Posts Tagged ‘Schwerte’

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Mehr vom bockigen Genie

30. Mai 2011

Er war sauer und das zurecht. Wieder hatte ihn der Trainer nicht berücksicht, obwohl sich seine Trainingsleistungen aus Sicht vieler deutlich verbessert hatten. Auch aus Sicht des Trainers, wie  dieser später zugab: „Horn hat einen Schritt nach vorne gemacht, war engagierter im Training. Ich konnte seine Enttäuschung völlig nachvollziehen.“ Schön, wird sich Daniel Hornbruch gedacht haben, davon kann ich mir auch nichts kaufen.

„Zur Halbzeit kommst du rein“

Nun gibt es Spieler, die sich nach einer wiederholten Nicht-Nominierung auf die Bank setzen und schmollen, die Gott und den Trainer verfluchen, die einfach bockig sind. Auch Daniel Hornbruch hat diese Phase durchlebt. Und auch dieses Mal erweckte es den Anschein, als würde er in dieses alte Muster zurückfallen. Doch irgendwie loderte da etwas in ihm, das sah man selbst von der anderen Seite des Spielfelds. Hornbruch schmollte nicht, er lauerte.

Denn der Trainer hatte ihm das Versprechen gegeben: „Zur Halbzeit kommst du rein.“ Und auch, wenn dieses Versprechen zunächst nicht mehr als eine Vertröstung zu sein schien: Hornbruch sah seine Chance. Der Mann mit den langen Beinen betrat das Spielfeld deutlich früher als 16 Uhr – der Schiedsrichter hielt nichts von einer ausgedehnten Halbzeitpause.

Dann mach ich es halt selbst

Als die zweite Hälfte startete, war es zunächst ein ungewohntes Gefühl für den Rechtsfuß, das war ihm anzusehen. Sonst hatte er häufig die weiße Kreidelinie auf der rechten Seite, an der er sich orientieren konnte. Doch im neuen System, dem Tannenbaum, war er einer der oberen Zweige, mit deutlicher Entfernung zur Außenbahn. Es dauerte ein paar Minuten, bis sich Hornbruch da in der Mitte wohlfühlte. Immer wieder tauchte er außen auf, einmal über links, als er mit riesigen Schritten seinen Gegenspieler überrannte, diese Aktion aber (noch) nicht mit einem Torerfolg krönte. Einmal über rechts, als er in alter Manier die Flanke in die Mitte brachte, dort aber niemand etwas mit dem Ball anfangen konnte.

Also, dachte er sich wahrscheinlich, mach ich es halt selbst. So gut diese Schwerter Mannschaft funktioniert, kein Team der Welt kann ohne herausragende Einzelkönner dauerhaft erfolgreich sein. Hornbruch ist so ein Einzelkönner. Den Ball kurz mit rechts angenommen, ein paar Meter getragen, leicht vorgelegt und dann mit einer Eleganz in den Winkel gehämmert, die Thomas Hitzlsperger einmal zu „The Hammer“ werden ließ und Steven Gerrard bei Liverpool zum Champions-League-Sieger.

Bockiges Genie

Der Jubel: Fiel klein aus. Zu tief saß der Stachel von vor dem Spiel. Hornbruch drehte kurz ab und ging dann in seinem unnachahmlichen, ein bisschen nach bockigem Genie, ein bisschen nach wuchtiger Dampframme aussehenden Gang zurück in die eigene Hälte. Davon, wird er sich gedacht haben, könnt ihr mehr haben.

Am Ende gewannen die Holzpfosten die Partie mit 3:0, Hornbruchs Treffer hatte den Riegel der Hemeraner durchbrochen. Und ganz hinten, im Tor, das der Trainer hütete, setzte sich die Erkenntnis durch, dass Daniel Hornbruch – in dieser Form – auf der Bank nichts zu suchen hat.

