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Die etwas andere EM-Vorschau

2. Juni 2008

Ich hab mittlerweile das Selbstvertrauen, um von mir sagen zu können: Ich kann etwas. Was das genau ist, das finde ich momentan noch heraus, aber die Erkenntnis etwas zu können, ist ja schon mal ein Anfang. Diese Erkenntnis impliziert aber auch, zu wissen, was ich nicht kann. Und das ist, neben vielen anderen Dingen, Fußballspiele zu tippen. Natürlich hindert mich das nicht daran, Unmengen an Geld bei gängigen Wettanbietern zu lassen, jedes Jahr bei unzähligen Tippspielen zu verlieren und mich – auch auf dieser Seite – in Sachen Fußballtipps zu blamieren.

Die logische Konsequenz daraus wäre natürlich eigentlich, dass ich mich irgendwann von diesem „Metier“ abwende und es nicht mehr tue. Aber was ist im Fußball schon logisch? Laut Bayern-Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge ist Fußball nunmal keine Mathematik – was ja im Allgemeinen mit Logik assoziiert wird. Ich ziehe meine eigenen Schlüsse daraus und habe, in totaler Ignoranz Rummenigges, eine Formel entwickelt, die mich vor krassen Fehlprognosen bewahrt: Mein Tipp = Falscher Tipp => Richtiger Tipp = Gegenteil von meinem Tipp. Alles klar? Hier also meine EM-Prognose unter Anwendung dieser genialen Formel. Mal real, mal fiktional.

Gruppe A: Schweiz – Portugal – Tschechien – Türkei

Schweiz: Der Gastgeber geht gut gerüstet in die Europameisterschaft, schließlich ist die Mannschaft von Kobi Kühn seit zwei Spielen (Slowakei 2:0, Liechtenstein 3:0) ungeschlagen und hat mit Alexander Frei den besten Dortmunder Stürmer im Kader. Der Heimvorteil und das dankbare Eröffnungsspiel gegen den im Vergleich steinalten Tschechischen Kader wird den Eidgenossen aber dennoch nichts helfen. Vorrundenaus!

Portugal: Die Portugiesen haben einen Vorteil und der heißt Christiano Ronaldo. Das Problem ist, dass er gleichzeitig ihr Nachteil ist, denn die Mannschaft wird darauf bauen, dass der Sunnyboy das Turnier zu „seinem“ macht. Tut er aber nicht, weil Ramon Calderon, der Präsident von Real Madrid, erst nach dem Aus in der Vorrunde von der Österreichischen Justiz verhaftet wird, weil er Ronaldo Tag und Nacht anruft, um ihn zu einem Wechsel überreden. Stalking heißt das auch in der Alpenrepublik. Hilft Portugal aber auch nichts mehr.

Tschechien: Gut, Thomas Rosicky ist verletzt. Pavel Nedved spielt auch nur noch im Verein. Bleiben ja noch Rudolf Skacel und Vaclav Sverkos, um für die Tschechen die Kohlen aus dem Feuer, bzw. die Punkte aus den Stadien zu holen. Befreit von den Zwängen der beiden ehemaligen Spielmacher blüht Česká republika auf und spaziert ins Viertelfinale.

Türkei: Ohne Halil Altintop und Yildiray Bastürk treten die Türken bei der EM an. Das ist schonmal sehr mutig. Hier in Deutschland hat man ja das Gefühl die beiden, zusammen mit Halils Bruder Hamit, wären die einzigen Türken, die anständig Fußball spielen können. Bei der EM werden die anderen uns zeigen, dass sie zu unrecht unterschätzt werden. DIe Türkei kann ganz weit kommen.

Gruppe B: Österreich – Deutschland – Kroatien – Polen

Österreich: Wovor haben die Österreicher eigentlich Angst? Vor einer Blamage? Ein großes Turnier vor eigenem Publikum setzt ungeahnte Kräfte frei, wir Deutschen können ein Lied davon singen. Vermutlich hätte auch Erich Ribbeck 2006 den Einzug ins Halbfinale geschafft, mit Carsten Ramelow, Jens Nowotny und Christian Wörns in der Defensive und – natürlich – Oliver Kahn im Tor. Die Nationalmannschaft von Österreich geht lieber den Klinsmann-Weg, mit einer jungen Mannschaft und einer EM-Vorbereitung auf den Malediven. Klinsmann wusste was er da gemacht hat und die Österreicher werden ihren zahlreichen Kritikern zeigen, dass sie im Unrecht waren.

Deutschland: Sind wir mal ehrlich, wer soll uns schlagen? Die Polen, die schon anfangen zu zittern, wenn Oliver Neuville sich auf der Bank nur die Nase putzt? Die Kroaten, mit denen wir noch eine Rechnung offen haben?? Oder vielleicht die Österreicher, die bei einer 1:0-Führung gegen uns so „narrisch wern“, dass sie schon wieder vergessen, dass Fußballspiele nach eigenen Toren nicht zuende sind??? So unwahrscheinlich sich das anhört, Deutschland scheitert in der Vorrunde.

Kroatien: 22 -30 – 31 – 32 – 34 – 36. Nein, das sind keine Lottozahlen. Das sind die Altersangaben der kroatischen Defensive. Niko Kovac soll mit 36 Jahren im defensiven Mittelfeld die Fäden ziehen, dahinter will sein Bruder Robert (34) die schlechte Dortmunder Saison vergessen machen. Joe Simunic ist auch noch da und will dieses Mal seinen Rekord von drei Gelben Karten in einem Spiel überbieten. Dafür hat er genau drei Spiele Zeit, dann ist für die Kroaten Schluss.

