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Hertha macht den Matthäus

14. August 2008

Lothar Matthäus ist einer dieser Trainer, der immer verfügbar ist. Der sich immer wieder anbiedert und in jeden seiner Verträge eine Ausstiegsklausel für einen Verein aus den großen Ligen festschreiben lässt. Das hat ihm geschadet, denn obwohl Matthäus in seinen langen Jahren als Bundesligaprofi zahlreiche Erfolge gefeiert hat und Rekordnationalspieler ist, ist sein „Haben-will“-Wert unter den von ehemaligen Profis gesunken, die ihm früher klar unterlegen waren. Bruno Labbadia, Jürgen Klopp und – für ihn am schlimmsten – Jürgen Klinsmann sitzen auf Trainerstühlen, die er gerne besetzen würde. Doch stattdessen trainiert er eine israelische Erstligamannschaft, die diesen Namen in Deutschland nicht verdient hätte, um dort „etwas aufzubauen.“ Warum er nocht nicht in der Bundesliga gearbeitet habe, müsse man „die Vereine fragen“…

Matthäus ist ein Trainer, den jeder haben kann, aber keiner will (von drittklassigen außereuropäischen Vereinen mal abgesehen). Und damit ähnelt er sehr dem Verein Hertha BSC. Vom Namen her ist der Berliner Klub eine große Adresse. Das Umfeld in der Hauptstadt ist prächtig, alles wächst dort oder wuchs – so wie Hertha – mit dem Unterschied, dass Hertha sportlich irgendwann im Mittelmaß stehen blieb. Infrastrukturell ist der Berliner Sportclub eine große Nummer. Das Vereinsgelände neben dem Olympiastadion braucht sich vor niemandem zu verstecken. Die Jugendakademie bringt regelmäßig vielversprechende Talente hervor und auch finanziell hat der Verein in den letzten Jahren einiges wieder gut gemacht, was er nach dem Einzug in die Champions League 1999 und damit einhergehenden überstürzten Investitionen in die Mannschaft zerstört hatte.

Hertha müsste auf dem internationalen Markt für Investoren eine ganz heiße Nummer sein. Meint zumindest Werner Gegenbauer, der Hertha-Präsident. Und auch Manager Dieter Hoeneß sieht im Berliner Verein eine lohnende Investition, da der Marktwert nicht bei 150 Millionen stehen bleiben werde. „In zwei Jahren ist Hertha nicht mehr für diesen Preis zu haben. Zehn bis 15 Prozent Wertsteigerung sind drin“ lässt er in der Berliner Morgenpost verlauten und preist seine Hertha nicht minder offensiv an, wie es Gegenbauer vor einigen Tagen bereits getan hatte: „Ein Investor wäre gut beraten jetzt einzusteigen.“ Nun, ich hatte das schon einmal in einem anderen Artikel vor kurzem erwähnt, hat Hertha bereits des Öfteren versucht, einen zahlungskräftigen „strategischen Partner“ an Land zu ziehen. Leider war bisher entweder die Angelschnur zu kurz oder der Partner zu kräftig, sodass sie immer wieder kurz vor der Unterschrift riss. Wenn man Hoeneß im Interview hört, könnte man allerdings fast den Eindruck bekommen, als hätte er sich endlich mal beraten lassen im Investor-Angelgeschäft.

„Wir haben mit dem Sportministerium eines Landes verhandelt, das Interesse an einer Vormachtstellung in bestimmten Bereichen hat. So etwas ist eine Möglichkeit. Ein anderes Beispiel: Jemand, der in Berlin in Immobilien investiert und Hertha als Plattform für seine Geschäfte braucht.“

Dass Hertha mit dem Sportministerium eines Landes verhandelt hat, klingt so, als hätte dieses dann wieder davon Abstand genommen. Aber es hört sich ja schomal gut an. Und der Immobilien-Hai, der Hertha als Plattform für seine Geschäfte braucht, muss wohl leider erst noch geboren werden – aber immerhin hat Hertha tolle Ideen, wie der Investor denn mal aussehen könnte.

Leider erinnert das alles sehr an Lothar Matthäus, dessen idealer Verein auch erst noch erschaffen werden muss. Er sollte international anerkannt sein, in Europa spielen, einen Etat von mindestens 50 Millionen Euro haben und Matthäus haben wollen. Bis auf den letzten Punkt ist das der FC Bayern. Und es wird wohl auch bei Hertha immer einen letzten Punkt geben, der den Investor davon abhält, doch bitte bitte endlich einzusteigen.

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Zahl des Tages

12. August 2008

50.000.000

Gleich zweimal taucht diese achtstellige Eurosumme im Zusammenhang mit der Fußball-Bundesliga auf. Und zweimal handelt es sich wohl um eine Wunschvorstellung, die am Ende mehr oder weniger klar unterboten werden oder gar nicht gezahlt wird.

