Getaggte Beiträge ‘Liverpool’

h1

Viel Glück reicht nicht

April 23, 2008

Als John Arne Riise in der 62. Minute des Champions-League-Halbfinal-Hinspiels (kann man dafür keine gescheite Abkürzung finden?) für Fabio Aurelio eingewechselt wurde, waren die Fans des FC Liverpool frohen Mutes. Denn Riise ist dafür bekannt, dass er auch aus 35 Metern mit seinem starken linken Fuß Tore erzielen kann. Außerdem entspricht er mit seinem perfekt durchtrainierten Körper genau dem Abbild des idealen englischen Fußballers, der sich nicht von einem Bodycheck umhauen lässt, sondern einfach stehen bleibt. Riise ist nicht umsonst unumstrittener Publikumsliebling beim englischen Traditionsklub.

Etwas mehr als eine halbe Stunde später bekam das Denkmal des stämmigen und doch agilen Norwegers leichte Risse. Das Spiel gegen den FC Chelsea war eigentlich vorbei, Liverpool hatte 1:0 zu gewonnen und sich damit eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche geschafft. Und dann kam Riise in der Nachspielzeit der Nachspielzeit, genauer wenige Sekunden nach Ablauf der ohnehin viel zu langen vierminütigen Extra-Time und köpfte den Ball völig unbedrängt ins eigene Tor. 1:1. Stille an der Anfield Road, eine gespenstische Atmosphäre, die so zum letzten Mal am 16.12.2007 bei der 0:1-Niederlage, der letzten im heimischen Stadion, gegen Manchester United auftrat. Unentschieden hatte die Mannschaft von Rafa Benitez des Öfteren gespielt, doch dieses 1:1 war eine gefühlte Niederlage. Durch das Auswärtstor der “Blues” steht es vor dem Rückspiel eigentlich 1:2.

In den 94 Minuten zuvor bewarb sich die Mannschaft von Michael Ballack in einer bemerkenswerten Art und Weise für das Ausscheiden aus der Champions League. Es wäre das vierte Mal in den letzten fünf Jahren und das dritte Mal davon gegen den FC Liverpool. Liverpool war in allen Belangen die bessere Mannschaft, allein der teuerste Stürmer der Vereinsgeschichte, Stürmer Fernando Torres hätte drei Tore erzielen können. Sein Gegenüber Didier Drogba blieb weitestgehend wirkungslos und ließ bei Chelsea-Unkundigen die Frage nach dem auf der Bank schmorenden Andri Shevchenko aufkommen. Wer Chelsea in den letzten Monaten beobachtet hat, weiß, dass Shevckenko geistig schon lange nicht mehr in London ist. Sein Körper wird ab und zu, zuletzt beim 1:1 gegen Wigan Athletic am 14. April in der 90. Minute, eingewechselt. Aber selbst Shevchenko kann aus keinen Zuspielen auch keine Tore machen.

Chelsea fehlt die Kreativität im Mittelfeld. Frank Lampard und Claude Makelele sind eher fürs Grobe zuständig und Michael Ballack, technisch zwar stark verbessert, dafür aber nicht zu gebrauchen. Trainer Avram Grant tut nichts dagegen, verlässt sich 70 Minuten auf die gegen schwache Mannschaften starken Standards und nimmt Ballack dann für einen vierten Stürmer vom Feld, der Drogba nicht unterstützt, sondern ihm im Gegenteil, auf die Füße tritt. John Obi Mikel, noch am ehesten ein Spielmacher, schmorte 95 Minuten lang auf der Bank.

Trotzdem sind die Londoner zuversichtlich, was das Rückspiel in einer Woche angeht. “This result has not promised us the final - but it is a good step” sagte Avram Grant nach dem Spiel und lag damit, wie so oft in den letzten Wochen daneben. Es war ein Schritt in Richtung Finale, aber kein guter. Ich lehne mich weit aus dem Fenster, wenn ich schreibe, dass ich mir sicher bin, dass Liverpool im Rückspiel ein Tor schießen und damit weiterkommen wird. Die “Reds” haben zwar nicht die Spieler-Qualität des FC Chelsea, dafür aber die bessere spielerische Qualität. Und die ist im Fußball wichtiger. John Arne Riise wird das bestätigen, und beim nächsten Mal den Fuß benutzen.

