Posts Tagged ‘Bayern’

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Weil Gott es so wollte

11. April 2008

Ein Interview mit „einem“ Oliver Kahn direkt nach Spiel ist immer etwas Besonderes. Man kann sich den mittlerweile 38 Jahre alten Torhüter bildhaft vorstellen, wie er hinter der Kamera einen Punkt sucht, zu dem er im Laufe des „After-Match-Gesprächs“ immer wieder zurückblicken wird, nur damit er dem im Vergleich zu Kahn minderwertigen Reporter nicht in die Augen blicken muss. Dann beginnt er zu reden, drischt Phrasen, sagt viel und doch wenig und irgendwann kommt dann halt doch mal ein Satz, der Kahn prägt: „Man muss immer weitermachen, und darf niemals aufgeben.“ Als er diesen Spruch sagte, der Kahns Mentalität besser beschreibt, als jedes doppelseitige Porträt, hatten die Bayern gerade in der vierten Minute der Nachspielzeit die (von Kahn natürlich nie) verloren geglaubte Meisterschaft gewonnen. Sieben Jahre ist das nun schon her.

Die Jahre haben dem Titan zugesetzt. Er ist gelassener geworden. Die Tage vom beißenden Affen, der seinen Käfig mit allen Mitteln vor Eindringlingen beschützt, sind vorbei. In den letzten Wochen wurden die Stimmen lauter, die das Saisonende herbeisehnten, damit Kahn endlich in Rente gehen könne. Einen wirklich unhaltbaren Ball in „Kahn-Manier“, hat der 38-Jährige auch schon länger nicht mehr gehalten. So etwas zermürbt und hat wohl auch dazu beigetragen, dass der gleiche Oliver Kahn der vor sieben Jahren die „Niemals-Aufgeben“-Mentalität ins Leben gerufen hat und damit vielen Vorbildern den Glauben an die Erlösung – auch wenn ein Spiel eigentlich schon verloren scheint – zurückgegeben hat, vor dem Viertelfinal-Rückspiel im Uefa Cup beim FC Getafe im Hinblick auf das drohende Ende seiner Europapokal-Karriere folgenden Satz gesagt hat: „Wenn es vorbei ist, dann ist es eben vorbei.“

Am Abend dann, es war in Fußball-Deutschland kurz vor 23 Uhr, war es vorbei. Und das obwohl der FC Bayern sich gerade mit einem „Last-Minute“-Tor in die Verlängerung gerettet hatte. Dabei sah es nur fünf Minuten nach Spielbeginn nicht danach aus, als würde der Deutsche Rekordmeister diese benötigen. Nach der höchst zweifelhaften Roten Karte für Getafes de la Red hatte die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld 85 Minuten Zeit, den dezimierten Gegner aus dem Wettbewerb zu werfen. Ein Tor hätte dafür gereicht, wenn Kahn auf der anderen Seite keines kassiert hätte. Doch genau das geschah kurz vor der Halbzeitpause, als Contra die Verteidiger Lahm und Demicheles wie Fahnenstangen stehen ließ und den Ball über den Bayern-Keeper hinweg – unhaltbar – ins obere rechte Toreck schoss. Aber selbst dieses Tor verwehte den Glauben an die Bayern in den deutschen Wohnzimmern nicht. Warum auch? Es war immer noch eine komplette Spielhälfte Zeit, selbst für zwei Tore, mit der sie sich die Verlängerung erspart hätten.

Doch mit zunehmender Spieldauer sank dieser Glauben an die Stärke des – das war nach dem Ausscheiden von Schalke am Tag und dem von Leverkusen wenige Stunden zuvor bereits klar – letzten deutschen Vertreter im Europapokal. Der FC Bayern fand keine Mittel gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Madrider Vorstadt-Kämpfer, die bereits zehn Minuten vor Spielende mit den ersten Krämpfen behandelt werden mussten. Wirklich mitfiebern konnte man zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr, denn es gab keinen Anlass zu glauben, dass der Ball den Weg wenigstens einmal ins Getafer Tor finden würde. Die Bayern hatten schlichtweg keine Chancen. Immer wieder wurde der Ball hoch auf Luca Toni gespielt- ein aufgrund von Tonis Kopfballstärke durchaus probates Mittel – doch von dort fand er nie einen zweiten Bayern. Das änderte sich auch nicht, doch weil der Ball eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit von Toni zu einem Getafer Abwehrspieler flog und dieser nichts anderes damit anzufangen wusste, als ihn vor die Füße von Bayerns Ribéry zu köpfen, gab es dann doch noch Verlängerung.

