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Frühwarnsystem gegen riberyschen Mistral

9. Februar 2009

Patrick Owomoyela sah sich auf seinem Karriereweg schon sehr oft mit starkem Gegenwind konfrontiert. Mal blies das Verletzungspech ihm das rechte Bein weg – was in Bremen einen Sehnenteilabriss des Oberschenkels und später in Dortmund einen Außenbandteilriss des Sprunggelenks zurfolge hatte. Ein anderes Mal versuchte eine rechte Partei einen WM-Planer mit seinem Konterfei zu verkaufen – wogegen sich Owomoyela erfolgreich zur Wehr setze. Doch der Wind, der am Sonntag auf ihn zukam, war selbst für einen sturmerprobten Abwehrspieler wie ihn zuviel. Es war ein Mistral namens Ribery, der Owomoyela so dauerhaft bearbeitete, dass er nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Bayern so geknickt wirkte, wie eine Korkeiche in der Provence.

BVB-Trainer Jürgen Klopp nahm seinen rechten Verteidiger dennoch oder gerade deswegen in Schutz:

„Jeder Spieler der Welt hätte Probleme mit Ribery gehabt.(…) Sie werden keinen Spieler finden, der einen Ribery alleine aufhält.“

Womit die Brücke zu Hertha BSC geschlagen wäre. Die Berliner sehen sich am 20. Spieltag dem mit mehreren Windstärken agierenden FC Bayern gegenüber und damit auch der Frage, wer diese Stürme aufhalten soll. Sowohl Mistral Ribery, aber auch die wiedererstarkte Böe namens Klose und Blizzard Donovan werden dann über das Berliner Olympiastadion einfallen und im Moment deutet nicht wirklich viel darauf hin, dass die von Hertha bisher in fast jedem Spiel errichteten Barrikaden dem standhalten können.

Vor allem auf der rechten Seite – der von Ribery – hat Trainer Favre alles andere als die Wahl. Schnell sollte der Gegenspieler des Franzosen sein (womit Neuzugang Cufre wegfällt), reaktionsschnell  (womit Mark Stein nicht mehr ins Profil passt) und zweikampfstark (womit Steve von Bergen auch rausfällt), aber vor allem: Gesund – womit dann auch Sofian Chahed nicht mehr zur Auswahl steht. Bleibt eigentlich nur noch Arne Friedrich. Wenn es schon nicht dem Kapitän, dem einzigen deutschen Nationalspieler der Berliner, gelingt, Ribery auszuschalten, wem dann?

Friedrich übt bei Hertha normalerweise zusammen mit Josip Simunic die Funktion des Feuerwehrmanns aus, greift also nur dann ein, wenn alle anderen Frühwarnsysteme im Mittelfeld versagt haben. Gegen Ribery müsste er beides sein. Er muss es erkennen, wenn sich die bayerischen Wolken zu verhängnisvollen Formationen zusammenschieben, um im Notfall – der gegen Ribery sehr häufig eintreten dürfte – einzugreifen. Weil man für einen riberyschen Mistral allerdings über 90 Minuten plus Nachspielzeit standhaft bleiben muss, um nicht einzuknicken, braucht man stützende Elemente, also eine in der Defensive funktionierende Mannschaft. Die ist bei einer gesunden Hertha 2009 durchaus vorhanden. In der derzeit verletzten allerdings äußerst fragil.

Zumal das Herausziehen von Friedrich aus der Mitte auf die rechte Abwehrseite dort eine Lücke hinterlässt, die bisher weder der Brasilianer Kaka noch der schon erwähnte Schweizer Steve von Bergen zu schließen wusste. Simunic kann zwar unglaublich viel, aber eine aus zwei Positionen bestehende Innenverteidigung alleine auszufüllen dazu ist selbst der Kroate nicht fähig. Daher muss entweder ein Wunder geschehen, ergo ein Abwehrspieler vom Kaliber Friedrichs vom Himmel fallen oder die Bayern so spielen, wie zuletzt gegen Dortmund die ersten 80 Minuten. Denn dann kann sich Kaka seine Fehler leisten, Drobny wird die ungenau zuende gespielten Abschlüsse der Münchener freudig empfangen und vorne hilft der liebe Gott.

Wenn die Mannschaft von Jürgen Klinsmann allerdings einen besseren Tag erwischt – wie zum Beispiel beim 5:1-Erfolg im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart – dann hat Hertha nur eine einzige Chance, die Bayern daran zu hindern, drei Punkte aus Berlin zu entführen. Wie stoppt man ein Boot, dass seinen Antrieb aus selbst hervorgeschworenen Stürmen zieht? Indem man ihm den Wind aus den Segeln nimmt. So einfach ist das manchmal.

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2 Kommentare

  1. Hi,
    ich plädiere dafür, Friedrich, sofern er überhaupt fit wird, in der Innenverteidigung zu lassen. Im Zentrum lauter immerhin Luca Toni, der auch erstmal ausgeschaltet werden muss. Das IV-Duo Simunic-Friedrich hat bislang hervorragend geklappt. Wenn Friedrich auf rects verbannt wird, leidet die Stabilität der gesamten Hintermannschaft darunter.
    Ribery und Ze Roberto haben schon des öfteren gezeigt, wie sie auf der LInken Seite agieren: Schnell und mit Doppelpässen, die kaum zu verteidigen sind. Die Laufwege stimmen bei den beiden einfach.
    Wieso sollte man einen guten Abwehrspieler mit einer Aufgabe betrauen, die von Klopp als „unlösbar“ bezeichnet wurde? Lassen wir sie einfach auf den Aussenbahnen auspowern. Mit ein wenig Glück resultiert aus einer solchen Situation kein Gegentor.

    Ich sehe eher im DM ein großes Problem. Cicero gesperrt, Kacar verletzt, ebenso Dardai und Lustenberger. Nicu hat mich die letzten Spiele auf dieser Position nicht überzeugt, aber es bleibt wohl keine Alternative. Wen wird Favre neben Nicu aufbieten? Mit einem Punkt wäre ich unter diesen Voraussetzungen überglücklich. Wenn eine Niederlage dabei herauskommt bitte nicht zu hoch! Das Torverhältnis könnte noch eine Rolle spielen. 🙂


  2. Mit einem Punkt wäre ich auch zufrieden. Ich wollte auch keine dunklen Szenarien entwickeln, weil die Ausgangsposition vor dem 1:0-Sieg zu Hause gegen Hoffenheim ähnlich war. Vielleicht zaubert Favre wieder was aus dem Hut und am Ende gewinnen wir. Ich hätte nix dagegen.



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