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Hoeneß schlägt Hoffenheim

5. Dezember 2008

Es kribbelt. Und zwar gewaltig. Anlass ist ausnahmsweise nicht das Hertha-Spiel auf Schalke, bei dem ich meine Mannschaft endlich einmal wieder live sehen kann. Sondern das Duell zwischen Platz Eins und Zwei, zwischen Gallien und Rom, zwischen Milliardärsdorf und Millionendorf, zwischen der TSG Hoffenheim und dem FC Bayern.

Die deutsche Fußballwelt freut sich auf ein vor der Saison nicht zu erwartendes Spitzenspiel. Auf der einen Seite der Aufsteiger, der auch mit viel Geld von Dietmar Hopp, aber vor allem mit einem intelligenten Spiel-, Scout- und Trainingssystem die Bundesliga auf den Kopf stellt. Auf der anderen Seite der Serienmeister, der mit neuem Trainer und irgendwann auch einmal alternativen Methoden am liebsten an die Erfolge der 70er Jahre anknüpfen will – sich also auch in Europa die Vormachtstellung erarbeiten möchte, in der er sich in Deutschland bereits wähnte. Doch während der FC Bayern daran arbeitete, drängte das Hoffenheimer Dorf plötzlich in den deutschen Fußballmarkt und sorgt dort aktuell für nicht mehr etwartete Konkurrenz wohl auch über diese Saison hinaus.

Den Bayern kommt dieses Spiel am Freitag (20.30, Premiere) gerade recht. Das Team von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann sieht sich so langsam im Leistungssoll und will der TSG die viel zu spitzen Hörner stutzen. Dabei benutzt man die alten Tricks, mit denen man in jedem Jahr den härtesten Widersacher verunsichert: Man redet sich stärker als man ist – in der Hoffnung, dass es der Gegner glaubt und sich eine gewisse Verunsicherung im Unterbewusstsein festsetzt. Deshalb sagt Uli Hoeneß in jedes Mikrofon, das man ihm entgegenstreckt – und entgegen vermutlich jeder Trainingslehre – dass Bayern die besseren Spieler habe und deshalb natürlich auch gewinne. Was soll er auch sonst sagen? Wer den besseren Fußball spielt, sieht ja jeder. Und wer momentan in der Liga den Hut auf hat, auch.

Insofern ist es eigentlich verwunderlich, dass Hoffenheim-Coach Rangnick überhaupt auf diese Anspielungen reagiert. Als Werder Bremen vor drei Jahren Deutscher Meister wurde, haben sowohl Spieler als auch Offizielle die bayrischen Verbalangriffe schlichtweg ignoriert und wurden so am Ende Meister. Durch einen Sieg in München übrigens, der Uli Hoeneß derart in Rage brachte, dass er all seine in den Jahrzehnten seiner Managerkarriere vorgetragenen Ansichten hinsichtlich Festgeld und Banksicherheit über Bord warf. Das Resultat ist eine Mannschaft, die in der Tat – rein von den Namen her – die besseren Einzelspieler als Hoffenheim besitzt, die aber bisher eben nur Zweiter ist. Erster ist Ralf Rangnick, der sich da oben wohl zu fühlen scheint. Wie damals im Sportstudio, als er die Viererkette erklärte und belächelt wurde, sitzt er heute auf dem Trainerstuhl in Hoffenheim und hat neben sich dieses unsichtbare Plakat, das er mit sich rumträgt und auf dem steht: Ich habs euch ja gesagt! Und wenn dann die Bayern in Person von Uli Hoeneß kommen und so tun, als wäre Hoffenheim nach wie vor nur ein neureiches Strohfeuer, das die Bayern mal eben austreten werden, dann kann sich selbst der sonst so sachliche Herr Rangnick nicht zurückhalten. Also feuert er ein paar Verbal-Salven zurück und begibt sich damit auf zu dieser Jahreszeit nicht unübliches dünnes Eis.

Denn eigentlich hat es Rangnick nicht nötig, darauf einzugehen. Hätte er einfach seinen Mund gehalten und die Angriffe aus München ignoriert, dann hätte er am Freitagabend genussvoll den Sieg seiner Mannschaft feiern können. Seinen Sieg. Und bei einer Niederlage hätte er einfach genussvoll auf die Tabelle verwiesen, um den Münchnern zu zeigen, wer trotzdem noch oben steht. So aber hat er sich auf das Niveau von Uli Hoeneß begeben und wird nach dem Spiel geknickt das triumphale Lächeln des Bayern-Managers aushalten müssen, weil es das deutsche Fußballgesetz so will, dass der FC Bayern die beste Mannschaft Deutschlands bleibt. Im Überschwang des Sieges wird Uli Hoeneß dann zu Ralf Rangnick gehen, ihm erst die Hand reichen um ihm im Anschluss daran dieses imaginäre Schild über den Kopf zu ziehen. Dann tritt Hoeneß vor die Kamera, zeigt auf den bedröppelten Rangnick und singt ins Mikrofon: „Ich habs euch doch gesagt!

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One comment

  1. Ich finde dieser (http://www.bundesligaforen.de/thread.php?postid=1303120#post1303120) Artikel erzählt dann auch mal die ganze Wahrheit über Hoffenheim.

    Als das Projekt zu scheitern drohte, wurden 30 Millionen innerhalb von zwei Jahren auf dem Transfermarkt verbraten.
    Hoffenheim wird in der Öffentlichkeit als kleiner, netter Underdog dargestellt. Die haben bestimmt eine extra Abteilung dafür. 🙂



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