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Klinsmann 2.0

12. Januar 2008

Nicht Hiddink, nicht Lippi und auch nicht Mourinho. Der Nachfolger von Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld ist ein alter bekannter Unbekannter. Bekannt in der ganzen Welt als Autor des Sommermärchens der deutschen Nationalmannschaft. Unbekannt in der Welt des Vereinsfußballs. Jürgen Klinsmann ist eine gefährliche Lösung des Trainerproblems beim deutschen Rekordmeister. Er kostet dem Vernehmen nach nicht nur unglaublich viel Geld – im Gespräch sind 8 (in Worten: acht) Millionen Euro pro Jahr – und bringt viele zusätzliche Leute mit, die ebenfalls nicht kostenlos arbeiten werden. Er wird beim Rekordmeister auch viele althergebrachte Traditionen brechen. Und das mag man in Bayern – traditionell – gar nicht.

Wenn man die Führungspersonen aus München hört, könnte man denken, dass sie genau das gesucht haben. Jemanden, der den Laden mal so richtig aufräumt und damit genausoviel Erfolg hat, wie bei der Nationalmannschaft. Leider haben sie in München nicht genau hingeschaut, denn Klinsmann wurde mit der Nationalmannschaft bei der WM „nur“ Dritter. Das kann er sich in München ab sofort nicht mehr leisten. Genauso wenig diesen Umgangston, mit dem er seine Mannschaft zu motivieren gedachte. Man stelle sich vor: Champions League Viertelfinale. Bayern gegen den AC Mailand. Nach einem 0:0 im Hinspiel bereitet Klinsi seine Bayern auf das Rückspiel mit einer Ansprache vor, die nicht allen gefällt…“Wir haben ein Ziel und das lassen wir uns nicht nehmen…schon gar nicht von diesen Scheiß-Italienern.“ Daraufhin kündigt Luca Toni genauso seinen Vertrag, wie es Franck Ribery und Willy Sagnol nach dem Weiterkommen im Achtelfinale gegen Olympique Marseille getan haben. Im Finale unterliegen die Bayern dann dem FC Porto, die mit dem neuen alten Coach Jose Mourinho erfolgreich sind.

Das sind natürlich alles Spielereien und Klinsmann wird seine Form der Ansprache finden, die keine Nationen herunterbuttert. Die Frage wird trotzdem sein, wie es Klinsmann schafft, diese mit starken Persönlichkeiten gespickte Mannschaft zu einer Gemeinschaft zu machen und sie dazu zu bringen, seine Methoden mitzumachen und auch zu tragen, wenn es mal nicht läuft. Wenn ein Edeltechniker wie eben Ribery zum 100sten Mal ans Deuser-Band muss um seinen Antritt noch schneller und dynamischer zu machen, wie es der amerikanische Spezialist ihm befiehlt. Klinsmann muss sich entwickeln. Von Version 1.0, die für die Nationalmannschaft genau das richtige war, zur Version 2.0: Der Bundesliga-Version.

Die deutschen Nationalspieler in Diensten der Bayern werden die Neuverpflichtung indes mit einem siegesgewissen Lächeln aufgenommen haben. Poldi, Schweini und Lahm werden nun nicht nur in der Nationalmannschaft überragende Leistungen bringen, sondern auch im Verein. Wenn das System Klinsmann auch auf Vereinsniveau funktioniert, wäre das übrigens der Tod für die Herren Neururer, Funkel und Co., die „diese Methoden“ im Vorfeld der WM kritisierten und sich vor allem bockig wegdrehten, als es hieß, sie würden altmodisch trainieren.

Jürgen Klinsmann wird die Bundesliga auf alle Fälle bereichern. Ich persönlich hätte trotzdem lieber Mourinho gesehen…

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