Posts Tagged ‘Schweinsteiger’

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Platzverweis schlimmer als Niederlage

12. Juni 2008

Die Niederlage gegen Kroatien war hochverdient. Die Mannschaft von Slaven Bilic hat die von Joachim Löw – wie von mir befürchtet – mit ihren technischen Fähigkeiten zermürbt. Allerdings erst nachdem sie schon zurücklag, was die Frustration im deutschen Team von Minute zu Minute steigen ließ. Schuldig am Gegentreffer war Marcell Jansen, da kann der deutsche Teamchef noch so sehr darauf hinweisen, dass die Flanke nicht zustande kommen darf. Ein Profifußballer muss die alte Jugendregel „Zum Ball“ (für: dem Ball entgegen gehen) verinnerlicht haben. Jansen muss sich jetzt vorhalten lassen, dass er damals nicht gut genug aufgepasst hat.

Ein Gegentor wie das 2:0 kann immer passieren. Glück gehört im Fußball dazu. Wenn es allerdings „nur“ das 0:1 gewesen wäre, hätte der weitere Spielverlauf wohl anders ausgesehen. So rannte die DFB-Elf einem Zweitore-Rückstand hinterher und fand viel zu selten die Mittel, die mit „högschder Disziplin“ verteidigenden Kroaten in Bedrängnis zu bringen. Viel zu oft wurde der lange Ball nach vorne gespielt, wo sich Herthas Joe Simunic (zum ersten Mal seit einem halben Jahr ohne jeden Fehler) und Dortmunds Robert Kovac über leichte Arbeit freuten. Das setzte sich auch nach dem erzwungenen Anschlusstreffer von Lukas Podolski fort. Die Einwechslung von Kevin Kuranyi deutete sogar darauf hin, dass das deutsche Trainerteam genau diese Taktik verfolgen wollte.

Dabei zeigten zwei WM-Helden wunderbar, wie die Kroaten zu knacken gewesen wären. Bastian Schweinsteiger, nach seiner Einwechslung bester Mann auf dem Platz und Philipp Lahm, der seinem bayerischen Kollegen in nichts nachstand, wirbelten die rechte Abwehrseite des Gegners derartig durcheinander, dass sich der kroatische Abwehrspieler insgeheim Marcell Jansen zurückwünschte. Die beiden – Schweinsteiger und Lahm – schlugen den Gegner in dieser Phase mit seinen eigenen Waffen: Ballsicherheit, Spielwitz und Kombination. All das also, was man von der deutschen Elf bei der WM und in weiten Teilen der Vorbereitung gewohnt war.

Umso bitterer ist es da im Hinblick auf den weiteren Turnierverlauf, dass eben jener Schweinsteiger sich in der Nachspielzeit zu einem Schubser gegen seinen Gegenspieler Leko hinreißen ließ und dafür vom Schiedsrichter nicht ganz zu Unrecht mit der Roten Karte bestraft wurde. Mit Schweinsteiger verliert die Mannschaft einen ihrer ballsichersten Spieler. Clemens Fritz hat eine unglaubliche Angriffsdynamik, verliert den Ball dabei jedoch viel zu häufig. Genauso sieht es zur Zeit mit Michael Ballack aus. Der „Capitano“ spielt eine unglaublich hohe Anzahl von Fehlpässen, auch schon gehen Polen, da wurde es bloß nicht bestraft. Ballack muss aber auch und vor allem an der Absprache mit Torsten Frings arbeiten. Viel zu oft konnte ein Kroate durchs Mittelfeld spazieren, viel zu oft hätte ein Kroate aus dem Rückraum zum Schuss kommen können. Übrigens ein Missstand der ebenfalls schon gegen Polen auftrat.

