Archive for the ‘Mal was anderes’ Category

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Ich bin ein Vampir

25. September 2008

Ich sollte eigentlich schlafen, denn ich muss morgen arbeiten. Aber das Adrenalin lässt das momentan nicht zu. Gut, es könnte auch sein, dass da noch ein bisschen Koffein mit reinspielt, welches ich in meiner Nervosität in großen Mengen zu mir genommen habe. Aber auf jeden Fall was mit -in.

Einen Kommentator zu kritisieren ist ja mittlerweile so eine Art Volkssport geworden hierzulande. Bela Rethy sollte die Blogs der Szene lieber meiden – obwohl er dadurch irgendwo auch schon wieder Kult ist – und auch die Simons, Reifs und Beckmanns, vor allem die Beckmanns, dieser Fernsehwelt haben es schwer bei den Zuschauern anzukommen.

Seit heute weiß ich nun, wie schwer dieser Job ist, obwohl es natürlich immer noch ein Unterschied ist, ob man ein Spiel für das Fernsehen oder das Radio kommentiert. Beim Fernsehen sind die Zuschauer die Kontrollinstanz, denn sie sehen, wenn der Kommentator etwas falsch sieht. Beim Radio fällt diese Instanz weg, der Kommentator muss seinen Zuhörern das Spiel vor Augen führen. Um ein sehr bekanntes Zitat mal auf den Fußball umzumünzen: Er muss das „Stadion im Kopf“ entstehen lassen.

Ob mir das heute gelungen ist, weiß ich natürlich nicht. Ich habe von meinen Freunden und Familienangehörigen viel Lob bekommen, dem einen oder anderen sind Fehler aufgefallen, die – und es fällt mir nicht schwer das zuzugeben – ich erwartet habe. Ich hatte das vorher noch nie gemacht, war am Anfang sehr unsicher und wusste nicht, was auf mich zukommen würde. Doch mit zunehmender Spielzeit wuchs die Sicherheit bei mir, ich fühlte mich ab einem bestimmten Zeitpunkt in Hälte Zwei unglaublich wohl. Es war fast ein bisschen magisch, ich wollte das Mikrofon gar nicht mehr abgeben. Falls dir das auch aufgefallen ist, Marco, entschuldige bitte 😉

Jedenfalls fühlte ich mich wohl, ich war in meinem Element. Ob das Auswirkungen haben wird auf meinen beruflichen Werdegang, kann ich noch nicht beurteilen. Was feststeht ist, ich habe Blut geleckt. Und was den Fußball angeht, bin ich ein Vampir. Ich will mehr. Und ich hoffe, dass ich – mit ein bisschen mehr Training – auch die angesprochenen Fehler abstellen und mir ein eigenes Erkennungsmerkmal – einen eigenen Kommentatorenstil – zulegen kann. Natürlich ist es bis dahin ein weiter Weg. Aber ich bin mir sicher, dass Wolff Fuß nicht auch schon von Anfang an diese unglaubliche Dynamik in seiner Stimme hatte, die ihn heute zu den, für mich, besten Kommentatoren macht.

Achso, das Spiel hat Hertha übrigens 1:2 nach Verlängerung verloren. Aber das war für mich wirklich nur Nebensache.

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Kann man Blitze dopen? (2)

20. August 2008

Nochmal Olympia, nochmal Leichtathletik, nochmal Usain Bolt. Gerade (?) ist der Jamaikaner und 100m-Weltrekordhalter ins 200m-Finale spaziert. Es sah weniger nach Anstrengung, als nach einem lockeren Morgenlauf im Park aus. Bolt wunderte sich fast ein wenig, dass beim Einbiegen auf die Gerade noch jemand neben ihm war. Er sah hinüber, schien zu lächeln als wollte er sagen: „Junge, denkst du wirklich, du kannst mich schlagen?“ und gewann den Halbfinallauf schließlich ohne jede Mühe. Wenn er nicht vergisst, seinen Cocktail einzunehmen plötzlich vom Blitz getroffen umfällt, dann gewinnt er nachher = Mittwoch 16.20 Uhr sein zweites Gold.

Ich frage nochmal: Kann man Blitze dopen?

Update: Hätte ich mal 1000 Euro auf Weltrekord gesetzt. Wären immerhin 350 Euro gewesen…

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Kann man Blitze dopen?

16. August 2008

Ja, ich weiß. Bundesliga läuft wieder. Und es gibt darüber ziemlich viel zu diskutieren. Aber wenn ich ehrlich bin, sind die Spiele, Tore, Verletzungen und Transfers dieses Spieltages nicht das, was mich am meisten beeindruckt hat. Das war eher jemand, der auch heute gelaufen ist. Und wie.

