Archive for the ‘Vorbericht’ Category

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Hoeneß schlägt Hoffenheim

5. Dezember 2008

Es kribbelt. Und zwar gewaltig. Anlass ist ausnahmsweise nicht das Hertha-Spiel auf Schalke, bei dem ich meine Mannschaft endlich einmal wieder live sehen kann. Sondern das Duell zwischen Platz Eins und Zwei, zwischen Gallien und Rom, zwischen Milliardärsdorf und Millionendorf, zwischen der TSG Hoffenheim und dem FC Bayern.

Die deutsche Fußballwelt freut sich auf ein vor der Saison nicht zu erwartendes Spitzenspiel. Auf der einen Seite der Aufsteiger, der auch mit viel Geld von Dietmar Hopp, aber vor allem mit einem intelligenten Spiel-, Scout- und Trainingssystem die Bundesliga auf den Kopf stellt. Auf der anderen Seite der Serienmeister, der mit neuem Trainer und irgendwann auch einmal alternativen Methoden am liebsten an die Erfolge der 70er Jahre anknüpfen will – sich also auch in Europa die Vormachtstellung erarbeiten möchte, in der er sich in Deutschland bereits wähnte. Doch während der FC Bayern daran arbeitete, drängte das Hoffenheimer Dorf plötzlich in den deutschen Fußballmarkt und sorgt dort aktuell für nicht mehr etwartete Konkurrenz wohl auch über diese Saison hinaus.

Den Bayern kommt dieses Spiel am Freitag (20.30, Premiere) gerade recht. Das Team von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann sieht sich so langsam im Leistungssoll und will der TSG die viel zu spitzen Hörner stutzen. Dabei benutzt man die alten Tricks, mit denen man in jedem Jahr den härtesten Widersacher verunsichert: Man redet sich stärker als man ist – in der Hoffnung, dass es der Gegner glaubt und sich eine gewisse Verunsicherung im Unterbewusstsein festsetzt. Deshalb sagt Uli Hoeneß in jedes Mikrofon, das man ihm entgegenstreckt – und entgegen vermutlich jeder Trainingslehre – dass Bayern die besseren Spieler habe und deshalb natürlich auch gewinne. Was soll er auch sonst sagen? Wer den besseren Fußball spielt, sieht ja jeder. Und wer momentan in der Liga den Hut auf hat, auch.

Insofern ist es eigentlich verwunderlich, dass Hoffenheim-Coach Rangnick überhaupt auf diese Anspielungen reagiert. Als Werder Bremen vor drei Jahren Deutscher Meister wurde, haben sowohl Spieler als auch Offizielle die bayrischen Verbalangriffe schlichtweg ignoriert und wurden so am Ende Meister. Durch einen Sieg in München übrigens, der Uli Hoeneß derart in Rage brachte, dass er all seine in den Jahrzehnten seiner Managerkarriere vorgetragenen Ansichten hinsichtlich Festgeld und Banksicherheit über Bord warf. Das Resultat ist eine Mannschaft, die in der Tat – rein von den Namen her – die besseren Einzelspieler als Hoffenheim besitzt, die aber bisher eben nur Zweiter ist. Erster ist Ralf Rangnick, der sich da oben wohl zu fühlen scheint. Wie damals im Sportstudio, als er die Viererkette erklärte und belächelt wurde, sitzt er heute auf dem Trainerstuhl in Hoffenheim und hat neben sich dieses unsichtbare Plakat, das er mit sich rumträgt und auf dem steht: Ich habs euch ja gesagt! Und wenn dann die Bayern in Person von Uli Hoeneß kommen und so tun, als wäre Hoffenheim nach wie vor nur ein neureiches Strohfeuer, das die Bayern mal eben austreten werden, dann kann sich selbst der sonst so sachliche Herr Rangnick nicht zurückhalten. Also feuert er ein paar Verbal-Salven zurück und begibt sich damit auf zu dieser Jahreszeit nicht unübliches dünnes Eis.

Denn eigentlich hat es Rangnick nicht nötig, darauf einzugehen. Hätte er einfach seinen Mund gehalten und die Angriffe aus München ignoriert, dann hätte er am Freitagabend genussvoll den Sieg seiner Mannschaft feiern können. Seinen Sieg. Und bei einer Niederlage hätte er einfach genussvoll auf die Tabelle verwiesen, um den Münchnern zu zeigen, wer trotzdem noch oben steht. So aber hat er sich auf das Niveau von Uli Hoeneß begeben und wird nach dem Spiel geknickt das triumphale Lächeln des Bayern-Managers aushalten müssen, weil es das deutsche Fußballgesetz so will, dass der FC Bayern die beste Mannschaft Deutschlands bleibt. Im Überschwang des Sieges wird Uli Hoeneß dann zu Ralf Rangnick gehen, ihm erst die Hand reichen um ihm im Anschluss daran dieses imaginäre Schild über den Kopf zu ziehen. Dann tritt Hoeneß vor die Kamera, zeigt auf den bedröppelten Rangnick und singt ins Mikrofon: „Ich habs euch doch gesagt!

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Ein Gespräch mit mir selbst

23. September 2008

Ich: Und, bist du nervös?

Ich: Nervös? Ich? Wieso?

Ich: Naja, am Mittwoch sollst du ein Fußball-Spiel live kommentieren.

Ich: Ach das…ist doch nichts Besonderes. Ein Fußball-Spiel, hab ich schon viele von gesehen, kenn ich mich mit aus. Das wird toll.

Ich: Bist du dir sicher? Du hast sowas noch nie gemacht.

Ich: Das stimmt. Das….stimmt. Ähm…ok, ich bin höllisch nervös.

Ich: Wie äußert sich das?

Ich: Naja, vor knapp zwei Wochen wurde mir das angeboten und ich war erst skeptisch und hatte – nachdem ich dann doch zugesagt hatte – seitdem eine ungeheure Vorfreude darauf. Allerdings stand das vor einer Woche noch nicht zu 100% fest. Und als heute der Anruf kam, dass ich morgen tatsächlich im Signal-Iduna-Park (irgendwo in der Nähe von den beiden) sitzen soll und das Pokalspiel von Hertha gegen Dortmund für den Internet-Audiostream von herthabsc.de zusammen mit einem Kollegen von hertha-inside.de kommentieren soll…

Ich: …da ging dir der Arsch auf Grundeis?

Ich: …äh…ja.

Ich: Du glaubst aber schon, dass du das kannst oder?

Ich: Ja, also ich glaube da natürlich dran. Das ist eigentlich genau mein Ding, ich freu mich richtig drauf. Aber ich weiß auch, wie es das letzte Mal war, als ich vor eine im Vergleich zu morgen kleinen Menge von Leuten sprechen musste…

Ich: Der Abschlussball?

Ich: Der Abschlussball. 10. Klasse, alle waren da und furchtbar schick angezogen. Eltern, Geschwister, Lehrer, Schüler. Alle da. Und ich sollte die Abschlussrede halten. Ich tat es auch. Aber jemand musste das Blatt mit meinen Notizen festhalten, weil ich so gezittert hab. Meine Stimme war auch nicht die sicherste…

Ich: Aber das ist jetzt…moment…schon wieder sieben Jahre her!

Ich: Wow, das stimmt. Aber was, wenn die Stimme morgen wieder flattert?

Ich: Hat sie denn bei der Abirede geflattert?

Ich: Achja, die Abirede war ja danach auch noch dran. Ich kann mich nicht mehr dran erinnern.

Ich: Dann war es wohl nicht so schlimm…also wirst du morgen das Internet rocken und einen guten Job machen! Auch wenn man Abirede und Live-Kommentar nicht miteinander vergleichen kann…

Ich: Ich schätze schon. Dass man es nicht vergleichen kann, stimmt schon. Aber ich glaube, dass ich recht sicher bin, wenn ich über Dinge rede, bei denen ich mich auskenne. Und das ist morgen der Fall.

Ich: Na dann, viel Erfolg!

Mittwoch, 19.00 Uhr. DFB-Pokal, 2. Runde. Borussia Dortmund – Hertha BSC. Live-Audiostream auf herthabsc.de. Kommentatoren: Marco Wurzbacher und Daniel Otto.

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Ich glaub, es geht schon wieder los…

15. August 2008

Werder-Manager Klaus Allofs drohte schon in der Versenkung zu verschwinden. Kein spektakulärer Transfer in der Sommerpause, kein zu schlichtender Streit und nicht einmal ein pressefreundlicher Kommentar zu einem vielleicht schon erfolgten Anruf von Ailton („Ja, er hat mich angerufen. Ich soll euch alle schön grüßen…“). Ja, es war eine ruhige Nach- und Vorbereitungsphase in Bremen.