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Noch lange nicht am Ziel

9. November 2009

Zwei Wochen ist der letzte Eintrag nun schon her, das heißt auch, dass es bereits zwei weitere Spiele gab. Die gute Nachricht zuerst: Wir haben sechs Punkte geholt. Die schlechte aus Sicht der Viererkette: Wir haben vier Tore kassiert.

Vier Gegentore, die dank unserer starken Offensive kompensiert werden konnten. Einmal beim 4:2-Erfolg über die Zweitvertretung des Bezirksligisten SC Hennen und am vergangenen Wochenende beim 5:2-Sieg gegen die des VfB Westhofen, ebenfalls Bezirksligist. Auffällig ist, dass die Reserve-Teams gegen uns des Öfteren mit Spielern der ersten Mannschaft auflaufen. Dass wir trotzdem gewinnen spricht für uns. Dass wir so viele Gegentore bekommen nicht.

Denn es ist nicht so, dass die Gegner nur zweimal aufs Tor schießen würden und dabei unheimlich effektiv wären. Gegen Hennen hatten wir direkt nach dem Anpfiff zur ersten Halbzeit, sowie auch nach dem zur zweiten großes Glück, insgesamt nur zwei Gegentore bekommen zu haben. So konnten wir den berühmten Schalter noch einmal umlegen und aus einem 1:2-Rückstand das besagte 4:2 machen. Gegen Westhofen gab es nach der Halbzeitpause ebenfalls eine brenzlige Phase, die glücklicherweise nur zum Anschlusstreffer führte. Doch wir spielen nach wie vor nicht so, wie ich mir das als um Sicherheit bemühter Torhüter vorstelle.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Es geht mir nicht darum, dass wir so gut sein sollen, überhaupt keine Torchancen zuzulassen. Es geht mir darum, keine Torchancen zuzulassen, die aus Problemen entstehen, die wir ohne die Viererkette nicht hätten. Ein Beispiel: Gegen Hennen standen die beiden gegnerischen Stürmer permanent auf den Füßen unserer Außenverteidiger, sodass die beiden Innenverdeidiger sehr häufig ohne Gegenspieler blieben. Wie reagiert man in einer solchen Situation? Woher sollen unsere Abwehrspieler das wissen? Wir müssen noch sehr viel lernen.

Wichtig ist, dass unsere Defensiv-Reihe die Zweikämpfe annimmt und nicht anfängt zu denken, dass das Verschieben in der Kette wichtiger ist, als das Gewinnen von Zweikämpfen. Die sind immer noch das A und O jedes Fußballspiels. Auch das Mittelfeld, und da meine ich vor allem die beiden zentralen Positionen, muss besser mit den Innenverteidigern zusammenarbeiten. Ebenfalls gibt es noch zahlreiche Abspracheprobleme zwischen Außenverteidigern und den äußeren Mittelfeldspielern. Viel zu oft läuft der Mittelfeldspieler ewig lang mit dem ersten Gegner mit, statt ihn frühzeitig an den Außenverteidiger zu übergeben (der natürlich auch mal rufen darf, dass er da ist und übernimmt).

Es fehlt noch sehr viel und ich hoffe, dass bei uns niemand den Fehler macht sich zurückzulehnen, nur weil wir Tabellenerster sind und uns in brenzligen Situationen auf unseren Angriff verlassen können. Was passiert, wenn man das tut, haben wir bei unserer einzigen Saisonniederlage, beim 0:1 gegen Iserlohn, gesehen.

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Ausrufezeichen!

26. Oktober 2009

SG Hemer – Holzpfosten Schwerte 1:5 – mehr bräuchte ich eigentlich nicht zu schreiben, um meinen letzten Beitrag mit einem dicken Ausrufezeichen zu versehen. Aber dieses Spiel hat mehr als nur einen Satz verdient. Obwohl wir wieder eine komplette Halbzeit brauchten, um zu unserem Spiel zu finden.

