
Briefwechsel Teil 2
Juni 19, 2008Meine Antwort auf Patricks Brief rechts in der Leiste oder HIER!

Soeben erreicht mich ein Brief eines in Berlin lebenden Freundes. Patricks Blog findet ihr in der Blogroll oder HIER. In Zukunft ist der Briefwechsel rechts in der Navigation (unter Seiten->Briefwechsel) zu finden. Zunächst einmal die Einleitung zu dem, was wir die nächsten Wochen vor haben und im Anschluss Patricks literarisch-sportlicher “Erguss”:
Schluss mit lustig!
Die EM begeistert ganz Europa. Zeit die Tabuthemen anzusprechen. Es ist Zeit für Klartext. In einem regelmäßigen Mailwechsel, werden die beiden Blogger Daniel und Patrick sich einen literarischen Schlagabtausch liefern. Dabei veröffentlicht Daniel Patricks Texte in seinem Kabinenpredigt-Blog und Patrick Daniels Antworten wiederum in seinem Lapidarium-Blog. Völlig objektiv und gänzlich unpersönlich. Das versteht sich von selbst!
Hochverehrter Kollege, lieber Freund!
Die Fußball Europameisterschaft ist bereits im vollem Gange. Die Gruppenphase neigt sich ihrem Ende zu und ich bekomme endlich die Gelegenheit mich an Ihnen zu rächen. Unverschämterweise haben Sie mir vor zwei Jahren ein Geschenk aus reiner Boshaftigkeit und Hinterlist gemacht. Erinnern Sie sich noch? Das Büchlein mit dem beschämenden Titel „Fußball – Deutsch / Deutsch Fußball“ eines sehr bekannten und großen Wörterbuchherstellers sollte wohl mit voller Wucht auf eine von Ihnen bei mir diagnostizierte Fußballunfähigkeit hinweisen. Wie konnten Sie nur! Nicht genug, dass sich das Buch über jeden Leser auf fast schon perfide Weise lustig macht und Begriffe wie „Chancentod“, „Kopfball“ oder auch „rund“ erklärt, nein, weiter versucht der ziemlich bekannte Verfasser des Buches Fußball und Comedy zusammen zu bringen. Da hört der Spaß bei mir auf. Fußball ist kein Spiel, Fußball ist ernst, so hat es neulich sogar ein bekannter Theaterwissenschaftler formuliert. Wie könnte man auch etwas anderes behaupten, wenn man in Joachim „Jogi“ Löws Gesicht blickt? Der Kroatienkrimi letzten Donnerstag hat diesem grundsympathischen Typen den letzten Funken an Humor und Freude, so scheint es zumindest, geraubt. So wie mir Ihr Geschenk das letzte Selbstvertrauen zum Thema Fußball geraubt hat. Sie haben richtig gelesen, ich vergleiche mich gerade mit dem Trainer der deutschen Nationalmannschaft, wenn auch mehr emotional als irgendwie anders. Aber wie gesagt, es ist Zeit sich an Ihnen mein Freund zu rächen.
Wissen Sie, werter Freund, wieso die Amerikaner dem Fußball, oder Soccer wie sie es bezeichnen, so ablehnend und unwissend gegenüber stehen? So, dass nicht einmal die renommierte New York Times wirklich ernsthaft von der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz berichtet (außer einem kleinen lächerlichen Soccer-Blog)? Die Antwort gab jüngst in einem Interview der ehemalige Teamchef der Nationalmannschaft Jürgen Klinsmann. Fußball sei nämlich ein „players game“, ein Spiel also, welches fast ausschließlich von den Spielern entschieden wird. Doch die meisten Amerikaner sind Fans der sogenannten „coaches games“, wie zum Beispiel „Football“, „Baseball“ oder auch „Basketball“. Spiele, die von Trainern und Taktiken bestimmt und dominiert werden. Spiele, die sich durch schnellen Wechsel von Offensive und Defensive auszeichnen und kein Auswechsellimit aufweisen. Europa scheint da etwas anders gestrickt und sozialisiert worden zu sein.
