Archive for Mai 2008

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Hertha im Uefa-Cup!

18. Mai 2008

Unglaublich aber wahr: Hertha spielt dank der Fair-Play-Wertung in der nächsten Saison tatsächlich im Uefa Cup! Das gab die DFL am Sonntag bekannt und betonte dabei, dass es nicht ihre Entscheidung war: „“Aufgabe der DFL ist es in Bezug auf die Fairplay-Wertung lediglich, die Bewertungen der DFB-Schiedsrichter-Manager nach den Vorgaben der UEFA zusammenzuführen und den Sieger bekannt zugeben.“ (Hervorhebung von mir). Also können sich alle enttäuschten Frankfurter und wenn es nach Sportschau-Moderatorin Monika Lierhaus geht auch alle Rostocker auf die Schiedsrichter-Manager stürzen. Fakt ist: Hertha war in dieser Saison der fairste Klub (und hat sich mit einer Ausnahme auch nichts zu schulden kommen lassen)

Für Hertha ist die Qualifikation nach der durchwachsenen Saison auf den ersten Blick ein absoluter ein Glücksfall. Platz Zehn in dieser Saison lässt das Blau der neuen längsgestreiften Trikot ziemlich grau aussehen, doch durch den Startplatz in Europa sind zumindest die roten Ränder wieder deutlich zu erkennen. Aber: Das kann sich auch ganz schnell wieder ändern. Denn Hertha ist natürlich nicht für die erste Uefa-Pokal-Runde gesetzt, sondern lediglich für die Qualifikation dafür. Soweit vorne musste selbst Hertha noch nie anfangen. In der Saison 2006/2007 starteten die Berliner in der zweiten Qualifikationsrunde für den Uefa Cup, setzten sich dort reichlich glücklich gegen den FC Ameri Tiflis (Georgien) durch und zogen so in eines der damals noch zahlreichen UI-Cup-Finals ein. Dort siegte Hertha dann nach einem torlosen Gähn-Kick im Hinspiel mit 2:0 im Stadion des russischen Vertreters FK Moskau und schied in der ersten Uefa-Cup-Runde sang- und klaglos gegen Odense BK (Schweden) aus.

Schweden wäre für die nächste Saison fast schon wünschenswert. Wahrscheinlicher sind jedoch die traumhafteren Reiseziele Georgien oder Russland. Illustre Namen sucht man in der ersten Runde der Qualifikation für den Uefa-Cup ohnehin vergebens. FC Santa Coloma (Andorra), Anorthosis Famagusta  aus Zypern (mit denen hat Hertha ja nicht die schlechtesten Erfahrungen) und auch der Ex-Klub von Publikumsliebling Gojko Kacar Vojvodina Novi Sad (Serbien) sind Teams, die in der letzten Saison dort antraten. Trotzdem freut man sich natürlich bei Hertha. Lucien Favre hob auf der Pressekonferenz vor allem hervor, wie wichtig diese Spiele für die Entwicklung der Spieler seien.

Trotzdem hat das Ganze – natürlich – auch einen Haken. Denn die erste Uefa-Cup-Runde beginnt bereits MItte Juli, wenn sich Herthas EM-Teilnehmer Simunic, Friedrich und vielleicht von Bergen noch im Urlaub befinden dürften. Ohnehin sind solch frühe Pflichtspiele bei den Profis mit Sicherheit nicht gerade beliebt. Im letzten Jahr setzte Lucien Favre den Trainingsauftakt auf den 25.06.. Ich bin mal gespannt, ob er ihn dieses Jahr noch weiter vorzieht, um sich ausreichend auf die erste Runde vorzubereiten. Fest steht auf jeden Fall schon jetzt: Hertha hat eine lange Saison vor sich.

Dass das kein Nachteil sein muss, zeigt die Vergangenheit. Allerdings nicht die von Hertha. Bremen wurde 2004 Meister, nachdem die Mannschaft Mitte Juli bereits UI-Cup spielen musste (und kläglich scheiterte). Der Hamburger SV musste in der Saison 2005/2006 sogar schon am 2. Juli ran, kam im Uefa-Cup bis ins Achtelfinale und qualifizierte sich in der Liga als Dritter für die Champions League. Es ist natürlich vermessen, eine solche Entwicklung für Hertha zu erwarten. Zumal sowohl Werder, als auch der HSV selbst in den frühen Qualifikations-Runden vor knapp 30.000 Zuschauern spielten. Bei Hertha darf man sich schon freuen, wenn es überhaupt fünfstellig wird.