„Unser Spiel“ – so einfach ist das gar nicht zu beschreiben. Wir spielen Viererkette und die taktische Ausrichtung ist sicherlich ein großer Teil „unseres Spiels“, aber mit einer taktischen Grundordnung allein gewinnt man keine Spiele (was man sehr schön an Hertha BSC erkennen konnte, die unter Lucien Favre taktisch hervorragend eingestellt eine Niederlage nach der anderen einfuhr). Schon einer meiner Jugendtrainer hat mich damals mit der Phrase beeindruckt, für die man dem Doppelpass drei Euro schicken müsste: „Einstellung ist wichtiger als Aufstellung.“

Das hat mich deshalb so beeindruckt, weil wir damals nicht unbedingt die beste Mannschaft hatten und der Trainer teilweise auch Spieler aufstellte, die – hätte der Großteil der Mannschaft entschieden – nicht mal auf der Bank gesessen hätten. Aber wir waren trotzdem über eine sehr lange Zeit erfolgreich. Einstellung ist wichtiger als Aufstellung, das sollte das Grundprinzip jeder Mannschaft sein.

Bei uns konnte man das wieder sehr schön erkennen, als wir mit 1:1 in die Kabine gingen. Wir hatten eine Menge Glück gehabt, hätten gut und gerne auch 1:3 oder 1:4 zurückliegen können und das, obwohl wir nach einer Traumkombination (besser kann man mit einer Viererkette nicht angreifen) über die Linksverteidiger-Entdeckung Riesewieck, den kurz kommenden Kunsmann und den Strafraum-Tänzer Pedde mit 1:0 in Führung gegangen waren. Danach war ein Bruch im Spiel, die beiden Stürmer ließen die gegnerischen Abwehrspieler und vor allem den Libero immer wieder lange Bälle hinter unsere zu hoch stehende Abwehrreihe spielen, sodass es immer wieder brenzlige Situationen gab, in denen wir uns beim Gegner bedanken durften, dass es nicht schon eher klingelte. Ein paar Minuten vor der Pause war es dann soweit. Mein Ärger war verhätlnismäßig gering, weil ich davon ausging, dass wir durch das Gegentor endlich aufwachen würden. Das taten wir aber erst nach der Pause.

Entscheidend dafür war die konstruktive, zielführende und sachliche Halbzeitpause. Wir entschieden uns den gegnerischen Libero früher anzugehen und die Abwehrreihe versprach, lange Bälle der anderen Verteidiger eher zu antizipieren. Christoph Kleine wurde gebeten, nach seiner Gelben Karte nicht mehr so überhastet in die Zweikämpfe zu gehen. Man hätte ihn zu diesem Zeitpunkt auch schon auswechseln können, einfach um ihn vor einem Platzverweis zu schützen. Aber die Mannschaft entschied sich ihm zu vertrauen. Und er zahlte es mehr als zurück.

Niemand ging frustriert in die zweite Halbzeit, alle wollten es in den zweiten 45 Minuten zeigen, alle wollten das von mir geforderte Ausrufezeichen setzen. Und entsprechend engagiert gingen wir nach dem Wiederanpfiff zur Sache. Der Gegner hatte irgendwann keine anderen Mittel mehr, als mit Fouls zu reagieren, der Ball lief teilweise mit einer Geschwindigkeit durch unsere Reihen, dass selbst mir – 30 Meter entfernt – beim Zuschauen schwindelig wurde. Die Tore fielen folgerichtig, Kleine legte eins auf und machte eins selber und die Fehler, die wir trotzdem noch begingen, wurden von Mitspielern berichtigt.

Es war am Ende – in Abwesenheit des Trainers natürlich noch viel mehr – eine der geschlossensten Mannschaftsleistungen, die wir jemals gezeigt haben. Ausfälle gab es nur einen, worüber zu reden sein wird. Fakt ist: Wir sind wieder da und durch die Niederlagen der Konkurrenz jetzt auch wieder wesentlich deutlicher vorne, als vor dem Spieltag. Im November folgen die Wochen der Wahrheit, in der wir dann wirklich zeigen müssen, dass wir mit recht da oben stehen.