Ich verfolge Olympia ja aus mehreren Gründen nicht immer live (wobei sich bei den fehlenden Live-Einblendungen der Öffentlich-Rechtlichen niemand sicher sein kann, ob das, was er da gerade sieht, auch wirklich genau in diesem Moment passiert. Ich informiere mich über Olympia hauptsächlich bei Jens Weinreich und dogfood. Und beide waren genauso geschockt(Eintrag um 16.31 Uhr) wie ich). Das 100m-Finale wollte ich mir aber nicht entgehen lassen. Und war (hoffentlich!?) live dabei, als ein gedopter langbeiniger (Zitat meiner Leichtathletik-Freundin: Lange Beine sind eigentlich eher ein Nachteil…) Sprinter aus Jamaika eine neue Schallmauer durchbrochen hat. Obwohl. Durchbrochen sieht anders aus. Er ist eher an ihr vorbeispaziert. Hat seiner Familie zugewunken. Und wenn ihn jemand vor dem Zieleinlauf um ein Interview gebeten hätte, er wäre gesprächbereit gewesen.

9,69 Sekunden hat Usain Bolt (engl.: Blitz) für die hundert Meter gebraucht. Neunkommasechsneun. Und es war niemand da, der ihn gezogen hätte oder so. Weltmeister Tyson Gay war ja bereits im Halbfinale ausgeschieden.

Eigentlich gibt es nur eine Möglichkeit, wie er das geschafft haben kann. Um es in Johannes B. Kerner-Manier zu sagen: Manche Leute würden sagen, diese Zeit ist nur mit Doping möglich. Denn schließlich gibt es in der Leichtathletik keinen neuen Wunderanzug…

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Boulevard-Sprache I

15. August 2008

Heute starte ich eine neue Serie, die besonders schöne oder absurde Formulierungen gängiger Boulevard-Zeitungen zeigen soll. Dass ich bei der Premiere dieser Serie auf ein Berliner Exemplar dieser „Zeitungs-Spezies“ zurückgreife, hat keine patriotischen Gründe. Ich hab die Formulierung dort schlichtweg zuerst gefunden. Und finde sie grandios und schlecht zugleich…

auf jmd. oder etw. abpferden

Neues Verb: auf jmd. oder etw. abpferden.

BZ Berlin.

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Briefwechsel Teil 2

19. Juni 2008

Meine Antwort auf Patricks Brief rechts in der Leiste oder HIER!

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Briefwechsel

15. Juni 2008

Soeben erreicht mich ein Brief eines in Berlin lebenden Freundes. Patricks Blog findet ihr in der Blogroll oder HIER. In Zukunft ist der Briefwechsel rechts in der Navigation (unter Seiten->Briefwechsel) zu finden. Zunächst einmal die Einleitung zu dem, was wir die nächsten Wochen vor haben und im Anschluss Patricks literarisch-sportlicher „Erguss“:

Schluss mit lustig!

Die EM begeistert ganz Europa. Zeit die Tabuthemen anzusprechen. Es ist Zeit für Klartext. In einem regelmäßigen Mailwechsel, werden die beiden Blogger Daniel und Patrick sich einen literarischen Schlagabtausch liefern. Dabei veröffentlicht Daniel Patricks Texte in seinem Kabinenpredigt-Blog und Patrick Daniels Antworten wiederum in seinem Lapidarium-Blog. Völlig objektiv und gänzlich unpersönlich. Das versteht sich von selbst!

Hochverehrter Kollege, lieber Freund!

Die Fußball Europameisterschaft ist bereits im vollem Gange. Die Gruppenphase neigt sich ihrem Ende zu und ich bekomme endlich die Gelegenheit mich an Ihnen zu rächen. Unverschämterweise haben Sie mir vor zwei Jahren ein Geschenk aus reiner Boshaftigkeit und Hinterlist gemacht. Erinnern Sie sich noch? Das Büchlein mit dem beschämenden Titel „Fußball – Deutsch / Deutsch Fußball“ eines sehr bekannten und großen Wörterbuchherstellers sollte wohl mit voller Wucht auf eine von Ihnen bei mir diagnostizierte Fußballunfähigkeit hinweisen. Wie konnten Sie nur! Nicht genug, dass sich das Buch über jeden Leser auf fast schon perfide Weise lustig macht und Begriffe wie „Chancentod“, „Kopfball“ oder auch „rund“ erklärt, nein, weiter versucht der ziemlich bekannte Verfasser des Buches Fußball und Comedy zusammen zu bringen. Da hört der Spaß bei mir auf. Fußball ist kein Spiel, Fußball ist ernst, so hat es neulich sogar ein bekannter Theaterwissenschaftler formuliert. Wie könnte man auch etwas anderes behaupten, wenn man in Joachim „Jogi“ Löws Gesicht blickt? Der Kroatienkrimi letzten Donnerstag hat diesem grundsympathischen Typen den letzten Funken an Humor und Freude, so scheint es zumindest, geraubt. So wie mir Ihr Geschenk das letzte Selbstvertrauen zum Thema Fußball geraubt hat. Sie haben richtig gelesen, ich vergleiche mich gerade mit dem Trainer der deutschen Nationalmannschaft, wenn auch mehr emotional als irgendwie anders. Aber wie gesagt, es ist Zeit sich an Ihnen mein Freund zu rächen.

