h1

Das Phänomen aus Liverpool

3. April 2008

Da war sie wieder, diese Mannschaft. Holt ein 1:1-Unentschieden beim favorisierten FC Arsenal im Londoner Emirates Stadium und hat nun die Strippen beim Rückspiel in einer Woche selbst in der Hand. Mit Dynamik, Einsatzwillen und sogar Spielwitz gebot man der kombinationsstarken Elf von Übertrainer Arsene Wenger Einhalt. So kennt man ihn, den FC Liverpool, in der europäischen Königsklasse.

Zurecht fragt man sich allerdings in England, warum die „Reds“ ihre in der Champions League gezeigten Leistungen nicht auf die Premier League übertragen können. Dort rangiert das Team von Rafa Benitez abgeschlagen, mit acht Punkten Rückstand auf den drittplatzierten Viertelfinalgegner aus London, auf Rang Vier. Der FC Chelsea ist bereits neun, Tabellenführer Manchester United ganze 14 Punkte enteilt. Gegen Manchester gingen beide Spiele verloren (0:1, 0:3), Chelsea rang das Team um Kapitän Steven Gerrard wenigstens zwei Unentschieden ab (1:1, 0:0) und auch das Premier-League-Hinspiel zu Hause gegen den FC Arsenal endete mit einem Remis (1:1). Den deutlichen Rückstand erklärt das jedoch nicht.

Doch schaut man sich die Ergebnisse der Liverpooler an, dann wird deutlich, dass sie so unkonstant überhaupt nicht spielen. Sie gewannen sechs der letzten acht Spiele, verloren eben bei ManU und leisteten sich das Unenschieden gegen Chelsea. Der deutliche Rückstand resultiert aus der Zeit davor. Zwischen dem 30.12.07 und dem 30.1.08 holten die „Reds“ nur vier Punkte aus fünf Spielen, während die Konkurrenz punktete und davonzog. Zwischenzeitlich mussten sich die Fans an der Anfield Road sogar Gedanken um Platz Vier machen, dem letzten, der für die Qualifikation zur Champions League berechtigt. Doch im Anschluss an den Seuchenmonat im Januar baute sich Liverpool ein Fünf-Punkte-Polster auf den Nachbarn aus Everton. Nach hinten ist man also abgesichert.

Doch ein Klub wie der FC Liverpool, der in den letzten drei Jahren zweimal im Champions League Finale stand, eines davon (04/05 nach 0:3-Halbzeitrückstand gegen den AC Mailand) sensationell gewann und durch den Uefa-Cup-Sieg 2001 zu den in Europa erfolgreichsten seit der Jahrtausendwende gehört, muss natürlich auch auf der heimischen Insel Erfolge feiern. Den letzten Meistertitel gab es 1990 und damit noch vor Einführung der Premier League. Die Champions League Erfolge trösten zwar über diese Durstphase hinweg. Doch so langsam wird es beim Traditionsklub der Hafenstadt zur Methode, die schwachen Leistungen in der Liga mit grandiosen Abenden in der Champions League zu übertünchen.

Steht in der Liga eine andere Mannschaft auf dem Platz? Keine anderen Spieler, auch wenn Rafa Benitez teilweise dem Rotationsprinzip Ottmar Hitzfelds zu huldigen scheint, sondern eine andere Spielweise? Oder die gleiche Spielweise, nur andere Gegner? Liverpools Problem ist, dass in England kein Team mehr Angst hat, wenn es zu Gast in Anfield ist. Jeder weiß, dass das Team zu schlagen ist, sobald vor dem Spiel keine Hymne ertönt, die den Champions-League-Schalter im Kopf umlegt. Und aus diesem Grund werden die Fans auch in den nächsten Jahren nur zuschauen dürfen, wenn die Spieler von Manchester, Chelsea oder Arsenal den Titel unter sich ausmachen. Jetzt am Wochenende wird man wohl wieder das Liga-Liverpool sehen und kann sich ein gutes Bild über den Unterschied machen. Den der Gegner heißt, wie schon am Mittwoch, FC Arsenal.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: