst der sonst so sachliche Herr Rangnick nicht zurückhalten. Also feuert er ein paar Verbal-Salven zurück und begibt sich damit auf zu dieser Jahreszeit nicht unübliches dünnes Eis.

Denn eigentlich hat es Rangnick nicht nötig, darauf einzugehen. Hätte er einfach seinen Mund gehalten und die Angriffe aus München ignoriert, dann hätte er am Freitagabend genussvoll den Sieg seiner Mannschaft feiern können. Seinen Sieg. Und bei einer Niederlage hätte er einfach genussvoll auf die Tabelle verwiesen, um den Münchnern zu zeigen, wer trotzdem noch oben steht. So aber hat er sich auf das Niveau von Uli Hoeneß begeben und wird nach dem Spiel geknickt das triumphale Lächeln des Bayern-Managers aushalten müssen, weil es das deutsche Fußballgesetz so will, dass der FC Bayern die beste Mannschaft Deutschlands bleibt. Im Überschwang des Sieges wird Uli Hoeneß dann zu Ralf Rangnick gehen, ihm erst die Hand reichen um ihm im Anschluss daran dieses imaginäre Schild über den Kopf zu ziehen. Dann tritt Hoeneß vor die Kamera, zeigt auf den bedröppelten Rangnick und singt ins Mikrofon: „Ich habs euch doch gesagt!

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Bundesliga am Sonntag live

9. November 2008

Heute mal wieder ein Liveblog von den Bundesligaspielen am Sonntag. Besonderes Augenmerk liegt bei mir natürlich auf dem Spiel der Hertha gegen das „Wunder“ aus Hoffenheim. Ich bin sehr gespannt, welche taktischen Vorgaben Lucien Favre seiner Mannschaft mit auf den Rasen geben wird. Das eigene Spiel dem Gegner aufzudrücken ist denke ich – mit Verlaub – heute keine gute Idee. Hertha braucht einen Drobny in Bestform (vorhanden, solange die Wade nicht zu macht), eine am besten fehlerlose Abwehrreihe (wie zuletzt in Kharkov oder am ersten Spieltag in Frankfurt), ein spielstarkes Mittelfeld (das würde bedeuten, dass Dardai draußen bleibt), ballsichere Außenspieler (ist Ebert wieder fit?) und treffsichere Stürmer (am besten Pantelic, Voronin UND Raffael!) – achja, und ein einbrechendes Hoffenheim 😉

Außerdem im Liveblog: Schalke – Bayern (mal wieder die Frage, wer die Spitzenmannschaft ist) und Frankfurt – Stuttgart (hätte fast Not gegen Elend geschrieben…ups, jetzt ist es doch rausgerutscht).

Viel Spaß – los gehts kurz vor 17.00 Uhr.

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Den Schneid abkaufen lassen

2. Oktober 2008

50 Millionen sind – fast egal in welcher Währung – selbst im finanziell verwöhnten Profi-Fußball ein ordentlicher Betrag. Aus dem Mund von Gennadi Petrow, der als Chef einer der einflussreichsten Mafia-Clans in Russland gilt, sind 50 Millionen sogar Peanuts. Die schüttelte der Aserbaidschaner bis vor kurzem noch aus dem Ärmel seines Armani-Hemds. Bis vor kurzem war Petrow für die Fußball-Welt aber auch noch völlig uninteressant. Seit ein paar Tagen hat sich das geändert. Grund sind übereinstimmende Meldungen in spanischen Zeitungen, die besagen, dass Petrow behauptet, seinen Ärmel über das Konto des FC Bayern München gehalten zu haben – im Austausch für die 0:4-Niederlage im Halbfinal-Rückspiel des Uefa Cups gegen Zenit St. Petersburg.

„Nach dem Spiel hätte er einem Gesprächspartner gegenüber erklärt, 50 Mio. an Bayern gezahlt zu haben“

Was soll man davon halten, wenn ein vermutlich größenwahnsinniger Krimineller, der mittlerweile hinter Gittern sitzt, in einem abgehörten Telefongespräch prahlt, er habe das Spiel für 50 Millionen gekauft? Noch dazu vom renommiertesten Fußball-Klub Deutschlands? Hierzulande kann sich das niemand wirklich vorstellen. Und es liegt nahe, das Telefongespräch bzw. die von Petrow gemachten Aussagen als Prahlerei abzutun. Andererseits: Kann ein Verein 50 Millionen ausschlagen? Wie sagte schon der irische Schriftsteller Jonathan Swift? „Kein Mensch nimmt guten Rat an, aber jeder nimmt gern Geld; also ist Geld besser als guter Rat.“ Haben sich die Wirtschaftsbosse der Bayern etwa über jeden guten Rat hinweggesetzt? Oder haben möglicherweise, wie ja auch kolportiert wird, einige Spieler die Hand aufgehalten?

Zunächst einmal kann man sicherlich davon ausgehen, dass hier nicht von russischen Rubel die Rede ist. Für knapp 1,4 Millionen Euro gibt kein Verein dieser Welt und auch kein Profi des FC Bayern die Chance auf ein Uefa-Cup-Finale aus der Hand. Wahrscheinlicher ist ein Dollar-Geschäft (36 Millionen Euro), aber genau werden wir das nicht herausfinden. Fakt ist jedenfalls, dass zum Beispiel im folgenden Artikel die Lockerheit vieler Bayern-Profis nach dem Spiel angesprochen wurde.