Wissen Sie, werter Freund, wieso die Amerikaner dem Fußball, oder Soccer wie sie es bezeichnen, so ablehnend und unwissend gegenüber stehen? So, dass nicht einmal die renommierte New York Times wirklich ernsthaft von der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz berichtet (außer einem kleinen lächerlichen Soccer-Blog)?  Die Antwort gab jüngst in einem Interview der ehemalige Teamchef der Nationalmannschaft Jürgen Klinsmann. Fußball sei nämlich ein „players game“, ein Spiel also, welches fast ausschließlich von den Spielern entschieden wird. Doch die meisten Amerikaner sind Fans der sogenannten „coaches games“, wie zum Beispiel „Football“, „Baseball“ oder auch „Basketball“. Spiele, die von Trainern und Taktiken bestimmt und dominiert werden. Spiele, die sich durch schnellen Wechsel von Offensive und Defensive auszeichnen und kein Auswechsellimit aufweisen. Europa scheint da etwas anders gestrickt und sozialisiert worden zu sein.

Wie sonst ist die Dominanz des Fußballs zu erklären?  Fußball soll trotz seines stark individualistischen Ansatzes auch integrativ wirksam gemacht werden. Fußball ist daher nur zum Teil ein wirklicher Teamsport. Mittlerweile will die Kultusministerkonferenz (KMK), Fußball als Migrationsgrenzen übergreifendes Schulinstrument in den deutschen Schulunterricht effektiver einbinden. Denn Fußball, so die Theorie soll sich perfekt dazu eignen, Mathekenntnisse zu vermitteln. Sie erlauben, dass ich meine berechtigten Zweifel an dieser These äußere und mich der weiteren Popularisierung dieser Sportart verwehre. Andere haben es da viel nötiger. Doch Fußball, so die Mitglieder der KMK weiter, lässt soziale Schranken verschwinden. Der arme Junge mit Migrationshintergrund bekommt als „nur“ im Fußball die Möglichkeit von seinen anderen Lernschwächen abzulenken, zu punkten, außerdem zählen auf dem Platz keine Markenklamotten und andere Accessoires. Alle sind gleich und tun sich nur durch die individuellen Fähigkeiten zum Wohle der Gemeinschaft (also des Team) hervor. Was für ein marxistischer Ansatz! Ich frage Sie, was soll das? Sieht denn hier niemand den weißen, dicken, Brille tragenden und von allen möglichen Allergien geplagten Jungen in der Abwehr stehen? Was ist mit den weniger talentierten? Was ist mit denen, die für diesen Sport völlig ungeeignete Voraussetzungen mitbringen. Fußball erscheint hier doch nicht mehr als integrativer Bestandteil einer Gesellschaft oder eines Bildungssystems, sondern als ein vollständig autarkes Klassensystem.

Fußball ist ernst schon klar, aber ein wenig Distanz und vor allem ein bisschen De-emotionalisierung würde uns allen gut tun. Vor allem den Kollegen und Kolleginnen aus der mächtigen Welt der Sportberichterstattung. Wieso dominiert alle Fußballberichte immer ein latenter militaristischer Ton. Ich muss Ihnen doch jetzt nicht wirklich Beispiele nennen, oder? Ich mache es trotzdem. Kaum ein Artikel der nicht ohne die Begriffe, wie „Schlacht“, „Kampf“, „Kameraden“, „aufmarschieren“ etc. auskommt. Nur noch der Wetterbericht bedient sich häufiger diesem Jargon („bomben Wetter“). Es reicht! Fußball ist ernst, schon klar und trotzdem solle man doch bitte wenigstens diesem Kriegswortschatz „lebe wohl“ sagen. Hans Meyer hat mal gesagt: „Fußball ist auf dem Platz.“ Wie könnte ich dem widersprechen! Auf dem Platz, dort wird gespielt. Fußball ist im besten Sinne seiner Definition ein Spiel und der kriegerische Alltag hat hier doch nun wirklich nichts zu suchen.

Auch das steht nicht in dem Geschenk, dass Sie mir in einem kleinen Anfall von Böswilligkeit vor zwei Jahren gemacht haben. Aber ich bin nicht nachtragend.

Denken sie an ihren pazifistischen Freund, Patrick.

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Fußball ist keine Mathematik – oder doch?

11. Juni 2008

Aus Zeitmangel greife ich heute mal auf einen Korrespondenten zurück. Christian, dessen Blog ihr auch in meiner Blogroll findet, hat mit Fußball eigentlich nichts am Hut. Macht aber nichts. Wie man sieht und danach hört:

„2008 findet nicht nur die Fußball-EM statt – es ist auch das Jahr der Mathematik. Passt das zusammen? “Ja”, sagt Mathe-Professor Hans-Georg Weigand von der Uni Würzburg, “diese beiden Disziplinen haben mehr gemeinsam, als man denkt!”

In Dortmund hat er einen Vortrag zum Thema gehalten und dabei eine seiner Erkenntnisse präsentiert: Deutschland kommt zu 73 Prozent ins EM-Viertelfinale. Mit dabei war auch Ex-BVB-Profi Knut Reinhardt und so traf an diesem Abend geballtes Mathewissen auf Fußballerfahrung, Theorie auf Praxis.  

Eldoradio*-Reporter Christian Spöcker hat nachgehakt, welche Rolle Mathe tatsächlich in der Welt der Ballkünste spielt.“

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