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Neue Sterne am Berliner Himmel

21. April 2009

Marko Pantelic liebt den großen Auftritt. Er gehört zu der Sorte, die extra spät auf einer Party erscheinen, um die Aufmerksamkeit für sich alleine zu haben. Wenn dann jemand noch später kommt, akzeptiert er das zwar, würde ihn aber indirekt beschuldigen, seine Idee geklaut zu haben. Marko Pantelic ist eigentlich ein Mann des Theaters. Vielleicht will er auch deshalb so gerne in Berlin bleiben, weil das Olympiastadion mit seinem speziellen Flutlicht genau diese Theateratmosphäre hervorrufen soll. Der Rasen ist die Bühne des Serben. Das Problem ist nur, dass er lange Zeit nur noch die Zweitbesetzung der Hauptrolle war.

Doch nun, am Sonntagnachmittag, bekam er seine Chance. Nicht als Aushilfe, nein, so richtig als Hauptdarsteller von Beginn an. Die Erstbesetzung hatte sich bei der letzten Aufführung arg daneben benommen. Die Bühne war frei, nur für ihn. Marko Pantelic liebt solche Geschichten und auch die Fans lieben sie. Die Situation war wie gemalt für ihn. Mit ein, zwei zusätzlichen Pinselstrichen hätte er das von Andrey Voronin und dem Rest der Mannschaft begonnene Gemälde derartig verschönern können, dass am Ende sein Name am größten am rechten unteren Rand zu sehen gewesen wäre. Drei Spiele, Bremen eingeschlossen, würde Voronin der Mannschaft fehlen. Drei Aufführungen Zeit für Marko Pantelic, den Fans das bereits geplante, aber nie realisierte Denkmal wieder in Erinnerung zu rufen, die verstaubte Blaupause wieder aus der Schublade zu holen.

Pantelic war sich dessen bewusst. Doch die Erwartungen der Fans und auch seine eigenen an sich schienen ihn zu hemmen. Nicht, dass er sich nicht bemüht hätte. Doch Bemühen allein reicht eben nicht – vor allem nicht im Theater. Folgerichtig wurde er zu Beginn des dritten Akts von Regisseur Favre vom Feld genommen und durch die Dritt- und Viertbesetzung ausgetauscht. Die Kritiken waren zurecht schlecht, auch wenn die Zuschauer im Theater das anders sahen. Aber sie wussten ja auch nicht, wie Favres Plan für den letzten Akt aussah.

Als Pantelic vom Platz ging, gab es die für das dramatische Theater typische Wendung. Neue Protagonisten treten auf den Plan und verändern das bisher Geschehene in eine wie auch immer geartete Richtung. In Herthas Fall in Richtung Happy End. Domovchyiski, Piszczek und Chermiti drehten das Spiel mit dem Schwung, den sie von der Bank mitbrachten. Aus einer schlechten Aufführung und einem unzufriedenen Publikum machten sie einen Kassenschlager. Piszczek, der vor seinen zahlreichen Verletzungen schon ansatzweise zeigte, wie er das Ensemble mit seiner überragenden Technik in eine andere Liga heben kann (und der gegen Bremen noch nicht einmal die Hälfte davon zeigen musste). Domovchiyiski, der mit seiner Dynamik und der für bulgarische Fußballer typischen Mischung aus Lässigkeit und Eleganz den Gegner schwindelig spielen kann. Und nur deshalb zuletzt, weil er den letzten Akt am meisten prägte: Chermiti, der Tunesier, der erst einmal ein paar Monate brauchte, um zu realisieren, dass er in Deutschland so bekannt ist, wie Mark Stein in Tunesien und allein durch seine Art Fußball zu spielen die Aufmerksamkeit auf sich lenken muss.

Er tat es in beeindruckender Art und Weise. Dass Chermiti schnell ist, wusste man. Dass er sich technisch nicht zu verstecken braucht auch. Aber irgendwie schwang bei dem erst 21-Jährigen immer eine unangenehme Art von Arroganz mit, die so gar nicht zu der Mentalität des schweizer Regisseurs bei Hertha zu passen schien. In der Wintervorbereitung fiel Chermiti vor allem dadurch auf, dass er bei einem Vorbereitungsturnier in Manier eines Francesco Totti einen Elfmeter genau in die Arme des Torwarts „chippte“. Das war typisch für seine Situation, denn so ein Ball geht in 90% der Fälle ins Tor. In 90% der Fälle fiel Amine Chermiti der Erfolg in den Fuß. In Berlin musste er dafür plötzlich hart arbeiten. Er tat es. Und wie es aussieht, wird er nun dafür belohnt. Wie er vor dem Siegtreffer von Raffael dem Brasilianer Naldo den Ball abluchste, war zwar eigentlich regelwidrig, aber vor allem verdammt clever. Chermiti erzwang das Glück, nachdem zuvor Cicero und dann er selbst per Kopf nur den Pfosten getroffen hatten und der Rückstand durch ein halbes Eigentor zustande gekommen war. Genau das war es, was den Herthanern bei den letzten drei Niederlagen in Folge gefehlt hatte. Und eben nicht Marko Pantelic.

Pantelics Chance auf sein Denkmal – so sehr ich es ihm gönnen würde – sind weiter gesunken. Am Himmel von Berlin zeichnen sich dafür langsam neue Sterne ab.

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Von Schulden und Begehrlichkeiten

16. Dezember 2008

Nehmen wir mal an, ich will einen DVD-Abend veranstalten und dafür in meinen vier Wänden für Kinoatmosphäre sorgen. Ich benötige dafür einen Beamer und eine Dolby-Surround-Anlage. Die Wand ist schon vorhanden, da ich seit meinem Einzug nichts gegen die weiße Krankenhaus-Stilistik getan habe, außer ein paar Bilder aufzuhängen. Sie ist weiß. Ich schaue mich also um, wo bekomme ich möglichst günstig einen Beamer her und wo eine Anlage, die in den entscheidenden Momenten Gänsehaut verursacht? Für den Beamer mache ich sehr schnell eine Agentur ausfindig, die zwar nicht billig ist, aber bezahlbar. Ich leihe mir von dort ein Traumgerät, dass ich mir – würde ich es kaufen wollen – nicht leisten könnte. Als nächstes sorge ich für den Ton, ein Geschäft bietet an, eine zum Kauf stehende Anlage zunächst einmal zwei Tage auszuprobieren. Lediglich eine Anzahlung ist vonnöten, die ich im Anschluss wiederbekäme, sollte ich mich gegen sie entscheiden. Ich bin perfekt ausgestattet, meine Gäste sind begeistert und nehmen mit einigem Erstaunen mein kleines Heimkino zur Kenntnis. Man fragt nicht, wo die Geräte herkommen, man nimmt sie einfach so hin und regt an, doch nun in regelmäßigen Abständen Kino-Abende in meinem Wohnzimmer zu veranstalten. Ich weiche mit einem „Mal sehen“ aus und überschlage im Kopf, was es mich kosten würde, den Standard zu halten und womöglich hier und da noch zu verbessern (Stichwort: Beqeumes Sofa mit Platz für alle). Ich merke allerdings schnell, dass das meinen finanziellen Horizont übersteigt. Trotzdem sage ich kommenden Abenden nicht ab, sondern ermutige sogar zu Terminvorschlägen. Ich lebe über meine Verhältnisse.

Genauso scheint es Hertha BSC zurzeit zu ergehen. Mit Leih-Spielern wie Andrey Woronin, der vom FC Liverpool – dem aktuellen Tabellenführer der reichsten Liga der Welt – gekommen ist und Cicero, der immernoch seinem Ex-Klub Fluminense Rio de Janeiro gehört, hat sich der Berliner Bundesligist an die Tabellenspitze gespielt. Woronin würde das Gehaltsgefüge in neue Dimensionen heben, wenn Liverpool nicht einen Anteil davon bezahlen würde und Cicero soll etwas mehr als drei Millionen Euro kosten. Alles Geld, das Hertha in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht mal eben so ausgeben kann. Das wird vor allem dann deutlich, wenn man sich die Transferbilanz der letzten Jahre anschaut.