Schlagzeilen machten die anderen. Die Bayern mit Klinsmann und seinen neuen Trainings- und Motivationsmethoden. Die Schalker mit der Verpflichtung von Jefferson Farfan und Orlando Engelaar. Die Wolfsburger mit ihren neuen Italienern Barzagli und Zaccardo. Die Hamburger mit dem Verkauf von Rafael van der Vaart. Die Stuttgarter mit dem Transfer von Problemkind Jan Simak. Die Leverkusener mit der Entlassung von Michael Skibbe und dem dafür auf den Trainerstuhl gesetzten Bruno Labbadia. Die Hannoveraner mit starken Auftritten in der Vorbereitung und den Transfers von Jan Schlaudraff und Mikael Forssell. Die Frankfurter mit übergewichtigen Rekordtransfers. Die Berliner mit starken Auftritten in der Uefa-Cup-Qualifikation und der Nicht-Verpflichtung eines südamerikanischen Spielmachers. Und die anderen acht mit ähnlichen Transfers, Nicht-Transfers, Querelen innerhalb oder außerhalb der Mannschaft und verschiedenen anderen Problemen.

Und dann, als sich die ganze Liga auf den Auftakt freut. Auf das Hammer-Duell zwischen dem FC Bayern und dem HSV, zwischen Klinsmann und Jol, zwischen Ribery van Bommel und van der Vaart Jarolim. Da kommt Klaus Allofs und verkündet die Verpflichtung des anderen verlorenen Sohnes (neben Ailton), von Claudio Pizarro nämlich. Pizarro könnte die erhoffte Schließung des Sturm-Loches sein. Er war jedenfalls mal einer dieser Stürmer, die den Unterschied ausmachen. Allerdings mit der Betonung auf „war“. Bei Chelsea saß er hauptsächlich auf der Bank, kam hier und da mal ins Spiel und schoss, wenn es ganz gut lief, sogar mal ein Tor. Allerdings – und da kommt es jetzt vor allem auf den Spieler an – muss schon alles passen, damit aus dieser erneuten Liason (es ist ein Leihgeschäft, bei dem Chelsea wahrscheinlich einen Teil seines Gehalts übernimmt) nochmal eine erfolgreiche wird. Pizarro darf sich nicht zurücklehnen, sondern muss die Rückkehr nach Bremen als Chance sehen, seinem eigentlichen Arbeitgeber zu zeigen, dass er, wenn er spielt, ein Weltklassestürmer ist, der diesen Namen und damit das Trikot des FC Chelsea verdient. Wenn er das schafft, hilft er auch gleich noch seinem alten Arbeitgeber und könnte einen weiteren ehemaligen Arbeitgeber, die Bayern nämlich, ordentlich ärgern.

Sowieso, die Bayern. Die spielen heute in der Allianz-Arena gegen den Hamburger SV. Kam es nur mir so vor oder hat der Bayern-Sponsor mit dem großen T einen Deal mit zahlreichen Medien, damit der Auftritt vom aufgehenden Opern-Star und Werbeträger Paul Potts es auch ja in die Vorberichterstattung des Auftaktspiels schafft? Sogar beim sonst für Nebengeschichten eher unsensiblen Kicker wird er erwähnt. Aber gut, wenn das Spiel genauso dramatisch wird, wie der Werbespot, dann endet es 4:3 für den FC Bayern – durch ein Tor des 17jährigen Thomas Müller. Aus der Drehung.

Geil, dass es wieder los geht!

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Jetzt geht’s los

7. Juni 2008

Das Warten hat ein Ende: Heute abend beginnt endlich die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Und auch wenn unsere südlichen Nachbarn anscheinend noch nicht in EM-Stimmung sind, wird sich das spätestens um 18.00 Uhr ändern. Dann spielt die Schweiz gegen Tschechien das Eröffnungsspiel in Basel. Die Chancen für den einen der beiden Gastgeber stehen nicht so schlecht – auch wenn meine EM-Vorschau etwas anderes besagt – und ein Sieg könnte dafür sorgen, dass die rot-weißen Girlanden, Fahnen und Hawaii-Ketten ganz schnell ins öffentliche Bild treten. Ich hoffe darauf und wünsche mir deshalb einen 3:1-Sieg der Eidgenossen.

