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Surreales Erlebnis

14. November 2007

Da stand ich also, zwischen Leuten, die ich vor ein paar Monaten noch mit unflätigen Ausdrücken bedacht und ihren Verein als das schlimmste anzunehmende Übel angesehen hatte. „Forza SGE“ schallte es mir um die Ohren und trotz allem, was da mal war, fühlte ich mich animiert mitzuschreien. Das lag allerdings nicht an den Fans um mich herum, sondern an der Abneigung dem anderen Team gegenüber.

Das hatte sich vor dem Spiel so entwickelt, als sich einige der, jetzt sag ichs mal, Dortmunder Fans gemüßigt fühlten, einem Kumpel von mir seinen Schal zu klauen und ihn auch erst wieder herauszugeben, als unsere einzige Frau im Dreierteam behauptete, es wäre ihrer. Solche Typen hab ich in 22 Jahren Berlin nicht kennengelernt.

Wie auch immer, die SG Eintracht Frankfurt spielte im Westfalenstadion gegen den BV Borussia Dortmund und das Schicksal wollte es so, dass ich im Gästeblock stand und mit mir rang, ob ich diese Parteinahme für einen Verein, den ich, wie bereits erwähnt, vor einigen Wochen noch als „Frankfurter Hurensöhne“ bezeichnet hatte, mit meinem Gewissen vereinbaren könne. Denn in mir schrie jemand, dass ich hier nicht hingehöre, dass ich meinem Verein fremd gehe.

Letztendlich entschied ich mich dafür, die Schlachtrufe, die etwas mit „Ich bin dir ewig treu“ und „Alles außer Frankfurt ist scheiße“ auszulassen. Ich freute mich über die Führung der Eintracht, fluchte über den BVB-Ausgleich und das entscheidende 2:1 für die Borussia. Nach dem Spiel war ich vollständig damit beschäftigt, meinen Frakfurter Kumpel davon abzuhalten, jede Gruppe von über 20 Personen als „Dortmunder Hurensöhne“ zu bezeichnen. Das war schwer, gehörte aber dazu. Wie sich der Abend dann noch entwickelte, weiß ich nicht mehr. Es war alles irgendwie surreal. Am nächsten Morgen wachte ich auf und schaute auf den Hertha-Schal, der über meinem Spiegel hängt. „Immer wieder, immer wieder, immer wieder BSC. Von der Elbe bis zur Isar, immer wieder BSC!“ Sorry, Eintracht. Aber dafür reicht es dann doch nicht.

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