Polen: Mit dem „Odonkor-auf-Neuvile“-Komplex im Hinterkopf, aber ohne Rücksicht auf die Abstimmungsprobleme in der deutschen Abwehr werden die Polen in das erste Spiel dieser EM gehen – und gewinnen. Das 2:1 (nach 0:1) setzt ganz neue Energien frei, Ebi Smolarek wird am Ende Torschützenkönig der EM und Johannes B. Kerner fragt den neuen BVB-Trainer Klopp nach der sensationellen Vorrunde der Polen, ob er traurig ist, dass er nicht zwei Jahre früher unterschrieben habe, weil Smolarek dann noch Dortmunder wäre. Klopp verneint und verweist auf die „ähnliche Spielweise“ von Nelson Valdez…

Gruppe C: Niederlande – Frankreich – Rumänien – Italien

Niederlande: Die Holländer sind eine Turniermannschaft. Sie haben mit Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart gleich zwei Spieler von der Sorte, die Italien gerne hätte. Außerdem erwischt Ruud van Nistelrooy den letzten Zug, der ihn noch in die Hall of Fame des holländischen Länderspielfußballs bringen kann. Oranje wird Europameister.

Frankreich: Die Zeiten der Franzosen sind noch lange nicht vorbei. Dafür sprechen schon allein Spieler wie Ribery, Nasri oder Benzema. Da kann man einen Trezeguet schon mal zu Hause lassen. Das Konzept stimmt, ein überragender Henry bringt L’Equipe Tricolore ins Viertelfinale.

Italien: Als Weltmeister bei einer Europameisterschaft anzutreten ist ja ein bisschen so, als wäre man gerade Meister geworden und muss drei Tage später um den DFB-Pokal spielen. Dementsprechend verkatert treten die Italiener auch an. Ohne Fabio Cannavaro gleicht die Abwehr der von Borussia Dortmund, demzufolge werden die Italiener bei dieser EM höchstens 13.

Nachtrag Rumänien: Die Todesgruppe wird die Rumänen schlucken. Denn trotz der erstarkten Vereinsteams (selbstverständlich durch reiche Mäzene) aus der rumänischen Hauptstadt, reicht das spielerische Potential nicht aus, um die Großen zu ärgern. Der Star, Adrian Mutu, ist mit Kopf auch schon bei Schalke 04. Das kann also nix werden…

Gruppe D: Spanien – Schweden – Russland – Griechenland

Spanien: Die Spanier werden ja vor jedem Turnier hoch gehandelt, um im nächsten Satz genau aus diesem Grund aus dem Favoritenkreis herausgenommen zu werden. In diesem Jahr haben sie aber mit Fernando Torres und David Villa zwei Spieler im Sturm, die beide für sich besser sind, als die jahrelange Angriffs-Nummer-Eins Raul. Mit viel Glück schaffen es die Spanier ins Viertelfinale.

Schweden: Arroganz ist das Motto von Zlatan Ibrahimovic. Dem schwedischen Superstar sind Eitelkeiten von Trainern, Sperrstunden in Mannschaftshotels und allgemeine Benimmregelns fremd. Das macht ihn einzigartig und dennoch verzichtbar für das Trainerteam. Wegen Disziplinlosigkeit schmeißt der schwedische Coach den exzentrischen Inter-Star aus dem Kader – und damit seine Mannschaft bereits in der Vorrunde aus dem Turnier.

Russland: Die Russen haben das Problem, dass ihr bester Mann, der Spielmacher von Zenit St. Petersburg Arshavin, in den ersten beiden Gruppenspielen gesperrt fehlt und sein liebster Spielpartner im Sturm, Progrebniak, verletzt ist. Das kann die Mannschaft von Guus Hiddink nicht verkraften und scheidet nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Spielen sang- und klanglos aus.

Griechenland: Otto Rehagel wird den europäischen Fußball bei dieser EM revolutionieren. Er stellt bei den Griechen auf eine Fünfer-Kette um, stellt davor eine massive Viererkette und lässt vorne seinen Stürmer verhungern. Warum? RTL ist schuld. Seitdem Rehagel bei „Wer wird Millionär?“ erfahren hat, dass man mit drei Unentschieden in der Vorrunde weiterkommen kann, hat der Coach mit seiner Mannschaft intensiv Elfmeterschießen geübt. Das Ziel: Ohne eigenes Tor (außer im Elfmeterschießen) zum erneuten Titelgewinn. Was absurd klingt, funktioniert tatsächlich. Ins Viertelfinale kommen die Griechen auf jeden Fall.

Und wer wird Europameister?

Ich habe drei Teams auf dem Zettel: Österreich, Türkei und Griechenland.

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3 Kommentare

  1. Was ist mit den Rumänen – oder habe ich ie im Text übersehen?? Wollen wir hoffen das deine EM-Tipp-Formel aufgeht und die Holländer sich schon nach der Vorrunde verabschieden!!


  2. Huch…, dann werden die wohl Europameister 😉


  3. […] in Basel. Die Chancen für den einen der beiden Gastgeber stehen nicht so schlecht – auch wenn meine EM-Vorschau etwas anderes besagt – und ein Sieg könnte dafür sorgen, dass die rot-weißen Girlanden, Fahnen […]



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