Als der Verein endlich einmal auch finanziell von seiner Jugendarbeit profitierte, also in loser Reihenfolge die Spieler Kevin-Prince Boateng, Malik Fathi, Jerome Boateng und Christopher Schorch für knapp 14 Millionen Euro verkaufte und zusätzlich Gilberto und Christian Gimenez für insgesamt etwa 5 Millionen loswurde, war dringend benötigtes Kapital endlich vorhanden, um dem neuen Trainer eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zusammenzustellen. Mit den Brasilianern Raffael und Lucio, den Schweizern von Bergen und Lustenberger, dem Serben Kacar, dem Amerikaner Arguez und dem ausgeliehenen Tschechen Skacel wurden bereits in der letzten Saison mehr als 12 Millionen reinvestiert.

In diesem Jahr gelang es dem Manager dann immerhin noch einmal knapp 3 Millionen Euro für die Spieler Okronkwo, Lima, Lakic und Cubukcu einzunehmen. Dem gegenüber stehen allerdings Ausgaben für die Stürmer Chermiti und Domovchyiski, die Verteidiger Kaka und Rodnei, sowie Mittelfeldspieler Nicu und die Leihgebür für Cicero – alles zusammen etwas mehr als 6 Millionen Euro. Hinzu kommt das Gehalt von Andrey Woronin, das allerdings, wie schon erwähnt, von Liverpool mitgetragen wird. Unter dem Strich bleibt von den Transfereinnahmen nichts mehr übrig, im Gegenteil. Und da Hertha nach wie vor mit mal mehr, mal weniger als 30 Millionen Euro in der Kreide steht und wegen Vorab-Deals in Zukunft keine großen Einnahmen zu verzeichnen hat, sind große Sprünge nicht unbedingt geboten.

In diese Situation hinein spielt Hertha die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte. Das weckt Begehrlichkeiten. Man darf allerdings hoffen, dass die Hertha-Oberen aus den Fehlern von damals, den Zeiten der Qualifikation zur Champions League, gelernt haben. Das ein Lernprozess eingesetzt hat, zeigt zumindest schon der Leih-Vertrag von Cicero. Der Brasilianer ist an Hertha bis zum Jahr 2010 ausgeliehen. Danach kann Manager Hoeneß – sofern er dann noch im Amt ist – die Kaufoption ziehen. Der Verein hat also noch bis zur WM in Südafrika Zeit, die etwas mehr als drei Millionen Euro für den neben Kacar im Mittelfeld überragenden Mann der Hinrunde aufzutreiben. Das sollte auch angesichts der positiven Entwicklung der Mannschaft nicht das Problem sein. Viel schlimmer ist in Berlin der neue TV-Vertrag aufgenommen worden, nach dem Hertha 7,5 Millionen anscheinend eingeplante Euros fehlen. Da kann man sich wieder fragen: Warum plant der Verein mit Einnahmen aus Verträgen, die zum Zeitpunkt der Planung noch nicht geschlossen waren? Was die Peanuts aus dem UEFA-Cup angeht, ist man doch auch immer so vorsichtig herangegangen und hat nur die erste Runde in die Bilanzvorschau eingerechnet…

Jetzt muss also wieder gespart werden und die Experten um Finanzboss Schiller haben sich Erstes an den Personaletat gesetzt. Dieser ist mit kalkulierten 31 Millionen Euro für einen ambitionierten deutschen Erstligisten schon erstaunlich klein. Wie verträgt sich also das ohnehin schon hohe Anspruchsdenken der sportlichen Führung mit den finanziellen Möglichkeiten des Vereins? Es scheint fast so, als gingen die Ansichten da weit auseinander. Es stellt sich die Frage: Wie soll man gleichzeitig einen der Mannschaft unheimich guttuenden und keinesfalls abwanderungswilligen Andrey Woronin halten, den Vertrag mit Kapitän Arne Friedrich verlängern, die Kaufoption für Cicero ziehen, möglicherweise doch Marko Pantelic behalten und die Mannschaft zusätzlich noch punktuell verstärken? „Alles geht nicht“ hat Präsident Werner Gegenbauer vor ein paar Tagen gesagt. Also heißt es jetzt Prioritäten zu setzen.

Daher wird Publikumsliebling Pantelic den Verein – wenn irgendwie möglich – bereits im Winter verlassen. Das freiwerdende Gehalt (1,5 Millionen) wird brüderlich auf den neuen Brasilianer Junior Cesar und Arne Friedrich verteilt, der dann neuer Spitzenverdiener ist. Die hoffentlich hohe Ablöse wird dann in die Bilanz gesteckt. Desweiteren muss Hoeneß hoffen, dass sowohl der Bulgare Domovchyski, als auch der Tunesier Chermiti in der Rückrunde voll einschlagen, um einen Verbleib von Woronin nicht zwingend notwendig zu machen. Das ist nicht unmöglich, aber dafür muss wirklich alles passen – so wie in der Hinrunde. Und damit kommen wir zum Dilemma der Berliner Situation. Die Mannschaft kann fantastischen Fußball spielen, sie kann hinten sicher stehen und vorne toll kombinieren. Sie kann Tore schießen und die taktischen Vorgaben des Trainers umsetzen. Sie kann das aber auch alles einfach nicht tun, wie in den Spielen gegen Bayern (1:4), Bremen (1:5), Cottbus (0:1) und Schalke (0:1). Wie in den Spielen gegen Bielefeld (1:1), Leverkusen (1:0) und Hamburg (2:1). Wie immer wieder vereinzelt in fast allen anderen Spielen außer dem Auftaktsieg in Frankfurt (2:0). Immer wieder zeigt dieses Team Schwächen, die in anderen Zeiten, wenn das Glück gerade mal kein Hertha-Trikot anhat, zu Niederlagen führen können. Und die Frage aller Fragen ist, ob sie sich – so wie in der Hinrunde – aus diesen Situationen auch dann noch befreien kann, wenn Spieler wie Pantelic oder Woronin nicht mehr dabei sind.

Der Mann, der mir Hoffnung macht, dass es auch ohne sie gelingen kann, sitzt bei Hertha auf der Bank und heißt Lucien Favre. Was der Schweizer in Berlin leistet, ist mit Worten eigentlich nicht zu beschreiben. Denn auch wenn Hertha in dieser Hinrunde wirklich viel Glück hatte, hat das Auftreten der Mannschaft in anderen Situationen als den oben beschriebenen immer wieder gezeigt, dass dieses Glück nicht geschenkt, sondern erarbeitet ist. Es steckt System dahinter, wie Hertha agiert. Wie Hertha kombiniert. Und defensiv verschiebt. Vielleicht schafft dieser in der Öffentlichkeit manchmal ein wenig bieder wirkende Schweizer es tatsächlich, in Berlin nicht nur ein Personaletatschrumpfen, einen Publikumsliebling-Transfer, eine Führungs- und die Finanzkrise zu überstehen, sondern sogar den doch sehr optimistischen Drei-Jahresplan von Manager Hoeneß zu erreichen. Ich sage es gleich vorweg: Ich bin ihm nicht böse, wenn er das Ziel, um die Meisterschaft mitzuspielen, schon in diesem Jahr erreicht. Aber selbst wenn es nicht mal in der nächsten Saison damit klappt, hat Favre in Berlin etwas geschafft, was ich seit ich Hertha-Fan bin, hier noch nicht gesehen habe: Eine modern spielende und taktisch auf hohem Niveau agierende Mannschaft zusammenzustellen, bei der es richtig Spaß macht, zuzuschauen.

