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Nicht mehr weiter

1. Mai 2008

Halbfinale. Europapokal. Die Bayern. Mit Kahn im Tor. Die Schüsse fliegen dem TItan um die Ohren, doch nie daran vorbei. Der Gegner der Bayern verzweifelt am besten Torwart der Welt. Der Deutsche Rekordmeister zieht ins Finale ein und gewinnt den Pokal. Sieben Jahre ist es her, als Oliver Kahn die Königlichen von Real Madrid mit einer überragenden Leistung im Hinspiel im Bernabeu aus dem Wettbewerb warf. Im Rückspiel waren die Helden andere. Doch Kahn hatte den Grundstein gelegt.

Im Jahr 2008 ist dieser Oliver Kahn nicht mehr zu sehen. Die Unhaltbaren, das sind nicht mehr die des 38-Jährigen. Er ist deshalb noch lange kein schlechter Torwart, doch früher konnte der FC Bayern schlechte Spiele machen und trotzdem mit 1:0 als Sieger vom Platz gehen. Früher, als Oliver Kahn noch hungrig war.

Eigentlich hatte man erwartet, dass nach diesem immer noch unglaublichen 3:3 in Getafe nichts mehr anbrennen und die Bayern mit drei geschlossenen Mannschaftsleistungen (incl. ein, zwei Kunststückchen von FrOnck Ribery und drei, vier Müller-Toren von Luca Toni) den Uefa-Pokal gewinnen und Kahn so einen Abschied auf großer Bühne schenken würden. Und dann verliert die Mannschaft in St. Petersburg, ohne sich überhaupt zu wehren, mit 0:4.

Bei großen Mannschaften wird ja oftmals von dieser berühmten Initialzündung gesprochen, die die Spieler so zusammenschweißt, dass sie alle Krisen überstehen. Die Bayern hatten diesen Moment: in der 120. Minute in Getafe – allerdings am Ende einer bereits langen Saison. Deshalb hatte diese Situation auch eine andere Wirkung, nicht nur auf die Mannschaft, sondern vor allem auf Oliver Kahn.

Kahn lebt für diese Momente, in denen er zeigen kann, dass seine Maxime: „Immer weitermachen, niemals aufgeben“ nach wie vor Gültigkeit hat und man (die Bayern) mit purem Wille alles erreichen kann. 2001 hatte er diesen Moment kurz vor dem Champions League Finale, als seine Mannschaft in den berühmten „4 Minuten im Mai“ doch noch Deutscher Meister wurde. 2008 kam dieser Moment in Getafe. Doch auch Kahn muss nun, nach dem 0:4 in St. Petersburg einsehen, dass es eben nicht immer nur darum geht, „immer alles zu geben“. Jedenfalls nicht, wenn der Gegner mal richtig gut Fußball spielt und die Schwächen des deutschen Rekordmeisters gnadenlos entblößt. In der Bundesliga war das in dieser Saison noch nicht einmal der Fall.

Kahn kann sich von einer guten Bundesligasaison nichts mehr kaufen, vielleicht hätte er sogar den DFB-Pokal für ein Europapokalfinale im „Theatre of Dreams“, dem Finalstadion in Manchester, hergegeben. Selbst wenn es dabei „nur“ um den Uefa Cup gegangen wäre. Es wäre „sein Spiel“ gewesen. Sein Abend. 

Nun tritt er von der europäischen Bühne ab. Als Uefa Cup-, Champions League- und Weltpokalsieger, als mehrfacher Deutscher Meister und Pokalsieger. Kahn könnte zufrieden sein und doch wird ihn dieses so unglamouröse Ende wurmen. Wieder – das zweite Mal nach der Degradierung zur Nummer 2 in der Nationalmannschaft, muss er eine Karriere beenden, ohne ein letztes großes Spiel mit einem Titel krönen zu können. Nach dem Spiel in St. Petersburg hat Kahn in die Kameras gefragt: „Soll ich mich jetzt umbringen?“ Das soll er natürlich nicht, aber es zeigt wie es in ihm aussieht. 

Die Zeit bleibt eben leider auch nicht für Oliver Kahn stehen, der jetzt, nach diesem unbefriedigendem Ende sicher gerne doch noch ein Jahr dranhängen würde. Die Zeit spricht gegen Oliver Kahn. Sie läuft….immer weiter.

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