Trotzdem ist dieser Startplatz vor allem eine Chance für die Mannschaft. Nicht nur sich weiterzuentwickeln, sondern auch mal wieder etwas für die Reputation des Vereins zu tun. Die hat in den letzten Jahren in Europa (und in Deutschland sowieso) ziemlich gelitten. Nach dem Aufstieg und der viel zu schnellen Qualifikation für die Champions League war man ja quasi Stammgast im Uefa Cup. Es ist an der Zeit, daran mal wieder anzuknüpfen.

Nachtrag: Die 11Freunde hat ins Thema gebissen und dabei einen „faden Beigeschmack der Willkür“ entdeckt. Im Poll darunter halten mehr als 50% der User die Entscheidung für „ungerecht“.

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Live-Blogging

17. Mai 2008

Unter dem Link könnt ihr meinen Live-Blog von der zweiten Halbzeit des letzten Bundesligaspieltages noch einmal verfolgen. Wenn ihr ganz nach unten scrollt findet ihr mein Bundesliga-Fazit von dieser Saison.

KLICK MICH!!!

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Marko wer?

17. Mai 2008

Warum ist mir Marko Marin bisher nicht aufgefallen? Ich habe dafür eine plausible, für mich aber ziemlich armselige Erklärung. Ich dachte, Marko Marin wäre Markus Marin. Der hat nämlich noch nie Bäume ausgerissen in seiner Karriere. Gut, Vizemeister 1994 mit dem 1. FC Kaiserslautern. Und ja, das Siegtor für St. Pauli im Abstiegskampf 2000. Aber sonst? Graue Maus beim MSV Duisburg, später dann Regionalliga in Düsseldorf und Kiel.

Als ich am Tag der Nominierung des EM-Aufgebots in der Süddeutschen Zeitung das erste Mal den Namen Marin im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft las, machte es plötzlich Klick. Natürlich kannte ich Marko Marin, hatte ihn ein paar Mal bei Zweiliga-Zusammenfassungen der Borussia aus Gladbach im DSF gesehen. Aufgefallen war er mir da aber nicht. Lediglich Frank Buschmann versicherte mehrfach, dass dieser Junge reichlich Potential habe und einen großen Anteil am Aufstieg der Gladbacher habe. Trotzdem konnte ich mir nicht so recht vorstellen, dass Teamchef Jogi Löw neben Patrick Helmes und/oder Oliver Neuville noch einen weiteren Zweiligaspieler mit zur EM nimmt.

Als dann bei der Liveübertragung kurz nach David Odonkor – was ja an sich auch schon überraschend war- dann aber tatsächlich der Name Marin fiel, hatte es das Trainerteam der Nationalmannschaft mal wieder geschafft. Mit Marin hatte kaum einer und wohl am wenigsten der Spieler selbst gerechnet. Brav betont er im Nachhinein, dass aber ja noch drei Spieler wegblieben nach dem Trainingslager auf Mallorca. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass Marin nicht dazugehören wird.

Denn es gibt einige, die sich auf der Partyinsel sehr viel mehr ins Zeug legen müssen, um nicht aussortiert zu werden. Das prominenteste Opfer könnte in meinen Augen Tim Borowski werden. Der Bald-Münchener hat nach seiner Verletzung zwar einige starke Spiele gezeigt, doch ihm fehlt, was Marin zum Beispiel hat: Eine besondere Fähigkeit, die der Mannschaft weiterhilft. Borowski ist natürlich ein großartiger Fußballer. Trotzdem hebt er sich zu wenig von seinen Konkurrenten Hitzlsperger (Schuss- und Zweikampfstark), Rolfes (jung und zweikampfstark) und Jones (bissig wie einst Berti Vogts) ab. Die Nominierung von Jermaine Jones hat mich eigentlich mit am wenigsten überrascht, auch wenn der Schalker bisher nur ein paar Minuten Länderspielluft schnuppern durfte. Jones bringt die nötige Aggressivität mit und hat in dieser Saison in der Champions League gezeigt, dass er auch international mithalten kann. Borowski und Rolfes werden darum kämpfen müssen, Ersatzmann für Thorsten Frings zu sein.