Vielleicht merken die Berliner Zuschauer das ja in der Rückrunde auch irgendwann mal und kommen nicht nur ins Stadion wenn der Gegner Hoffenheim, Bayern, Istanbul oder Liverpool heißt.

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Scholl führt Favre vor

4. Dezember 2008

Mehmet Scholl war vor gar nicht allzu langer Zeit ein großer Fußballer. Scholl gewann zahlreiche deutsche Meisterschaften, den DFB- und Uefa-Pokal, die Champions League. Dass er die Nationalmannschaft nie zu einem Titel führte, lag eigentlich nur an seinen ständigen Verletzungen und dem Pech ausgerechnet dann einmal fit gewesen zu sein, als Erich Ribbeck Nationaltrainer war. Man kann trotzdem sagen, dass Scholl mit Fug und Recht von sich behaupten kann, zumindest mitgehalten zu haben. Am Mittwochabend – der mittlerweile 38-Jährige arbeitet als TV-Experte in der ARD – sagt Scholl viele, für einen TV-Experten ungewöhnliche Dinge. Zum Beispiel dies: „Es sieht so aus, als könnten zwei, drei Spieler von Hertha das Niveau nicht mitgehen.“

Da waren 45 Minuten gespielt im Uefa-Cup-Duell zwischen Hertha BSC und der HeimGastmannschaft von Galatasaray Istanbul und die Berliner hatten eine Lehrstunde des internationalen Fußballs bekommen. Dass es noch 0:0-Unentschieden stand, hatte Hertha nur seinem Torwart Jaroslav Drobny zu verdanken. Mehrfach musste der Tscheche den Ball vor dem Überschreiten der Torlinie retten, was ein Großteil der Fans im mit  62.612 gefüllten Olympiastadion mit dem türkischen Ausdruck für Enttäuschung quittierte. Die Berliner Fans hatten ihren türkischen Freunden das Stadion weitestgehend überlassen, sodass sich vor allem der Brasilianer Lincoln wie im heimischen Ali Sami Yen gefühlt haben muss. Der ehemalige Schalker gestaltete sich sein Spiel, als wollte er einen hämischen Gruß nach Enschede senden. Dort mangelte es seinen ehemaligen Kollegen wie schon zuletzt an kreativen Impulsen aus dem Mittelfeld – Schalke verlor mit 1:2.

Lincoln verlor nicht, was auch an den „zwei, drei“ Herthanern lag, die, laut Scholl, nicht mithalten konnten. Angesprochen fühlen dürften sich alte Bekannte wie Sofian Chahed, Mark Stein oder Patrick Ebert, wobei letzterer nach Verletzungspause sein erstes Spiel von Anfang machte und zu Beginn der Saison immer zu den besten Berlinern zählte. Doch wenn sich ein Trainer für die Viererkette entscheidet, dann braucht er auch starke, schnell den Ball verarbeitende und wieselflinke Außenverteidger vom Typ Lahm, Rafinha oder Beck. Hertha hat Sofian Chahed, der sicher oft unterbewertet wird, der aber trotzdem öfter Probleme hat einen Pass an den Mann zu bringen, als ein ukrainischer Schleuser. Und Hertha hat Mark Stein – Chaheds Gegenstück auf links. Hochtalentiert, aber noch lange nicht da, wo man als Außenverteidiger einer guten Mannschaft sein muss.

Eine große Mitschuld an der Niederlage muss sich auch Lucien Favre auf die schweizer Fahne schreiben lassen. Es war erstaunlich zu sehen, wie sich ein hochqualifizierter Fußball-Trainer bei der Analyse vor den TV-Kameras, welche – zugegebenermaßen – für ihn ungewohnt ist, um Kopf und Kragen redet. Scholl bemängelte die fehlende Aggressivität der Herthaner, Favre widersprach und schob die Niederlage auf die schwache Balleroberung. Dass beides unmittelbar zusammenhängt, versuchte Scholl dann zwar noch zu erklären, Favre blieb aber unbelehrbar. Dabei gab es einige Szenen, die genau dies bewiesen und vor allem zeigten, dass einige Spieler sich schon besser wähnten, als sie eigentlich sind. Beispiel Raffael: Der Brasilianer spielte bisher in der Schweiz, wo sehr kulturgemäß, ein eher gemächlicher Fußballstil geprägt wird. Um diesen in der Bundesliga abzulegen, hat Raffael fast ein Jahr gebraucht und dachte wohl, er wäre jetzt vollkommen. Doch was passiert, wenn der gegnerische Spieler nicht nach einem Haken wegbleibt, sondern nachsetzt, wie es die Türken mehrfach praktiziert haben, hat man gestern gesehen. Selten zuvor verlor der Brasilianer so viele Bälle im direkten Zweikampf.

Favre sollte dann erklären, wie es zu der Niederlage kam, erwähnte eine „Unterzahl im Mittelfeld“, woraufhin Scholl blitzschnell die Chance nutzte, um seine These einzuwerfen: „War es, weil ihr mit zwei Stürmern gespielt habt?“ Favre schüttelte zunächst den Kopf, abwehrend, fast pikiert. Nur um dann genau das zu bestätigen. Es stellt sich die Frage, warum er dann nicht früher reagiert hat? Favre wartete bis zur Halbzeit und brachte dann – statt einen Mann mehr ins Mittelfeld zu stellen – Steve von Bergen für den angeschlagenen Sofian Chahed. Hätte hier nicht die Chance auf eine Dreierkette bestanden, die einen Mann mehr im Mittelfeld bedeutet hätte?

Der mit Spannung erwarteten Frage, warum Favre Pantelic ausgewechselt habe, wich der Schweizer sehr uncharmant aus: „Ich musste etwas ändern, es gab keinen Grund.“ Natürlich gab es einen. Pantelic agierte unglücklich, hätte sich oft viel schneller vom Ball trennen müssen und entschied sich zu häufig für den Fernschuss, statt nochmal den Ball quer zu legen. Das hätte er – ohne den Streit neu anzufachen – erklären können. Und hätte vermutlich sogar etwas Schärfe aus der Diskussion genommen. So klang es wieder so, als musste der Serbe zuerst raus, weil er – Favre – ihn am wenigsten mag.

Interessant wäre es noch gewesen, eine Anmerkung Scholls aus der Halbzeitpause aufzugreifen. Dort hatte Scholl beobachtet, dass Hertha erst um 20.13 aus der Kabine gekommen war. International kundige Profis wissen, dass das Fenster zum Warmmachen bei Uefa-Spielen genau von 20.05. bis 20.35 Uhr geöffnet ist. Hertha hat also acht Minuten verschenkt, was Scholl nicht bewertete, sondern nur anmerkte, dass er es immer lieber mochte, wenn er ein paar Minuten Zeit hatte.

So blieben am Ende mehrere Erkenntnisse:

1. Vor dem 18. Dezember – dem Finalspiel um den Einzug in die KO-Runde in Piräus – sollte „internationale Härte“ auf dem Trainingsplan stehen. Denn wie Galatasaray den Berlinern immer wieder den Schneid abkaufte, war teilweise eine Vorführung.

2. Hertha braucht dringend neue Außenverteidiger bzw. Alternativen auf diesen Positionen. Mark Stein und Sofian Chahed können nicht den Ansprüchen von Favre genügen. Und Steve von Bergen sollte auf Stürmer umschulen. Rund um den eigenen Strafraum ist er eine zu große Gefahr.

3. Marko Pantelic und Andrey Woronin scheinen nicht zusammen zu passen. Das erinnerte an die Zeiten von Daei und Preetz. Pantelic muss sich außerdem öfter vom Ball trennen. Gegen Galatasaray war er ein Fremdkörper im Hertha-Spiel, machte nur sein eigenes Ding.

