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Marko wer?

17. Mai 2008

Warum ist mir Marko Marin bisher nicht aufgefallen? Ich habe dafür eine plausible, für mich aber ziemlich armselige Erklärung. Ich dachte, Marko Marin wäre Markus Marin. Der hat nämlich noch nie Bäume ausgerissen in seiner Karriere. Gut, Vizemeister 1994 mit dem 1. FC Kaiserslautern. Und ja, das Siegtor für St. Pauli im Abstiegskampf 2000. Aber sonst? Graue Maus beim MSV Duisburg, später dann Regionalliga in Düsseldorf und Kiel.

Als ich am Tag der Nominierung des EM-Aufgebots in der Süddeutschen Zeitung das erste Mal den Namen Marin im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft las, machte es plötzlich Klick. Natürlich kannte ich Marko Marin, hatte ihn ein paar Mal bei Zweiliga-Zusammenfassungen der Borussia aus Gladbach im DSF gesehen. Aufgefallen war er mir da aber nicht. Lediglich Frank Buschmann versicherte mehrfach, dass dieser Junge reichlich Potential habe und einen großen Anteil am Aufstieg der Gladbacher habe. Trotzdem konnte ich mir nicht so recht vorstellen, dass Teamchef Jogi Löw neben Patrick Helmes und/oder Oliver Neuville noch einen weiteren Zweiligaspieler mit zur EM nimmt.

Als dann bei der Liveübertragung kurz nach David Odonkor – was ja an sich auch schon überraschend war- dann aber tatsächlich der Name Marin fiel, hatte es das Trainerteam der Nationalmannschaft mal wieder geschafft. Mit Marin hatte kaum einer und wohl am wenigsten der Spieler selbst gerechnet. Brav betont er im Nachhinein, dass aber ja noch drei Spieler wegblieben nach dem Trainingslager auf Mallorca. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass Marin nicht dazugehören wird.

Denn es gibt einige, die sich auf der Partyinsel sehr viel mehr ins Zeug legen müssen, um nicht aussortiert zu werden. Das prominenteste Opfer könnte in meinen Augen Tim Borowski werden. Der Bald-Münchener hat nach seiner Verletzung zwar einige starke Spiele gezeigt, doch ihm fehlt, was Marin zum Beispiel hat: Eine besondere Fähigkeit, die der Mannschaft weiterhilft. Borowski ist natürlich ein großartiger Fußballer. Trotzdem hebt er sich zu wenig von seinen Konkurrenten Hitzlsperger (Schuss- und Zweikampfstark), Rolfes (jung und zweikampfstark) und Jones (bissig wie einst Berti Vogts) ab. Die Nominierung von Jermaine Jones hat mich eigentlich mit am wenigsten überrascht, auch wenn der Schalker bisher nur ein paar Minuten Länderspielluft schnuppern durfte. Jones bringt die nötige Aggressivität mit und hat in dieser Saison in der Champions League gezeigt, dass er auch international mithalten kann. Borowski und Rolfes werden darum kämpfen müssen, Ersatzmann für Thorsten Frings zu sein.

Deutlicher dürfte es beim Duell zwischen den beiden Zweitligastürmern Patrick Helmes vom 1. FC Köln und Oliver Neuville ausgehen. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass der kleine Gladbacher seinen größten Fürsprecher in Kapitän Michael Ballack hat. Für Helmes kommt die EM zu früh, zumal er Mario Gomez und auch Kevin Kuranyi vom Spielertyp her zu ähnlich ist.

Das dritte „Opfer“ darf meiner Meinung nach gerne Piotr Trochowski sein, gegen den sich Marin hoffentlich durchsetzt und der deshalb gegen David Odonkor verliert, weil der, trotz wenig Spielpraxis, eben immer für Gefahr sorgt, wenn er ins Spiel geworfen wird. Trochowski dagegen sucht, wie Marin, häufiger Eins-gegen-Eins-Situationen. Sein Problem ist nur, dass er die viel zu oft verliert. Und weil sein Kurzpassspiel in dieser Saison beim HSV ebenfalls zu wünschen übrig ließ, kann Löw für die EM auf den 24-Jährigen verzichten.

Ein bisschen Mitleid darf man schon jetzt mit Timo Hildebrand haben, der zusammen mit dem Dortmunder Sebastian Kehl und dem Leverkusener Stefan Kießling Frusturlaub auf den Malediven buchen kann. Aber wenn man ehrlich ist, war es absehbar, dass er in der DFB-Elf keine Zukunft hat. Ein guter Torhüter ist er zweifellos, aber für das deutsche Tor reicht das eben nicht. Der Schritt nach Valencia war für ihn im Nachhinein ein Desaster, auch wenn er sich dadurch menschlich sicherlich weiterentwickelt hat. Wenn man Jens Lehmann heißt, darf man im Verein die Nummer Zwei sein, Timo Hildebrand hat diese Degradierung zu Beginn der Saison in Spanien enorm geschadet. Er hat bei den deutschen Fans an Ansehen verloren, auch wenn er letztendlich den Kampf gegen Canizares gewonnen hat. Er ist erst aus dem Fokus der Berichterstattung und jetzt aus dem EM-Kader gefallen.

Für ihn fährt Robert Enke nach Österreich. Nicht Rene Adler. Der stand nämlich nicht zur Disposition. Begründung laut Torwarttrainer Andreas Köpke „Rene Adler musste nach dieser starken Saison einfach mit.“ Klar sollte trotzdem sein, dass Enke aufgrund seiner Erfahrung die Nummer Zwei ist. Adler soll Turnierluft schnuppern, um dann in ein, zwei Jahren Robert Enke (?) abzulösen. Vielleicht ist die WM 2010 sogar schon seine.

Und Marko Marin? Der 19-Jährige wird nun mit den Vorschusslorbeeren zu kämpfen haben, die die Medien nach und nach über ihn herauskramen werden. Er hat alle Nachwuchsteams des DFB durchlaufen, war 2004 sogar Teil einer Uefa-Auswahl die zwei Vergleiche gegen ein afrikanisches Team gewann. Wollen wir mal hoffen, dass er damit klar kommt. Gladbacher Jungstars sind ja nicht immer die stabilsten…

 

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One comment

  1. […] trainiert, um den Spielern so den letzten Schliff zu geben. Begeistert ist Joachim Löw von Marko Marin, mit 19 Jahren der jüngste Spieler, dessen EM Ticket so gut wie sicher ist. Insgesamt wird es […]



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