h1

Das Phänomen aus Liverpool

April 3, 2008

Da war sie wieder, diese Mannschaft. Holt ein 1:1-Unentschieden beim favorisierten FC Arsenal im Londoner Emirates Stadium und hat nun die Strippen beim Rückspiel in einer Woche selbst in der Hand. Mit Dynamik, Einsatzwillen und sogar Spielwitz gebot man der kombinationsstarken Elf von Übertrainer Arsene Wenger Einhalt. So kennt man ihn, den FC Liverpool, in der europäischen Königsklasse.

Zurecht fragt man sich allerdings in England, warum die “Reds” ihre in der Champions League gezeigten Leistungen nicht auf die Premier League übertragen können. Dort rangiert das Team von Rafa Benitez abgeschlagen, mit acht Punkten Rückstand auf den drittplatzierten Viertelfinalgegner aus London, auf Rang Vier. Der FC Chelsea ist bereits neun, Tabellenführer Manchester United ganze 14 Punkte enteilt. Gegen Manchester gingen beide Spiele verloren (0:1, 0:3), Chelsea rang das Team um Kapitän Steven Gerrard wenigstens zwei Unentschieden ab (1:1, 0:0) und auch das Premier-League-Hinspiel zu Hause gegen den FC Arsenal endete mit einem Remis (1:1). Den deutlichen Rückstand erklärt das jedoch nicht.

Doch schaut man sich die Ergebnisse der Liverpooler an, dann wird deutlich, dass sie so unkonstant überhaupt nicht spielen. Sie gewannen sechs der letzten acht Spiele, verloren eben bei ManU und leisteten sich das Unenschieden gegen Chelsea. Der deutliche Rückstand resultiert aus der Zeit davor. Zwischen dem 30.12.07 und dem 30.1.08 holten die “Reds” nur vier Punkte aus fünf Spielen, während die Konkurrenz punktete und davonzog. Zwischenzeitlich mussten sich die Fans an der Anfield Road sogar Gedanken um Platz Vier machen, dem letzten, der für die Qualifikation zur Champions League berechtigt. Doch im Anschluss an den Seuchenmonat im Januar baute sich Liverpool ein Fünf-Punkte-Polster auf den Nachbarn aus Everton. Nach hinten ist man also abgesichert.

Doch ein Klub wie der FC Liverpool, der in den letzten drei Jahren zweimal im Champions League Finale stand, eines davon (04/05 nach 0:3-Halbzeitrückstand gegen den AC Mailand) sensationell gewann und durch den Uefa-Cup-Sieg 2001 zu den in Europa erfolgreichsten seit der Jahrtausendwende gehört, muss natürlich auch auf der heimischen Insel Erfolge feiern. Den letzten Meistertitel gab es 1990 und damit noch vor Einführung der Premier League. Die Champions League Erfolge trösten zwar über diese Durstphase hinweg. Doch so langsam wird es beim Traditionsklub der Hafenstadt zur Methode, die schwachen Leistungen in der Liga mit grandiosen Abenden in der Champions League zu übertünchen.

Steht in der Liga eine andere Mannschaft auf dem Platz? Keine anderen Spieler, auch wenn Rafa Benitez teilweise dem Rotationsprinzip Ottmar Hitzfelds zu huldigen scheint, sondern eine andere Spielweise? Oder die gleiche Spielweise, nur andere Gegner? Liverpools Problem ist, dass in England kein Team mehr Angst hat, wenn es zu Gast in Anfield ist. Jeder weiß, dass das Team zu schlagen ist, sobald vor dem Spiel keine Hymne ertönt, die den Champions-League-Schalter im Kopf umlegt. Und aus diesem Grund werden die Fans auch in den nächsten Jahren nur zuschauen dürfen, wenn die Spieler von Manchester, Chelsea oder Arsenal den Titel unter sich ausmachen. Jetzt am Wochenende wird man wohl wieder das Liga-Liverpool sehen und kann sich ein gutes Bild über den Unterschied machen. Den der Gegner heißt, wie schon am Mittwoch, FC Arsenal.