4. Hertha hat mal wieder eine Chance vergeben, sich deutschlandweit zu präsentieren. Als die Mannschaft plötzlich aufwachte und Riesenchancen, sowie zwei Elfmeterwürdige Szenen produzierte, waren vermutlich die Hälfte der Zuschauer schon zu Peter Zwegat übergelaufen. Die eher peinliche und sehr zugeknöpfte Vorstellung von Favre im Anschluss habe dann hoffentlich nur noch ich gesehen…

5. Mehmet Scholl ist eine Wohltat für die ARD!

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Parkplatzprobleme bei Hertha!!!

27. November 2008

Also, ich habe ja mit Hertha – trotz meines noch relativ jungen Alters – schon eine ganze Menge erlebt. Den Aufstieg in die erste Liga, den Abstiegskampf im ersten Jahr, die Champions League Qualifikation im zweiten Jahr. Dann die Jahre der Stagnation im Uefa-Cup, das Fast-Abstiegsjahr unter Huub Stevens und Hans Meyer und schließlich die positive Entwicklung unter Lucien Favre. In all diesen Jahren wurde häufig negativ über „meinen“ Verein berichtet (wenn man die ersten Jahre der Euphorie mal ausklammert), weil es keine positiven Meldungen gab. Hertha dümpelte als graue Maus in der Liga herum, schied regelmäßig gegen unterklassige (DFB-Pokal) oder unaussprechliche (Uefa-Cup) Gegner aus den Pokalwettbewerben und machte nur dann überregionale Schlagzeilen, als die „Ghetto-Kids“ den Verein zu übernehmen drohten.

Nun, momentan ist das ein wenig anders. Sogar die Süddeutsche Zeitung brachte ein Porträt über Pal Dardai, die Süddeutsche! Die sonst immer nur dpa- oder sid-Spielberichte abdruckte, wenn eine Berliner Mannschaft spielte. Es hat sich also irgendetwas verändert. Klar, die Mannschaft spielt für einige erstaunlich, für andere erwartet, guten Fußball. Ist Vierter der Tabelle und hat drei Spieltage vor Beginn der Winterpause die realistische Chance sich oben festzusetzen. Effizienz-Meister ist man ja schon. Warum nicht auch Herbstmeister? Nein, das kann sich nun wirklich keiner vorstellen. Außer Cicero und Raffael. Und es wäre ja schon allein deshalb fair, weil dann jemand mit seiner Prognose aber sowas von auf die Fr… gefallen wäre…Aber wenn wir mal ehrlich sind: Marcelinho hat auch ständig von der Meisterschaft gesprochen.

Es gibt allerdings ein Anzeichen dafür, dass Hertha zumindest momentan in die Spitzengruppe aufschließt. Nein, ich meine nicht die effektive Spielweise und Punktausbeute. Und ich meine auch nicht die Tatsache, dass die Verletzten langsam alle wieder zurückkehren und Lucien Favre in Zukunft sogar mal andere Spieler als den völlig ausgepumpten Lustenberger oder Domovchyiski einwechseln kann. Was ich meine, ist, dass es bei Hertha derzeit nichts Negativeres zu berichten gibt, als den „Skandal“, dass Lucien Favre den Stammparkplatz von Marko Pantelic benutzt hat.

Auch schön (und dank dieser Story wieder da): Die Hertha-Soap

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Des einen Leid ist des anderen Freud

18. November 2008

Wahrscheinlich ist sich Marko Pantelic seiner Außenwirkung gar nicht bewusst. Der Serbe war ja einmal die Identifikationsfigur von Hertha BSC und es ist schon bemerkenswert wenn das Team, das ohne ihn angeblich offensiv Nichts zustande bringt, ohne ihn offensiv plötzlich Einiges zustande bringt. Immer öfter sogar Einiges mehr als mit ihm. Marko Pantelic stand am Samstag in der frühwinterlichen Kälte des Olympiastadions – die wärmende Mütze über sein mit den charakteristischen langen Haaren geschmücktes Haupt gestülpt – und sah nun schon zum wiederholten Male, wie sich sein Team dort unten von ihm befreite, sich von ihm los sagte, ja, ihn betrug.

Zum ersten Mal hatte sich diese Entwicklung beim Bundesliga-Duell mit dem VfB Stuttgart angedeutet als Hertha – mit Pantelic auf der Bank – den VfB 1:2 nach Hause schickte. Kurze Zeit später meldete sich der 29-Jährige – er selbst würde es wohl „triumphal“ nennen – mit einem Traumtor im Uefa-Cup gegen Benfica Lissabon zurück. Doch als er kurze Zeit später gegen die TSG Hoffenheim verletzt ausgewechselt wurde,  erst da (!) erzielte Andrey Woronin den Siegtreffer.

An diesem Samstag nun sah Marko Pantelic also den 2:1-Erfolg seiner (?) Mannschaft gegen den Hamburger SV. Hätten ihn die Fernsehkameras rund um die Uhr verfolgt, sie hätten wahrscheinlich einen Fußballer gezeigt, der auf dem Boden nach den ihn aus dem Gesicht gefallenen Gesichtszügen sucht. Pantelic merkt so langsam, dass seine Gehaltsvorstellungen pünktlich zu den entscheidenden Verhandlungen nicht mal mehr diskutabel sind. Sie sind utopisch, weil der Rechtsfuß nicht mehr die herausragende Stellung in der Mannschaft hat, wie noch vor ein paar Monaten.

Den größten Anteil an dieser Entwicklung hat Lucien Favre. Der Schweizer Trainer machte von Anfang an keinen Hehl daraus, dass er von einem Spieler, der keinen linken Fuß hat, nicht allzu viel hält. Weil Favre aber zunächst weder den nötigen Erfolg, noch das volle Vertrauen von Manager Hoeneß hatte, traute er sich nicht, den bei den Fans beliebten Torjäger aus dem Kader zu streichen – zumal Pantelic in der vergangenen Saison Herthas einziger verlässlicher Torjäger war. So begann eine Phase der Duldung – in eine höhere Wertschätzungskategorie schaffte es Pantelic bei Favre nie. Der Coach nahm jede Undiszipliniertheit Pantelics mit Genugtuung zur Kenntnis und sah dabei zu, wie sich sein Team mehr und mehr vom einstigen Führungsspieler emanzipierte. Vor diesem Hintergrund ist es fast verwunderlich und Pantelic hoch anzurechnen, dass er überhaupt noch für Hertha Leistung zeigte. Er selbst betonte stets, dass er für den Verein immer alles geben werde und lobte Manager Hoeneß bei jeder Gelegenheit. Natürlich wusste Pantelic, dass Hoeneß in schwachen Zeiten sein einziger Befürworter sein würde und – was vielleicht wichtiger war – der Mann, der Favres Engagement würde beenden können. Deshalb machte Pantelic gute Miene zum bösen Spiel, rieb sich für das Team auf und stieg bei den Fans zum unumstrittenen Liebling auf. Favres Meinung blieb allerdings auch nach überragenden Spielen bestehen. Er verpflichtete zur neuen Saison Angreifer Amine Chermiti und hätte sich der tunesische Superstar nicht im Zuge der vorsaisonalen Uefa-Cup-Tour verletzt, er wäre wohl neben Raffael im Sturmzentrum gesetzt gewesen. Diesen Part hat nun – nach dem ersten Saisondrittel – Andrey Woronin übernommen. Pantelic steht außen vor. Und weiß das ganz genau.

Anders sind seine Reaktionen auf das Spiel seiner Mannschaft am Samstag nicht zu erklären. Keine Freude, kein Zucken in den Mundwinkeln, nur mechanisches, apathisches Klatschen. Marko Pantelic sieht seine schon sicher geglaubten Felle in Berlin davon schwimmen. Und er ist nicht der Einzige. Denn es saß an diesem Samstag auch ein Mann auf der Tribüne, der sich mehr als je zuvor über diese Entwicklung freute. Weil er im Fall Pantelic alles richtig gemacht hat. Dieser Mann hieß nicht (nur) Lucien Favre. Sondern Dieter Hoeneß.