Wie sonst ist die Dominanz des Fußballs zu erklären? Fußball soll trotz seines stark individualistischen Ansatzes auch integrativ wirksam gemacht werden. Fußball ist daher nur zum Teil ein wirklicher Teamsport. Mittlerweile will die Kultusministerkonferenz (KMK), Fußball als Migrationsgrenzen übergreifendes Schulinstrument in den deutschen Schulunterricht effektiver einbinden. Denn Fußball, so die Theorie soll sich perfekt dazu eignen, Mathekenntnisse zu vermitteln. Sie erlauben, dass ich meine berechtigten Zweifel an dieser These äußere und mich der weiteren Popularisierung dieser Sportart verwehre. Andere haben es da viel nötiger. Doch Fußball, so die Mitglieder der KMK weiter, lässt soziale Schranken verschwinden. Der arme Junge mit Migrationshintergrund bekommt als „nur“ im Fußball die Möglichkeit von seinen anderen Lernschwächen abzulenken, zu punkten, außerdem zählen auf dem Platz keine Markenklamotten und andere Accessoires. Alle sind gleich und tun sich nur durch die individuellen Fähigkeiten zum Wohle der Gemeinschaft (also des Team) hervor. Was für ein marxistischer Ansatz! Ich frage Sie, was soll das? Sieht denn hier niemand den weißen, dicken, Brille tragenden und von allen möglichen Allergien geplagten Jungen in der Abwehr stehen? Was ist mit den weniger talentierten? Was ist mit denen, die für diesen Sport völlig ungeeignete Voraussetzungen mitbringen. Fußball erscheint hier doch nicht mehr als integrativer Bestandteil einer Gesellschaft oder eines Bildungssystems, sondern als ein vollständig autarkes Klassensystem.
Fußball ist ernst schon klar, aber ein wenig Distanz und vor allem ein bisschen De-emotionalisierung würde uns allen gut tun. Vor allem den Kollegen und Kolleginnen aus der mächtigen Welt der Sportberichterstattung. Wieso dominiert alle Fußballberichte immer ein latenter militaristischer Ton. Ich muss Ihnen doch jetzt nicht wirklich Beispiele nennen, oder? Ich mache es trotzdem. Kaum ein Artikel der nicht ohne die Begriffe, wie „Schlacht“, „Kampf“, „Kameraden“, „aufmarschieren“ etc. auskommt. Nur noch der Wetterbericht bedient sich häufiger diesem Jargon („bomben Wetter“). Es reicht! Fußball ist ernst, schon klar und trotzdem solle man doch bitte wenigstens diesem Kriegswortschatz „lebe wohl“ sagen. Hans Meyer hat mal gesagt: „Fußball ist auf dem Platz.“ Wie könnte ich dem widersprechen! Auf dem Platz, dort wird gespielt. Fußball ist im besten Sinne seiner Definition ein Spiel und der kriegerische Alltag hat hier doch nun wirklich nichts zu suchen.
Auch das steht nicht in dem Geschenk, dass Sie mir in einem kleinen Anfall von Böswilligkeit vor zwei Jahren gemacht haben. Aber ich bin nicht nachtragend.
Denken sie an ihren pazifistischen Freund, Patrick.

