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Mehr vom bockigen Genie

30. Mai 2011

Er war sauer und das zurecht. Wieder hatte ihn der Trainer nicht berücksicht, obwohl sich seine Trainingsleistungen aus Sicht vieler deutlich verbessert hatten. Auch aus Sicht des Trainers, wie  dieser später zugab: „Horn hat einen Schritt nach vorne gemacht, war engagierter im Training. Ich konnte seine Enttäuschung völlig nachvollziehen.“ Schön, wird sich Daniel Hornbruch gedacht haben, davon kann ich mir auch nichts kaufen.

„Zur Halbzeit kommst du rein“

Nun gibt es Spieler, die sich nach einer wiederholten Nicht-Nominierung auf die Bank setzen und schmollen, die Gott und den Trainer verfluchen, die einfach bockig sind. Auch Daniel Hornbruch hat diese Phase durchlebt. Und auch dieses Mal erweckte es den Anschein, als würde er in dieses alte Muster zurückfallen. Doch irgendwie loderte da etwas in ihm, das sah man selbst von der anderen Seite des Spielfelds. Hornbruch schmollte nicht, er lauerte.

Denn der Trainer hatte ihm das Versprechen gegeben: „Zur Halbzeit kommst du rein.“ Und auch, wenn dieses Versprechen zunächst nicht mehr als eine Vertröstung zu sein schien: Hornbruch sah seine Chance. Der Mann mit den langen Beinen betrat das Spielfeld deutlich früher als 16 Uhr – der Schiedsrichter hielt nichts von einer ausgedehnten Halbzeitpause.

Dann mach ich es halt selbst

Als die zweite Hälfte startete, war es zunächst ein ungewohntes Gefühl für den Rechtsfuß, das war ihm anzusehen. Sonst hatte er häufig die weiße Kreidelinie auf der rechten Seite, an der er sich orientieren konnte. Doch im neuen System, dem Tannenbaum, war er einer der oberen Zweige, mit deutlicher Entfernung zur Außenbahn. Es dauerte ein paar Minuten, bis sich Hornbruch da in der Mitte wohlfühlte. Immer wieder tauchte er außen auf, einmal über links, als er mit riesigen Schritten seinen Gegenspieler überrannte, diese Aktion aber (noch) nicht mit einem Torerfolg krönte. Einmal über rechts, als er in alter Manier die Flanke in die Mitte brachte, dort aber niemand etwas mit dem Ball anfangen konnte.

Also, dachte er sich wahrscheinlich, mach ich es halt selbst. So gut diese Schwerter Mannschaft funktioniert, kein Team der Welt kann ohne herausragende Einzelkönner dauerhaft erfolgreich sein. Hornbruch ist so ein Einzelkönner. Den Ball kurz mit rechts angenommen, ein paar Meter getragen, leicht vorgelegt und dann mit einer Eleganz in den Winkel gehämmert, die Thomas Hitzlsperger einmal zu „The Hammer“ werden ließ und Steven Gerrard bei Liverpool zum Champions-League-Sieger.

Bockiges Genie

Der Jubel: Fiel klein aus. Zu tief saß der Stachel von vor dem Spiel. Hornbruch drehte kurz ab und ging dann in seinem unnachahmlichen, ein bisschen nach bockigem Genie, ein bisschen nach wuchtiger Dampframme aussehenden Gang zurück in die eigene Hälte. Davon, wird er sich gedacht haben, könnt ihr mehr haben.

Am Ende gewannen die Holzpfosten die Partie mit 3:0, Hornbruchs Treffer hatte den Riegel der Hemeraner durchbrochen. Und ganz hinten, im Tor, das der Trainer hütete, setzte sich die Erkenntnis durch, dass Daniel Hornbruch – in dieser Form – auf der Bank nichts zu suchen hat.

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Ausrufezeichen!

26. Oktober 2009

SG Hemer – Holzpfosten Schwerte 1:5 – mehr bräuchte ich eigentlich nicht zu schreiben, um meinen letzten Beitrag mit einem dicken Ausrufezeichen zu versehen. Aber dieses Spiel hat mehr als nur einen Satz verdient. Obwohl wir wieder eine komplette Halbzeit brauchten, um zu unserem Spiel zu finden.