Deutlicher dürfte es beim Duell zwischen den beiden Zweitligastürmern Patrick Helmes vom 1. FC Köln und Oliver Neuville ausgehen. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass der kleine Gladbacher seinen größten Fürsprecher in Kapitän Michael Ballack hat. Für Helmes kommt die EM zu früh, zumal er Mario Gomez und auch Kevin Kuranyi vom Spielertyp her zu ähnlich ist.

Das dritte „Opfer“ darf meiner Meinung nach gerne Piotr Trochowski sein, gegen den sich Marin hoffentlich durchsetzt und der deshalb gegen David Odonkor verliert, weil der, trotz wenig Spielpraxis, eben immer für Gefahr sorgt, wenn er ins Spiel geworfen wird. Trochowski dagegen sucht, wie Marin, häufiger Eins-gegen-Eins-Situationen. Sein Problem ist nur, dass er die viel zu oft verliert. Und weil sein Kurzpassspiel in dieser Saison beim HSV ebenfalls zu wünschen übrig ließ, kann Löw für die EM auf den 24-Jährigen verzichten.

Ein bisschen Mitleid darf man schon jetzt mit Timo Hildebrand haben, der zusammen mit dem Dortmunder Sebastian Kehl und dem Leverkusener Stefan Kießling Frusturlaub auf den Malediven buchen kann. Aber wenn man ehrlich ist, war es absehbar, dass er in der DFB-Elf keine Zukunft hat. Ein guter Torhüter ist er zweifellos, aber für das deutsche Tor reicht das eben nicht. Der Schritt nach Valencia war für ihn im Nachhinein ein Desaster, auch wenn er sich dadurch menschlich sicherlich weiterentwickelt hat. Wenn man Jens Lehmann heißt, darf man im Verein die Nummer Zwei sein, Timo Hildebrand hat diese Degradierung zu Beginn der Saison in Spanien enorm geschadet. Er hat bei den deutschen Fans an Ansehen verloren, auch wenn er letztendlich den Kampf gegen Canizares gewonnen hat. Er ist erst aus dem Fokus der Berichterstattung und jetzt aus dem EM-Kader gefallen.

Für ihn fährt Robert Enke nach Österreich. Nicht Rene Adler. Der stand nämlich nicht zur Disposition. Begründung laut Torwarttrainer Andreas Köpke „Rene Adler musste nach dieser starken Saison einfach mit.“ Klar sollte trotzdem sein, dass Enke aufgrund seiner Erfahrung die Nummer Zwei ist. Adler soll Turnierluft schnuppern, um dann in ein, zwei Jahren Robert Enke (?) abzulösen. Vielleicht ist die WM 2010 sogar schon seine.

Und Marko Marin? Der 19-Jährige wird nun mit den Vorschusslorbeeren zu kämpfen haben, die die Medien nach und nach über ihn herauskramen werden. Er hat alle Nachwuchsteams des DFB durchlaufen, war 2004 sogar Teil einer Uefa-Auswahl die zwei Vergleiche gegen ein afrikanisches Team gewann. Wollen wir mal hoffen, dass er damit klar kommt. Gladbacher Jungstars sind ja nicht immer die stabilsten…

 

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(Vielleicht) Ein Brief von Jogi

15. Mai 2008

„Liebes kabinenpredigt.de.vu-Team,

weil ich ein großer Fan eurer Seite bin, schicke ich euch exklusiv das EM-Aufgebot, welches der Rest der Presse erst morgen auf der Zugspitze (die kommen da echt alle hin :-)) erfahren wird. Bitte publiziert es nicht vor 0 Uhr, sonst bekomm ich Ärger mit dem Bierhoff (der hat sich ja mit diesen Hartplatzhelden schön ins Fettnäpfchen gesetzt und ist zurzeit ein bisschen gereizt). Ich hoffe, ihr begleitet uns auf dem Weg zum Titel (die Tickets schick ich noch nach). Bis dahin alles Gute.