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Spitzenteam oder nicht?

31. Oktober 2008

Was hat diese Saison nicht schon alles zu erzählen? Von strahlendem Offensiv-Fußball von Aufsteiger Hoffenheim. Von zu Beginn kriselnden und langsam Fahrt aufnehmenden Bayern. Von Leverkusenern, die mit junger Mannschaft und jungem Trainer schönen und zugleich erfolgreichen Fußball zelebrieren. Von Schalkern, die mit Nationalmannschafts-Frührentner Kuranyi mal sehr und mal gar nicht zufrieden sind. Die Liste könnte noch dreizehnfach weitergeführt werden. Jede Bundesligamannschaft hat in diesem Jahr ihre positiven und negativen Geschichten. Und meistens sind es andere, als noch im letzten Jahr. Wenn man die Presse allerdings nach Berichten über Hertha BSC absucht, findet man eigentlich immer nur einen Namen: Marko Pantelic.

Es kommt nicht von irgendwoher, dass es meistens in diesem Zusammenhang heißt: „Ohne Pantelic ist bei Hertha vorne doch gar nichts los.“ Und zehn Tore in 14 Pflichtspielen sprechen auch eine deutliche Sprache, obwohl man hinzufügen muss, dass der Serbe in neun Bundesligapartien bisher „nur“ dreimal getroffen hat und vier der zehn Treffer aus der ersten und zweiten Uefa-Cup-Qualifikationsrunde stammen. Ganz so treffend wie auf jeden Fall noch in den letzten Jahren ist dieses Argument also nicht mehr. Und mit nur einem guten Stürmer steht man nach zehn Spieltagen eben auch nicht auf Platz Fünf.

Ja, manche müssen jetzt vielleicht nochmal eben die Tabelle überprüfen (HIER z.B.), aber es ist Fakt: Hertha spielt bisher eine überraschend starke Saison. Nicht umsonst erkor der sonst eher zurückhaltende Tagesspiegel die Mannschaft von Lucien Favre in der Ausgabe vom 30. Oktober zur Spitzenmannschaft. Doch bevor die gleichen Kritiker, die oben wirklich nochmal nach der Tabelle schielen mussten, jetzt einwerfen, dass Hertha sich da oben ohnehin nicht halten werde und deshalb alle Euphorie verfrüht und unangebracht ist, muss tatsächlich zunächst einmal auf die Bremse getreten werden. Ja, Hertha hat erst zwei Saisonspiele verloren (Bayern, Cottbus). Aber die wirklichen Gradmesser kommen erst noch. Und zwar in den kommenden Wochen.

Zunächst müssen die Berliner nach Bremen reisen, dorthin also, wo man zurzeit fast ein wenig neidisch nach Berlin schaut. Denn die Sicherheit, die die Berliner Abwehr in den letzten Spielen ausstrahlte, wünscht sich auch Thomas Schaaf für seine Mannschaft. Doch selbst nach der Rückkehr vom zu Saisonbeginn verletzten Torsten Frings half dem verunsicherten Champions-League-Teilnehmer nicht. Resultate wie das 5:4 gegen Hoffenheim, das 3:3 gegen Dortmund oder das 1:4 in Stuttgart sind keine Ausrutscher, sondern Auswüchse einer längst überwunden gewähnten Naivität. Verletzungsprobleme werden als Ausrede nicht akzeptiert, die hat Hertha nämlich auch. Gerade deshalb wird es auch interessant sein zu sehen, ob es der neuen Hertha – der „Favre-Hertha“ – gelingt, diese Unsicherheiten einer Bundesligamannschaft auszunutzen. In den vergangenen Jahren versagten den Herthanern nämlich genau in solchen Spielen immer wieder die Nerven.

Nach dem Duell mit Werder kommt der dann wahrscheinlich immer noch Tabellenführer aus Hoffenheim und mit ihm Rückkehrer Sejad Salihovic nach Berlin. Wie man (im Mittwochs-Kicker) hört, ist Hertha an einer Verpflichtung des Bosniers interessiert und hofft wohl darauf, dass Salihovic aus seiner Zeit in Berlin noch mehr als einen Koffer in der Hauptstadt gelassen hat. Der Linksfuß machte laut Kicker allerdings zuletzt deutlich, dass er sich in Hoffenheim wohl fühle und nicht an einem Wechsel interessiert sei. Ebenfalls im Kicker äußerte sich Klaus Toppmöller über Salihovic. Es sei ihm „unbegreiflich, dass Hertha BSC ihn für 250.000 Euro ziehen ließ.“ Toppmöller ist ja bekannt dafür, jungen Talenten eine Chance zu geben und hätte Salihovic damals vermutlich niemals abgegeben. Wer ihn damals in Berlin gesehen hat, erkannte zwar seine Anlagen (vor allem bei Freistößen), dass er seine Chance in den zugegebenermaßen wenigen Einsätzen genutzt hätte, kann man aber auch nicht behaupten. Jedenfalls wird sich in diesem Spiel zeigen, wie sicher, die als gefestigt geltende Abwehr der Herthaner wirklich ist. Wahrscheinlicher ist, dass z.B. Joe Simunic erst einmal eine Halbzeit brauchen wird, um sich an das hohe Tempo der Hoffenheimer zu gewöhnen. Wenn es dann noch nicht 0:3 steht, hat Hertha sogar die Chance auf einen Punkt.

Als dritter Prüfstein in Folge kommt dann der Hamburger SV ins Olympiastadion, der sich nach der 0:3-Klatsche in Hoffenheim, mit einem abgeklärten 2:0 gegen Stuttgart wieder zurück in die Erfolgslaufbahn spielte. Trainer Martin Jol hat die holländische Sicht des Fußballs jedenfalls zunächst besser auf die Bundesliga übertragen, als Fred Rutten bei Schalke 04. Und Jol hat mit Thiago Neves noch ein brasilianisches Juwel in der Hinterhand, dass nur darauf wartet, endlich fertig geschliffen der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. Bisher konnte er nur viermal und dabei mit zwei Torvorlagen zu Siegtreffern zeigen, welche Fähigkeiten er hat. Gut vorstellbar ist es auf jeden Fall, dass Neves gegen Hertha wieder zum Stamm der Mannschaft gehört – was es für Hertha nicht leichter macht.

Bei den Berlinern wird alles darauf ankommen, wie sehr die Mannschaft an sich und das System des Trainers glaubt und sich vor allem daran hält, wenn es mal nicht so klappt. Bisher war das nur gegen die Bayern wirklich der Fall, die jährliche Heimniederlage gegen Cottbus kann zur überweltlichen Aufbauhilfe gezählt werden. Auch ob Marko Pantelic sich weiterhin und auch dann noch in den Dienst der Mannschaft stellt, wenn das Klima zwischen ihm und Trainer Favre weiterhin so vergiftet bleibt, ist eine wichtige Baustelle, die es schnellstens zu bearbeiten gilt. Kapitän Arne Friedrich wies richtigerweise darauf hin, dass solche Krisenherde der Mannschaft nicht weiterhelfen würden.

Es werden von Samstag an spannende zwei Wochen. Wochen der Wahrheit wenn man so will. Danach wird sich zeigen, ob der Tagesspiegel recht hatte. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen.

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Vorsicht, Herr Favre

27. Oktober 2008

Der Spieler hatte den Platz längst verlassen, da feierte ihn die kleine blau-weiße Delegation im Auswärtsblock mit Sprechchören: „Marko Pantelic, oho, Marko Pantelic, oho.“ Der Serbe war kurz zuvor von seinem Trainer Lucien Favre ausgewechselt worden. Beim Stande von 1:1 im Dortmunder Stadion. Es war also nicht so, dass der Schweizer Coach seinen exzentrischen Stürmer vom Platz genommen hätte, damit der sich seinen Applaus würde abholen können. Favre hatte Pantelic ausgewechselt…ja warum eigentlich?

