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What happens on Malle, stays on Malle

19. Mai 2008

Hach ja, Mallorca. Sonne, Strand und Meer. Party, Palmen, Weiber und ein Bier. Hier fließt der Alkohol in Strömen, werden Keuschheitsgelübde mit Karacho über Bord geworfen und es soll auch schon Fußballteams gegeben haben, die am Ballermann die Saison haben ausklingen lassen. Längst wurde der eigentlich für das Spielparadies schlechthin erdachte Spruch „What happens in Las Vegas, stays in Las Vegas“ auch auf die deutsch-spanische Ferieninsel übertragen. Was auf Malle passiert, bleibt auf Malle.

Dass Fußball-Mannschaften, ach was schreib ich, Nationalmannschaften auf die Insel fliegen, um sich auf ein großes Turnier vorzubereiten, war – mir zumindest bis vor kurzem – neu. Joachim Löw spricht dennoch von „optimalen Voraussetzungen“, die sein Team in Spanien erwarten. Der Coach und auch Manager Oliver Bierhoff haben anscheinend keine Angst, dass volltrunkene deutsche Urlauber nachts vor dem Hotel grölend durch die Straßen rennen und „Lu-lu-lu Lukas Podolski“ anstimmen. Und auch keine, dass der Prinz sich möglicherweise dazu animiert fühlt, sich zum neuen König von Mallorca krönen zu lassen.

Was diese Angst zumindest ansatzweise schüren müsste, ist die Tatsache, dass – anders als beim Trainingslager auf Sardinien vor der WM 2006 – nur etwa die Hälfte der Profis ihre Familien mit nach Mallorca genommen hat. Klingt einerseits bedenklich, aber andererseits irgendwie logisch oder? Nach Sardinien, wo hauptsächlich Rentner oder reiche Schnösel Urlaub machen, nimmt man seine Frau selbstverständlich mit. Nach Mallorca hingegen, wo die Sünde quasi wie ein Damoklesschwert über dem Ballermann hängt, lässt man sie natürlich zu Hause. Ich kann mir gut vorstellen, wie der kinderlose Schweini, den mittlerweile nicht mehr ganz so frisch gebackenen Papa Poldi, überredet hat, seine Familie zu Hause zu lassen, damit die beiden den Bierkönig unsicher machen können.

Natürlich betonte Jogi Löw, dass seinem Team „harte Tage“ bevorstehen. Klar, dass er damit das zu Beginn nächster Woche zweimal täglich stattfindende Training meinte. Aber man kann sich einfach auch sehr gut vorstellen, wie Schweini, Poldi und auch der erst 19jährige Marko Marin (der extra den Ibiza(!!!)-Urlaub mit seiner Freundin absagte) mit roten Augen und einem ordentlichen Kater zusammen mit Co-Trainer Hansi Flick ein paar Ausnüchterungsrunden um den Platz drehen. Natürlich wird die anwesende Presse darüber nie etwas erfahren und wenn doch, nichts davon schreiben. Denn – das wissen wir nun – was auf Malle passiert, bleibt auch auf Malle.

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Marko wer?

17. Mai 2008

Warum ist mir Marko Marin bisher nicht aufgefallen? Ich habe dafür eine plausible, für mich aber ziemlich armselige Erklärung. Ich dachte, Marko Marin wäre Markus Marin. Der hat nämlich noch nie Bäume ausgerissen in seiner Karriere. Gut, Vizemeister 1994 mit dem 1. FC Kaiserslautern. Und ja, das Siegtor für St. Pauli im Abstiegskampf 2000. Aber sonst? Graue Maus beim MSV Duisburg, später dann Regionalliga in Düsseldorf und Kiel.

Als ich am Tag der Nominierung des EM-Aufgebots in der Süddeutschen Zeitung das erste Mal den Namen Marin im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft las, machte es plötzlich Klick. Natürlich kannte ich Marko Marin, hatte ihn ein paar Mal bei Zweiliga-Zusammenfassungen der Borussia aus Gladbach im DSF gesehen. Aufgefallen war er mir da aber nicht. Lediglich Frank Buschmann versicherte mehrfach, dass dieser Junge reichlich Potential habe und einen großen Anteil am Aufstieg der Gladbacher habe. Trotzdem konnte ich mir nicht so recht vorstellen, dass Teamchef Jogi Löw neben Patrick Helmes und/oder Oliver Neuville noch einen weiteren Zweiligaspieler mit zur EM nimmt.

Als dann bei der Liveübertragung kurz nach David Odonkor – was ja an sich auch schon überraschend war- dann aber tatsächlich der Name Marin fiel, hatte es das Trainerteam der Nationalmannschaft mal wieder geschafft. Mit Marin hatte kaum einer und wohl am wenigsten der Spieler selbst gerechnet. Brav betont er im Nachhinein, dass aber ja noch drei Spieler wegblieben nach dem Trainingslager auf Mallorca. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass Marin nicht dazugehören wird.

Denn es gibt einige, die sich auf der Partyinsel sehr viel mehr ins Zeug legen müssen, um nicht aussortiert zu werden. Das prominenteste Opfer könnte in meinen Augen Tim Borowski werden. Der Bald-Münchener hat nach seiner Verletzung zwar einige starke Spiele gezeigt, doch ihm fehlt, was Marin zum Beispiel hat: Eine besondere Fähigkeit, die der Mannschaft weiterhilft. Borowski ist natürlich ein großartiger Fußballer. Trotzdem hebt er sich zu wenig von seinen Konkurrenten Hitzlsperger (Schuss- und Zweikampfstark), Rolfes (jung und zweikampfstark) und Jones (bissig wie einst Berti Vogts) ab. Die Nominierung von Jermaine Jones hat mich eigentlich mit am wenigsten überrascht, auch wenn der Schalker bisher nur ein paar Minuten Länderspielluft schnuppern durfte. Jones bringt die nötige Aggressivität mit und hat in dieser Saison in der Champions League gezeigt, dass er auch international mithalten kann. Borowski und Rolfes werden darum kämpfen müssen, Ersatzmann für Thorsten Frings zu sein.

Deutlicher dürfte es beim Duell zwischen den beiden Zweitligastürmern Patrick Helmes vom 1. FC Köln und Oliver Neuville ausgehen. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass der kleine Gladbacher seinen größten Fürsprecher in Kapitän Michael Ballack hat. Für Helmes kommt die EM zu früh, zumal er Mario Gomez und auch Kevin Kuranyi vom Spielertyp her zu ähnlich ist.

Das dritte „Opfer“ darf meiner Meinung nach gerne Piotr Trochowski sein, gegen den sich Marin hoffentlich durchsetzt und der deshalb gegen David Odonkor verliert, weil der, trotz wenig Spielpraxis, eben immer für Gefahr sorgt, wenn er ins Spiel geworfen wird. Trochowski dagegen sucht, wie Marin, häufiger Eins-gegen-Eins-Situationen. Sein Problem ist nur, dass er die viel zu oft verliert. Und weil sein Kurzpassspiel in dieser Saison beim HSV ebenfalls zu wünschen übrig ließ, kann Löw für die EM auf den 24-Jährigen verzichten.

Ein bisschen Mitleid darf man schon jetzt mit Timo Hildebrand haben, der zusammen mit dem Dortmunder Sebastian Kehl und dem Leverkusener Stefan Kießling Frusturlaub auf den Malediven buchen kann. Aber wenn man ehrlich ist, war es absehbar, dass er in der DFB-Elf keine Zukunft hat. Ein guter Torhüter ist er zweifellos, aber für das deutsche Tor reicht das eben nicht. Der Schritt nach Valencia war für ihn im Nachhinein ein Desaster, auch wenn er sich dadurch menschlich sicherlich weiterentwickelt hat. Wenn man Jens Lehmann heißt, darf man im Verein die Nummer Zwei sein, Timo Hildebrand hat diese Degradierung zu Beginn der Saison in Spanien enorm geschadet. Er hat bei den deutschen Fans an Ansehen verloren, auch wenn er letztendlich den Kampf gegen Canizares gewonnen hat. Er ist erst aus dem Fokus der Berichterstattung und jetzt aus dem EM-Kader gefallen.

Für ihn fährt Robert Enke nach Österreich. Nicht Rene Adler. Der stand nämlich nicht zur Disposition. Begründung laut Torwarttrainer Andreas Köpke „Rene Adler musste nach dieser starken Saison einfach mit.“ Klar sollte trotzdem sein, dass Enke aufgrund seiner Erfahrung die Nummer Zwei ist. Adler soll Turnierluft schnuppern, um dann in ein, zwei Jahren Robert Enke (?) abzulösen. Vielleicht ist die WM 2010 sogar schon seine.

Und Marko Marin? Der 19-Jährige wird nun mit den Vorschusslorbeeren zu kämpfen haben, die die Medien nach und nach über ihn herauskramen werden. Er hat alle Nachwuchsteams des DFB durchlaufen, war 2004 sogar Teil einer Uefa-Auswahl die zwei Vergleiche gegen ein afrikanisches Team gewann. Wollen wir mal hoffen, dass er damit klar kommt. Gladbacher Jungstars sind ja nicht immer die stabilsten…

 

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T-Frage

6. März 2008

Bevor es morgen zum Spiel zweier eher mit begrenztem Talent ausgestatteter Torhüter geht, kurz ein Update in der für die Nationalmannschaft eminent wichtigen T-Frage: Wer fährt als dritter Torwart zur EM?

Manuel Neuer: Sensationelle (und in diesem Fall ist dieses Adjektiv mehr als angebracht) Paraden bringen Schalke in Porto eine Runde weiter. Neuer legt die Latte, an der er in Zukunft gemessen werden wird, verdammt hoch. Verdient hätte er die EM-Nominierung allemal.

René Adler: Solide Partie in der bundesligainternen Uefa-Cup-Partie gegen den HSV (hatte irgendwie was Surreales), musste nicht groß eingreifen, machte einen sicheren Eindruck. Adler momentan knapp hinter dem Schalker.

Frank Rost: Ein Patzer bei einer Flanke, den Chancentod Gekas (natürlich) nicht zum 1:0 nutzte. Wenige später traf der Grieche dann doch, was Rost eigentlich nochmehr ärgern muss, als die Tatsache, dass er bei diesem Treffer einen ziemlich lustlosen Eindruck machte. Nur noch Platz 3 hinter den jungen Wilden.

Robert Enke: Hat nicht gespielt, aber nur nett sein reicht eben nicht. Außer Berti Vogts wäre Nationaltrainer. Ist er aber nicht. Pech für Enke.

Tim Wiese: Steht eigentlich ja gar nicht auf Jogis Liste, wäre nach dem heutigen Spiel in Glasgow, wenn man den Worten von dogfood glaubt (übertragen wurde es ja nicht), aber ohnehin mit einem dicken fetten roten Strich versehen worden. Und zwar nicht unter, sondern auf seinem Namen. Schade, vor allem für Werder.

Jens Lehmann: Kraulte sich auf der Arsenal-Bank die Eier den regelmäßig gestutzten Bart. Vielleicht sollte er sich so einen wie Almunia zulegen. Oder sich seine Schusstechnik abgucken… (Merke: Knapp vorbei, is eben auch daneben!).