Die erste Meldung ging bereits gestern vor allem durch die Berliner Medien. Die Verantwortlichen von Hertha BSC wollen ein Drittel des Vereins „an einen strategischen Partner“ veräußern. Die BILD hat blitzschnell reagiert und ein Zitat von Manager Dieter Hoeneß aus dem Februar ausgekramt, der den Wert des Vereins mal auf der Grundlage von Analysten-Schätzungen auf 150 Millionen Euro beziffert hat. Demzufolge müsste der Großinvestor für 30 bis 35 Prozent des Vereins nun 50 Millionen Euro hinblättern, was Präsident Gegenbauer auch gerne gegenüber dem Boulevard-Blatt bestätigte. Was in Restdeutschland nur zu einem leichten Kopfschütteln geführt haben wird, lässt den Hertha-Fans in Berlin wahrscheinlich die Augen leuchten. 50 Millionen, das klingt nach Toni, Ribery und nach aktuellem Marktwert sogar nach Ronaldinho. Gegenbauer tut auch nichts gegen diese Euphorie-Rakete und legt einen Tag später in der BILD noch einmal nach:

„Uns geht‘s darum, die Mannschaft zu stärken. Alles andere wäre Kokolores.“

Also träumt ganz Berlin nun bereits von großen Zeiten, wie damals 1998/99, als es weder dem AC Mailand, noch dem FC Chelsea (damals noch ohne Abramovic) und auch nicht dem FC Barcelona gelungen war, die Festung Olympiastadion einzureißen (was Bagger dann weniger Jahre später für sie erledigten…). Allerdings sollte dabei immer beachtet werden, dass der Gang an die Presse nichts anderes als einen HIlferuf darstellt, der hoffentlich irgendwo in der Welt bei einem reich gewordenen Fußballfan oder einem am Fußball völlig uninteressierten Milliardär (völlig egal…) ankommt und die mit 30 Millionen Euro in der Kreise stehende Hertha erhört. Die 50 Millionen sind noch nicht da!

Das Ganze erinnert mich irgendwie an das Jahr 2005, als Hertha mit einer sogenannten Schechter-Anleihe „seine Finanzen neu ordnen“ wollte. 35 Millionen frisches Kapital sollten in den Verein fließen, der Vertragsabschluss war so gut wie perfekt und in Berlin, ja in Berlin begann man wieder von Stars zu träumen. Und mitten in diese Träume hinein verschwand die Anleihe und mit ihr das Kapital in irgendeiner Schublade (nicht der von Hertha wohlgemerkt). Ich persönlich glaube, dass nicht nur die 50 Millionen utopisch sind, sondern auch, dass ein Investor bei Hertha einsteigt. Aber in einer Stadt wie Berlin, in einem Umfeld, wie dem bei Hertha, muss man alle paar Jahre solche Meldungen streuen, damit überhaupt noch jemand ins Stadion geht. So dumm es klingen mag, es wird funktionieren. Stars werden deshalb in naher Zukunft trotzdem nicht nach Berlin kommen, weder im Trikot anderer großer Vereine (in der Champions League), noch im Hertha-Trikot.

Die zweite Meldung betrifft die Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) dreht mal wieder an der Populismus-Schraube und fordert von den Bundesligavereinen eben die 50 Millionen Euro, weil das der Betrag ist, den die zahlreichen Einsätze bei Bundesligaspielen und zum Schutz von (Achtung!) „Jungmillionären in kurzen Hosen“ gekostet hätten und auch in Zukunft pro Saison kosten würden. Nicht nur DFB und DFL, sondern sogar die mitgliederstärkste Polizistenvertretung, die Gewerkschaft der Polizei (GdP), kritisierten die Forderung und wiesen sie zum Teil vehement zurück. Ganz davon ab, dass Bundesligaspiele den gleichen (verfassungsrechtlich verankerten) Schutz verdienen, wie Rockkonzerte, Parteitage oder Volksfeste, stellt sich die Frage, ob es wirklich der Schutz der Bundesligaspieler ist, der derartig hohe Kosten und Probleme (laut DPolG 4394 Strafverfahren und 71 verletzte Polizisten) verursacht oder ob es nicht doch eher die Krawalle von Bürgern dieses Landes sind, die dazu führen. Die zweite Frage ist, ob es nicht viel häufiger Amateur-LigaSpiele sind, die Krawalle hervorrufen, bei denen hohe Kosten und Verletzte übrigbleiben. Innerhalb der Stadien sind es nämich längst Ordner der Vereine, die dort für Ordnung sorgen.

So hat es die DPolG im Sommerloch immerhin mal in die Schlagzeilen geschafft. Denn bisher muss ich ganz ehrlich zugeben, war sie mir so unbekannt, wie ein möglicher Investor für Hertha BSC.