In den vorangegangenen 77 Minuten hatte sich die einzige Spitze der Berliner zwar nicht durch ein Tor oder Vorlagen zu einem solchen hervorgetan, wirklich ungefährlich war er aber auch nicht. Im Gegenteil. Spieler wie Pantelic können immer noch mal „einen auspacken“ und damit ein Spiel alleine entscheiden. Pantelics Aktionen sind immer eine Gradtwanderung zwischen Genie und Wahnsinn. Das Problem ist, dass Hertha mit Favre einen Trainer hat, der nicht bereit ist, 89 Minuten auf die eine geniale Szene Pantelics zu warten, sondern ih nach spätestens 80 Minuten Wahnsinn vom Platz holt. Auf Kosten der Unberechenbarkeit im Angriff allerdings. Hertha hat von diesen Spielern sonst nämlich nicht viele. Andrej Woronin kann vielleicht in dieser Saison noch einer werden – war in Dortmund allerdings verletzt. Gojko Kacar und Cicero haben diese Qualität in Ansätzen auch schon gezeigt. Aber sonst? Der für Pantelic gekommene Valerij Domovchyski ist in dieser Hinsicht so etwas wie der Anti-Pantelic. Die Torgefahr des jungen Bulgaren ist in der Bundesliga bisher ungefähr so groß, wie die Chance, dass Arne Friedrich einmal das Image eines Rebellen nachgesagt wird.

Von denen haben sie in Berlin aber ohnehin genug. Dabei dachten sie ja mit dem Verkauf der Boatengs und Ashkan Dejagahs das Nest dieser Eigenschaft ausgelöscht zu haben. Doch einer dieser damals aus der eigenen Jugend hochgezogenen Bengel ist noch da. Sofian Chahed nämlich. Unter den Fans hat der Rechtfuß ungefähr soviel Kredit wie die Banken zurzeit: So gut wie keinen. Chahed spielt solide, manchmal. Häufiger bringt er – wie in Dortmund – seine Mannschaftskameraden mit ungenauen Anspielen in Bedrängnis oder lässt seinen Gegenspieler auf der rechten Abwehrseiten passieren. Macht Chahed keinen Fehler, wird er geduldet, ab und zu sogar geachtet. Aber wirkliche Wertschätzung erhält der gebürtige Berliner in seiner Heimat bisher nicht. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass der 25-Jährige um jedes Fünkchen Aufmerksamkeit kämpft und bockig wird, wenn man ihm die Chance dazu nimmt. Weil er nämlich im Training zu Beginn der vergangenen Saison der sicherste Elfmeterschütze war, galt er bei Hertha lange Zeit als Nummer Eins in dieser Rangliste und erhob den Anspruch diese auch im Spiel geltend zu machen. Vier Bundesligatore ermöglichte ihm sein ruhiger Fuß vom Elfmeterpunkt. Seine bisher einzigen.

Am Sonntag nahm sich dann allerdings der Brasilianer Cicero den Ball, was Trainer Favre keineswegs verwunderte: „Cicero war vorgesehen, ganz klar.“ Und als müsste er es noch irgendwie verdeutlichen, wiederholte er das „Cicero, ganz klar“ noch zwei weitere Male, um anschließend den bösen Journalisten (von der BILD) zu fragen, ob es denn nichts Wichtigeres für ihn gäbe, als so eine Frage. Auf die Antwort hin, das gehöre doch aber zum Spiel, versuchte Favre in gebrochenem Deutsch zu erklären, dass ihn solche Randerscheinungen nicht interessieren und es ihm viel wichtiger ist, dass seine Mannschaft seine taktischen Vorgaben umsetzt.

Was der Schweizer dabei vergisst, ist, dass Fußballer auch oder gerade in diesen modernen Zeiten Sensibelchen sind. Die Unstimmigkeiten bei der Nationalmannschaft zwischen Joachim Löw und Michael Ballack sind ja auch nur dadurch entstanden, weil der Nationaltrainer seinen Kapitän nach dessen Operation nicht um sein Wohlbefinden befragt hat. Und genau das gleiche geschieht auch bei Hertha zurzeit. Als Marko Pantelic mit einer kleineren Verletzung von einem Länderspiel kam, sich kurz beim Physiotherapeuten untersuchen ließ und dann nach Hause ins Bett ging, war das kein böswilliger Versuch von Pantelic, die Autorität des Trainers zu untergraben. Er hatte das wahrscheinlich immer schon so gemacht. Unter Falko Götz wurde es bloß nie geahndet.

Wenn der Trainer sich jetzt nicht dafür interessiert, warum Sofian Chahed auch am Tag danach noch sauer auf Fußballgott und die Welt ist – wenn er sich beinahe freut, dass Neuzugang Cicero seine ansprechende Leistung durch ein Tor gekrönt hat – wenn er in den letzten 13 Minuten im Signal-Iduna-Park auf der Bank sitzt und hofft, dass Domovchyski das Tor macht, damit endlich alle sehen, dass Marko Pantelic nur ein ersetzbarer Spieler ist – dann macht der Trainer einen Fehler. Weil es einmal mehr zeigt, dass Favre bestimmte Spieler bevorzugt behandelt. Und das kann – wenn es mal nicht so läuft wie zurzeit – ganz schnell nach hinten los gehen. Ich will gar nicht wissen, was die Pantelic-Fans und Hobby-Rebellen Simunic, Ebert oder Kacar veranstalten, wenn der Serbe wirklich zur Winterpause den Verein verlässt…

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Ein kurzes Vergnügen?

3. September 2008

Mit Andrej Voronin hat Hertha BSC einen Spieler verpflichtet, den man bei den als langweilig verschrienen Berlinern nicht erwartet hätte. Das ist gut fürs Image in der Fußballwelt und wohl auch eine Verstärkung für die Mannschaft. Einen Haken hat der Transfer allerdings. Er könnte ein Bumerang werden.

Nach Informationen und vor allem Interpretation der Berliner Morgenpost handelt es sich bei der Transaktion um einen „erstaunlich günstigen“ Deal. Hertha zahlte demnach keine Leihgebühr und muss angeblich auch „nur“ 150.000 Euro pro Monat an den Ukrainer überweisen. Zum Vergleich: Arne Friedrich freut sich zwölf Mal im Jahr über ca. 250.000 Euro. Auch die Morgenpost geht davon aus, „dass der FC Liverpool da noch etwas zuzahlt.“ Dem stimme ich zu. Ich bin mir sicher, dass Hertha das Gehalt eines Premier-League-Profis, der zudem noch eine exklusiven Lebensstil pflegt, nicht alleine hätte stemmen können bzw. wollen. Die Frage ist nur: Wie viel zahlt der englische Rekordmeister denn noch?

Der Berliner Tagesspiegel nämlich nennt eine nicht unerheblich größere Gehaltssumme. Dort ist von „fast fünf Millionen Euro“ jährlich die Rede, die der 29-Jährige in England verdient haben soll. Und irgendwie passt diese Fünf vor den sechs Nullen besser in das Bild der englischen Verschwendungsmaschinerie Premier League. Woronin kam erst zu Beginn der vergangenen Saison nach Liverpool, hatte sich aber bereits Mitte Februar 2007 für den Anfang des Monats von den US-amerikanischen Investoren Gillet und Hicks übernommenen Klub entschieden. Jetzt sind solche Geldgeber nicht gerade dafür bekannt, dass sie sich 1. mit dem komplizierten Vertragswert von Fußball-Profis auskennen und 2. besonders aufs Geld schauen. Nicht ohne Grund beglichen die beiden Milliardäre damals nicht nur den auf über 100 Millionen Euro angewachsenen Schuldenberg des Vereins, sondern kündigten auch den Bau einer mehr als dreimal so teuren neuen Arena an. Von „neuen Topstars“ ganz zu schweigen.