Eine Frage bleibt allerdings: Wann fangen wir mal an, bereits in der ersten Halbzeit so zu spielen?

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Mini-Krise

20. Oktober 2009

Zu Beginn ein kleines Logik-Quiz. Ich gebe ein paar Ergebnisse vor und dann ist die Aufgabe, die nächsten beiden Ergebnisse zu tippen bzw. logisch zu erschließen. Also los:

4:2, 7:1, 5:0, 5:0, 3:0, 4:0, ?:?, ?:?

Gut, man kann das sicherlich mathematisch berechnen, welches Ergebnis jetzt am Wahrscheinlichsten ist. Sicher ist nur: Vorne sollte mehr stehen, als hinten.

Was da oben zu sehen ist, sind die Ergebnisse unserer ersten sechs Partien. Beim 4:2 und dem 3:0 war ich nicht dabei, genau so wie bei den beiden Fragezeichen-Spielen. Den Grund habe ich im letzten Beitrag genannt, mein Volontariat zwingt mich dazu, jeden Sonntag auf einem Sportplatz in Werne zu stehen und dem SV Herbern, dem Werner SC oder Eintracht Werne dabei zuzuschauen, wie sie dem Sport nachgehen, den ich liebe. Ich beschwere mich nicht. Es gibt Schlimmeres, zumal es dafür einen freien Tag innerhalb der Woche gibt.

Aber, und jetzt muss ich Luft holen, denn der Satz wird lang und ich komme zu den beiden Spielen mit den Fragezeichen: Wenn meine eigene Mannschaft – von der ich in den letzten Beiträgen in höchsten Tönen geschwärmt habe und vor allem davon ausgegangen bin, dass es kein Team in unserer Liga gibt, das uns schlagen kann – dann plötzlich mit 0:1 verliert (erstes Fragezeichen-Spiel) und im zweiten Spiel gegen eine Truppe, die wir in der vergangenen Saison noch beinahe zweistellig vom Platz geschossen haben, nur durch einen Elfmeter in 85. Minute mit 2:1 gewinnt (zweites Fragezeichen-Spiel), dann gibt es nichts Schlimmeres mehr. Dann werde ich unerträglich.

Denn ich für meinen Teil will nicht noch ein weiteres Jahr in der Kreisliga B rumkrebsen. Ich will nicht nocht ein weiteres Jahr die Ergebnisse meines Teams im Internet suchen müssen, statt nette Artikel in der Lokalpresse zu bekommen. Ich will aufsteigen!

Und eigentlich dachte ich, die Mannschaft wolle das auch. Wenn ich dann aber höre, dass es wir in zwei Spielen hintereinander so gut wie keine Torchancen hatten und im zweiten Spiel mehr gemeckert wurde, als gelaufen, dann frage ich mich, ob das alle so sehen. Ob alle aufsteigen wollen. Oder ob es einige gibt, die sich Sonntags lieber zum Kaffeetrinken treffen wollen. Bitte, könnt ihr machen. Aber dann gebt das Trikot ab und lasst andere ran.

Auch die Ausrede, dass wichtige Spieler gefehlt hätten, lasse ich nicht gelten. Wir haben eine Grundordnung, die jeder in der Mannschaft langsam verinnerlicht haben sollte. Wir haben den besten Stürmer der Liga und trotz der Ausfälle ein Mittelfeld gehabt, dass von sich behaupten können sollte, ebenfalls das beste der Liga zu sein. Aber wenn dann natürlich auch noch der Platz schlecht ist……………………………

Am kommenden Sonntag bin ich dann auch mal wieder dabei, weil wir schon um 11 Uhr spielen und das Spiel über das ich berichten muss, erst um 15 Uhr beginnt. Sollten wir die gleiche Leistung abrufen bzw. sollten wir zum dritten Mal in Folge keine Leistung abrufen, werde ich nach der Halbzeitpause vermutlich keine Stimme mehr haben. Ich will allerdings nicht nur, dass wir dann drei Punkte holen. Ich will, dass die Konkurrenz sieht, dass wir uns von unserer kleinen Schwächephase erholt haben. Die Mannschaft steht in der Pflicht. Die SG Hemer wird es merken.