Das zweite Spiel wird zeigen, ob Portugal der Favoritenrolle gerecht werden kann. Die sehr stimmige Analyse von allesaussersport zeigt, dass es für die Portugiesen bereits im ersten Spiel eng werden könnte, vorausgesetzt die Türken versuchen nicht von sich aus, die Mannschaft um Superstar Christiano Ronaldo zu überrennen. In diesem Spiel ist alles drin:

– ein klarer Auftakterfolg des Favoriten (der die Türken in tiefe Depressionen stürzen würde, aus denen sie nicht mehr herauskommen würden)

– ein 4:4-Unentschieden (dass mir als neutralem Betrachter am liebsten wäre)

-ein Überraschungserfolg der Türken (was deren Brust so voll mit Stolz machen würde, dass sie für den Rest des Turniers zu keinem anständigen Pass mehr imstande wären).

Natürlich auch ein lahmes „bitte ein langweiliges Ergebnis einsetzen“. Aber davon gibt es bei dieser EM, hoffe ich zumindest, nicht all zu viele. Ich bin jedenfalls heiß auf den Start. Vor allem natürlich auf den Sonntag. Der Raab hat ja schonmal gezeigt, wie es gehen könnte..

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Die EM im deutschen Fernsehen – und im Netz

29. Mai 2008

Wie, wo und wann guck ich mir denn die Euro nun eigentlich an? Live vor Ort kann ich ja leider nicht dabei sein – armer und viel Arbeit vor sich habender Student und außerdem (noch) nicht als Journalist akkreditiert. Ich hoffe, das ändert sich spätestens bei der nächsten internationalen Meisterschaft. Also muss der Fernseher bzw. die Großbildleinwand herhalten. Da ich hier nicht alle öffentlichen Schauplätze Deutschlands auflisten kann, beschränke ich mich auf das TV- und Internetprogramm. Da gibt es nämlich eine Menge zu sehen.

Mit großem Erstaunen habe ich gerade gesehen, dass Premiere offenbar kein einziges EM-Spiel überträgt. Das erstaunt mich ein wenig, zumal der Bezahlsender bei der WM-Übertragung 2006 einen sensationell guten Job gemacht hat. Da ich aber ohnehin kein Abonnent bin, ist mir das ziemlich egal.

Das ZDF ist im Gegensatz dazu natürlich, genauso wie die ARD – zu der ich aber erst später komme – live vor Ort. Unter dem Motto „Fußball-Oper“ hat das Zweite sein Studio auf der Bregenzer Seebrücke aufgebaut. Einen spektakulären Schauplatz hatte es ja schon bei der WM 2006 in Deutschland eingenommen: Damals moderierten JBK, Kloppo und der Urs aus dem Berliner Sony Center am Potsdamer Platz. Damals Urbanität, nun die Bergseeidylle – ich find das gut. Womit das Positive aber auch schon gesagt wäre, denn wer entschieden hat, das schlicht und einfach unlustige „Nachgetreten“ mit Ingolf Lück als Gastgeber erneut ins Programm zu hieven, sollte persönlich die Rundfunkgebühr an alle GEZ-Zahler für die Zeit der EM als Schmerzensgeld zurückzahlen müssen.

Das Deutsche Sport Fernsehen hält sich – was EM-Berichterstattung angeht – bisher ziemlich zurück. Am Sonntag soll es wohl den EM-Stammtisch inklusive Phrasenschwein geben, aber das war es dann auch schon, wenn man die normalen Nachrichten wie „DSF aktuell“ mal ausklammert. Bin mal gespannt, ob die sich noch was einfallen lassen oder tatsächlich das Kontrastprogramm Poker/Dart/Call-In-Show durchziehen.

Da lobt man sich doch die Jungs von Eurosport. Alle Spiele zeitversetzt (falls man mal was verpasst), ab dem Viertelfinale drei nicht näher definierte Sondersendungen und als absolutes, eigentlich nicht zu toppendes Highlight: Lothar Matthäus‘ EM-Blog! Die „Lichtgestalt des deutschen Fußballs“ – so die Beschreibung von Eurosport, ich dachte immer das wäre Franz Beckenbauer – führt also während der EM kein Schattendasein (Brüller!). Der Weltmeister von 1990 wird, laut einer Pressemitteilung „als Experte in die internationale Berichterstattung von Eurosport eingebunden.“

