h1

Die zwei Phrasen des Lucien Favre

28. August 2007

André Lima hat bei Hertha BSC unterschrieben. Der brasilianische Torjäger ist laut Trainer Lucien Favre „ein bisschen für die Zukunft.“ Nun fragt sich der Hertha-Fan nicht ganz zu Unrecht: Wie bitte? Lima kostet 3,5 Millionen, hat in der brasilianischen Liga bereits einige Tore erzielt und eigentlich hatte man gedacht, er wäre eine sofortige Verstärkung. Favre erklärte allerdings: „Wenn ein junger Spieler aus Brasilien nach Europa kommt, braucht er immer eine gewisse Eingewöhnungszeit.“

Das Wort „immer“ gehört zu Favres Lieblingsvokabular. Der Schweizer beginnt Sätze gerne mit der Phrase: „Es ist immer schwer/leicht/gut/schlecht…“ Damit sagt er zugleich etwas und nichts. Sehr diplomatisch, aber auf die Dauer nervend. Auf die Frage, ob es der Mannschaft Auftrieb gebe, wenn sie das erste DFB-Pokalspiel gegen Unterhaching gewänne, antwortete Favre vor der Saison: „Es ist immer gut, mit einem Sieg zu starten.“ Das gleiche sagte er auch bei den Freundschaftsspielen der Vorbereitung. „Es ist immer gut, 3:0 zu gewinnen…“ „Es ist immer gut viele Tore zu schießen…“ „Es ist immer gut gar nichts zu sagen…“

Favres zweite Lieblingsphrase ist: „Ich brauche Zeit.“ Er wird sie bekommen, wozu der Sieg im ersten Heimspiel gegen Stuttgart immens beigetragen haben dürfte. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn Hertha nun zusammen mit Rostock im Tabellenkeller herumdümpeln würde. Aber – und das muss fairerweise gesagt werden – es hätten ja sogar schon drei Punkte mehr sein können. Denn in Bielefeld war Hertha über die gesamten 90 Minuten überlegen, traf zweimal die Latte und scheiterte an Bielefelds Keeper Hain. Bielefeld selbst hatte eigentlich keine Torchancen, Hertha verlor durch eigene, bittere Fehler. Es fehlte im Sturm an der Durchschlagskraft. Doch mit der Verpflichtung von André Lima – der niemals nur Lima genannt werden möchte, weil es in seiner Heimat einen Lima gibt, der wesentlich schlechter ist als André Lima – sollte das ja eigentlich behoben sein…

Eigentlich, wie gesagt. Wenn Lucien Favre nicht seine beiden Lieblinsphasen gesagt hätte, die dem ganzen einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht hätten: „Es ist immer gut, einen talentierten Stürmer in der Mannschaft zu haben. Er braucht aber noch Zeit…“ Na super…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: