Posts Tagged ‘Podolski’

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Anspruch und Wirklichkeit

9. Juni 2008

Ja, Anspruch und Wirklichkeit. Zwei Dinge, die bei mir momentan weit auseinander liegen. Gerne würde ich jedes Spiel der Euro in voller Länger sehen und darüber auf diesen Seiten schreiben. Doch leider macht es sich bemerkbar, dass ich eben doch Student bin und ich als solcher entgegen landläufiger Meinungen doch ab und an was zu tun haben. Bei mir heißt dieses „was“ momentan Referat, von denen allein in dieser Woche drei anstehen.

Deshalb werden sich alle meine französischen, rumänischen, niederländischen und italienischen Fans heute woanders informieren müssen. Und ich fürchte morgen auch alle meine spanischen, griechischen, russischen und schwedischen. Wie es danach aussieht, wird sich noch zeigen – ich werde (nach Oliver Kahn) alles geben und mich (nach Lukas Podolski) in der Zwischenzeit ausru-hen und regenerie-ren. Danach geht es (hoffentlich) weiter.

Für meine deutschen Freunde habe ich noch einen Denkanstoß für das nächste Spiel gegen Kroatien. Bei allem Jubel über den Sieg gegen Polen: Wenn sich die deutsche Elf gegen die Kroaten solche Auszeiten genehmigt, wie gestern, dann wird das ein ganz harter Brocken. Die Kroaten haben gegen Österreich ihre Kaltschnäuzigkeit unter Beweis gestellt und sind außerdem technisch viel stärker als die Polen. Joachim Löw muss sich (und wird sich natürlich) etwas einfallen lassen. Er könnte zum Beispiel Clemens Fritz empfehlen, nach Dribblings über den ganzen Platz auch mal das Abspiel zu suchen. Oder Miroslav Klose auch mal aufs Tor zu schießen. Oder Per Mertesacker und Jens Lehmann mehr miteinander zu reden. 

Ansätze gibt es genug. Das zweite Spiel am Donnerstag wird zeigen, ob die Mannschaft wirklich so stark ist, wie sie nun (noch mehr als vor der EM) gemacht wird. Ich hab nämlich keine Lust schon nach der Vorrunde die Diskussion um die Entfernung zwischen Anspruch und Wirklichkeit auf unsere Nationalmannschaft verlagern zu müssen.

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What happens on Malle, stays on Malle

19. Mai 2008

Hach ja, Mallorca. Sonne, Strand und Meer. Party, Palmen, Weiber und ein Bier. Hier fließt der Alkohol in Strömen, werden Keuschheitsgelübde mit Karacho über Bord geworfen und es soll auch schon Fußballteams gegeben haben, die am Ballermann die Saison haben ausklingen lassen. Längst wurde der eigentlich für das Spielparadies schlechthin erdachte Spruch „What happens in Las Vegas, stays in Las Vegas“ auch auf die deutsch-spanische Ferieninsel übertragen. Was auf Malle passiert, bleibt auf Malle.

Dass Fußball-Mannschaften, ach was schreib ich, Nationalmannschaften auf die Insel fliegen, um sich auf ein großes Turnier vorzubereiten, war – mir zumindest bis vor kurzem – neu. Joachim Löw spricht dennoch von „optimalen Voraussetzungen“, die sein Team in Spanien erwarten. Der Coach und auch Manager Oliver Bierhoff haben anscheinend keine Angst, dass volltrunkene deutsche Urlauber nachts vor dem Hotel grölend durch die Straßen rennen und „Lu-lu-lu Lukas Podolski“ anstimmen. Und auch keine, dass der Prinz sich möglicherweise dazu animiert fühlt, sich zum neuen König von Mallorca krönen zu lassen.

Was diese Angst zumindest ansatzweise schüren müsste, ist die Tatsache, dass – anders als beim Trainingslager auf Sardinien vor der WM 2006 – nur etwa die Hälfte der Profis ihre Familien mit nach Mallorca genommen hat. Klingt einerseits bedenklich, aber andererseits irgendwie logisch oder? Nach Sardinien, wo hauptsächlich Rentner oder reiche Schnösel Urlaub machen, nimmt man seine Frau selbstverständlich mit. Nach Mallorca hingegen, wo die Sünde quasi wie ein Damoklesschwert über dem Ballermann hängt, lässt man sie natürlich zu Hause. Ich kann mir gut vorstellen, wie der kinderlose Schweini, den mittlerweile nicht mehr ganz so frisch gebackenen Papa Poldi, überredet hat, seine Familie zu Hause zu lassen, damit die beiden den Bierkönig unsicher machen können.

Natürlich betonte Jogi Löw, dass seinem Team „harte Tage“ bevorstehen. Klar, dass er damit das zu Beginn nächster Woche zweimal täglich stattfindende Training meinte. Aber man kann sich einfach auch sehr gut vorstellen, wie Schweini, Poldi und auch der erst 19jährige Marko Marin (der extra den Ibiza(!!!)-Urlaub mit seiner Freundin absagte) mit roten Augen und einem ordentlichen Kater zusammen mit Co-Trainer Hansi Flick ein paar Ausnüchterungsrunden um den Platz drehen. Natürlich wird die anwesende Presse darüber nie etwas erfahren und wenn doch, nichts davon schreiben. Denn – das wissen wir nun – was auf Malle passiert, bleibt auch auf Malle.