Er konkurriert dabei von den Marktanteilen in Deutschland her wahrscheinlich am ehesten mit Katharina und Malte. Die beiden Moderatoren des Kinderkanals (KIKA) machen das Thema Fußball-EM im „Tigerenten Club“ für die Kleinen verständlich, außerdem berichten Kinderreporter aus dem Mannschaftsdomizil der deutschen Elf und als Highlight kommt gleich am 7. Juni „Thomas Hitzelsberger“ (sic!) ins Studio. Das ist der, der laut Berliner Tagesspiegel seinen Vertrag beim VfB Stuttgart um drei Jahre verlängert hat. Ob es sich auch um den Nationalspieler handelt, weiß ich allerdings nicht…

Das ZDF legt in KIKA-Manier übrigens noch einen drauf. Alle, die nach dem Abpfiff des Abendsspiels noch feiern waren und erst morgens um sechs nach Hause kommen, sollten sofort die MUSIK BOXX einschalten. „Vom 2. bis 29. Juni können Fußballbegeisterte (Kinder) brandneue und altbekannte Fußballhits mitsingen, dazu tanzen und sich mit Piet Flosse, den TanzalarmKids, Juri Tetzlaff & Co. musikalisch auf die Europameisterschaft einstimmen.“ Ein Traum geht in Erfüllung…

Witzig wird es auch bei den Freunden von BILD.de und das liegt nicht nur an den kreativen Schlagzeilen, sondern vor allem an den zum Teil wirklich genialen Video-Specials. Zurzeit machen Franck Ribery und Luca Toni mal wieder sehr amüsant Werbung in eigener Sache (ein Uefa-Video). Kaiser Franz ist sogar schon in seiner neunten Folge, obwohl man ihm die Abwesenheit seiner Spieler und vor allem Oliver Pochers Kahns, denen er sonst in der BayernWG so nah ist, deutlich anmerkt.

Aber vielleicht treffen sich die beiden ja in Österreich oder der Schweiz. Denn Oliver Kahn Pocher ist zusammen mit der ARD bei der EM, hat eine Kamera dabei und wird sicherlich weder Holländer, noch Polen und Österreicher verschonen. Wahrscheinlich wird er die Quote von „Waldis EM-Klub“, den es leider auch wieder gibt, in die Höhe treiben.

Aber mehr noch als alle Quoten (die er für die Schmidt-Show vor allem dank vieler junger Zuschauer nach oben trieb) und Fußball-Gesänge („Bringt ihn heim“ heißt sein Song zur EM) sprechen Pochers Feinde für Oliver Pocher. Es sind frisurproblembeladene Oberlehrer und durch gefühlte tausend Jahre ARD-„Scheibenwischer“-gestählte Schreckenslangeweiler, die Oliver Pocher aus Schmidts Show verbannen möchten.

Endlich sagts mal einer (hinzu kommt, dass er gerade beim Prominenten-Special von „Wer wird Millionär“ eine Million Euro gewonnen hat – und damit das Doppelte von seinem allwissenden Chef vor ein paar Monaten)…

Solche Unterstützung haben Günter Netzer und Gerhard Delling natürlich nicht nötig. Aber die machen ja auch kein Entertainment, sondern abends die Sportberichterstattung. Auf das Nachmittagsspiel in der ARD bin ich ganz besonders gespannt. Denn dort wird Mehmet Scholl sein Moderatoren-Debüt geben. Der Ex-Bayer geht mit einigen Vorschusslorbeeren (ab 2.20 min) ins Rennen. Allerdings schmälert die Tatsache, dass sein Gegenüber Reinhold Beckmann sein wird, die Vorfreude erheblich. Die mittägliche Pressekonferenz des DFB rundet das Erste-Reihe-Programm ab.

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Punkten…für den Klassenerhalt!

12. April 2008

Hertha heute also in Bochum. Und ohne unken zu wollen, gebe ich heute mal uneingeschränkt der Bild-Zeitung recht. Es wird das schwerste, wohl aber auch eines der wichtigsten Spiele von Lucien Favre. Die Stürmer Marko Pantelic und Raffael, sowie Steve von Bergen fallen sicher aus. Das sind drei Stammspieler, die der qualitativ dünne Kader von Hertha nicht ersetzen kann. Gegen Bremen beim 1:2 war sehr gut zu sehen, dass sowohl Solomon Okoronkwo, vor allem aber André Lima grundsätzlich das Potential besitzen, um sich gegen die Abwehrreihen der Bundesliga durchzusetzen. Man hat allerdings auch gesehen, dass die beiden überhaupt nicht zusammen spielen konnten. Gute Kontermöglichkeiten scheiterten gegen Werder immer wieder wegen eigensinnigen Dribblings oder katastrophalen Fehlpässen.

