Getaggte Beiträge ‘Bochum’

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Eine Pantelic-Geschichte

April 12, 2008

Bochum - Es lief die 64. Spielminute im Bochumer ReWirPower-Stadion, als der Name von Marko Pantelic in den Gedanken von Herthas Manager Dieter Hoeneß eine große Rolle gespielt haben muss. Sein Ersatzmann, André Lima, hatte gerade die große Chance zur erneuten Führung vergeben und Hoeneß war wohl nicht der einzige Berliner der sich den verletzten Serben an die Stelle des gesunden Brasilianers gewünscht hat.

Am Ende hatten die Berliner erneut wichtige Punkte - man muss es mittlerweile so sagen - gegen den Abstieg verschenkt. Sie waren über weite Strecken des Spiels die bessere Mannschaft gewesen, spielten die Bochumer bei ansehnlichen Mittelfeldstaffetten zum Teil schwindelig, doch - und das hatte auch Manager Dieter Hoeneß bemerkt, “der letzte Pass kam oftmals einfach zu schlampig.” Und dann war da eben auch wieder diese eine Szene, in der die Abwehr der Berliner nicht auf der Höhe war. Kurz vor der Halbzeitpause schlug der Bochumer Spielmacher Mimoun Azaouagh einen für das Spiel typischen, weil aus einem Foul im Mittelfeld resultierenden Freistoß in den Hertha-Strafraum. Joe Simunic verließ sich auf Torhüter Drobny, der jedoch machte keine Anstalten zum Ball zu gehen und so hatte Yahia keine Probleme, den Ball aus nicht mal fünf Metern an Drobny vorbei ins Tor zu köpfen (42.).

Es war ein überraschender Treffer des VfL, was ihn umso bitterer für die Berliner macht. Denn in den 41 Minuten zuvor waren die in roten Trikots aufgelaufenen Herthaner die bessere Mannschaft gewesen und hätten nur eine Minute vor dem Ausgleichstreffer durch Kacar in Führung gehen müssen. Der 19jährige Serbe zeigte in dieser Szene nicht nur, weshalb die Fans ihn in Berlin schlicht “Kaka” rufen, sondern auch, warum der Vergleich mit dem brasilianischen Nationalspieler vom AC Mailand (noch) nur wegen der Namensähnlichkeit zustande kam. Nachdem er nämlich zuvor vier Gegenspieler in wohl nur von Kaka selbst nachahmlicher Manier umkurvt hatte, schoss er sich beim Abschluss selbst gegen das Standbein und deshalb auch nicht ins Tor.

Die Szene machte das Problem der Herthaner anschaulich. Sie zaubern sich in vielen Situationen in genau der Weise durchs Mittelfeld, wie es sich Lucien Favre für diese Saison noch gar nicht erträumt hätte, doch wenn es dann darum geht, das eigentliche Ziel des Fußballs zu erreichen, dann versagen den Berlinern die Nerven. Der Schweizer Coach war nach dem Spiel jedenfalls trotzdem weitestgehend zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft. Während er seine Sicht der Dinge vor den Fernsehkameras erläuterte, war ihm kein Punktverlust anzusehen. Favre lächelte, er freute sich sogar richtig. Denn im Gegensatz zu den drei Spielen zuvor, als Hertha ebenfalls ansehnlich spielte, am Ende aber jeweils mit 1:2 unterlag, entführte seine Mannschaft zumindest einen Punkt aus Bochum. “Das ist ein Fortschritt”, sagte Favre und vergaß nicht zu erwähnen, dass mit Marko Pantelic, dem Brasilianer Raffael und Steve von Bergen drei Stammspieler verletzt ausgefallen waren.

Pantelic, mit elf Treffern Herthas gefährlichster Angreifer, hätte den Berlinern jedenfalls gut zu Gesicht gestanden. Denn mit guter Chancenverwertung hatte ihr Spiel nichts zu tun. Oftmals fehlte den Herthanern aber auch einfach das Selbstvertrauen mit dem Ball am Fuß auf den letzten Bochumer Abwehrspieler zuzugehen. So fiel die Führung durch einen Skacel-Freistoß, bei dem der Bochumer Torhüter keine allzu gute Figur machte. Weitere Chancen gab es zwar, wirklich zwingend wurde es jedoch nur bei Mineiros Kopfball an den Pfosten kurz nach dem Wiederanpfiff und eben bei Limas Eins-gegen-Eins-Situation in der 64. Minute. Manager Dieter Hoeneß kritisierte nach dem Spiel, dass der letzte Pass nicht immer so präzise gespielt werde, “dass der Mitspieler richtig freigespielt wird.” Und wenn das doch mal geschah, fehlte eben jemand, der den Pass verwertete. Kapitän Arne Friedrich wurde nach dem Spiel fast ein wenig ungehalten, als er auf die Abschlussschwäche der Hertha angesprochen wurde: “Ich weiß ja, dass ihr (und damit meinte er die anwesenden Journalisten) jetzt wieder diese Pantelic-Geschichten draus machen werdet.” Recht hat er und ist zusammen mit seinen Mitspielern selber schuld daran.