Euer Jogi.

Anhang: Aufgebot der Deutschen Nationalmannschaft für die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz 2008.pdf“

Und hier ist es, vorab:

Tor: Jens Lehmann (Arsenal London), Robert Enke (Hannover 96), Rene Adler (Bayer Leverkusen)

Abwehr: Clemens Fritz, Per Mertesacker (SV Werder Bremen), Philipp Lahm, Marcell Jansen (FC Bayern München), Christoph Metzelder (Real Madrid), Heiko Westermann (FC Schalke 04), Arne Friedrich (Hertha BSC)

Mittelfeld: Michael Ballack (FC Chelsea London), Torsten Frings, Tim Borowski (SV Werder Bremen), Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart), Simon Rolfes (Bayer 04 Leverkusen), Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München), Jermaine Jones (FC Schalke 04), Sebastian Kehl (Borussia Dortmund)

Angriff: Miroslav Klose, Lukas Podolski (FC Bayern München), Mario Gomez (VfB Stuttgart), Kevin Kuranyi (FC Schalke 04), Oliver Neuville (Borussia Mönchengladbach)

Ein dickes Dankeschön an den Nationaltrainer.

Edit 13.51 Uhr: Grad kam folgende SMS von Jogi: „Ätsch!“

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Welch Wunder

14. Mai 2008

Wenn es euch mal bei Fußballwetten darum geht, viel Geld zu verlieren und bei Tippspielen darum einen zu finden, der Letzter wird, dürft ihr mich gerne anrufen. Ergebnisse liegen mir irgendwie nicht. Was das Geschäftliche und die Geschehnisse um Ivan Klasnic angeht, bin ich allerdings nachweislich auf der Höhe.

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Fair nach Europa

13. Mai 2008

Ein Spiel muss Joe noch ohne Rote Karte überstehen…

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Fußball ist Männersport

10. Mai 2008

Meine Güte wurde in den letzten Tagen nach dem „Kung-Fu-Tritt“ von Tim Wiese auf dem Bremer Torwart rumgehackt. Exemplarisch hierfür der Tagesspiegel und die Frankfurter Rundschau, die ihn zum Bruce Lee Bremens kürte. Ich bitte darum, mir nicht böse zu sein, aber diese Verurteilungen sind von so absolutem Schwachsinn, wie ich ihn selten gesehen habe.

Ja, die Aktion war unglücklich. Ja, man hätte auch die Rote Karte geben können. Und ja, Wiese hat es danach mit seinen Äußerungen („Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass ich zuerst den Ball treffe“) nicht besser gemacht. Aber – und dieses Aber ist an Größe nicht zu überbieten – will ihm da ernsthaft irgendjemand Absicht unterstellen? Wiese kam aus seinem Tor mit dem Ziel, den Ball wegzuschlagen. Er traf ihn nicht richtig und prallte stattdessen mit Ivica Olic zusammen. Irgendwo habe ich auch gelesen, dass Wieses Stollen die Halsschlagader des Kroaten „nur um Millimeter“ verfehlt habe. Ein bisschen mehr Drama bitte…

Tatsache ist, die Gelbe Karte war berechtigt, weil Wiese in dieser Situation nicht letzter Mann war. Tatsache ist auch, Olic hat keine bleibenden Schäden erlitten und wird das nächste Mal vielleicht zweimal überlegen, ob er noch einmal hingeht, wenn ein Torhüter sein Tor verlässt. Denn wenn es darum geht, hat Wiese alles richtig gemacht. Über die Situationen in denen Spieler ihr Bein stehen lassen, wenn ein Torwart sich in den Ball schmeißt, redet überhaupt keiner mehr. Dabei ist das zehnmal gefährlicher. Torhüter haben einen extremen Job. Sie pendeln ständig zwischen Genie und Wahnsinn. Als Oliver Kahn damals mit gestrecktem Bein aus seinem Tor kam und den Dortmunder Spieler nur haarscharf verfehlte (nach 18 Sekunden), gab es einen kurzen Aufschrei, dann schmunzelte man darüber und wenig später war es schon Legende. Der Unterschied? Kahns Aktion war vorsätzlich. Wieses niemals.