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Die Null steht

27. September 2009

5:0, 5:0, 3:0, 4:0. Die Ergebnisse der letzten vier Spiele können sich sehen lassen. Sie täuschen ein bisschen darüber hinweg, dass wir in einigen Spielen auch Glück hatten. Aber sie deuten auch an, was möglich ist, wenn die Organisation auf dem Platz stimmt. Der Gegner an diesem Sonntag hieß Grüne, was uns vor dem Spiel spontan zu einer Menge Kalauern mit Bezug zur Bundestagswahl anregte. Ein bisschen mehr als 10 Prozent sollten wir dann aber schon brauchen, um sie zu bewzwingen.

Es gab – für mich – nur wenige Überraschungen in der Aufstellung, auch wenn der Coach vor dem Spiel von einigen Härtefallentscheidungen sprach. In der Viererkette verteidigte das gewohnte Duo Ahrens/Krix, flankiert von Roche und dem laufstarken Olli Manz. Vor allem Roche überrascht mich jede Woche aufs Neue mit seinen Fähigkeiten, die er hinter lethargisch wirkenden Bewegungen versteckt und damit schon einige Gegenspieler genarrt hat.

Ein paar Abspracheprobleme gab es zu Beginn schon, denn Grüne schien vorbereitet auf unsere Taktik und suchte immer wieder den Pass hinter unsere Abwehrkette. Ein ums andere Mal war es nur eine Fußspitze, die die stürmenden Gegner am Torschuss oder dem finalen Pass in die Mitte hinderte. Aber den macht es halt oftmals aus. Und im Notfall bin ich ja auch noch da.

Offensiv war das heute über weite Strecken schon sehr gut, auch wenn wir wieder „nur“ durch den bei Gegnern gefürchteten Kunsmann-Einwurf in Führung gingen (wie in den letzten drei Spielen, bei denen ich dabei war). Auch der Elfmeter, der zum 2:0 führte, war die Folge einer solchen Einwurf-Flanke. Das ist natürlich ein legitimes Mittel. Dass wir spielerisch in der Lage sind, so einen Einwurf eigentlich nicht zu brauchen, haben wir dann in Halbzeit Zwei gezeigt. Wie wir da teilweise hinten raus kombiniert haben, war zum mit der Zunge schnalzen. Dass es am Ende „nur“ 4:0 stand, war unserer schwachen Chancenverwertung zuzuschreiben. Das gefühlte Torschussverhältnis war 40:5. Die fünf Torschüsse des Gegners schiebe ich jetzt mal auf die in der zweiten Halbzeit nachlassenden Kräfte aufgrund der (wohl zum letzten Mal für eine ganze Weile) starken Sonneneinstrahlung.

Zum Schluss noch ein Aufruf an die beiden Lottogewinner oder einen anderen reichen Menschen: Spiele auf einem ordentlichen Kunstrasen, das hat das Spiel heute gezeigt, machen nicht nur mehr Spaß, sondern sind auch für die Zuschauer von Vorteil, weil der Ball nicht bei jedem zweiten Pass verspringt und so der Zufall manchmal mehr am Spielausgang beteiligt ist, als die Qualität der beiden Teams. Wir spielen auf einem Schotter-, Grand- oder Ascheplatz (je nach dem wo man herkommt, heißt das anders und ich möchte hiermit ja gezielt alle ansprechen), der das Prädikat Fußballplatz eigentlich nicht verdient hat. Da wir ein aufstrebender, junger und durch und durch sympathischer Fußballklub sind, würden wir uns über Spenden, die vielleicht irgendwann einmal zu einem Kunstrasenplatz führen, der unserer technischen Spielanlage sehr entgegen kommt, sehr freuen.

