Posts Tagged ‘Polizei’

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Sie lernen es (leider) nie…

18. März 2009

Es ist Nacht in Berlin. Die Brandenburgische Straße in Wilmersdorf ist dennoch hell erleuchtet. Hier, unweit des Kudamms, ist die Straße vierspurig. Zwei in die eine, zwei in die andere Richtung. Zusätzlich gibt es Parkbuchten, damit die Berliner ihre Autos hier auch irgendwo abstellen können.

Zu ihnen gehört auch Patrick Ebert. Irgendwo in der Nähe wohnt der Bundesliga-Profi von Hertha BSC, der auch U21-Nationalspieler ist, Schirmherr des Kids-Clubs seines Vereins und vor allem: junger Erwachsener.

Am 17. März, einem Dienstag, feiert Ebert seinen 22. Geburtstag, ob in großem oder kleinem Kreis ist nicht überliefert. Sicher scheint jedoch, dass es ein Wiedersehen von Teilen der alten Clique von damals gab. Kevin-Prince Boateng ist mal wieder in der Stadt, der auch erst 11 Tage zuvor das gleiche Jubiläum vollzogen hatte. Boateng spielt derzeit in Dortmund, ist aber verletzt, und kann sich den Trip nach Berlin deshalb wohl auch erlauben. Ebert kann es eigentlich nicht. Morgens um 10 Uhr wird er auf dem Trainingsplatz erwartet.

Die jungen Männer feiern, Alkohol wird geflossen sein und irgendwann, so gegen 3 Uhr, entscheiden sich das Geburtstagskind und sein Kumpel aus alten Zeiten zu gehen. Ob aus einer Disco (vielleicht dem Exxell, was aber eher nicht die Musik der Jungs sein wird) nach Hause, ob von seiner Wohnung zu einer Tankstelle oder nur, um mal eben eine zu rauchen – wer weiß das schon, außer den beiden. Jedenfalls schlenderten die beiden über die Brandenburgische Straße, vorbei an den parkenden Autos und…

Was dann geschah, wurde laut Berliner Morgenpost von einem Mitarbeiter des Zentralen Objektschutzes (ZOS) beobachtet. Angeblich sollen die beiden Autos zerkratzt und Rückspiegel abgetreten haben. Letzteres kann dann eigentlich auch nur Ebert gewesen sein, da Boateng mit einem Teilriss im Sehnenansatz und der Gelenkkapsel im rechten Knie ein wenig gehandicapt sein dürfte. Jedenfalls wurde die Polizei alarmiert, die Personalien der beiden aufgenommen und sie dann wieder entlassen. Vermutlich ziemlich schlecht gelaunt.

Heute beim Training hat sich Ebert erwartungsgemäß nicht zu dem Vorfall geäußert. Hertha will die Angelegenheit nachvollziehbarer Weise möglichst schnell klären. Konsequenzen für Ebert sind wohl zu erwarten. Boateng war in Dortmund heute nicht zu sehen.

Nun darf man das Ganze natürlich nicht dramatisieren. Dass die beiden zu einer neuen Generation von jungen Erwachsenen zählen, die gerne mal ihre Grenzen austestet, ist nichts Neues. Dass diese Grenzen bei Vandalismus nicht halt machen – vor allem bei Jung-Profis, die sich über Geld keine Sorgen machen müssen – auch nicht. Dass Ebert aber wirklich so fahrlässig ist und sich nach seiner Promille-Fahrt im August vorletzten Jahres erneut etwas zu Schulden kommen lässt, schon eher. Eigentlich hatte man gedacht, der Junge wäre auf vernünftigem Boden angekommen. Das Gleiche dachte ich eigentlich auch über Kevin Boateng, oder hatte es zumindest gehofft.

Nun erfüllen die beiden wieder alle Klischees, die pauschal über sie geäußert wurden. Man muss wohl damit leben. Als Konsequenz für die Fußball-Vereine dieser Welt kann es einfach nur heißen, keine dieser früher mal als „Ghetto-Boys“ titulierten Spieler, zusammen in einem Verein spielen zu lassen. Zurzeit ist das mit Kevin in Dortmund, Ebert in Berlin, Jerome Boateng in Hamburg und Ashkan Dejagah in Wolfsburg ganz gut verteilt.

Konsequenzen bei Hertha sehe ich jedenfalls. Ebert wird in die Tasche greifen müssen, für das nächste Spiel suspendiert werden und der Kids Club muss sich dann wohl auch einen neuen Schirmherren suchen.

Schade eigentlich…

Update: Die Morgenpost recherchiert weiter und hat jetzt doch plötzlich einen O-Ton von Ebert auftreiben können. Ich möchte ihm glauben, wenn er sagt: „Das sind alles Lügengeschichten. Man hat nur Geburtstag und wird gleich verdächtigt.“ Von der Polizei sei er nicht vernommen worden.

Update 2: Ich gebe zu, ich war vorhin ziemlich genervt und habe deshalb auch einen sehr vorverurteilenden Artikel geschrieben. Eben hat Hertha eine offizielle Mitteilung rausgegeben, wonach Ebert zwar zugibt, von der Polizei angehalten worden zu sein, nachdem er auf (s)einer Geburtstagsfeier war, nicht jedoch, dass er und Boateng die Sachbeschädigung begangen haben.

Solange es also keine Beweise gibt, sollte die Unschuldsvermutung gelten, auch wenn es (mir und Enno) schwerfällt.