Natürlich wird Andrej Voronin das gewusst haben. Und wenn er es nicht gewusst hat, dann hat es sein Berater Andreyj Golowasch gewusst. Dementsprechend wird sein Gehaltsscheck in England jeden Monat ausgefallen sein – und das, obwohl er danach nicht über den Status des Edelreservisten hinaus kam. Das lag wiederum daran, dass Gillet und Hicks bei Voronin nicht Halt machten, sondern mit Fernando Torres und Ryan Babel noch zwei weitere Stürmer holten. Aber um die Einkaufspolitik des FC Liverpool soll es hier jetzt nicht hauptsächlich gehen.

Geht man davon aus, dass Voronin in England tatsächlich die kolportierten fünf Millionen Euro verdient hat, zahlt Hertha nicht 1,8 Millionen, sondern mindestens 2,5. Und hier kommt Marko Pantelic und mit ihm Brisanz ins Spiel. Der Stürmer verdient in Berlin dem Vernehmen nach 1,6 Millionen Euro. Und fordert für eine Vertragsverlängerung im Sommer mehr als das Doppelte. Vier Millionen Euro per annum, eine Laufzeit von vier oder fünf Jahren. Dieter Hoeneß winkte ab, Pantelic verstand die Welt nicht mehr. Es spricht viel dafür, dass sich der stolze Serbe die Vertragsdetails des Woronin-Transfers ganz genau anschauen wird. Denn was seine Selbstwahrnehmung angeht, dürfte er sich mindestens eine Stufe über dem Ukrainer sehen. Und deshalb auch erneut mehr Geld fordern. Stimmen die fünf Millionen Euro, verliert Hertha nach dieser Saison nicht nur einen, sondern gleich beide Topstürmer. Denn in diese Sphären wird sich Hoeneß nicht drängen lassen.

Außerdem ist bisher nicht überliefert, ob und wie sich der serbische Ausnahmespieler zu seinem neuen Sturmpartner geäußert hat. Wenn er denn der neue Sturmpartner ist. BildOnline sieht Voronin zusammen mit dem Brasilianer Raffael hinter der einzigen Spitze Pantelic. Für Heimspiele eine durchaus praktikable Ausrichtung. Für Auswärtsspiele allerdings zu offensiv. Wen setzt Favre auf die Bank? Seinen Lieblingsspieler Raffael? Den Starneuzugang, dem er auf der Pressekonferenz nach der Unterschrift die von ihm für einen Fußballer unabdingbare „Polyvalenz“ zuschrieb? Oder Marko Pantelic, den der Trainer nach dem Saisonauftakt zum ersten Mal nach einem Jahr Amtszeit mit lobenden Worten bedacht hat (den er aber trotzdem gerne längst verkauft hätte, um weitere pflegeleichtere Spieler zu holen).

Die Personalie Woronin könnte in Berlin noch weit über diesen 1. September hinaus für Furore sorgen. Nicht nur wegen ungenauer Regeln für Schreibweisen von ukrainischen Nationalspielern…

Ebenfalls lesenswert: Ein paar Aussagen von Voronin über den englischen Lebensstil. Wohl ein weiterer Grund dafür, dass er nicht lange überlegt hat, als das Hertha-Angebot kam.

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Hertha nicht glücklich – sondern souverän

10. August 2008

Mit dem 3:1-Pokalerfolg beim Viertligisten Eintracht Trier hat die neue Hertha gezeigt, dass sie bereit ist für die neue Bundesliga-Saison. Es ist allerdings nicht nur der Sieg an sich, der Zuversicht für die neue Saison macht, sondern vor allem die Art und Weise seines Zustandekommens.

Premiere sei dank. Zum ersten Mal konnten auch Fans, Möchtegern-Trainer und Kritiker, deren Lieblingsverein nicht aus München kommt und sich einen ehemaligen Nationaltrainer als Übungsleiter leistet, das Spiel ihrer Mannschaft bei einem unterklassigen Verein in der ersten Runde des DFB-Pokals in voller Länge sehen. Kein nicht einmal dreiminütiger ZDF-Bericht, moderiert von Rolf Töpperwien und stets mit dem Tenor, dass es am Ende ein glücklicher (unter drei Tore Vorsprung), ein souveräner (drei bis fünf Tore Vorsprung) oder ein „nie gefährdeter“ Erfolg der eigenen Mannschaft war. Sondern volle 90 oder sogar 120 Minuten. Allerdings mit Kommentatoren, die den angesprochenen Tenor bravourös und in schöner Regelmäßigkeit auch im Live-Bericht unterbrachten und noch dazu bei jedem auch nur ansatzweise brauchbaren Pass in Richtung Strafraum des höherklassigen Teams die Stimme erhoben, als stünde der Stürmer frei vor dem Torwart – was natürlich nie wirklich der Fall war.

Herthas Sieg wäre nach dem nicht einmal dreiminütigen Bericht demnach „glücklich“ gewesen und genauso lautete auch das Fazit des Premiere-Moderators. Dabei war Hertha vor allem in der zweiten Halbzeit Herr im Moselstadion gewesen und hatte – wie schon teilweise in Hälfte Eins – mit ansehnlichem Aufbauspiel den unterklassigen Gegner beherrscht. Schon der frühe Führungstreffer durch Marko Pantelic (8.) ließ die Handschrift von Trainer Lucien Favre erahnen. Schnell und direkt spielten Favres ewiger Wunschspieler der letzten Saison Raffael und Neuzugang Cicero den Serben frei, der den Ball eiskalt am gegnerischen Keeper vorbeischob. Dass mit Pantelic ein Relikt der Prä-Favre-Ära die Führung besorgte, hätte wohl im ZDF-Bericht ein „Natürlich Marko Pantelic – wer sonst?“ zur Folge gehabt. Doch die neue Hertha hatte noch längst nicht fertig.

Denn mit dem 1:0 gab sie sich keinesfalls zufrieden. Hätte Piszczek die Flanke von Ebert exakt fünf Minuten nach der Führung ins Tor statt an den Pfosten gelenkt, wäre das Wort glücklich aus dem Repertoire des Moderators gestrichen werden können – Trier wäre bereits geschlagen gewesen. Doch so gelang es ihnen, das Spiel offen zu halten und wenig später sogar eigene Aktionen zu initiieren. Dennoch war es ein Hertha-Rückfall in die Zeiten der Vorsaison, in der stets ein individueller Fehler zum Gegentreffer geführt hatte, der, nun ja, zum Gegentreffer führte. Bei einem Eckball stieg Lacroix am höchsten und traf, auch weil Drobny aus dem Tor, nicht aber an den Ball gekommen war (27.). So fand das Adjektiv „gleichwertig“ und die mittlerweise ins Buch der Pokalphrasen aufgenommene Redewendung „kein Klassenunterschied zu erkennen“ auffallend häufig den Weg an die Ohren der Premiere-Zuschauer.

Dass beide nur für zehn Minuten Bestand hatten – nämlich denen nach dem 1:1 – und danach nur noch einmal für fünf in der zweiten Halbzeit – in der Drobny seinen Fehler beim Schlenzer von Schulz wieder gut machte (55.) – ist bei David-gegen-Goliath-Duellen egal. Hauptsache es ist Dramatik drin. Den Gefallen tat der Bundesligist aus Berlin dem sensationslüsternen Zuschauer allerdings nicht. Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, stand Piszczek erneut frei vor Keeper Miletic, machte es dem Trierer allerdings auch schwer, den Ball vorbeizulassen, indem er ihn genau auf den Körper schoss (47.). Es folgte die kleine Drangphase der Heimmannschaft – mit der Parade von Drobny als Schlusspunkt nicht nur des einen, sondern aller durchdachten Trierer Angriffe.