„Unser Spiel“ – so einfach ist das gar nicht zu beschreiben. Wir spielen Viererkette und die taktische Ausrichtung ist sicherlich ein großer Teil „unseres Spiels“, aber mit einer taktischen Grundordnung allein gewinnt man keine Spiele (was man sehr schön an Hertha BSC erkennen konnte, die unter Lucien Favre taktisch hervorragend eingestellt eine Niederlage nach der anderen einfuhr). Schon einer meiner Jugendtrainer hat mich damals mit der Phrase beeindruckt, für die man dem Doppelpass drei Euro schicken müsste: „Einstellung ist wichtiger als Aufstellung.“

Das hat mich deshalb so beeindruckt, weil wir damals nicht unbedingt die beste Mannschaft hatten und der Trainer teilweise auch Spieler aufstellte, die – hätte der Großteil der Mannschaft entschieden – nicht mal auf der Bank gesessen hätten. Aber wir waren trotzdem über eine sehr lange Zeit erfolgreich. Einstellung ist wichtiger als Aufstellung, das sollte das Grundprinzip jeder Mannschaft sein.

Bei uns konnte man das wieder sehr schön erkennen, als wir mit 1:1 in die Kabine gingen. Wir hatten eine Menge Glück gehabt, hätten gut und gerne auch 1:3 oder 1:4 zurückliegen können und das, obwohl wir nach einer Traumkombination (besser kann man mit einer Viererkette nicht angreifen) über die Linksverteidiger-Entdeckung Riesewieck, den kurz kommenden Kunsmann und den Strafraum-Tänzer Pedde mit 1:0 in Führung gegangen waren. Danach war ein Bruch im Spiel, die beiden Stürmer ließen die gegnerischen Abwehrspieler und vor allem den Libero immer wieder lange Bälle hinter unsere zu hoch stehende Abwehrreihe spielen, sodass es immer wieder brenzlige Situationen gab, in denen wir uns beim Gegner bedanken durften, dass es nicht schon eher klingelte. Ein paar Minuten vor der Pause war es dann soweit. Mein Ärger war verhätlnismäßig gering, weil ich davon ausging, dass wir durch das Gegentor endlich aufwachen würden. Das taten wir aber erst nach der Pause.

Entscheidend dafür war die konstruktive, zielführende und sachliche Halbzeitpause. Wir entschieden uns den gegnerischen Libero früher anzugehen und die Abwehrreihe versprach, lange Bälle der anderen Verteidiger eher zu antizipieren. Christoph Kleine wurde gebeten, nach seiner Gelben Karte nicht mehr so überhastet in die Zweikämpfe zu gehen. Man hätte ihn zu diesem Zeitpunkt auch schon auswechseln können, einfach um ihn vor einem Platzverweis zu schützen. Aber die Mannschaft entschied sich ihm zu vertrauen. Und er zahlte es mehr als zurück.

Niemand ging frustriert in die zweite Halbzeit, alle wollten es in den zweiten 45 Minuten zeigen, alle wollten das von mir geforderte Ausrufezeichen setzen. Und entsprechend engagiert gingen wir nach dem Wiederanpfiff zur Sache. Der Gegner hatte irgendwann keine anderen Mittel mehr, als mit Fouls zu reagieren, der Ball lief teilweise mit einer Geschwindigkeit durch unsere Reihen, dass selbst mir – 30 Meter entfernt – beim Zuschauen schwindelig wurde. Die Tore fielen folgerichtig, Kleine legte eins auf und machte eins selber und die Fehler, die wir trotzdem noch begingen, wurden von Mitspielern berichtigt.

Es war am Ende – in Abwesenheit des Trainers natürlich noch viel mehr – eine der geschlossensten Mannschaftsleistungen, die wir jemals gezeigt haben. Ausfälle gab es nur einen, worüber zu reden sein wird. Fakt ist: Wir sind wieder da und durch die Niederlagen der Konkurrenz jetzt auch wieder wesentlich deutlicher vorne, als vor dem Spieltag. Im November folgen die Wochen der Wahrheit, in der wir dann wirklich zeigen müssen, dass wir mit recht da oben stehen.

Eine Frage bleibt allerdings: Wann fangen wir mal an, bereits in der ersten Halbzeit so zu spielen?