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Entweder Trikot aus oder du fliegst!

3. September 2007

1999 – Ein Tag nach dem legendären Champions League Finale zwischen Manchester und Bayern. Es ist ein sonniger Morgen mit nur vereinzelten Wolken am Himmel, als der gebürtige Engländer Michael Bolden in München zur Arbeit geht. Es geht ihm gut, richtig gut sogar. Auch wenn der Abend zuvor lang war und er das eine oder andere Bier zuviel getrunken hat: Who cares? ManU ist Champions League Sieger! Nach dem Spiel des Jahrhunderts! Ach was, des Jahrtausends!

Bolden schlendert über den Markt. Er hat nur wenig geschlafen, aber das Adrenalin, dass ihn immernoch durchfließt, hält ihn wach. Als Taxifahrer muss er das auch sein. Auf dem Weg zu seinem Auto, dass in einer Tiefgarage der Firma abgestellt ist, stellt er sich das Gesicht seines Chefs vor. Einmal, als Sheringham den Ausgleich erzielt, ein zweites Mal nach Solskjaers Knock-Out kurze Zeit später und dann, vorausschauend, wie er gleich gucken wird. Denn der frenetische Bayern-Fan war und ist, da ist sich Bolden sicher, am Boden zerstört. Was den ManU-Fan aber noch fröhlicher macht: Sein Chef wird versuchen, seine Enttäuschung zu verbergen.

Doch Bolden will sie sehen, er will seinen Chef ein bisschen aufziehen. Deshalb hat er heute morgen auch das rote Trikot angezogen – natürlich – mit dem Namen des Siegtorschützen hinten drauf. Mit der Sicherheit in Gedanken, seinen Chef sogleich die Zornesröte ins Gesicht zu treiben, betritt Bolden die Geschäftsstelle. Zehn Minuten später ist er gefeuert.

So bzw. so ähnlich hat es sich im Mai 2006 in der Türkei zugetragen. Allerdings noch ein bisschen schärfer, da es sich bei dem Fahrer um einen Galatasaray- und beim Arbeitgeber um einen Fenerbahce-Fan handelte. Die Rivalität zwischen den beiden Istanbuler Klubs ist noch größer, als die zwischen Schalke und Dortmund, von der zwischen ManU und Bayern gar nicht zu reden (obowhl diese damals mit Sicherheit der von Schalke und Dortmund gleich kam). Und Galatasaray ist am letzten Spieltag an Fenerbahce vorbeigezogen.

Heute hat die höchste Instanz der Türkei entschieden, dass der Rauswurf nicht rechtens war und der Fahrer am Arbeitsplatz weiterhin das Trikot seiner Mannschaft tragen darf. Ein Sieg für den Fußball.

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