Aus Zeitmangel greife ich heute mal auf einen Korrespondenten zurück. Christian, dessen Blog ihr auch in meiner Blogroll findet, hat mit Fußball eigentlich nichts am Hut. Macht aber nichts. Wie man sieht und danach hört:
„2008 findet nicht nur die Fußball-EM statt - es ist auch das Jahr der Mathematik. Passt das zusammen? “Ja”, sagt Mathe-Professor Hans-Georg Weigand von der Uni Würzburg, “diese beiden Disziplinen haben mehr gemeinsam, als man denkt!”
In Dortmund hat er einen Vortrag zum Thema gehalten und dabei eine seiner Erkenntnisse präsentiert: Deutschland kommt zu 73 Prozent ins EM-Viertelfinale. Mit dabei war auch Ex-BVB-Profi Knut Reinhardt und so traf an diesem Abend geballtes Mathewissen auf Fußballerfahrung, Theorie auf Praxis.
Eldoradio*-Reporter Christian Spöcker hat nachgehakt, welche Rolle Mathe tatsächlich in der Welt der Ballkünste spielt.”
Weil mein Audio-Player spinnt: Bitte hier klicken!

Ok, normalerweise überlaste ich meine Leser nicht mit zwei Posts am Tag
Schon gar nicht, wenn es gleich zweimal nicht um Fußball geht. Aber das was ich gerade auf Youtube gesehen habe, ist zu krass, um es unerwähnt zu lassen. Auf seiner Youtube-Seite schreibt dieser Typ allen Ernstes:
“I am still very much an amateur. I don’t have very much training and i have a lot to learn.”
Na, dann wollen wir doch mal sehen…und bleibt auf jeden Fall dran, bis der weibliche Teil kommt!!

Sehr nettes Tool, was SpiegelOnline da hat, um herauszufinden, welchem Präsidentschaftskandidaten der USA man inhaltlich am nächsten steht. Das ist mein Ergebnis:


Als ich am Donnerstag im Zug nach Berlin saß, gingen mir einige Gedanken durch den Kopf. Was wäre zum Beispiel, wenn ich mir diesen Zug nicht hätte leisten können? Oder die GDL über Weihnachten und Neujahr streiken würde? Oder irgendein anderer Schicksalsschlag ein Weihnachten zu Hause verhindert hätte? Es ist alles gut gegangen, ich bin ohne Probleme nach Hause gekommen. Als ich dann heute auf spiegelonline gelesen habe, wie es einigen Bahnfahrern 2002 ergangen ist, musste ich schon schlucken. Aber lest es euch am besten selber durch.

H&M = 7,50 €
Thalia = 24,95 €
Karstadt = 15,99 € + 7,99 € + 2 €
Hertha-Fanshop = 6,71 €
MediMax = 17,99 €
NanuNana = 12,95 €
Domäne = 5,99 € + 3,99 € + 3,99 €
—————————————–
110,05 €.
Damit lieg ich immer noch weit unter dem Durchschnitt von mehr als 300 Euro. Wie is das bei euch so?

Während ich in der Uni Bibliothek sitze und mir Gedanken darüber mache, wie mein zukünftiges Leben aussehen soll, peitscht der Wind draußen die Äste der Bäume gegen die Scheiben. Es regnet nicht. Noch nicht. In mir drin ist es ähnlich. Es regnet zwar nicht, aber alles ist in Bewegung. Das hat ja auch schon dieser Heraklit gesagt: Alles ist ständig in Bewegung. Dabei bräuchte ich im Moment eigentlich mal etwas Ruhe.
Es ist viel passiert in den letzten Wochen. Ich habe jemandem wehgetan, der es nicht verdient hatte, so behandelt zu werden. Ich habe an meinen Entscheidungen gezweifelt, tue das immer noch und während all das in mir vorgeht, zieht das normale Leben an mir vorbei. Es zieht in einer Geschwindigkeit vorbei, die ich nicht begreifen kann. Man kennt diese Einstellung aus Filmen, wenn der Protagonist in der Stadt steht und hunderte von Menschen im Zeitraffer an ihm vorbeigehen. Für ihn sind es nur Sekunden. Für den Rest der Welt Tage und Wochen.
Während ich das schreibe, ist die Stunde, die ich mir für diesen Beitrag gegeben habe, schon wieder rum. Das liegt allerdings ausnahmsweise nicht an meinem Gemütszustand, sondern vor allem an den Ablenkungsmöglichkeiten im Netz. Noch so ein Faktor, der alles schneller macht. Vor allem natürlich Kommunikation. Früher brauchten die Menschen Tage, manchmal Wochen um Nachrichten von einem Punkt zu einem anderen zu bringen. Heute sind es Sekunden. Alles dreht sich immer schneller und niemand bleibt mal stehen und brüllt: HALT!
Ich glaube, ich habe grade entschieden, ein Buch zu schreiben. In aller Ruhe. Einen Titel habe ich noch nicht. Aber mein Gehirn ist schon wieder in Bewegung. Wie alles auf dieser Welt.