Was dann passierte, war im wahrsten Sinne des Wortes unfassbar. Die Getafer, nicht nur physisch, sondern durch den späten Ausgleich auch psychisch angeschlagen, schlugen mit einer derartigen Wucht zurück, dass die Münchener, bevor sie überhaupt wussten, wie ihnen geschah, durch Tore von Casquero und Braulio mit 1:3 ins Hintertreffen gerieten. Es war vorbei, die Bayern waren so gut wie raus und es wäre wohl dabei geblieben, wenn Kahns Gegenüber, der Argentinier Abbondanzieri, nicht fünf Minuten vor Ende der Verlängerung einen Blackout gehabt hätte, der Toni das 3:2 ermöglichte. Es war ein Geschenk, dass einen alten, längst verloren geglaubten Instinkt der Bayern wieder aufweckte. Spätestens als Oliver Kahn in der vermeintlich letzten Minute seiner Europapokal-Karriere in die gegnerische Hälfte stürmte, um die Fortsetzung zu erzwingen, war auch dem letzten Bayern klar, dass an diesem Abend noch etwas möglich war.

Der Rest geschah in Zeitlupe. Kahn gewinnt ein Kopfballduell nicht, verliert es aber auch nicht. Der Ball landet bei Sosa. Die Flanke kommt in den Strafraum. Toni köpft. Der Ball landet im Tor. Bayern ist weiter.

Oliver Kahn ist nach dem Spiel nicht der phrasenschmetternde Fußballspieler, der noch 2001 vor die Kameras trat. Er ist auskunftfreudig, freundlich und sagt Dinge wie: „Wir sind heute weitergekommen, weil Gott es so wollte.“ Er, der gottgleiche Kahn, spricht von gottgewolltem Erfolg, obwohl er selbst doch am besten wissen müsste, dass dieser Sieg damit nichts zu tun hat. Es war das einfach nötige Quäntchen Glück und vor allem der unbedingte Überlebenswillen eines Oliver Kahns, der die Bayern ins Halbfinale brachte. In dem Moment, in dem der Kopfball von Toni die Torlinie überschritt, wurde nicht nur Kahns unbedingter Siegeswille wieder-, sondern auch eine neue Mannschaft geboren, die in dieser Saison kaum noch zu schlagen sein wird. Denn sie weiß nun, dass da hinten zwischen den Pfosten jemand steht, der, selbst wenn es aussichtslos erscheint, die Aura der Unbesiegbarkeit nie wirklich abgelegt hat. Sie hat geschlafen und ist durch dieses Schlüsselereignis wieder erwacht. Schade, dass Oliver Kahn nach dieser Saison aufhören wird. Denn mit Kahn geht eine Magie, die ständig über dem Stadion hängt, wenn er darin spielt:

Niemals aufgeben, immer weitermachen…

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Klinsmann 2.0

12. Januar 2008

Nicht Hiddink, nicht Lippi und auch nicht Mourinho. Der Nachfolger von Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld ist ein alter bekannter Unbekannter. Bekannt in der ganzen Welt als Autor des Sommermärchens der deutschen Nationalmannschaft. Unbekannt in der Welt des Vereinsfußballs. Jürgen Klinsmann ist eine gefährliche Lösung des Trainerproblems beim deutschen Rekordmeister. Er kostet dem Vernehmen nach nicht nur unglaublich viel Geld – im Gespräch sind 8 (in Worten: acht) Millionen Euro pro Jahr – und bringt viele zusätzliche Leute mit, die ebenfalls nicht kostenlos arbeiten werden. Er wird beim Rekordmeister auch viele althergebrachte Traditionen brechen. Und das mag man in Bayern – traditionell – gar nicht.

Wenn man die Führungspersonen aus München hört, könnte man denken, dass sie genau das gesucht haben. Jemanden, der den Laden mal so richtig aufräumt und damit genausoviel Erfolg hat, wie bei der Nationalmannschaft. Leider haben sie in München nicht genau hingeschaut, denn Klinsmann wurde mit der Nationalmannschaft bei der WM „nur“ Dritter. Das kann er sich in München ab sofort nicht mehr leisten. Genauso wenig diesen Umgangston, mit dem er seine Mannschaft zu motivieren gedachte. Man stelle sich vor: Champions League Viertelfinale. Bayern gegen den AC Mailand. Nach einem 0:0 im Hinspiel bereitet Klinsi seine Bayern auf das Rückspiel mit einer Ansprache vor, die nicht allen gefällt…“Wir haben ein Ziel und das lassen wir uns nicht nehmen…schon gar nicht von diesen Scheiß-Italienern.“ Daraufhin kündigt Luca Toni genauso seinen Vertrag, wie es Franck Ribery und Willy Sagnol nach dem Weiterkommen im Achtelfinale gegen Olympique Marseille getan haben. Im Finale unterliegen die Bayern dann dem FC Porto, die mit dem neuen alten Coach Jose Mourinho erfolgreich sind.

Das sind natürlich alles Spielereien und Klinsmann wird seine Form der Ansprache finden, die keine Nationen herunterbuttert. Die Frage wird trotzdem sein, wie es Klinsmann schafft, diese mit starken Persönlichkeiten gespickte Mannschaft zu einer Gemeinschaft zu machen und sie dazu zu bringen, seine Methoden mitzumachen und auch zu tragen, wenn es mal nicht läuft. Wenn ein Edeltechniker wie eben Ribery zum 100sten Mal ans Deuser-Band muss um seinen Antritt noch schneller und dynamischer zu machen, wie es der amerikanische Spezialist ihm befiehlt. Klinsmann muss sich entwickeln. Von Version 1.0, die für die Nationalmannschaft genau das richtige war, zur Version 2.0: Der Bundesliga-Version.

Die deutschen Nationalspieler in Diensten der Bayern werden die Neuverpflichtung indes mit einem siegesgewissen Lächeln aufgenommen haben. Poldi, Schweini und Lahm werden nun nicht nur in der Nationalmannschaft überragende Leistungen bringen, sondern auch im Verein. Wenn das System Klinsmann auch auf Vereinsniveau funktioniert, wäre das übrigens der Tod für die Herren Neururer, Funkel und Co., die „diese Methoden“ im Vorfeld der WM kritisierten und sich vor allem bockig wegdrehten, als es hieß, sie würden altmodisch trainieren.

Jürgen Klinsmann wird die Bundesliga auf alle Fälle bereichern. Ich persönlich hätte trotzdem lieber Mourinho gesehen…

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Uli räumt auf

14. November 2007

Leider hab ich dieses tolle Plugin zum Einbau von YouTube-Videos noch nicht installiert, deshalb müsst ihr für Uli Hoeneß`Wutrede auf den Link klicken…

Großer Sport…

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Bayern enttäuschen

27. September 2007

Man könnte natürlich darüber reden, dass Miroslav Klose nach sieben Spieltagen acht Tore geschossen hat. Obwohl man beim Nationalspieler auch noch hinzufügen muss, dass er nur sechs Spiele gemacht hat, weil er am dritten Spieltag gegen Hannover verletzt fehlte. Man könnte auch darüber reden, dass sein Sturmkollege Luca Toni bei der gleichen Anzahl von Spielen (er setzte am vierten Spieltag gegen den HSV aus) „nur“ fünf Treffer erzielt hat. Man könnte darüber diskutieren, welchen Anteil am Erfolg der Bayern der französische Neuzugang Franck Ribery hat, der die Liga mit Kabinettstückchen verzückt. Wie gesagt, man könnte.