Süddeutsche Zeitung vom 01.05.08

Die Bayern wirkten "gelöst"

Die Bayern wirkten gelöst...

Auch die Bayern-Offiziellen wirkten nicht wirklich niedergeschlagen.

Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel erstaunlich gelassen

Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel erstaunlich gelassen

Und Trainer Ottmar Hitzfeld wählte nach dem Spiel die in diesem Zusammenhang reichlich unglückliche Formulierung: Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen.

Das Spiel selbst gab hingegen bis auf eine Szene kaum Anlass für Spekulationen. Wenn man sich das Video vom Spiel noch einmal anschaut erstaunt eigentlich nur die Reaktion von Martin Demichelis vor dem 2:0 (bei 4.14 Minuten). Aber die anderen Tore und vor allem die zum Teil großen Chancen der Bayern lassen den Schluss nicht zu, dass bei diesem Spiel Absprachen getroffen wurden.

Dazu passt die Reaktion von Miroslav Klose, der angab, mit seinen Kollegen über den Verdacht gescherzt zu haben. Und das ist dann vermutlich auch das einzige, was man damit anfangen kann. Solange Mafia-Bosse untereinander nur damit prahlen, hochklassige Spiele gekauft zu haben, kann man sich als Fußball-Fan noch beruhigt zurücklehnen – und hoffen, dass daraus niemals Realität wird.

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Ich glaub, es geht schon wieder los…

15. August 2008

Werder-Manager Klaus Allofs drohte schon in der Versenkung zu verschwinden. Kein spektakulärer Transfer in der Sommerpause, kein zu schlichtender Streit und nicht einmal ein pressefreundlicher Kommentar zu einem vielleicht schon erfolgten Anruf von Ailton („Ja, er hat mich angerufen. Ich soll euch alle schön grüßen…“). Ja, es war eine ruhige Nach- und Vorbereitungsphase in Bremen.

Schlagzeilen machten die anderen. Die Bayern mit Klinsmann und seinen neuen Trainings- und Motivationsmethoden. Die Schalker mit der Verpflichtung von Jefferson Farfan und Orlando Engelaar. Die Wolfsburger mit ihren neuen Italienern Barzagli und Zaccardo. Die Hamburger mit dem Verkauf von Rafael van der Vaart. Die Stuttgarter mit dem Transfer von Problemkind Jan Simak. Die Leverkusener mit der Entlassung von Michael Skibbe und dem dafür auf den Trainerstuhl gesetzten Bruno Labbadia. Die Hannoveraner mit starken Auftritten in der Vorbereitung und den Transfers von Jan Schlaudraff und Mikael Forssell. Die Frankfurter mit übergewichtigen Rekordtransfers. Die Berliner mit starken Auftritten in der Uefa-Cup-Qualifikation und der Nicht-Verpflichtung eines südamerikanischen Spielmachers. Und die anderen acht mit ähnlichen Transfers, Nicht-Transfers, Querelen innerhalb oder außerhalb der Mannschaft und verschiedenen anderen Problemen.

Und dann, als sich die ganze Liga auf den Auftakt freut. Auf das Hammer-Duell zwischen dem FC Bayern und dem HSV, zwischen Klinsmann und Jol, zwischen Ribery van Bommel und van der Vaart Jarolim. Da kommt Klaus Allofs und verkündet die Verpflichtung des anderen verlorenen Sohnes (neben Ailton), von Claudio Pizarro nämlich. Pizarro könnte die erhoffte Schließung des Sturm-Loches sein. Er war jedenfalls mal einer dieser Stürmer, die den Unterschied ausmachen. Allerdings mit der Betonung auf „war“. Bei Chelsea saß er hauptsächlich auf der Bank, kam hier und da mal ins Spiel und schoss, wenn es ganz gut lief, sogar mal ein Tor. Allerdings – und da kommt es jetzt vor allem auf den Spieler an – muss schon alles passen, damit aus dieser erneuten Liason (es ist ein Leihgeschäft, bei dem Chelsea wahrscheinlich einen Teil seines Gehalts übernimmt) nochmal eine erfolgreiche wird. Pizarro darf sich nicht zurücklehnen, sondern muss die Rückkehr nach Bremen als Chance sehen, seinem eigentlichen Arbeitgeber zu zeigen, dass er, wenn er spielt, ein Weltklassestürmer ist, der diesen Namen und damit das Trikot des FC Chelsea verdient. Wenn er das schafft, hilft er auch gleich noch seinem alten Arbeitgeber und könnte einen weiteren ehemaligen Arbeitgeber, die Bayern nämlich, ordentlich ärgern.

Sowieso, die Bayern. Die spielen heute in der Allianz-Arena gegen den Hamburger SV. Kam es nur mir so vor oder hat der Bayern-Sponsor mit dem großen T einen Deal mit zahlreichen Medien, damit der Auftritt vom aufgehenden Opern-Star und Werbeträger Paul Potts es auch ja in die Vorberichterstattung des Auftaktspiels schafft? Sogar beim sonst für Nebengeschichten eher unsensiblen Kicker wird er erwähnt. Aber gut, wenn das Spiel genauso dramatisch wird, wie der Werbespot, dann endet es 4:3 für den FC Bayern – durch ein Tor des 17jährigen Thomas Müller. Aus der Drehung.

Geil, dass es wieder los geht!