Und wer neben unserem hervorragenden Auftritt im Internet noch aktueller informiert sein möchte, dem empfehle ich den Twitter-Account der Holzpfosten.

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Projekt Viererkette

14. September 2009

Achtung, Achtung, hier spricht der Kapitän!

Kein Scherz, als ich Anfang August in Berlin war, wurde ich von unserem neuen Trainer zum Mannschaftskapitän ernannt und außerdem in den Spielerrat gewählt. Nicht schlecht für einen, der erst in sein zweites Jahr bei den Holzpfosten geht. Klar, wir reden hier von der Kreisliga B im Kreis Iserlohn, aber jeder Verein hat mal klein angefangen. Und uns gibt es erst seit 2005.

Ich bin seit Anfang 2008 regelmäßig dabei und konnte wegen meines Nebenjobs leider nicht verhindern, dass wir am Ende nur Zweiter wurden und dadurch nicht aufstiegen. Das Resultat dieses „Misserfolgs“ war ein Trainerwechsel. Ex-Coach Riesewieck kann sich nun wieder auf seine linke Mittelfeldposition konzentrieren, neuer Trainer wurde Detlev Kleine. „Detze“ ist in Schwerte kein Unbekannter, er setzt konsequent auf Viererkette und Raumdeckung, was er zuletzt bei der B-Jugend des VfL Schwerte – dem klassenhöchsten Klub in der Gegend – erfolgreich umsetzte.

Jetzt ist er bei uns in der Kreisliga, wo es weder Linienrichter, noch gerade Kreidelinien und in den meisten anderen Teams vermutlich auch nicht die nötige Spielersubstanz für die Umsetzungen seines Konzeptes gibt. Auch wir hadern noch manchmal mit dem richtigen Verschieben. Und das fehlende Abschlussspiel, das häufig taktischen Übungen zum Opfer fällt, fehlt einigen sehr. Doch die Entbehrungen werden sich lohnen, am Ende wird das Ziel Aufstieg erreicht sein und wir werden als eingespielte Truppe, die modernen Fußball spielt, auf die schwereren Aufgaben der Kreisliga A vorbereitet sein.

An echten Gegnern mangelt es nämlich in unserer aktuellen Liga, wenn wir in Bestbesetzung antreten können. Der als schärfster Konkurrent ausgemachte Nachbarklub aus Wandhofen hat bereits einmal gepatzt, während wir mit 21:3 Toren (die Gegentore nerven mich) und 12 Punkten aus vier Spielen Tabellenführer sind. Mithalten kann bisher nur die dritte (!!) Mannschaft der SG Hemer mit der gleichen Punktausbeute. Wenn wir komplett sind, werden wir sehr schwer zu schlagen sein.

Neben dem modernen System, hervorragenden Einzelspielern und einem starken Torhüter 😉 macht unsere Mannschaft vor allem ihre Geschlossenheit aus. Die zeigt sich immer dann, wenn es mal nicht so läuft. Am Wochenende stand es im Derby zur Halbzeit 0:0 und damit waren wir sehr gut bedient. Nach 90 Minuten gingen wir mit 5:0 als verdienter Sieger vom Platz, weil wir uns gegenseitig hochputschten und uns daran erinnerten, was wir können und vor allem: Wo wir hinwollen.

Das Ziel heißt Kreisliga A und wäre ein kleiner Schritt für den Klub auf dem Weg nach oben. Ein weiterer ist bereits mit der Qualifikation unserer Futsal-Abteilung für die Westdeutschen Meisterschaften geschafft. Auch die Gründung einer zweiten, sowie einer Frauen-Mannschaft zeigt, wie ernst die jungen Gründer den Verein nehmen. Ich bin stolz Teil dieser Geschichte zu sein und werde in Zukunft regelmäßig über die Fortschritte des Klubs berichten.