In der Abwehr ist der Ausfall von Steve von Bergen aber genauso wenig zu verkraften. Als der Schweizer im Spiel bei Energie Cottbus (1:2) vorzeitig vom Platz musste, führte Hertha noch mit 1:0 und es sah nicht danach aus, als könnten die Cottbuser die Hertha-Abwehr in Bedrängnis bringen. Durch von Bergens Verletzung jedoch musste Gojko Kacar, normalerweise im defensiven Mittelfeld beheimatet, in die Abwehrreihe rücken. Da fehlte es dann eindeutig an Eingespieltheit und Vertrauen in den Nebenmann. Vor allem aber fehlt Kacars Kreativität im Mittelfeld. Die konnte weder der zuletzt bärenstarke Mineiro, noch der langsam wieder abbauende Lustenberger und auch nicht (der nun ohnehin verletzte) Raffael ersetzen. Das Resultat waren zwei Treffer von Erwin Skela und die erneute Niederlage in Cottbus.

Es ist wahrscheinlich, dass Lucien Favre erneut nicht auf den letzten verbliebenen Abwehrspieler, nämlich den jungen Pascal Bieler, zurückgreift, sondern erneut, wie gegen Bremen, auf die Viererkette setzt. Die dürfte dann mit folgenden Namen besetzt sein: Chahed, Simunic, Friedrich, Skacel. Den Platz, den der letztgenannte Tscheche im Mittelfeld freimacht, bekäme dann Mineiro, der mit Lustenberger, Kacar, Piszczek und dem wieder genesenen Ebert das Mittelfeld bilden dürfte. Vorne stünde dann, ganz alleine, André Lima.

Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass Lucien Favre in den letzten Tagen ein bisschen Malik Fathi hinterhertrauert. Der zweimalige Nationalspieler könnte das Loch, das Steve von Bergen hinterlässt, stopfen und Hertha so wieder mit der Dreierkette auflaufen, mit der die Mannschaft zu Rückrundenbeginn sechs Spiele ohne Niederlage blieb. Doch Fathi spielt und trainiert mittlerweile in Moskau. Die vier Millionen Euro Ablöse liegen auf Herthas Transferkonto und warten darauf, in neue Spieler investiert zu werden. Wenn Hertha gegen Bochum nicht punktet, könnte es allerdings sein, dass diese vier Millionen viel mehr wert sind, als es zunächst den Anschein hat. Denn das Restprogramm der Berliner ist alles andere als einfach und bei derzeit nur sieben Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone, kann es (z.B. durch Niederlagen gegen den HSV, in Leverkusen und in München) ganz schnell ganz eng werden. Gegen Bochum, wie auch in Hannover, gegen den KSC und den 1. FC Nürnberg entscheidet sich Herthas Zukunft. Sollte die Mannschaft diese Spiele, aus welchen Gründen auch immer – Pech, Unvermögen, noch mehr Verletzungen oder Sperren usw. – verlieren, dann werden Fathis vier Millionen möglicherweise gebraucht, um die Lizenz für die Zweite Liga zu sichern. Bei immer noch über 30 Millionen Euro Schulden ein absolutes Horrorszenario.

Es könnte abgewendet werden. Mit einem Sieg in Bochum und dem damit verbundenen Gewinn an Selbstvertrauen. Auf geht’s Hertha. Kämpfen und siegen!

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Samstags-Tipps

29. März 2008

Wenn man schonmal Zeit hat für eine kleine Bundesliga-Vorschau, dann sollte man die auch nutzen. Meine Tipps weichen allerdings ein bisschen von denen des Titans ab…

1. FC Nürnberg – FC Bayern München
Dass der „Club“ unter dem neuen Trainer, Thomas von Heesen, immer noch ohne Sieg ist, stimmt nicht gerade optimistisch für einen Erfolg gegen den Tabellenführer. Aber, und das ist der Strohhalm an den sich offensichtlich unterlegene und in der letzten Zeit erfolglose Teams festhalten, jede Serie ist einmal zu Ende. Und warum sollte das gegen Ribery, Toni und Co. nicht gelingen? Nunja, vielleicht weil der Rekordmeister aus der Niederlage in Cottbus gelernt hat und den gleichen Fehler nicht noch einmal machen wird. Wenn die Nürnberger Glück haben, legt Uli Hoeneß bei Ottmar Hitzfeld ein gutes Wort für den Nachbarn aus dem Frankenland ein. Aber selbst dann wird es höchstens für einen Punkt reichen.

Tipp: 1:3

VfL Bochum – Borussia Dortmund
Der VfL ist seit fünf Spielen ungeschlagen, konnte allerdings die letzten drei Spiele nicht gewinnen (1:1). Auch der BVB kennt dieses Ergebnis aus zwei der letzten drei Spiele. Wirklich überzeugt haben die Borussen ja ohnehin nie. Vielleicht liegt es auch daran, dass Thomas Doll im Resümee seiner einjährigen Amtszeit in der Westfälischen Rundschau, den Vergleich zu einer Schülermannschaft zieht: „Wir werden zwar versetzt, waren aber nicht immer auf der Höhe. Da brauchen wir uns nicht in die Tasche zu lügen.“ Hat er das sonst etwa getan…?

Tipp: 1:1

SV Werder Bremen – MSV Duisburg
Was ist nur mit Werder los? Drei Bundesliga-Spiele in Folge ohne Sieg, wann hat es das zuletzt gegeben? Gefühlt muss das ungefähr zu Zeiten von Aad de Mos gewesen sein. Da kommt der Tabellenletzte aus Duisburg gerade recht zum Aufpolieren des Selbstbewusstseins. Zumal Thomas Schaaf alle Spieler zur Verfügung stehen, er also die Qual der Wahl hat. Ein Schützenfest also? Mitnichten, dafür sind die Bremer zu unsicher. Zum Sieg reicht es aber trotzdem und der schickt Werder zurück in die Spur.

Tipp: 2:1

Karlsruher SC – FC Schalke 04
Die Karlsruher Euphorie hat sich nicht zuletzt nach dem beginnenden Ausverkauf von wichtigen Stützen wie Hajnal und Eggimann gelegt. Zuletzt schien ohnehin die Generalverurteilung von Maik Franz zum unfairsten Spieler aller Zeiten im Vordergrund des Interesses zu stehen. Dass Trainer Ede Becker die Entwicklung weg von den Uefa-Cup-Rängen in die Euphorie-bremsenden Karten spielt, wird in Baden nur unter der Hand gemunkelt. Becker selbst kann sich weiter ins Fäustchen lachen: Der KSC fällt weiter ins Niemandland der Tabelle.

Tipp: 1:3

Hamburger SV – Arminia Bielefeld
Mit Joris Mathijsen, Vincent Kompany, Nigel de Jong und Vadis Odjidja-Ofoe fehlen Huub Stevens Spieler im Gesamtwert von mehr als 30 Millionen Euro. Laut Transfermarkt.de ist der gesamte Kader der Arminia gerade fünf Millionen mehr wert. Das nur als Richtwert. Denn der HSV kann natürlich trotzdem eine schlagkräftige Mannschaft gegen die, gestärkt vom Unentschieden gegen Bremen in der Vorwoche, Bielefelder aufbieten. Allein Rafael van der Vaart (Wert: 23 Millionen Euro), David Jarolim (7 Millionen) und Ivica Olic (8 Millionen) sind einfach zu stark für die Arminia.

Tipp: 4:1

Bayer 04 Leverkusen – Eintracht Frankfurt
Was verbindet die Eintracht mit den Sieben Zwergen? Sie hat genauso viele Verletzte. Preuß, Meier, Mahdavikia, Inamoto, Ljiubicic, Zimmermann, Chris und Chaftar. Das dieses Lazarett keine großen Auswirkungen auf die Leistungen der Mannschaft haben, ist der Einkaufspolitik der Frankfurter zu verdanken. Da sitzt zum Beispiel Vier-Millionen-Mann Caio immer noch auf der Bank und kann sich dabei mit dem zweiten Winter-Neuzugang Mantzios unterhalten (der allerdings nur ausgeliehen ist). Bayer hat diese Probleme nicht. Das Team von Michael Skibbe präsentierte sich selbst bei der Niederlage in München als Einheit und hegt berechtigte Hoffnungen auf die Champions League Qualifikation.

Tipp: 2:1