Liebe Bib,
vielen Dank, dass du für mich da bist. Ohne dich wäre das, was ich hier grade tue, gar nicht möglich. Du bist mein Tor in die weite Welt da draußen, wenn mir die Kleinstadtwelt in Dortmund mal wieder zu eng wird. Du weißt außerdem eine ganze Menge und hast jederzeit die klügsten Köpfe der Welt zu Gast. Das imponiert mir und es ist ja auch nicht so schlecht, wenn man jederzeit auf einen Aristoteles, Büchner oder Sartre zurückgreifen kann (an alle Schlaumeier: die Auswahl war absolut willkürlich).
Du bist auch immer sehr warm zu mir, was wohl hauptsächlich an deiner tollen Zentralheizung liegt, die es bei dir selbst bei eisiger Kälte und durchtriefenden Regenwetter flauschig warm sein lässt. Wenn man bei dir vorbeikommt, lässt du einen Ruhe oder soll man sagen, die Ruhe ist bei dir zu Hause? Jedenfalls gelingt es mir bei dir jedes Mal vom schnelllebigen Geschäft da draußen abzuschalten und herunterzukommen.
Das wollte ich dir nur mal sagen, liebe Bib. Schade, dass du jeden Tag schon um acht deinen Schlaf brauchst. Aber da der Busfahrer, der von der Uni direkt zu mir nach Hause fährt, ohnehin das letzte Mal bereits um 19.45 Uhr bei dir vorbeifährt, könnte ich ohnehin nicht länger auf einem deiner Stühle sitzen und mit der Welt da draußen kommunizieren. Was wiederum toll ist, ist, dass man deine Gäste mitnehmen kann. Das machen auch sehr viele hier in Dortmund, was oftmals dazu führt, dass der, den man grade so richtig gut gebrauchen könnte, partout nicht aufzufinden ist. So ist es halt bei so vielen Gästen, die du jeden Tag beherbergst.
Im Namen aller die dich so gerne besuchen wie ich, wollte ich nur mal Danke sagen. Danke liebe Bib.

Was für ein Tag! Eigentlich wollte ich heute morgen mal so richtig ausschlafen, da mein erster Termin erst um 16.00 Uhr stattfindet. Doch schon um 8.30 Uhr klingelte mein Handy.
“Hallo, hier T&T, ich hab hier zwei Pakete für sie…”
“Paket?….”
KLOINK
“Achso…ja KLAR, einen Moment, ich bin sofort draußen!!!”
Ich warf mir schnell die Jacke über und war wenige Sekunden später vor der Tür. Da stand er, der Mann mit den beiden Paketen.
“Eigentlich hatte ich frühestens am Freitag mit ihnen gerechnet…”
“Tja, ich weiß zwar nicht was da drin ist, aber die haben mir gesagt, das hat Priorität…”
ICH wusste, was da drin war. Mein neues MacBook zusammen mit meinem neuen IPod. Ihr liegt nicht falsch, wenn ihr vermutet, dass das für mich ein vorgezogenes Weihnachten war. Wie ein Kind rannte ich auf mein Zimmer, riss die Pakete auf und freute mich für mein Leben…
Von diesem Laptop schreibe ich diesen ersten Beitrag, was bisher von den Bibliotheks-PC’s nicht mögich war. Jetzt bin ich aber wieder zurück. In alter Frische. Und mit einem Mac im Gepäck
Let’s rock!