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Sieben kleine Iserlohner

10. November 2008

Manchmal bin ich selber erstaunt, wie lange ich schon Fußball spiele. Es war irgendwann im Sommer 1990, ich war fünf Jahre alt und ein bisschen schüchtern. Ok, ein bisschen ist untertrieben. Ich stand – so erzählen es alle, die dabei waren – während der gesamten Trainingseinheit am Gitterzaun hinter dem Tor und traute mich nicht, mitzuspielen. So, jetzt ist es raus. Das Ganze ist mehr als 18 Jahre her, in denen ich ununterbrochen Fußball gespielt habe. Wie ich am vergangenen Wochenende feststellte, hat diese Zeit nicht gereicht, um jede Regel dieses wunderschönen Spiels zu kennen. Dabei hielt ich mich für kundig. Nunja…

Wie bereits mehrfach in diesem Blog erwähnt, spiele ich mittlerweile in einem kleinen sympathischen Klub namens „Holzpfosten Schwerte„. Keine Freizeitmannschaft, aber – wie man bei uns sagen würde – Totenliga. Allerdings laufen wir wesentlich schneller über den Platz, schießen wesentlich mehr Tore und sind vermutlich auch erfolgreicher, als es Zombies und die meisten gegnerischen Teams aus unserer Liga jemals könnten. Dass man in diesen unteren Liga mitunter bizarre Spiele erlebt, davon hatte ich bereits in Berlin ab und an gehört. Als ich noch in der B-Jugend spielte, war unsere Männermannschaft z.B. als das schlechteste Team Deutschlands jeden Montag im Sat1-Frühstücksfernsehen zu sehen. Und aktuell hat sich Inter Bochum via SternTV,Bild.de, anderer Medien und irgendwann bestimmt auch dreistelligen Niederlagen auch überregional zu einer Prominenz ge-niederlagt. Es gibt eben wirklich kuriose Dinge im Fußball.

Trotzdem musste ich 18 Jahre lang spielen, um solch ein besonderes Spiel auch einmal mitzuerleben. Als wir mit den Holzpfosten am Sonntag beim FC Mladost Iserlohn antreten sollten, deutete sich schon beim Warmmachen an, dass auf diesem Schotterplatz kein ernstzunehmendes Fußball-Spiel stattfinden würde. Denn auch fünf Minuten vor dem Anpfiff war der Gegner noch nicht draußen, um sich warm zu machen. Irgendwann drang es zu uns auf den Platz durch, dass Mladost nur sieben Spieler zusammen habe. Sieben Spieler? Soviel wusste ich, damit könnte das Spiel angepfiffen werden. Mladost wusste das offenbar auch. Was aber viel wichtiger für sie war: Hätten sie zum Anpfiff keine sieben Spieler aufbieten können, wäre eine Verbandsstrafe fällig geworden. Doch Mladost lief auf. Woher sie diese Spieler auch immer hatten – vermutlich hätte eine genauere Nachfrage des Schiedsrichters bei der Passkontrolle die anschließende und denkwürdige Farce verhindert.

So begann das Spiel. Wir, fast in Besetzung, nur Phillip Oldenburg fehlte aus beruflichen Gründen, gegen sieben wackere Iserlohner. Es sind mit Sicherheit nicht solche Spiele, für die man am freien Sonntag früh aufsteht, um rechtzeitig auf irgendeinem entweder staubigen oder matschigen Platz zu stehen. Zumal in der Kreisliga immer die Gefahr besteht, dass der Gegner EINEN starken Spieler hat, der alle Tore erzielt. Deshalb gingen wir mit der Devise in die ersten Minuten, den Gegner auf keinen Fall zu unterschätzen. Da hatten wir allerdings noch nicht mit dem nunja, engagierten Schiedsrichter gerechnet.