Nach einer Stunde hatte Hertha genug. Ein Lupfer von Lustenberger rundete einen erneut ansehnlichen Spielzug über Ebert und Raffael zum 2:1 ab, bevor Neuzugang Max Nicu zeigte, warum Favre ihn aus Wehen holte. Seine Flanke, mit Effet und Genauigkeit geschlagen, fand in der Mitte Patrick Ebert, der nur noch den Kopf hinzuhalten brauchte (81.). Dabei blieb es. Zu recht. Denn Hertha war nicht nur von der Spielanlage und den technischen Fertigkeiten her die bessere Mannschaft. Auch was das Umschalten von Angriff auf Abwehr und umgekehrt, was präzise Seitenwechsel (zelebriert vor allem von Cicero) und das schnelle Spiel in die Spitze anging, war der Klassenunterschied mehr als ersichtlich.

Einen negativen Aspekt gab es dennoch: Marko Pantelic wirkte bis auf die Szene, die zum Führungstor führte, wie ein Fremdkörper im Hertha-Spiel. War er in den letzten Jahren häufig der technisch stärkste Herthaner, hatte es gegen Trier den Anschein, als wäre er der einzige Berliner, der den Ball nicht richtig annehmen kann. Viele Bälle versprangen ihm. Statt den Ball klatschen zu lassen, versuchte er ihn – wie früher – zu halten. Der Serbe muss sein Spiel umstellen. Weg vom Stoßstürmer, der vorne den Alleinunterhalter spielt, hin zum Teamplayer und zurück zum Knipser, der nur noch Knipsen muss.

Nach dem Pokal-Erfolg in Trier blieb ein positiver Eindruck der neuen Hertha haften. Und die Eintracht fand sich selbst auch total toll, wie es auf ihrer Homepage in feinstem PR zu lesen ist:

Eintracht Trier konnte die anwesenden knapp 6000 Zuschauer mit erfrischendem Kombinationsfussball begeistern und zeigte eine überzeugende Mannschaftsleistung.

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Eine Pantelic-Geschichte

12. April 2008

Bochum – Es lief die 64. Spielminute im Bochumer ReWirPower-Stadion, als der Name von Marko Pantelic in den Gedanken von Herthas Manager Dieter Hoeneß eine große Rolle gespielt haben muss. Sein Ersatzmann, André Lima, hatte gerade die große Chance zur erneuten Führung vergeben und Hoeneß war wohl nicht der einzige Berliner der sich den verletzten Serben an die Stelle des gesunden Brasilianers gewünscht hat.

Am Ende hatten die Berliner erneut wichtige Punkte – man muss es mittlerweile so sagen – gegen den Abstieg verschenkt. Sie waren über weite Strecken des Spiels die bessere Mannschaft gewesen, spielten die Bochumer bei ansehnlichen Mittelfeldstaffetten zum Teil schwindelig, doch – und das hatte auch Manager Dieter Hoeneß bemerkt, „der letzte Pass kam oftmals einfach zu schlampig.“ Und dann war da eben auch wieder diese eine Szene, in der die Abwehr der Berliner nicht auf der Höhe war. Kurz vor der Halbzeitpause schlug der Bochumer Spielmacher Mimoun Azaouagh einen für das Spiel typischen, weil aus einem Foul im Mittelfeld resultierenden Freistoß in den Hertha-Strafraum. Joe Simunic verließ sich auf Torhüter Drobny, der jedoch machte keine Anstalten zum Ball zu gehen und so hatte Yahia keine Probleme, den Ball aus nicht mal fünf Metern an Drobny vorbei ins Tor zu köpfen (42.).

Es war ein überraschender Treffer des VfL, was ihn umso bitterer für die Berliner macht. Denn in den 41 Minuten zuvor waren die in roten Trikots aufgelaufenen Herthaner die bessere Mannschaft gewesen und hätten nur eine Minute vor dem Ausgleichstreffer durch Kacar in Führung gehen müssen. Der 19jährige Serbe zeigte in dieser Szene nicht nur, weshalb die Fans ihn in Berlin schlicht „Kaka“ rufen, sondern auch, warum der Vergleich mit dem brasilianischen Nationalspieler vom AC Mailand (noch) nur wegen der Namensähnlichkeit zustande kam. Nachdem er nämlich zuvor vier Gegenspieler in wohl nur von Kaka selbst nachahmlicher Manier umkurvt hatte, schoss er sich beim Abschluss selbst gegen das Standbein und deshalb auch nicht ins Tor.

Die Szene machte das Problem der Herthaner anschaulich. Sie zaubern sich in vielen Situationen in genau der Weise durchs Mittelfeld, wie es sich Lucien Favre für diese Saison noch gar nicht erträumt hätte, doch wenn es dann darum geht, das eigentliche Ziel des Fußballs zu erreichen, dann versagen den Berlinern die Nerven. Der Schweizer Coach war nach dem Spiel jedenfalls trotzdem weitestgehend zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft. Während er seine Sicht der Dinge vor den Fernsehkameras erläuterte, war ihm kein Punktverlust anzusehen. Favre lächelte, er freute sich sogar richtig. Denn im Gegensatz zu den drei Spielen zuvor, als Hertha ebenfalls ansehnlich spielte, am Ende aber jeweils mit 1:2 unterlag, entführte seine Mannschaft zumindest einen Punkt aus Bochum. „Das ist ein Fortschritt“, sagte Favre und vergaß nicht zu erwähnen, dass mit Marko Pantelic, dem Brasilianer Raffael und Steve von Bergen drei Stammspieler verletzt ausgefallen waren.

Pantelic, mit elf Treffern Herthas gefährlichster Angreifer, hätte den Berlinern jedenfalls gut zu Gesicht gestanden. Denn mit guter Chancenverwertung hatte ihr Spiel nichts zu tun. Oftmals fehlte den Herthanern aber auch einfach das Selbstvertrauen mit dem Ball am Fuß auf den letzten Bochumer Abwehrspieler zuzugehen. So fiel die Führung durch einen Skacel-Freistoß, bei dem der Bochumer Torhüter keine allzu gute Figur machte. Weitere Chancen gab es zwar, wirklich zwingend wurde es jedoch nur bei Mineiros Kopfball an den Pfosten kurz nach dem Wiederanpfiff und eben bei Limas Eins-gegen-Eins-Situation in der 64. Minute. Manager Dieter Hoeneß kritisierte nach dem Spiel, dass der letzte Pass nicht immer so präzise gespielt werde, „dass der Mitspieler richtig freigespielt wird.“ Und wenn das doch mal geschah, fehlte eben jemand, der den Pass verwertete. Kapitän Arne Friedrich wurde nach dem Spiel fast ein wenig ungehalten, als er auf die Abschlussschwäche der Hertha angesprochen wurde: „Ich weiß ja, dass ihr (und damit meinte er die anwesenden Journalisten) jetzt wieder diese Pantelic-Geschichten draus machen werdet.“ Recht hat er und ist zusammen mit seinen Mitspielern selber schuld daran.

VfL Bochum: Lastuvka (69. Renno) – Yahia, Maltritz, Bönig – Pfertzel, Schröder, Imhof, Fuchs (83. Bechmann), Azaouagh – Sestak, Auer (62. Belik)

Hertha BSC: Drobny – Chahed, Simunic, Friedrich, Skacel – Mineiro, Lustenberger (83. Lustenberger), Kacar – Ebert, Piszczek (86. Bieler) – Lima

Tore: 0:1 Skacel (28.), 1:1 Yahia (42.)

Verwarnungen: Fehlanzeige

Zuschauer: 20.833

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)