Man könnte durchaus auch darüber sprechen, ob es nicht eigentlich der brasilianische Neuzugang Zé Roberto ist, der das Bayernspiel lenkt und so effektiv ist, wie noch nie in seiner gesamten Karriere. So stark war der Linksfuß weder bei Bayer Leverkusen, noch während seines ersten Engagements in München. Vielleicht könnte man auch fragen, ob Oliver Kahn diese letzte Saison überhaupt noch im Tor stehen muss und ob er nicht stattdessen lieber schon jetzt und zwar dauerhaft nach Asien gehen sollte, um junge Torhüter-Talente zu finden und auszubilden. Denn dann hätte Kahns Nachfolger Michael Rensing seine Feuerprobe nicht gleich in der Champions League, sondern erst einmal im Uefa Cup, wo ein Fehler nicht gleich ein Ausscheiden und wenn doch, wenigstens keine -zig Millionen Euro kosten würde.

Man könnte auch die Frage stellen, ob es an Ottmar Hitzfeld liegt, dass die Bayern in dieser Saison in einer nie dagewesenen Dominanz und mit einer für die Bayern fast schon untypisch unarroganten Leichtigkeit auftreten. Wäre es unter Magath genauso gekommen? All diese Fragen und noch viel mehr, die die Leistungsstärke der Bayern betreffen, könnte man stellen. Man könnte, wie gesagt.

Doch ich tue das nicht. Ich frage bloß, warum die Bayern gegen Cottbus nicht einfach ein Tor mehr geschossen haben. Denn bei einem Einsatz von drei Euro und der Wette auf ein 6:0 der Münchener gegen Cottbus hätte ich mal eben ein Semester Studiengebühren gespart. Hätte, wie gesagt…

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Sehnsucht nach den Bayern

19. September 2007

Wer hätte gedacht, dass ich den FC Bayern mal vermissen würde? Gestern war es soweit. Champions-League-Auftakt und keine Bayern dabei, die mit einem müden 1:0-Auswärtssieg den Gegner in die Schranken weisen und damit wichtige Punkte für die Fünfjahreswertung der Uefa sammeln. Stattdessen stark aufspielende Bremer, die aber gegen die Übermacht Real Madrid und den unbestritten wohl geilsten Stürmer der Welt (ich sage nur: Ruuuuuuuuuuuud!) einfach keine Chance hatten. Und Schalker, die sich so anstellten, als hieße ihr Gegner FC Bayern.

Ich musste gestern an das Ende der vergangenen Saison zurückdenken, als ich mich dreckig freute, dass die Bayern am Ende „nur“ Vierter wurden. Wenig später dämmerte mir zwar, dass das VIELLEICHT schlecht für die schon erwähnte Fünfjahreswertung sein könnte, aber die Schadenfreude war zu diesem Zeitpunkt noch größer. Heute hat dann noch der VfB Stuttgart die Chance, die deutschen Kohlen des ersten Spieltages aus dem Feuer zu holen. Mit den Glasgow Rangers haben die Schwaben auch den vermeintlich schwächsten Gegner erwischt, wenn man die Schotten mit dem spanischen Drittplatzierten Valencia und den Königlichen von Real Madrid vergleicht. Man darf gespannt sein, wie sich die junge Mannschaft um den – wen wundert es eigentlich noch – dauerverletzten Yildiray Bastürk schlägt. Ich traue ihr auf jeden Fall eine Überraschung zu.

Irgendwie hätte ich allerdings doch gerne gesehen, wie sich die Riberys, Tonis und Kloses in der Champions League schlagen. Donnerstag wartet nun – Achtung – Pro Sieben (ja, richtig gelesen) darauf, die Uefa-Cup-Partie gegen Belenenses Lissabon zu übertragen. DAS wird bestimmt spannend, die Bayern spielen zu Hause und müssen vorlegen und das werden sie auch tun. Ich tippe 4:0 und freue mich schon auf die nächste Saison. Wenn sie als Uefa-Cup-Sieger wieder in der Champions League antreten.