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Nani und der sterbende Schwan

3. Mai 2008

Der sterbende Schwan ist ein ausdrucksvolles Tanz-Solo. (…) Der Tanz besteht größtenteils aus Pas de bourrée, begleitet vom Flügelschlagen der Arme. Berühmt ist vor allem die Schlusspose des Solos auf dem linken Knie, während der über dem vorgestreckten rechten Bein die Arme wie Flügel zusammengelegt und der Kopf darin geborgen werden.(…) Die Tanznummer wurde zum Symbol für ein Sterben in größter Anmut – aber auch für die Eitelkeit und Falschheit mancher Bühnenstars.

Quelle: Wikipedia

Ich bezweifle jetzt einfach mal ganz stark, dass der 21jährige Fußballspieler Nani den sterbenden Schwan von Michel Fokine kennt. Das dreiminütige Tanzsolo, das Anfang des 20. Jahrhunderts in Russland uraufgeführt wurde, ist schon ziemlich anspruchsvolle Kunst. Insofern kann man das dem Spieler von Manchester United noch nicht einmal anlasten. 

Was man ihm jedoch anlasten muss, ist, dass er, obwohl er dieses Stück nicht kennt, versucht hat, es zu kopieren. Das kann nicht nur nicht funktionieren, es hat auch mit seinem Beruf eigentlich nichts zu tun. Doch in der 37. Minute des Premier League Spiels seiner Mannschaft gegen West Ham United muss der Schwan in ihn gefahren sein. Anders sind die folgenden Szenen nicht zu erklären.

Es ist die alte Kopfstoß-geben-und-dann-so-tun-als-hätte-man-selbst-einen-bekommen-Geschichte, uns in Deutschland am schönsten von dem Trainer Norbert Meyer und dem damals noch in Köln spielenden Albert Streit dargeboten. Bei Nani ist der Gegner kein Trainer, sondern ein Gegenspieler, der die zarten Füße des Filigran-Technikers zu hart rangenommen hat. Also nimmt der kleine Mann seinen ganzen Mut zusammen und zuckt kurz mit dem Kopf nach oben. Der Getroffene geht zu Boden und Nani, man sieht ihm richtig an, wie es in ihm arbeitet, bis er schließlich realisiert, dass er jetzt auch fallen muss, damit der Schiedsrichter ihn vielleicht doch nicht vom Platz stellt.

Nanis rechter Arm zeigt leicht angewinkelt nach oben, als er anmutig und fast in Zeitlupe zu Boden sinkt. Besser kann „The dying swan“ ohne jegliche Vorkenntnisse einfach nicht interpretiert werden. Schade nur für Nani, dass der englische Referee das Stück offenbar kennt. Nach einer kurzen Stilbesprechung mit seinem Assistenten zeigt er dem Schwan völlig zu recht die Rote Karte.

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