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Favres Poesiealbum – eine Polemik

27. September 2008

Lucien Favre hat es im Moment wirklich nicht leicht. In schöner Regelmäßigkeit vergeigt seine Mannschaft Spiele, die sie – würde sie seine Vorstellungen umsetzen – nie abgeben dürfte. Im Anschluss daran bekommt der Hertha-Coach dann immer viel Lob zu hören. Nicht von den Fans. Auch nicht von der Mannschaft. Und schon gar nicht von der Presse. Es sind die gegnerischen Trainer, die die Arbeit des Schweizers in Berlin zu schätzen wissen. Hätte Favre ein Poesie-Album, es wäre voll mit kleinen lustigen Anerkennungs-Aufklebern.

Dass solche Sticker aber weder in der Schule, noch in der Fußball-Bundesliga etwas bringen, weiß der Fußball-Lehrer natürlich selbst. Und würde sein Album nach der zweiten Niederlage in Folge vermutlich verbrennen.

Denn wieder saß der Hertha-Coach bei der Pressekonferenz und wurde für die Spielweise seiner Mannschaft gelobt. Dortmunds Jürgen Klopp hatte den Herthanern erst vor wenigen Tagen attestiert, „spielerisch hochveranlagt“ zu sein. Trotzdem gewann der BVB mit 2:1. Dieses Mal war es der Trainer von Energie Cottbus – Bojan Prasnikar – der die Berliner als „offensiv starke Mannschaft“ einschätzte. Wohlgemerkt nach dem 1:0-Erfolg seiner Mannschaft im Berliner Olympiastadion.

Favre saß auf seinem Platz, nahm den Aufkleber entgegen und sagte, er habe gewusst, dass es schwer werden würde und dass man gegen diese Mannschaft gut kombinieren müsse.

„Diese Mannschaft“ hatte nach dem fünften Spieltag übrigens genau ein Tor erzielt und wurde folgerichtig als Letzter der Tabelle notiert. Gut kombiniert hatten nach Favres Logik also bisher Bremen, Hoffenheim und Dortmund,  für Hannover reichte es immerhin noch für ein torloses Unentschieden. Das einzige Gegentor hatte bisher der VfL Bochum kassiert – um dann durch einen Standard zum Ausgleich zu kommen. Achja, im DFB-Pokal traf Energie dann auch noch dreimal – per Elfmeter.

Ein Elfmeter wäre es vielleicht auch für Hertha gewesen, an diesem Samstagnachmittag. Oder halt ein Standard. Aber wenn Sofian Chahed schon die Freistöße für Hertha schießen muss, was will man dann erwarten?

Die 0:1-Niederlage setzte zudem eine grausame Hertha-Serie fort. Es war das dritte Heimspiel in Folge, in dem es der Mannschaft nicht gelang gegen Cottbus ein Tor zu erzielen. Das letzte liegt bereits ein halbes Jahrzehnt zurück und wurde von Michael Preetz erzielt.

Michael Preetz hätte vielleicht sogar eine Flanke von Sofian Chahed im Tor untergebracht.

So bleibt am Ende die Erkenntnis, dass Hertha es schlichtweg nicht schafft:
a)    gegen Cottbus ein ansprechendes Spiel zu zeigen
b)    die Chance auf den Sprung in die Spitzengruppe endlich einmal wahrzunehmen und
c)    die hochgelobte Spielweise auch einmal in Tore umzumünzen.

Lucien Favre würde sich andernfalls sicherlich ein neues Poesie-Album kaufen.

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