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Vertrauen in den Manager

27. Juli 2009

Ich halte viel von Michael Preetz. Der Mann identifiziert sich nicht nur mit Hertha, hat das nötige Standing im Verein und bei der Mannschaft und kennt beide Seiten des Profigeschäfts, sondern er hat sich auch einen unverblümten Blick auf die Realität behalten. Dass diese bei Hertha im Moment mit dem Wirtschaftsbegriff „Geldknappheit“ ganz gut umschrieben ist, akzeptiert er und hat sich damit arrangiert. Preetz versucht alles, um Trainer Favre seine ohnehin schon sehr sparsamen Wünsche zu erfüllen. Der Schweizer weiß, dass dem Hoeneß-Nachfolger die Hände gebunden sind, doch er und Preetz vertrauen sich gegenseitig. Das ist die große Verbesserung in der Führungsetage seit dem Ende der Hoeneß-Ära.

Natürlich muss auch Preetz ab und zu mal etwas tun, sagen oder lassen, was in erster Linie taktischer Natur ist. So gab er vor ein paar Tagen der Berliner Morgenpost ein Interview, in dem es zum Ende hin auch um die Personalie Andrey Voronin ging. Preetz gab an, dass man zwar keinen Kontakt habe, aber der Transfer in der Vorsaison ja auch erst kurz vor Schluss über die Bühne gegangen sei. Und dann folgte eine Aussage, die ich nach den bisherigen Testspielen und der schnell aufgekommenen Diskussion um die Abwehrprobleme von Hertha, nur noch einmal hervorholen wollte.

„Joe Simunic war eminent wichtig – aber für mich war es vor allem Andrey Voronin, der den Unterschied ausgemacht hat. Er hat die Tore geschossen, die diese fantastische Euphorie ausgelöst haben.“

Nunja, ich fand diese Passage vor ein paar Tagen schon bedenklich. Natürlich kann er sowas nach dem sicheren Abgang von Simunic sagen, vielleicht auch, um den Verlust ein wenig herunterzuspielen. Aber wenn wir mal ehrlich sind, dann ist das hochgradig diskutabel. Klar hat Voronin mit seinen Toren die Euphorie ausgelöst, aber dass er den Unterschied ausgemacht haben soll? Den Unterschied hat für mich in der vergangenen Saison ein, zweimal Jaroslav Drobny gemacht. Drei, viermal war es tatsächlich Andrey Voronin. Aber über die gesamte Spielzeit gesehen, war es Joe Simunic, der hinten den Laden zusammengehalten hat und damit die knappen Siege überhaupt erst ermöglicht hat.

Ich weiß, dass man Testspielergebnisse nicht überbewerten sollte und ich wollte mich auch eigentlich erst nach ein paar Pflichtspielen zum aktuellen Stand der Mannschaft äußern, aber wenn jetzt selbst bei den Verantwortlichen plötzlich Panik auszubrechen scheint, dann wird mir ein bisschen Bange. Wenn man den zugegebenermaßen immer gleich klingenden Zitaten („Ja, es stimmt…“) in der BILD Glauben schenkt, soll jetzt zusätzlich zum 21jährigen Pejcinovic noch ein „Riese“ kommen. Die Frage, ob Favre dann auf Dauer noch auf Arne Friedrich baut, wird heute nicht ganz zu Unrecht vom Tagesspiegel gestellt. Jedenfalls soll der Neue in der Champions League Qualfikation noch einmal beobachtet werden. Marko Basa, mit dem man bereits verhandelt hatte, fällt damit aus dem Raster, denn sein Klub Lokomotive Moskau spielt nicht europäisch.

Sollte noch jemand geholt werden, aber auch wenn nicht, dürfte klar sein, dass Steve von Bergen und vor allem Kaka keine Zukunft im Hertha-Trikot haben. Die Variante Gojko Kacar ins Abwehrzentrum zurückzuziehen, wäre ebenfalls vom Tisch – der Serbe ist im Mittelfeld und der Offensive viel zu wichtig. Es wäre also eine Verpflichtung mit einer gewissen Tragweite, obwohl man ja schon beim „nur“ 1,84m großen Pejcinovic dachte, dass die Planungen in diesem Bereich jetzt abgeschlossen wären. Das ist aber scheinbar jetzt doch nicht der Fall.

Wie wichtig ein paar Tage vor dem Schließen der Transferliste gute Kontakte und Verhandlungsgeschick ist, davon kann Ex-Manager Dieter Hoeneß ein Lied singen. Ob Preetz damals als sein Assistent zugehört und es auswendig gelernt oder – was noch besser wäre – es sogar auf seine Stimme umgeschrieben hat, werden die nächsten Tage zeigen. In der Vorbereitung werden die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison gelegt, sagen die Trainer immer. Michael Preetz muss das in ihn gesetzte Vertrauen gleich mal bestätigen.

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2 Kommentare

  1. Was deine Einschätzung von Andrej Voronin und deine Kritik an der Aussage von Preetz angeht, stimme ich dir voll und ganz zu.

    Aber ich möchte wirklich noch mal dahingehend insistieren, dass es sich nicht nur um Testspielergebnisse gehandelt hat, sondern vor allem, dass wir den Stand der Saisonvorbereitung berücksichtigen müssen. Wenn ich richtig informiert bin, hat die Mannschaft bisher nahezu ausschließlich im konditionellen Bereich gearbeitet. Taktische Schulung, insbesondere der defensive Feinschliff kommen erst noch.

    Deswegen will ich mich dem ängstlichen Geschreibe der Bild nicht anschließen. Mit Friedrich, Pejcinovic, SvB und Janker stehen vier solide Innenverteidiger zur Verfügung. Wozu ein „Riese“ gut sein soll, wird mir vor allem beim Vergleich mit Simunic nicht deutlich, weil der mangels Sprungkraft nichts mit seiner Körpergröße anzufangen wusste. Sicher braucht man einen Strategen und die Kritik diesbezüglich an Friedrich finde ich angemessen. Aber so jemand kostet richtig Geld. Vor allem wenn er die Möglichkeit hat, CL zu spielen. Und wie du schreibst, hat Hertha eben dieses Geld gar nicht zur Verfügung.

    Ich glaube daher, dass für die Verteidigung nicht mehr viel passieren wird. Lediglich Kaka sollte noch abgegeben werden, denke ich.


  2. Ich finde die Diskussion um die Körpergröße eines 1,83 Meter großen Verteidigers total daneben. Hinzu kommt, dass Favre grade in der Abwehr bei den Testspielen herumexperimentiert hat (z.B. Arguez in die Verteidigung). Die Testspielergebnisse und die Anzahl der Gegentore haben daher für mich eine noch gerinere Aussagekraft als sonst. 🙂



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