Die deutsche Elf kann von Glück reden, dass der nächste Gegner „nur“ Österreich heißt. Es müsste wirklich mit dem Teufel zugehen, wenn der bislang sieglose Gastgeber gegen Deutschland zum ersten Erfolg käme und Deutschland sich damit aus dem Turnier verabschieden müsste. Selbst mit einer in der letzten Konsequenz unterirdischen Vorstellung wie gegen Kroatien müsste es gegen das Team von Josef Hickersberger reichen. Dann wird es allerdings richtig schwer, denn als Gruppenzweiter warten wohl die Portugiesen im Viertelfinale. Die haben seit dem 1:3 im Spiel um Platz Drei bei der EM noch eine Rechnung mit Deutschland offen. Damals erzielte Bastian Schweinsteiger nahezu alle deutschen Treffer (ein Eigentor, nach einem Schuss von ihm). Wenn kein Wunder geschieht, wird der Rechtsfuß allerdings fehlen. Denn eine glatte Rote Karte zieht im Normalfall mindestens zwei Spiele Sperre nach sich. Damit könnte die EM für den Münchener jedoch schon zu Ende sein…

UPDATE: Das „Wunder“ ist eingetreten. Schweinsteiger ist nur ein Spiel gesperrt, könnte damit im Viertelfinale wieder auflaufen.

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What happens on Malle, stays on Malle

19. Mai 2008

Hach ja, Mallorca. Sonne, Strand und Meer. Party, Palmen, Weiber und ein Bier. Hier fließt der Alkohol in Strömen, werden Keuschheitsgelübde mit Karacho über Bord geworfen und es soll auch schon Fußballteams gegeben haben, die am Ballermann die Saison haben ausklingen lassen. Längst wurde der eigentlich für das Spielparadies schlechthin erdachte Spruch „What happens in Las Vegas, stays in Las Vegas“ auch auf die deutsch-spanische Ferieninsel übertragen. Was auf Malle passiert, bleibt auf Malle.

Dass Fußball-Mannschaften, ach was schreib ich, Nationalmannschaften auf die Insel fliegen, um sich auf ein großes Turnier vorzubereiten, war – mir zumindest bis vor kurzem – neu. Joachim Löw spricht dennoch von „optimalen Voraussetzungen“, die sein Team in Spanien erwarten. Der Coach und auch Manager Oliver Bierhoff haben anscheinend keine Angst, dass volltrunkene deutsche Urlauber nachts vor dem Hotel grölend durch die Straßen rennen und „Lu-lu-lu Lukas Podolski“ anstimmen. Und auch keine, dass der Prinz sich möglicherweise dazu animiert fühlt, sich zum neuen König von Mallorca krönen zu lassen.

Was diese Angst zumindest ansatzweise schüren müsste, ist die Tatsache, dass – anders als beim Trainingslager auf Sardinien vor der WM 2006 – nur etwa die Hälfte der Profis ihre Familien mit nach Mallorca genommen hat. Klingt einerseits bedenklich, aber andererseits irgendwie logisch oder? Nach Sardinien, wo hauptsächlich Rentner oder reiche Schnösel Urlaub machen, nimmt man seine Frau selbstverständlich mit. Nach Mallorca hingegen, wo die Sünde quasi wie ein Damoklesschwert über dem Ballermann hängt, lässt man sie natürlich zu Hause. Ich kann mir gut vorstellen, wie der kinderlose Schweini, den mittlerweile nicht mehr ganz so frisch gebackenen Papa Poldi, überredet hat, seine Familie zu Hause zu lassen, damit die beiden den Bierkönig unsicher machen können.

Natürlich betonte Jogi Löw, dass seinem Team „harte Tage“ bevorstehen. Klar, dass er damit das zu Beginn nächster Woche zweimal täglich stattfindende Training meinte. Aber man kann sich einfach auch sehr gut vorstellen, wie Schweini, Poldi und auch der erst 19jährige Marko Marin (der extra den Ibiza(!!!)-Urlaub mit seiner Freundin absagte) mit roten Augen und einem ordentlichen Kater zusammen mit Co-Trainer Hansi Flick ein paar Ausnüchterungsrunden um den Platz drehen. Natürlich wird die anwesende Presse darüber nie etwas erfahren und wenn doch, nichts davon schreiben. Denn – das wissen wir nun – was auf Malle passiert, bleibt auch auf Malle.