Tim Wiese sollte ein bisschen an seiner Außendarstellung arbeiten. Freunde werden er und die Medien ohnehin nicht mehr. Aber mit solchen Aussagen, wie die direkt nach dem Spiel, stellt er sich immer wieder selbst an den Pranger. Hätte er nach dem Spiel gesagt, es tue ihm leid und es war – natürlich – keine Absicht, ich bin mir sicher die Kritik wäre glimpflicher ausgefallen. Doch mit dem reuelosen Statement gab er den Startschuss für die dann folgenden Schmähartikel. Dass er damit umgehen kann, hat er in den letzten Monaten gezeigt. Nach Kritik war er stets besser als vorher, allerdings nur solange, bis er wieder fast ganz oben war, um dann mit einem grandiosen Fehler wieder zurück zu fallen.

Der Weg des Tim Wiese ist einer zwischen den Extremen. Vielleicht braucht er auch diesen Presserummel um seine Person. Vielleicht wollte er den Beobachtern von Manchester United, die ihm jüngst ein Angebot gemacht haben sollen, auch nur zeigen: Sehr her, ich bin hart genug für die Premier League. Aber ganz davon ab, was die Medien danach aus seinem Auftritt gemacht haben, sollte sich der Bremer Keeper einfach mal ein halbes Jahr am Stück nur und ausschließlich auf seine Leistung konzentrieren. Denn dann braucht er solche Auftritte nicht mehr, um im Rampenlicht zu stehen. Die Medien würden ihm auch so genügend Aufmerksamkeit schenken.

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Eine Niederlage für die Basis

8. Mai 2008

Das Spiel läuft noch. Der Schiedsrichter wird auf Antrag des Auswärtsteams noch ein bisschen länger spielen lassen. Leider wird das am Ergebnis nichts mehr ändern. Zu klar liegt die Heimmannschaft vorne. Zu deutlich ist diese Niederlage auch von oben gelenkt. Die Chance auf den Sieg, vor dem Spiel eigentlich als hoch eingeschätzt, ist nur noch sehr gering.

Heute, Donnerstag, hat das Landgericht Stuttgart gegen die Internet-Plattform www.hartplatzhelden.de und damit auch gegen den Amateurfußball entschieden. Der Württembergische Fußballverband (WFV) hatte dagegen geklagt, dass die Betreiber der Seite, auf der Amateurfußballer ihre selbstgemachten Videos von eigenen Spielen hochladen konnten, mit dem Bereitstellen der Portals und dem Ziel damit Geld zu verdienen gegen seine Urheberrechte verstoße. Das kann man eigentlich nicht verstehen, denn kein Fußballverband hat bisher auch nur daran gedacht, die unter seiner Flagge ausgerichteten Spiele zu filmen und auf einer Plattform der Öffentlichkeit zu präsentieren. Hartplatzhelden ist ein Portal von und für die Basis. Beim WFV ist man allerdings der Meinung, dass die Basis dem Verband gehört. Eine interessante Interpretation.

Der WFV, in Person von Frank Thumm, dem Leiter der Rechtsabteilung beim WFV, argumentiert nicht in Richtung der Fußballer, sondern ausschließlich gegen die Betreiber der Seite. Man wolle nicht die Fußballfans belangen, sondern nur die, die damit Geld verdienen. Aha! Wer schließlich für die württembergischen Fußballvereine den Spielbetrieb organisiere, dem stünde auch das Recht auf die Vermarktung der Veranstaltungen zu. Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Es geht – natürlich – um Geld. Der WFV ist, wie so oft, seiner Zeit weit hinterher. Es wäre seine Aufgabe gewesen, ein Portal wie hartplatzhelden.de zu eröffnen. Er hat diese Entwicklung verschlafen und klagt nun sein – meiner Ansicht nach nicht vorhandenes – Recht ein. Dass ist ein bisschen so, als würde das US-Verteidigungsministerum, das das Internet erfand, jetzt gegen Google klagen würde, weil ihm diese geniale Suchmaschine nicht zuerst eingefallen ist