VfL Bochum: Lastuvka (69. Renno) - Yahia, Maltritz, Bönig - Pfertzel, Schröder, Imhof, Fuchs (83. Bechmann), Azaouagh - Sestak, Auer (62. Belik)

Hertha BSC: Drobny - Chahed, Simunic, Friedrich, Skacel - Mineiro, Lustenberger (83. Lustenberger), Kacar - Ebert, Piszczek (86. Bieler) - Lima

Tore: 0:1 Skacel (28.), 1:1 Yahia (42.)

Verwarnungen: Fehlanzeige

Zuschauer: 20.833

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

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Punkten…für den Klassenerhalt!

April 12, 2008

Hertha heute also in Bochum. Und ohne unken zu wollen, gebe ich heute mal uneingeschränkt der Bild-Zeitung recht. Es wird das schwerste, wohl aber auch eines der wichtigsten Spiele von Lucien Favre. Die Stürmer Marko Pantelic und Raffael, sowie Steve von Bergen fallen sicher aus. Das sind drei Stammspieler, die der qualitativ dünne Kader von Hertha nicht ersetzen kann. Gegen Bremen beim 1:2 war sehr gut zu sehen, dass sowohl Solomon Okoronkwo, vor allem aber André Lima grundsätzlich das Potential besitzen, um sich gegen die Abwehrreihen der Bundesliga durchzusetzen. Man hat allerdings auch gesehen, dass die beiden überhaupt nicht zusammen spielen konnten. Gute Kontermöglichkeiten scheiterten gegen Werder immer wieder wegen eigensinnigen Dribblings oder katastrophalen Fehlpässen.

In der Abwehr ist der Ausfall von Steve von Bergen aber genauso wenig zu verkraften. Als der Schweizer im Spiel bei Energie Cottbus (1:2) vorzeitig vom Platz musste, führte Hertha noch mit 1:0 und es sah nicht danach aus, als könnten die Cottbuser die Hertha-Abwehr in Bedrängnis bringen. Durch von Bergens Verletzung jedoch musste Gojko Kacar, normalerweise im defensiven Mittelfeld beheimatet, in die Abwehrreihe rücken. Da fehlte es dann eindeutig an Eingespieltheit und Vertrauen in den Nebenmann. Vor allem aber fehlt Kacars Kreativität im Mittelfeld. Die konnte weder der zuletzt bärenstarke Mineiro, noch der langsam wieder abbauende Lustenberger und auch nicht (der nun ohnehin verletzte) Raffael ersetzen. Das Resultat waren zwei Treffer von Erwin Skela und die erneute Niederlage in Cottbus.

Es ist wahrscheinlich, dass Lucien Favre erneut nicht auf den letzten verbliebenen Abwehrspieler, nämlich den jungen Pascal Bieler, zurückgreift, sondern erneut, wie gegen Bremen, auf die Viererkette setzt. Die dürfte dann mit folgenden Namen besetzt sein: Chahed, Simunic, Friedrich, Skacel. Den Platz, den der letztgenannte Tscheche im Mittelfeld freimacht, bekäme dann Mineiro, der mit Lustenberger, Kacar, Piszczek und dem wieder genesenen Ebert das Mittelfeld bilden dürfte. Vorne stünde dann, ganz alleine, André Lima.

Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass Lucien Favre in den letzten Tagen ein bisschen Malik Fathi hinterhertrauert. Der zweimalige Nationalspieler könnte das Loch, das Steve von Bergen hinterlässt, stopfen und Hertha so wieder mit der Dreierkette auflaufen, mit der die Mannschaft zu Rückrundenbeginn sechs Spiele ohne Niederlage blieb. Doch Fathi spielt und trainiert mittlerweile in Moskau. Die vier Millionen Euro Ablöse liegen auf Herthas Transferkonto und warten darauf, in neue Spieler investiert zu werden. Wenn Hertha gegen Bochum nicht punktet, könnte es allerdings sein, dass diese vier Millionen viel mehr wert sind, als es zunächst den Anschein hat. Denn das Restprogramm der Berliner ist alles andere als einfach und bei derzeit nur sieben Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone, kann es (z.B. durch Niederlagen gegen den HSV, in Leverkusen und in München) ganz schnell ganz eng werden. Gegen Bochum, wie auch in Hannover, gegen den KSC und den 1. FC Nürnberg entscheidet sich Herthas Zukunft. Sollte die Mannschaft diese Spiele, aus welchen Gründen auch immer - Pech, Unvermögen, noch mehr Verletzungen oder Sperren usw. - verlieren, dann werden Fathis vier Millionen möglicherweise gebraucht, um die Lizenz für die Zweite Liga zu sichern. Bei immer noch über 30 Millionen Euro Schulden ein absolutes Horrorszenario.

Es könnte abgewendet werden. Mit einem Sieg in Bochum und dem damit verbundenen Gewinn an Selbstvertrauen. Auf geht’s Hertha. Kämpfen und siegen!