Ebert wird eine Geldstrafe erhalten. Von einer „Suspendierung“ (MoPo) ist in der Hertha-Mitteilung nicht mehr die Rede.

to be continued…

Update 3: So, ich weiß nicht, was Lucien Favre geträumt hat, aber nachdem er eine Nacht drüber geschlafen hat, hat er Ebert heute laut Bild bis auf Weiteres zu den Amateuren geschickt. Die können die Hilfe gut gebrauchen. Und Ebert rafft es jetzt hoffentlich, dass er bei seinem Verdienst und seinem Standing in der Öffentlichkeit entweder so feiern muss, dass es niemand mitbekommt, nur in Nächten feiern geht, auf die kein Trainingstag folgt  oder die nächtlichen Sauftouren eben auf die Zeit nach seiner Karriere verschiebt. Ein schweres Los, ich weiß…

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Zahl des Tages

12. August 2008

50.000.000

Gleich zweimal taucht diese achtstellige Eurosumme im Zusammenhang mit der Fußball-Bundesliga auf. Und zweimal handelt es sich wohl um eine Wunschvorstellung, die am Ende mehr oder weniger klar unterboten werden oder gar nicht gezahlt wird.

Die erste Meldung ging bereits gestern vor allem durch die Berliner Medien. Die Verantwortlichen von Hertha BSC wollen ein Drittel des Vereins „an einen strategischen Partner“ veräußern. Die BILD hat blitzschnell reagiert und ein Zitat von Manager Dieter Hoeneß aus dem Februar ausgekramt, der den Wert des Vereins mal auf der Grundlage von Analysten-Schätzungen auf 150 Millionen Euro beziffert hat. Demzufolge müsste der Großinvestor für 30 bis 35 Prozent des Vereins nun 50 Millionen Euro hinblättern, was Präsident Gegenbauer auch gerne gegenüber dem Boulevard-Blatt bestätigte. Was in Restdeutschland nur zu einem leichten Kopfschütteln geführt haben wird, lässt den Hertha-Fans in Berlin wahrscheinlich die Augen leuchten. 50 Millionen, das klingt nach Toni, Ribery und nach aktuellem Marktwert sogar nach Ronaldinho. Gegenbauer tut auch nichts gegen diese Euphorie-Rakete und legt einen Tag später in der BILD noch einmal nach:

„Uns geht‘s darum, die Mannschaft zu stärken. Alles andere wäre Kokolores.“

Also träumt ganz Berlin nun bereits von großen Zeiten, wie damals 1998/99, als es weder dem AC Mailand, noch dem FC Chelsea (damals noch ohne Abramovic) und auch nicht dem FC Barcelona gelungen war, die Festung Olympiastadion einzureißen (was Bagger dann weniger Jahre später für sie erledigten…). Allerdings sollte dabei immer beachtet werden, dass der Gang an die Presse nichts anderes als einen HIlferuf darstellt, der hoffentlich irgendwo in der Welt bei einem reich gewordenen Fußballfan oder einem am Fußball völlig uninteressierten Milliardär (völlig egal…) ankommt und die mit 30 Millionen Euro in der Kreise stehende Hertha erhört. Die 50 Millionen sind noch nicht da!

Das Ganze erinnert mich irgendwie an das Jahr 2005, als Hertha mit einer sogenannten Schechter-Anleihe „seine Finanzen neu ordnen“ wollte. 35 Millionen frisches Kapital sollten in den Verein fließen, der Vertragsabschluss war so gut wie perfekt und in Berlin, ja in Berlin begann man wieder von Stars zu träumen. Und mitten in diese Träume hinein verschwand die Anleihe und mit ihr das Kapital in irgendeiner Schublade (nicht der von Hertha wohlgemerkt). Ich persönlich glaube, dass nicht nur die 50 Millionen utopisch sind, sondern auch, dass ein Investor bei Hertha einsteigt. Aber in einer Stadt wie Berlin, in einem Umfeld, wie dem bei Hertha, muss man alle paar Jahre solche Meldungen streuen, damit überhaupt noch jemand ins Stadion geht. So dumm es klingen mag, es wird funktionieren. Stars werden deshalb in naher Zukunft trotzdem nicht nach Berlin kommen, weder im Trikot anderer großer Vereine (in der Champions League), noch im Hertha-Trikot.

Die zweite Meldung betrifft die Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) dreht mal wieder an der Populismus-Schraube und fordert von den Bundesligavereinen eben die 50 Millionen Euro, weil das der Betrag ist, den die zahlreichen Einsätze bei Bundesligaspielen und zum Schutz von (Achtung!) „Jungmillionären in kurzen Hosen“ gekostet hätten und auch in Zukunft pro Saison kosten würden. Nicht nur DFB und DFL, sondern sogar die mitgliederstärkste Polizistenvertretung, die Gewerkschaft der Polizei (GdP), kritisierten die Forderung und wiesen sie zum Teil vehement zurück. Ganz davon ab, dass Bundesligaspiele den gleichen (verfassungsrechtlich verankerten) Schutz verdienen, wie Rockkonzerte, Parteitage oder Volksfeste, stellt sich die Frage, ob es wirklich der Schutz der Bundesligaspieler ist, der derartig hohe Kosten und Probleme (laut DPolG 4394 Strafverfahren und 71 verletzte Polizisten) verursacht oder ob es nicht doch eher die Krawalle von Bürgern dieses Landes sind, die dazu führen. Die zweite Frage ist, ob es nicht viel häufiger Amateur-LigaSpiele sind, die Krawalle hervorrufen, bei denen hohe Kosten und Verletzte übrigbleiben. Innerhalb der Stadien sind es nämich längst Ordner der Vereine, die dort für Ordnung sorgen.

So hat es die DPolG im Sommerloch immerhin mal in die Schlagzeilen geschafft. Denn bisher muss ich ganz ehrlich zugeben, war sie mir so unbekannt, wie ein möglicher Investor für Hertha BSC.