Wie lächerlich der WFV argumentiert, zeigt ein Beispielfall. Filmt ein Vater seinen Sohn auf einem Platz des WFV und stellt das Video danach bei Youtube online, um es den Verwandten im fernen In- oder Ausland zu zeigen, verstößt er, nach der aktuellen Rechtsprechung gegen die Urheberrechte des WFV. Thumm sagt, dass man dagegen nicht vorgehen werde, weil man ja, wie bereits erwähnt, nur die Geldverdiener belangen wolle. Was ist die Konsequenz? Der WFV müsste sich mit Youtube anlegen! Viel Erfolg dabei…

Die Einleitung ließ es aber schon erahnen, das Spiel ist noch nicht vorbei. Hartplatzhelden.de wird in Berufung gehen, auch wenn die Aussichten nach dem ersten Urteil eher schlecht stehen. Doch vielleicht stellt sich ja in der nächsten Instanz ein Richter als Freizeitfußballer und nicht als Obrigkeitsgehöriger heraus. Das könnte das Spiel in der Nachspielzeit doch noch drehen.

Und bitte auf keinen Fall vergessen euch in die Solidaritäts-Liste einzutragen: HIER!

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Der Robo-Kahn

7. Mai 2008

Noch drei Spiele, dann ist die große Spielerkarriere von Oliver Kahn vorbei. Michael Rensing kann ihn nicht soll ihn ersetzen und dafür sorgen, dass die Bayern-Abwehr sich auch mal den einen oder anderen Schnitzer erlauben darf. Dieses Gefühl hatte man ja zu Kahns besten Zeiten. Als hätte er sich mit seinen Vorderleuten abgesprochen, dass die die Gegner pro Spiel ruhig zwei, drei mal durchkommen lassen könnten, damit Kahn „im Training bleibt“. Resultat waren unmenschliche Paraden und die Krönung zum „Titan“. Unumstößlich und ohne Fehler. Dann kam das WM-Finale 2002 und von da an ging es mit leichten Schwankungen stetig bergab.

„Goalias“ wäre das nicht passiert. Die Maschine kennt keine Leistungsschwankungen. Keine Fehler. „Goalias“ ist der perfekte Torhüter. Ein Beispiel?

Noch eins?

Ok, als Ersatz für Michael Rensing wird er noch nicht in Frage kommen. Dafür müsste er auch mal einen Ball festhalten (sonst wäre „Goalias“ beim WM-Finale 2002 genau so zum tragischen Helden geworden, wie Kahn) oder Flanken abfangen können. Aber die meisten Maschinen kommen ja ohnehin erst in der 2.0 oder 4.1.-Version an ihr Leistungsmaximum. Gut möglich also, dass Jürgen Klinsmann, der neue Bayern-Coach, demnächst mal bei den Jungs aus Stuttgart zu Transfergesprächen vorbeikommt. Er ist ja bekannt für ungewöhnliche Maßnahmen…

Mehr zu „Goalias“ auf der eigens dafür eingerichteten Website des Instituts für Automatisierungs- und Softwaretechnik der Universität Stuttgart.

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Gratulation an die Bayern

4. Mai 2008

Mit einem 0:0 in Wolfsburg Deutscher Meister zu werden, hat natürlich nicht mal den Hauch von Stil. Trotzdem gibt es von mir die besten Wünsche für den FC Bayern, der im nächsten Jahr hoffentlich die Champions League aufmischt. Damit niemand vergisst, dass die Bayern auch mit Stil den Titel holen können, hier nochmal die legendären „4 Minuten im Mai“. Gänsehaut pur!

(Hier gibts die nicht minder Gänsehaut hervorrufende Langfassung)

Ach ja, Real Madrid hat es am Sonntagabend besser gemacht. Nach dem 0:1-Rückstand sieben Minuten vor Schluss in Osasuna, drehten Robben und Higuain das Spiel kurz vor Schluss noch und machten Real so vorzeitig zum spanischen Meister. SO geht das!