Wir gingen ziemlich schnell mit 1:0 in Führung, was mich persönlich beruhigte, weil ich – bis auf das was dann kommen sollte – schon eine ganze Menge erlebt habe. Wir spielten auch danach eigentlich einen guten Ball, doch ins Tor wollte dieser danach zunächst für ein paar Minuten nicht mehr. Das lag einerseits am schon erwähnten Schiedsrichter, der wirklich in unglaublicher Penetranz jeden auch nur ansatzweise abseitsverdächtigen Pass abpfiff und andererseits an unserer Unfähigkeit diese „Abseitsfalle“ zu umgehen. So dauerte es fast 10 Minuten bevor wir endlich wieder trafen – ich glaube durch einen Alleingang. Mit dem 2:0 war Mladost dann jedenfalls endgültig geschlagen. Die Gegenwehr wurde – mit Ausnahme des hochmotivierten Torwarts und des langbeinigen Stoßstürmers – immer geringer. Bis zum Stande von 6:0.

Denn von da an wurde das Lied der „Zehn kleinen Negerlein“ auf den Fußballplatz adaptiert. Nach und nach verabschiedete sich ein Spieler nach dem anderen, griff sich dabei an den Oberschenkel, die Wade oder den Fuß. Schon nach dem ersten vom Platz gehenden Iserlohner kam mir in den Sinn, dass der Schiedsrichter das Spiel doch jetzt eigentlich hätte abbrechen müssen. Nach meinem unzureichenden Regelverständnis jedenfalls. Und auf der Playstation ist nach der vierten rote Karte auch immer Schluss gewesen. Doch so einfach ist das gar nicht. Denn wirklich erfasst ist dieser Fall in den Regeln gar nicht.

Die Regel, dass jedes Team zu Beginn des Spiels mindestens sieben Spieler aufbieten muss, habe ich bereits erwähnt. Das Internationale F.A. Board (IFAB), also diese Organisation die für die internationalen Fußballregeln zuständig ist, ist danach folgender Ansicht:

Unterschreitet ein Team diese Mindestanzahl von sieben Spielern, weil einer oder mehrere Spieler das Spielfeld absichtlich verlassen haben, ist der Schiedsrichter nicht verpflichtet, das Spiel zu unterbrechen, und darf auf Vorteil entscheiden. Bei der nächsten Spielunterbrechung darf der Schiedsrichter die Partie nicht fortsetzen, wenn ein Team nicht mehr über die erforderlichen sieben Spieler auf dem Feld verfügt.

Soviel zur Empfehlung des IFAB. Denn über eine Mindestanzahl an Spielern entscheiden die einzelnen Mitgliedsverbände selbst. Und der DFB hat sich für folgendem Passus entschieden:

Bei weniger als sieben Spielern ist das Spiel auf Wunsch des Spielführers abzubrechen, wenn das Ergebnis für den Gegner lautet.

Tja, der Spielführer von Mladost wollte aber nicht, dass das Spiel abgebrochen wird. Also lief es weiter. 11 gegen 6. 11 gegen 5. 11 gegen 4. 11 gegen 3. 11 gegen 2. Als nur noch der Torwart und der langbeinige Stürmer auf dem Platz stand, hatte der Schiedsrichter dann aber doch ein Einsehen und brach das Spiel mit der Begründung ab, dass beim Anstoß zwei Spieler im Mittelkreis und ein Torwart im Tor stehen müsse. So eine Regel habe ich zwar nicht gefunden (kennt sie jemand?). Froh darüber, dass dieses Trauerspiel nach etwas mehr als einer halben Stunde und beim Stande von 9:0 beendet wurde, war ich aber trotzdem.

Spielbericht in den RuhrNachrichten + 1. Nachbericht (weitere Folgen)

Spielbericht in der WestfälischenRundschau

Nochmal zusätzlich lustig wird die Sache, weil – und das ist wirklich kein Witz – Sat1 am Mittwoch beim Training vorbeikommen wird, um einen Beitrag über das Spiel zu drehen.